BREITENBACH


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11. Sep 2009

Das Stückchen vom Danach - Was Journalisten und Verlage jetzt manifestieren könnten

Prolog
Das hier ist für die Journalisten, die sich m.E. wirklich einen Kopf darum machen, wie es in ihrer Branche weitergeht. (Bei dem Rest bin ich einfach weniger ein Fan, hab also weniger Vertrauen oder Bezug).

Ich hatte jedenfalls allen Manifest-Autoren (allein für den Generalverdacht müsste ich mich ohrfeigen) etwas unterstellt, was ich so mittlerweile nicht mehr vertreten kann. Ich glaube ernsthaft (bei einigen jedenfalls) an den Wunsch und den Drang nach echter Veränderung. Ich entdecke sehr viel Herzblut, gerade in ihren vereinzelten, unheimlich stark emotionsgeladenen Reaktionen, durch die (wichtige) kontroverse Diskussionen in den letzten Tagen. An der Stelle gebe ich also unumwunden zu, dass ich mich getäuscht habe und für meinen Teil überzogen und unbedacht im Pöblermodus (sicherlich nicht in alter Werbebloggermanier) reagiert habe. Vielleicht, weil ich tatsächlich mich wie tausend anderer Internetnutzer außen vor gefühlt habe, weil ich, wie viele andere, gedacht habe, dass man Teil von einer neuen Bewegung sei, die die Dinge mit und durch das Internet gemeinsam verändern kann. Und natürlich können wir das. Wie gesagt, wir brauchen das nicht IM Manifest zu tun, aber das Manifest war sicherlich ein starkes Momentum. Daher war der persönliche Frust völlig unangemessen, zumal für die Beurteilung von Menschen und ihren Motiven, das wäre bzw. ist einfach nur anmaßend. Daher möchte ich mich zwar nicht unbedingt entschuldigen, für das was ich “damals” gedacht habe (denn es war authentisch), sondern vielmehr will ich auch weiterhin üben, was ich in Zukunft sein will: Konstruktiv, respektvoll, offen und multiperspektivisch Denken und Handeln.

In diesem Sinne versuche ich erneut konstruktive Lösungswege für die Zukunft des Journalismus, dem Umgang mit dem Internet und den neuen Geschäftsmodellen von Verlagen zu skizzieren. Ich versuche das Manifest, als Anstoß zur Debatte, um einige konkrete Ansätze zu ergänzen. Vielleicht sind sie absoluter Humbug und völliger Quatsch. Aber dann bitte ich wenigstens darum, es als solchen (inkl. Begründung) deutlich zu deklarieren, so dass ich nicht ständig in Versuchung gerate, mir immer weitere Schwachsinnsgedanken darum zu machen. Ich verlange nicht viel, sondern wie wir alle, nur ein wenig Aufmerksamkeit (ich weiß, ein rares Gut ur Zeit) und Feedback für ein paar mühevoll formulierte Gedanken. Danke.

Grundthese: Wir lechzen nach Vertrauen
Je komplexer die Welt, desto einfacher wollen wir sie begreifen, desto mehr Vertrauen müssen wir investieren. Die Flut von Informationen erfordert einen wirksamen, vereinfachenden, aber vor allem vertrauenswürdigen Filter, der auf die individuelle Lebenswirklichkeit zugeschnitten ist. Ein TAZ-Fan hat eine andere Lebenswirklichkeit als der tägliche Financial Times Leser. Entweder übernehmen die Maschinen (Google) oder integere Persönlichkeiten (Journalisten) mit klare erkennbarem Profil die Sortierung meiner Nachrichten, also die Projektion meiner Wirklichkeit. Solange Werbung und Inhalt im Journalismus eine immer größere Durchmischung erfährt, solange Berichterstattung immer subjektiv-eindimensional unter wehender objektiver Flagge erfolgt, werden die Maschinen sowieso gewinnen. Google, Wikipedia & Co sind deshalb so erfolgreich, weil sie den Menschen eine objekive Relevanz durch die Auswahl an vielfältigen subjektiven Meinungen projezieren können. Google macht keine Meinung. Google macht Meinungen lediglich sichtbar. Das ist der elementare Unterschied zu den Gatekeepern von gestern.

Wie gewinnt man Vertrauen in der Vertrauenslosigkeit?
Es beginnt damit, dass wir klarere Positionen beziehen. In der goldenen Mitte transzendiert alles. Erst kontroverse Vielfalt bildet die Realität ab. Es geht nicht mehr darum eine Masse mit einem Thema zu befriedigen, sondern mit unendlichen Facetten eines bestimmten Themas. Das Fan-Dasein entsteht, wenn man sich zu 100% verstanden fühlt, wenn man glaubt, man stehe auf der richtigen Seite. Der Mensch will Zugehörigkeit und Distanz zugleich. Er will zu seinesgleichen gehören und sich von ihresgleichen distanzieren. Journalismus muss sich verabschieden von der Mission der Darstellung einer absoluten objektiven Wahrheit und sich wieder trauen Themen aus verschiedenen, unterschiedlichen subjektiven Perspektiven zu beleuchten. Vertrauen steckt also in der Authentizität. Daher wäre eine bewusste Inszenierung der Kontroverse nur unter größter Anstrengung möglich und nur bedingt aufrecht zu erhalten. Daher darf der Journalist ruhig subjektiv gefärbt sein, er muss sogar seine Ansichten transparent in Bezug zu seiner Person offenbahren - will er langfristiges Vertrauen und Bindung seiner Leserschaft - seiner Community - erzielen. Er muss auch nicht starr gefangen bleiben in seinen Ansichten, er soll natürlich auch dazulernen und sich von seiner Haltung her ändern dürfen. Das alte Prinzip des Bloggens eben. Nur sollte der Journalist dabei nicht auf die alten handwerklichen Regeln verzichten und selbsteverstädnlich sauber, intensiv und ausführlich recherchieren. Mehr als zuvor!

Where’s the money in it?
Der Schlüssel liegt im Fandasein. Wenige Stars versorgen eine große Familie. So wie Mick Jagger und Keith Richards den Rest der Band, ihre Manager, die Plattenfirma, die Konzertveranstalter, die Merchandiser, die Roadies, Köche, Maskenbildner, Trainer und all die anderen Arbeiter im System “Rolling Stones” finanzieren. Ich nenne das fortan das “Bastian-Sick-Prinzip”. Sicks Zwiebelfisch-Kolumne hat nicht nur ihn selbst bekannt gemacht, sondern letztlich auch seinen Arbeitgeber gut verdienen lassen mit Büchern, Spiele, Merchandising, Live-Shows, Hörbüchern, Computerspielen, Filme?, VHS-Kurse?, Zertifikate? und und und … Verlage brauchen schillernde Zugpferde, aber eben auch die hart bzw. solide arbeitenden Menschen im Hintergrund. Alles sind dabei aufeinander angewiesen. Vielleicht ist es auch die “Obamisierung” des Journalismus. Ein Repräsentant von sehr vielen klugen Beratern. Jedenfalls dürfen wir die Bedürfnisse der Menschen nicht vernachlässigen: Einfachheit, Symbolik, Klarheit, Orientierung. Es kann ruhig unzählige dieser Obamas geben, denn ich spreche nicht vom Ziel einer vereinheitlichter “New World Order” sondern zig Communities mit zig Repräsentanten und schillernden Figuren.

Je größer die Flut an Information, desto größer wird auch das Verlangen nach Ordnung und Filtermöglichkeiten. Wer das Geheimnis rund um persönliche Filter knackt (ohne dabei den Horizont einzugrenzen), der wird das neue Geschäftsmodell finden. Wir erinnern uns, was Google so erfolgreich gemacht hat? Richtig. Google ist/war ein einfacher und guter Filter von Milliarden von statischen Informationsseiten. Solange Verlage sich noch jammernd um die Relevanzfrage kreisen (im unerschütterlichen Glauben sie hätten auf Ewig die Relevanz als Gatekeeper von gestern bei sich gepachtet) wird sich auch dort nichts bewegen. Verlage müssen zunächst lernen loszulassen, um sich dann voll und ganz mit freiem Kopf auf die Entwicklungen der Zukunft konzentrieren zu können.

Froschung & Entwicklung
Ohne Mut, ohne Forschung, ohne Invest in mutige neue Ideen und Ideengeber, wird es keine Innovationen in diesem Markt geben. Doch das wirklich schlimme ist die verstreichende Zeit. Noch haben die Verlage einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Sie haben immer noch einen großen Einfluss, erreichen immer noch sehr viele Menschen (nur nicht mehr in Form von Fremd-Anzeigen). Verlage sollten ihre eigene Markenkraft, die noch vorhandene Reputation als große Instanz nutzen, um neue Produkte rund um ihr Standing zu entwickeln und aufzubauen. Verlagsmarken genießen noch Vertrauen. Verlage sollten sich daher ruhig im Bildungssektor etablieren, sie sollten in Wissens- und Informationsmanagementund in Technologien zur Recherche und Filterung von Nachrichten investieren. Sie sollten sich lösen von den outgesourcten Nachrichtenagenturen und endlich wieder selbst produzieren (Bild- und Textrechte im eigenen Haus halten und entsprechend an Werbung und andere weiterverkaufen, so wie es die Agenturen im Bereich Stock und News Market tun). Nur wer die Produktion wieder in der Hand hat, kann wieder schlagkräftiger agieren. Wenn Verlage wieder ihr Handwerk begreifen und den Wert und die Vorzüge ihrer Produzenten (Fotografen, Kameraleute, Korrespondenten, Kommentatoren, Informanten etc. pp.), so werden sie durch Qualität, Schnelligkeit und sicherlich auch durch Exklusivität verstärkt punkten können. Gute Diamanten entstehen vielleicht mal zufällig bei talentierten unterbezahlten Praktikanten, die größere Ausbeute an echten Brillianten erzielt man allerdings, wenn man mit vielen erfahrenen und talentierten Meistern arbeitet.

Ich bin kein Journalist. Ich spreche aus der Perspektive eines Konsumenten. Aus der Perspektive eines Interneterfahrenen. Vielleicht muss der ein oder andere in der Branche gerade das auch mal lernen: sich endlich mal in die zigtausend Rollen der Nutzer hineinzuversetzen. Klar ist Gratiskultur für den alten Journalismus schlimm, aber sie ist nun mal vorhanden. Klar ist viel Müll im Internet, aber irgendjemand scheint es zu trotzdem toll zu finden. Klar sind Blogger großteils grottenschlechte Journalisten, aber sie wollen ja auch gar keine Journalisten sein, bzw. werden dahingehend auch nicht gefördert.

Der erste Schritt ist also raus aus dieser Jammerei, raus aus der Trauer und rein in die spannenden Aufgaben der nächsten Jahre. Es gilt einen Journalismus zu prägen, der niemals vielfältiger, tiefer, gründlicher, schillernder und in der Summe der Perspektiven aufklärerischer war. Einzelne Verlagshäuser müssen nicht mehr das große Ganze leisten, sie müssen ihren kleinen Teil beisteuern, aber das eben mit voller Begeisterung und Verve.

1. Jun 2009

The Global Brain

Der Vortrag/Film im englischem Originalton.

Peter Russells Vortrags-Doku über die Gaia-Hypothese, der Theorie, dass die Erde ein einziger Bio-Organismus ist und wir Menschen als neuronales Netz agieren, als informationsübertragende Zellen, die zum großen Ganzen beitragen und die Freiheit besitzen den eigenen großen Organismus zu erhalten oder zu zerstören (Krebsgeschwür). Hier ein Artikel von Telepolis (1996), die Russells Hypothese mit der digitalen Revolution in Verbindung bringt.

15. Jan 2009

go. do. create things!

iwantyou1

Gestern bin ich kurzzeitig in den “Dark Side Mode” geswitcht - keine Angst ich bin wieder “on the bright side”. Das hatte auf alle Fälle einen triftigen Grund: Mein lieber Herr Brown hat sich in die Rolle des Joker begeben um einigen Menschen draußen im Netz den Spiegel vor die Nase zu halten. Es geht um die Menschen, die sich selbst Social Media Berater oder so einen Kram nennen. Diejenigen, die mit Hilfe von Statistiken, Rankings aber vor allem Reichweitenrelevanz den Unternehmen verkaufen wollen, wie gut man doch angeblich Gespräche von Mensch zu Mensch verschachern kann, solange sie nur Traffic haben.

Marcus hat sich auf die dunkle Seite der Manipulierer begeben. Er hat eine Rankingliste (Rankings, Traffic, Verlinkungen etc. pp. waren bisher ja die tolle Währung vom Erfolg im Netz) der englischsprachigen Blogs über Marketing und Werbung manipuliert. Er hat sich Traffic billig und künstlich verschafft. Hier sieht man zum Beispiel an anderer Stelle, wie man RSS-Readerzahlen super einfach nach oben schießen lassen kann/konnte. Wie genau er das getan hat, wird er im kommenden zweiten Teil der Story erklären. Wichtig bei der Sache ist für mich nur eines: Traue keinen Zahlen. Traue keiner Reichweite. Traue nicht der scheinbaren Relevanz der Masse. Das Internet ist kein Medium. Das Internet ist ein Kontext. Es ist ein Gewebe, bestehend aus Menschen, nicht aus Zahlen, die mit und über Menschen sprechen (oft auch Menschen die über Unternehmen und deren Produkte reden, klaro). Wir sollten die Chance nutzen und langsam umdenken. Wir sollten uns gewahr werden, was diese Technologie, diese schnelle und vernetzte Kommunikation wirklich bewirken und bewegen kann. Natürlich geht es dabei auch um Spaß. Aber wo ist denn der Spaß wenn ich den hunderttausendsten Post über Twitterstatistiktools schreibe oder wie ich mit Twitter Geld verdienen kann oder wie ich mit Twitter angeblich superduper Marketingfirlefanz machen kann?

Es gibt doch noch so viele spannende Dinge zu tun. Es gibt so viele spannende Inhalte, die man kreieren kann. Gemeinsam. Und natürlich darf man auch Geld damit verdienen. Doch ich bin davon fest überzeugt, wenn man sein Potenzial entfaltet, wenn man seine Kompetenz beweist, in dem man einfach durch Kreation, durch Machen, durch Kommunikation zeigt was man so drauf hat, dann kommt das Geld schon irgendwann von ganz alleine. Denn genau solche Leute werden jetzt in dieser schweren Umbruchszeit der Wirtschaft gebraucht. Leute mit Grips und Verstand, Leute mit Herz und Leidenschaft, Leute die gestalten wollen und die der Welt einen neuen Drift geben. Leute, die neu- und umdenken. Innovation. Machen. Go. Do. Create things!

Momentan gibt es auf meinem Radar zwei sehr unterstützenswerte Projekte. Das erste wurde von Tim Keil hier vorgestellt. Es nennt sich “Slow Way Down” und ist eine bemerkens- und sehenswerte Aktion eines seiner ehemaligen Schulfreunde:

Slow Way Down ist eine Reise mit einem 30 Jahre alten Simson Schwalbe Moped von Hamburg nach Südafrika. Ziel der Fernreise mit der Schwalbe ist es Spenden für das HIV/Aids-Projekt von Plan in Uganda zu sammeln. Je weiter die Reise in den Süden gelingt, desto mehr Spenden kommen für das Plan-Projekt in Uganda zusammen.

Was ihr dafür tun könnt (und das ist nicht wirklich viel, wenn ihr euch eh für jeden Scheiss wie STudiVZ im Netz registriert) beschreibt Tim. Weitersagen! Go. Do. Create things.

Das zweite Projekt ist ein Open Source Wahlkampfprojekt, welches von Breitenbach & Brown (also uns) spontan initiiert wurde. Wir möchten Lisa Steinmann (SPD) dabei helfen, Bürgermeisterin in Köln zu werden.

lisa

Sie ist ein großartiger Mensch, die sicherlich (unabhängig von Parteigedöns) einfach sehr gut im Sinne der Bürger mitgestalten kann, aber vor allem das auch leidenschaftlich will. Der erste Wahlkampf in Deutschland auf Open Source Basis. Dazu gibt es eine mixxt-Gruppe, auf der alles erklärt wird, sozusagen das virtuelle Open-Source-Mitmach-Wahlkampfbüro. Hier entwickeln sich die Dinge. (Natürlich kann man auch so helfen, einfach mail an mich) Es ist kein typisches “Polit-Strategen-Gebahren”, wie man es aus den sonstigen Wahlkämpfen kennt, nein hier kann jeder an der Entwicklung teilhaben und sich kreativ einbringen. Auch hier gilt ganz besonders das Motto: Go. Do. Create things!

Ich würde mich also sehr freuen, wenn einige Menschen endlich mal ihren Hintern hochbekommen und etwas kreatives im Sinne von “gestaltendes” mit dem Netz anstellen. Ein Klick reicht manchmal schon. Und wenn es auch nur einfach nur das Weitersagen, -bloggen, -mailen, -twittern solcher Aktionen ist.

Ich kenne die Lethargie. Aber man kann gegen sie angehen. Go. Do. Create things!

DANKE!

20. Nov 2008

strom wird meer

Wenn ich an meine Kindheit und Jugend zurückdenke, so waren viele Dinge ziemlich unkompliziert, jedenfalls wenn es um den Mainstream, um Popkultur oder den Zeitgeist ging. Zur Zeit der wenigen Medienkanäle, dem kulturellen Flaschenhals, beherrschte eine damals sehr mutige und innovative US-Serie den Zeitgeist mindestens eines ganzen Landes. Obwohl ich die Serie nie wirklich zur damaligen Sendezeit schauen durfte, war ich infiziert von dessen Trendmemen. Die Mode und Musik des Sonny Crockett und Ricardo Tubbs dominierte mehrere Sommer lang die deutschen Modegeschäfte und -kataloge. Ich wollte übrigens ebenfalls so aussehen wie Don Johnson. Er, mit den fehlenden Socken in den Slippern und den luftigen Baumwollblazer über das rosane Muskelshirt geworfen, war nicht nur mein großes Vorbild in modischer Hinsicht. Etliche Jugendliche und junge Männer eiferten dem Sexsymbol der 80er nach, ganz egal ob es an den notwendigen langen bloden Haaren, gut trainierten Oberarmen oder den schweißgeruchsfreien Füßen mangelte. Die Fashionbranche - von Friseur bis Sonnebrillenmanufaktur - profitierte von dieser Quasi-Dauerwerbesendung. Miami Vice wurde zum Mainstream-Zeitgeist der späten 80er Jahre und somit überhaupt ein prägendes Element dieser Dekade.

Doch heute sehen die Dinge anders aus. Wir haben im Grunde genommen keinen stabilen Mainstream mehr, bzw. er verlangweilt in politisch korrekter Einödnis, des bloß niemanden auf die Füße Tretens, in einer nie enden wollenden, immer gleich geleckt aussehenden Daily Soap, mit oberflächlichen Charakteren und superflachen Stories. Das ist das Bild der klassischen Medien, wie ich es derzeit wahrnehme. Die wirklich spannenden Geschichten finden im Web statt, der Ort, an dem der Mensch theoretisch Raum und Zeit überwinden kann. Sich mit Woodstockveteranen in den USA über die gute alte FlowerPower Zeit und deren Mode und Musik austauschen? Kein Problem. Die Mod-Szene in England durch eine kleine Grassroot-Community wieder zum Leben erwecken? Das ist definitiv möglich.

Der kulturelle Flaschenhals ist aufgebrochen. Wir sollten uns langsam von der guten alten, geordneten und übersichtlichen Zeit verabschieden. Willkommen im gigantischen “Grid”, im großen Kontext, im Metaversum der unendlichen kommunikativen Möglichkeiten. In welch wundervollen Zeiten wir leben könnten.

4. Nov 2008

die “be kind rewind” epoche?

In welchem Zeitgeist oder Epoche leben wir? Sind wir zur ewigen Wiederholung verdammt? Sind wir nur noch Rezitierer? Leben wir tatsächlich dank globaler Vernetzung und Archivierung von tonnenweise Material über vergangene Moden, Musikstile, Filme und somit auch potenziellen Vorbildern und Lebensentwürfen in einer Art “Be-Kind-Rewind”-Epoche? Ist überhaupt noch Raum da für neue Stilrichtungen oder können wir bereits jetzt sagen, dass wir nur noch replizieren und rekombinieren können? Und wenn es neue Stilrichtungen gäbe, wären sie ähnlich imposant und breit verankert wie beispielsweise die 20er oder 68er? Oder suchen und wechseln wir einfach unsere Kulturnischen und besuchen heute eine Charleston- und morgen einfach eine 68er Party? Gibt es noch so etwas wie eine “breite Identität” in Form einer (Sub)kultur oder sind wir bereits auf dem Weg zu einem freien Individuum?

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Meine derzeitige Traumrolle

Ich an der Karlshochschule

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