BREITENBACH


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24. Jun 2008

Brainlinks 24/06/08

Was sich alles durch Multi-Touch-Navigation ändern wird.

Gibt es ein Universum, in dem die Zeit rückwärts laufen muss? Also gemäß: Wo rein, da auch immer raus?

Vorhang auf: Zukunftsvisionen (jeweils 60-minütige Doku) der BBC Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

15. Jun 2008

Re: Angst

Eine mögliche Antwort auf den Blogeintrag “Angst” bei Rebell ohne Markt:

Es gibt ein Ungleichgewicht der Angst in diesem Land. Man muss überlegen, wie man die Angst dorthin zurückträgt, wo sie herkommt.

Angst allein kann nicht nur von “außen” entstehen, weil es kein “außen” im System gibt. Angst braucht immer auch Rezeptoren. Unsere materiell geprägte Kultur, der durch Industrialisierung und Technologisierung bedingte Verlust von alten spirituellen Strömungen lässt uns in einem Meer aus Ungewissheit und Orientierungslosigkeit treiben. Wir glauben nicht mehr an Gott, aber wir sehnen und nach einem. Die Wissenschaft hat uns lange Zeit verboten, einen zu haben. Wir wissen heute nicht nur keine Antworten auf die existenziellen Fragen, wir stellen sie meist gar nicht mehr, sondern verharren im ewigen Ego-Zustand auf einem der beiden Pole: Gut oder böse - böse oder gut.

Angst kann zwar gestreut werden, jedoch muss sie auch zugelassen werden, damit sie überhaupt andocken kann. Angst entsteht durch die Aktivierung der wichtigsten “Programme” im menschlichen Denken, die da lauten: Tod (also Ichverlust und Verlust von anderen “Ichs” die das eigene Ich bilden), Verlust von materiellen Besitztümern (Armut) und Ausgrenzung aus der Gesellschaft (Verrücktheit). Diese Wegweiser zwingen uns ständig dazu dem Einfluss von angstschürenden Dingen nachzugeben, sich dem allgemeingültigen Bild dieser Gesellschaft, also den Normen, anzupassen. Sie sind die Rezeptoren für Angst.

Die Angst ist auf der Seite der Wehrlosen, sie ist nicht auf der Seite der Korrupten und derer, die Wanzen verstecken, Angst ist ein Instrument, gegen das es keine gesetzlichen Regelungen gibt, und die Frage, die sich mir stellt, ist eigentlich ganz einfach: Wie bleibt man legal, und produziert trotzdem Angst auf der anderen Seite, und zwar so, dass eine Abwehr mit Typen wie dem oben genannten schwer wird?

Wer Angst sät, wird auch immer wieder Angst ernten. Die Lösung kann also immer nur die bewusste Vermeidung der Aussendung von Angst sein, denn wenn wir begreifen, dass die böse Seite von sich selbst denkt, dass sie zu den “Guten” gehören, wird uns sehr schnell klar, dass wir mehr gemeinsam haben, als wir bisher dachten. Beide Seiten, egal ob subjektiv als “gut” oder “böse” eingestuft, haben Angst davor etwas von ihrer Existenz und allem was da an materiellen Dingen dazugehört abzugeben. Das gegenseitige Angstmachen, schürt doch gerade die Gewalt im gesamten System. Angst einflößen impliziert auf der anderen Seite genau das gleiche Verlangen, nämlich “Angst um Angst” zurückzuschlagen.

Angst ist also das falsche Mittel. Die Frage lautet also eher, wie gehen wir mit “denen auf der anderen Seite” um? Wie kommunizieren wir mit “ihnen” - wollen wir das überhaupt? Wollen “wir” in Ruhe gelassen werden oder lieber permanent rekrutieren und “andere” überzeugen. Wollen “wir” Recht besitzen oder uns den “anderen” annähren. Soll es dauerhaft Krieg oder Frieden sein?

Kann es sowas wie weissen Angstismus, Terrorismus geben?

Wir befinden uns ja gerade mittendrin. Wir halten es alle am Leben. Wir ernähren Terror durch die Streuung und Akzeptanz von Ängsten. Ohne Angst gäbe es gar keinen Kampf gegen den Terror bzw. den Terror als solchen. Terrorismus ist ein von uns selbst erschaffener, zum großen Teil gedanklich konstruierter Leviathan. Wieviele Menschen sind denn unmittelbar körperlich vom Terror bedroht und wieviele Menschen fühlen sich nur rein gedanklich vom Terror bedroht? Durch die weltweiten Kanäle der Medien gelangen die Konflikte der “restlichen” Welt direkt und in High-Def mitten in unser kuscheliges Wohnzimmer. Die Couch wird zum Kriegsschauplatz und gleichzeitig zum terroristischen Ziel. Dabei werden wir von den Medien tagtäglich dazu angehalten, zu wovor wir uns zu fürchten und was wir gefälligst zu hassen haben. Das ist der Motor des Systems Terror.

Ein Naturvolk im brasilianischen Regenwald, kennt bzw. kannte Terror einfach nicht in dem Maße, wie wir ihn definieren. Es hat jedenfalls keinerlei Vorstellung von “unserem Terrorismus”, geschweige denn von explodierenden Wolkenkratzern. Es weiß weder etwas vom Nahostkonflikt, noch etwas von schwindenen Ressourcen. Es hat keine Ahnung von rivalisierenden Religionen oder politischen Ansichten, geschweige denn von ausgebeuteten oder nutznießenden Staaten. Darüber sollte man mal einen Moment nachdenken, denn dann wird einem schnell bewusst, wie flexibel eine Weltanschauung eigentlich ist und dass die Strukturen doch nicht so verkrustet sind, wie man oftmals annimmt.

Was kann das Individuum gegen das System und seine Organisationen tun, wenn der Staat sich nicht mehr dem Bürger, sondern dem halbverstaatlichten Beziehungskomplex mit seinen Lobbyisten, Vertretern und Verwaltern verpflichtet fühlt?

Wir sind alle Teil des “Systems”, wir konstruieren es täglich mit und es verändert sich nicht, solange wir es “füttern” durch entsprechende Denkweisen und Handlungen. Wir halten die Nicht-Veränderung am Leben. Ein System ändert sich ständig, nur durch unser Zutun bleibt es starr und unbeweglich. Wenn wir etwas ändern wollen, so muss es jeder einzelne für sich tun. Das “Kollektiv”, also das Volk, der Staat oder die Gesellschaft entsteht durch die Gesamtheit aller vorhandenen Lebens- und Denkeinstellungen.

Die klassischen Medien, insbesondere das Fernsehen ist zu unserem gesellschaftlichem Hauptvorbild geworden. Großfamilienstrukturen lösten sich auf, Anonymität auf der realen Ebene macht sich breit und wir kommunizieren fast nur noch per Bande, also über die Medien. Film- und Serienfiguren sind unsere Vorbilder geworden. Ihren Lebenstil kopieren so viele Menschen. Nachrichten sind zum Alleinwissen mutiert. Die kurzen bunt geschnittenen Clips suggerieren uns, wie die Welt funktioniert bzw. zu funktionieren hat. Shows nehmen uns die Langeweile, weil wir in den Kandidaten uns selbst suchen und uns an ihnen orientieren. Doku-Soaps, meist inszeniert und verfälscht zusammengeschnitten, sollen uns ein Bild über unsere eigene Gesellschaft wiedergeben und wir hinterfragen es nicht. In einer medialen Welt, in dem die Kanäle zu “Programmen” in unserem Kopf werden, können wir nur reagieren, indem wir uns dessen bewusst werden. Das ist der erste wichtige Schritt. Sich Bewusstwerden, was wir täglich konsumieren und welchen Einfluss es auf unsere Psyche, auf unser Denken ausübt.

Vielleicht liegt die Lösung in der intensiven Aufklärung, in der Untersuchung nach stark wirkenden, tatsächlich aber schwachen und verletzlichen Punkten im System. Man muss lernen, was Angst ist, wie sie entsteht und wie sie wirkt. Jeder hat Angst.

Die Lösung liegt nur in der Bewusstmachung von Angst, nicht in der Suche nach Schwachstellen des sogenannten “Feindes”. Denn sonst befindet man sich wieder mittendrin im Spiel des Kollektivs, also des ewigen Kampfes um das eigene Selbstbild aufrechtzuerhalten, das da lautet: Du bist böse und ich bin gut. Die Antwort lautet aber eher: Wir sind.

Wir sind eine Spezies, die gerade einmal ein paar Generationen zwischen sich und friedlich lebenden Primaten hat, die aber heute schon emsig Smartphones bedienen können. Wir sind aber auf der Schwelle zu einer neuen Evolutionsstufe, die rein geistig abläuft, indem wir durch die Vernetzung von Informationen, Wissen und der Chance andere Kulturen kennen- und schätzen zu lernen, uns in einem größeren Kontext vorstellen können. Erst wenn wir uns diesem großen Kontext bewusst werden, also den gemeinsamen Wurzeln der Menschen (die berühmte Ursuppe), erst dann können wir ein Ziel setzen, ob wir weiterhin gegeneinander kämpfen möchten, oder ob wir endlich einmal damit beginnen an einem Strang zu ziehen und das Leben zu konstruieren, wie es im Grunde genommen jeder Mensch für sich selbst und seine Nachkommen wünscht: Ein Leben in Frieden, Harmonie und reiner Glückseligkeit. Es ist alles im Überfluss da. Wir müssen nur lernen es miteinander zu teilen.

Die Antwort kann nicht sein, die Iren rauszuschmeissen, die Antwort muss sein, dem System noch mehr Gegenangst zu machen.

Wenn man mal begriffen hat, dass man gar nicht außerhalb des Systems existieren kann, sondern immer Teil dessen ist, dann wird man auch sehr schnell begreifen, dass man durch Angst verbreiten auch wieder Angst kassieren wird. Eine Befreiuung kann niemals gewaltsam geschehen, denn es mündet immer wieder in einer Gefangenschaft. Eine Befreiuung kann erst dann geschehen, wenn wir allen ihre Freiheit zusprechen. Angst kann man nie bekämpfen, Angst kann man höchstens integrieren und damit weniger zum Bestimmer des eigenen Lebens machen.

12. Jun 2008

Kanadas Verantwortung

Während in anderen Ländern ohne Rücksichtnahme auf die Rechte vieler Menschen das turbokapitalistische System bei Laune gehalten wird und im Spiegelartikel der Printausgabe 23/08 manche deutsche Unternehmer das autokratische System Chinas oder Russlands in den höchsten Tönen loben (”Autokratische Regime haben eindeutig Effizienzvorteile”), fasst sich Kanada nach hundert Jahren Kulturmord an den Inuit und Meti, also den Ureinwohner des heutigen Kanadas, ein Herz und entschuldigt sich aufrichtig und hochoffiziell im Parlament. (SPON war übrigens einer von drei großen Medien im Netz, die dieses Thema bisher gebracht haben) Für Politiker eigentlich ein eher ungewöhnlicher Akt, denn Regierungschef Harper hat die volle Verantwortung für die Zwangsinternierung von hunderttausenden Kindern in staatliche und von christlichen Organisationen getragene Umerziehungsinternate übernommen. Die darin häufig vorkommende Gewalt und der sexuelle Mißbrauch war in Harpers Stellungnahme übrigens auch mit inbegriffen.

In Deutschland warten einige Opfer der Heimerziehung während der Nachkriegszeit übrigens immer noch vergebens auf eine Entschuldigung oder überhaupt eine Stellungnahme des Staates oder den großen kirchlichen Trägern. Es ist natürlich nur bedingt mit der Situation der kanadischen Ureinwohner vergleichbar, dennoch mussten auch sie in der Vergangenheit ein ähnliches Schicksal in ihrer letzten Konsequenz erdulden. Die kleinen Seelen wurden von ihrem Ursprung entfernt und mit Züchtigung im Auftrag des Herrn (Staat oder Gott) zerbrochen, Mißbrauch und Gewalt unter den Heimbewohnern wurde geduldet und zum Teil gefördert. Die sogenannte “schwarze Pädagogik” hat Teile der KZs und Arbeitslager einfach in ihr pädagogisches Konzept übernommen, vielleicht fällt gerade deshalb der heutige Gang nach Canossa so schwer!? 

Das Schlimmste für die damaligen Opfer ist jedoch die ewige Leugnung der Täter bzw. der Verantwortlichen. So fühlen sich die Opfer von damals auch heute nach über 30 Jahren noch immer als kleine verlogene Rotzblagen, die Staat & Kirche vom Pfad der Verwahrlosung hat retten können. In Deutschland und vor allem bei den christlichen Gemeinschaften scheint man noch nicht bereit zu sein Verantwortung zu übernehmen, Fehler einzugestehen und den Seelen der Opfer endlich den Frieden zu schenken, den sie verdient haben. Nächstenliebe bleibt also weiterhin nur ein leicht durchschaubares Lippenbekenntnis oder wird nur dann praktiziert, wenn der Druck entsprechend durch mediale Aufmerksamkeit erhöht wird.

Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass Menschen endlich Verantwortung für sich und ihre Vergangenheit übernehmen - auch im Kleinen, so wie es Kanadas Premier symbolisch für eine ganze Nation getan hat. Erst dann ist ein weiterer gemeinsamer Schritt nach vorne möglich. Es geht nicht nur darum Wiedergutmachung herzustellen (einige Dinge kann man nicht wiedergutmachen), es geht darum mit der Vergangenheit abzuschließen, sie aber nicht auszugrenzen. Der Vergangenheit einen richtigen und wichtigen Platz in der Volksseele zuzuweisen, denn auch die schrecklichen Dinge gehören dazu, sie lassen sich weder verdrängen noch freikaufen. Erst das Übernehmen der Verantwortung, die Anerkennung des Leids der Opfer, führt ein Staat hinaus aus der barbarischen Vergangenheit, denn die Opfer und ihre folgenden Generationen finden dadurch erst ihren Frieden. Solange das nicht geschieht, werden solche Konflikte auch weiterhin jahrhundertelang unter der Oberfläche schwelen und entsprechenden Auswirkungen zeigen.

10. Jun 2008

“Hartz 4 Dynastien”

Abgesehen von der völlig falschen Bedeutung ist dieser Begriff derzeit ein polemischer Leckerbissen, den Politiker aller Couleur gerne mal in den Mund nehmen. Ursprünglich möchten sie damit wohl ausdrücken, dass in ihren Augen Armut, asoziales Verhalten, Faulheit und staatliches Schmarotzertum praktisch vererbbar ist. Dynastien an sich werden zwar eigentlich nur in Verbindung gebracht mit mächtigen und einflussreichen Familienbanden, aber vielleicht ist das bewusste Gegenteil ja gerade die polemisch-ironische Würze für die sowieso sonst so faden Verbalsüppchen der deutschen Politiker.

Wie in jeder Überzeichnung, jedem Klischee und jeder Polemik steckt natürlich auch in dieser Sache ein realistischer Kern. Fakt ist, dass sich große Teile der Verhaltensweisen innerhalb enger sozialer Gefüge natürlich wieder von der folgenden Generation übernommen wird. Sie kennen ja selten anderes Verhalten, welches sie imitieren könnten. Qualmt die ganze Familie, so ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass auch der Nachwuchs gerne mal zum Glimmstengel greift. Vertreten die Eltern offensiv nach außen, dass sich der Staat verdammt nochmal zu kümmern hat und dass sie mit Stütze besser wegkommen, als für sich für einen Euro pro Stunde abzuplagen, so werden die Kinder das unverblümt nachplappern und -eifern. Sind die Ausländer an allem Schuld, rauben sie uns den Job, Erfolg, ja einfach alles, so werden die Kinder der Vorurteilsschleuder sicherlich nicht unbedingt ihr Meinungsbild um 180 Grad wenden. Es sei denn…

Ja es sei denn, die Politik bekommt endlich mal ihren lobbyistengeleckten Hintern hoch und fängt an über die Polemik hinaus zu denken und endlich die komplette Sozialpolitik zu reformieren. Wenn es den Politikern also scheinbar schon bewusst ist, wie sich Vorbilder auf die kommenden Generationen auswirken, dann frage mich mich allen Ernstes, wieso sie alles dafür tun, damit das auch in Zukunft so bleibt wie es ist?!

Man muss nur einen Blick auf die erste offizielle Stufe des Bildungs- und Erziehungssystems werfen (gibt auch Vorstufen die aber nicht in unserem Bewusstsein verankert sind, zum Beispiel Hebammenbetreuung etc.) um festzustellen, wo das Schlamassel seinen Anfang nimmt. Beginnen wir bei den Kindergärten. Es ist heute völlig normal, dass sich zwei Erzieher um 27+ Kinder tagtäglich kümmern müssen. 27 Kinder, so ungefähr der Durchschnitt bzw. keine Seltenheit, im Alter von 2 bis 6 Jahre. Zwei Erzieher sollen 27 Kinder den sozialen Umgang miteinander beibringen, dabei super relaxed sein und dafür sorgen, dass sie optimal auf die Schule vorbereitet werden. Habt ihr schonmal einen Pulk von 27 Kleinkindern erlebt? Also ungefähr vergleichbar mit der Bändigung eines Aufsichtsrates - nur eben nicht ganz so gut bezahlt.

Da fängt es doch im Grunde an. An solchen markanten Institutionen kann man eine Gesellschaft messen. Dort kann man die Ernsthaftigkeit zur Lösung sozialer Probleme sofort erkennen - oder eben nicht. Hier könnte man langfristig in eine funktionierende, harmonische Gesellschaft investieren. Hier könnte man einer Gesellschaft von Grund auf beibringen, wie man die jeweiligen Stärken und Schwächen gegenseitig ausbalanciert. Es müsste theoretisch niemand mehr aufgrund seines Backgroundes in der zugeschriebenen Rolle verweilen. Und es ist einfach falsch, dass Eltern aus sogenannten “asozialen Milieus” ihre Kinder weniger lieben. Das stimmt nicht. Liebe zum eigenen Genpool ist einer der wenigen Dinge, die jeder hier auf Erden irgendwie miteinander gemeinsam hat. Diese Eltern sind nur einfach sehr viel schneller überfordert, weil sie ihr eigenes Leben nicht im Griff haben. Diese Eltern sind keine Monster. Im Gegenteil, es sind die tragischsten Figuren, die man sich nur vorstellen kann. Zerrissen zwischen den eigenen Problemen und der scheinbaren Unfähigkeit für den eigenen Nachwuchs zu sorgen.

Diese (und eigentlich natürlich alle) Eltern wären jedenfalls sehr dankbar, wenn ihre Kinder ein besseres Leben hätten, wenn sie gefördert würden, integriert würden. Das funktioniert aber auch nur, solange sich die Eltern dabei nicht ausgegrenzt fühlen. Es darf nicht ein Wechsel “auf die andere Seite” erfolgen oder ein Bruch mit der Familie, sondern es muss eine ganzheitliche pädagogische Arbeit erfolgen in der gesamten Familie. Es müssen Freizeitangebote und Zukunftsperspektiven geschaffen werden. Es müssen Alternativen zu Fernsehen, Kippen und Alkohol geboten werden. Es muss therapeutisch gearbeitet werden, ohne den Zeigefinger oder die Bildschlagzeile auszupacken.

Ja, das kostet Geld, aber sicherlich lohnt sich dieser Ansatz tatsächlich für die gesamte Gesellschaft. Also auch für diejenigen, die diese Situation zugleich ignorieren, belächeln, verabscheuen oder von ihr bedroht werden (meist wirklich alles zugleich). Es wird mehr Hoffnung, mehr Zuversicht, mehr Motivation und weniger Gewalt, Kriminalität und “asoziales Verhalten” geben. Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach, es wird weiterhin das geerntet, was auch gesäät wird, die Fragen dazu lauten also: Warum ist dafür kein Geld da? Wer profitiert davon, dass alles so bleibt wie es ist? Was müsste sich ändern, damit wir dieses System endlich anders anpacken?

Die eigentliche Armut liegt also ganz woanders in diesem Land.

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