6. Sep 2009

Die unerfassbare Kultur der unermüdlichen Unmündigkeit?

honeyplanet

Warum ich das jetzt erst bemerke, keine Ahnung, aber es erschreckt mich: Die Medien, die ich bisher konsumiert habe sind durchtränkt von Angst, Leid, Wahnwitz, Krieg und Terrorthemen. Was aber sehr sehr viel schlimmer ist: Sie geben in der Regel dabei weitaus viel mehr Antworten, als dass sie Fragen stellen. Das halte ich für extrem geistes- und gesellschaftslähmend .

Diese Medien bauen uns unsere Welt – oder ist es einfach nur ihre Welt?
Wir werden nicht bestreiten können, dass die Medien zu einem Großteil unsere Lebenswirklichkeit bestimmen (jedenfalls wenn man sich den Medien zum Untertan macht und ihre Bilder als wahrhaftige Welt anerkennt). Es gab eine Zeit, da war ich sehr damit beschäftigt irgendwelchen Verschwörungstheorien nachzugehen, einen Schuldigen für das Übel in der Welt auszumachen um ihn dann gedanklich zu verabscheuen . Man hat also vielleicht irgendwann herausgefunden, wer wirklich Schuld an dem ganzen Scheiss ist und dann die größte Gemeinheit, man kann ihm noch nicht einmal auf die Fresse hauen. ABER WARUM JAGT MAN DEM DANN ÜBERHAUPT HINTERHER? Schwachsinn.

Daher wurde mir irgendwann klar, dass diese ganzen Verschwörungskisten einfach nur Gegenentwürfe zu all dem anderen Bullshit waren, den wir täglich um die Ohren gehauen bekommen. Bullshit gegen Bullshit. Dazu kommt, dass Kisten eben Kisten sind und man gerne darin so einfach sein Zeug verstauen kann. So auch Medien. Also schön einfach und gar nicht komplex, so wie die Chaostheorie oder vielleicht ein wenig weniger komplex wie eine Familienstruktur, die Struktur eines Familienbetriebes oder die Struktur eines “Global Player Konzern”. Selbst wenn also ein paar große böse Männer die Fäden in der Hand haben würden, was würden wir dadurch anders machen oder noch pikanter gefragt: Was sagt es uns über uns selbst, die manipulierbaren sogenannten Individuen?

Die Suche nach Schuld lähmt den eigenen Verstand.

Ich glaube nämlich, dass wir alle irgendwie diesen großen mächtigen Mann in unseren Köpfen sitzen haben. Bei dem einen ist es Gott, der ihm befehligt Menschen in seinem Namen zu töten, beim anderen ist es das Vaterland, dass ihm befehligt Menschen in seinem Namen zu töten. Beides Male wird die Verantwortung schön auf Papa abgeschoben, statt sie bei sich selbst zu sehen. WIr haben unsere Kindheit bei unserem Vater und Schöpfer verbracht. Nun stecken wir mit der Wissenschaft, also dem Erforschen mitten in der Pubertät und zweifeln ständig die Allmacht des Vaters an – obwohl er immer noch allgegenwärtig ist. Egal ob er tot, leibhaftig, virtuell oder in eine religiöse Geschichte verpackt ist. Daddy is here. Das ist auch gut und wichtig. Ebenso wichtig ist aber auch die eigenen Entscheidungen als eigene Verantwortung zu begreifen und sich abzunabeln. Also Erwachsen zu werden. Doch das erklärt uns keiner. Weder die Väter, noch die Medien.

Erst wenn wir und von Vati und Mutti abkapseln können, ohne dass man sie dabei als wichtige Gefährten, Menschen und Ratgeber verliert, stehen wir plötzlich auf einer Stufe. Als Wesen, die eigene Entscheidungen treffen, ohne sich dabei zu schade zu sein, andere um Hilfe zu bitten. Wir werden dann selbst zu Eltern – jedenfalls viele von uns.

Das Bewusstsein zur Eigenverantwortlichkeit soll also keine Einladung zum totalitären Egoismus sein, ganz im Gegenteil. Erst wenn auch der Vater den Sohn (und umgekehrt) als gleichwertig betrachtet, sehen sie sich auch als gegenseitige Ratgeber und sie leben in perfekter Symbiose, denn sie ergänzen sich allein schon aufgrund des Alters- und Erfahrungsunterschiedes. Beide haben eine andere Sicht auf die Welt, aber beide haben dabei weder völliges Recht noch Unrecht. ZZZZZZEN.

Jetzt könnte man sagen: Aber, aber, die armen Verfolgten im Faschistenland XY können sich nicht frei entscheiden, die müssen irgendwie befreit werden (und da ist es dann egal ob geistig befreit werden oder mit Hilfe von Bomben). DAS wäre ein Signal für Unmündigkeit und man spricht auch dem letzten bißchen Würde denjenigen Menschen ab, denen man ja eigentlich so ritterlich helfen wollte. Allein schon die Schwachen als “schwach” zu erleben, ist eine weitere Zuschreibung für den Schwachen. Will meinen, wenn man den Schwachen immer schön als Schwachen behandelt, so wird er wohl kaum darin gefördert stark zu werden, weil er ja immer schwach sein muss und ihn niemand als “stark” empfindet und empfinden will. Andererseits gibt es natürlich “Schwache”, denen wir aber auch nur dann helfen können, wenn DIESE sich bei uns melden und unsere Hilfe erwünschen. Wo keine Klageschrift, da kein Kläger – wo kein Willen zur Hilfe, da auch keine “Schwäche”, oder?

Ich leite also hiermit ein paar Fragen zur Inspiration an meinen geliebten Frageblog und natürlich auch an die restliche Leserschaft hiermit weiter:

1. Haben wir IMMER und ÜBERALL eine Entscheidungsfreiheit? (Bitte wieder Gegenbeispiele liefern – wenns geht)?

2. Kann eine Entscheidung von außen leichert/schwerer gemacht werden oder entsteht die Schwere in unseren Köpfen?

3. Warum können sich manche Menschen dafür entscheiden für ihre Überzeugung zu sterben und wiederum andere verweigern den Dienst an der Waffe zum Schutz des eigenen und anderen Lebens?

4. Warum mögen/hassen wir Hierarchien? Und was hat mögen/hassen gemeinsam?

5. Machen Hierarchien persönliche Entscheidungen einfacher oder schwerer?

6. Was würdest du als erfolgreicher bewerten? Ein Netzwerk aus 10 eigenverantwortlichen Menschen oder ein Netzwerk mit 1 Verantwortlichen und 9 Unmündigen?

7. Lese deine Lieblingsnachrichtenquelle durch und zähle die Berichte, in denen es um die Verantwortlichkeit von anderen Menschen geht. Wieviele von wievielen sind es?

8. Lese deine Lieblingsnachrichtenquelle durch und zähle die Berichte, in denen mal was nicht “schlecht” ist oder einen positiven Nutzen für dich hat. Wieviele von wievielen sind es?

9. Wieviele deiner Entscheidungen waren geschätzt wirklich eigenverantwortlich getroffen in deinem Leben?

10: Wieviel mehr werden es wohl morgen sein?

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