24. Mai 2009

Durchatmen – Durchbloggen

Ich glaube es war das erste Mal in 5 Jahren meines Bloggerdaseins, dass ich tatsächlich keine Zeit hatte zu bloggen. Spitzfindige Geister werden vielleicht an dieser Stelle bemerken, dass ich mir vielleicht einfach nicht die Zeit dafür genommen habe. So oder so, für mich eine interessante Erfahrung, denn als eingefleischter Digital-Junkie erlebt man plötzlich, dass das Leben erstaunlicherweise auch ohne Bloggen, Twittern, Poken oder sonstiges Socializen weitergeht. Es ist fast noch erstaunlicher, dass es so viele Menschen da draußen gibt, die gar keinen anderen Zustand kennen. Es ist halt doch eine kleine kuschelige Blase, diese Bloggerwelt, was sie aber auf keinen Fall unsympathisch, unnütz oder überflüssig macht. Ganz im Gegenteil. Das Bloggen – in einer Form, bei dem ich Menschen kennenlerne, nicht irgendwelche Google-Keywords – ist für mich eine wertvolle Errungenschaft. Durch Blogeinträge lernt man sich kennen, durch Blogeinträge kann man ein soziales Setting aufbauen, man kann – theoretisch jedenfalls – Leben spiegeln.

Heute ist es meines Erachtens wichtiger denn je den guten alten Vertriebsaspekt eines Unternehmens zu revolutionieren. Es geht um Kundennetzwerk, Kooperation, Partnerschaft und nicht unbedingt um das provisionsgekoppelte Verscheuern und Drücken von Massenposten nach dem Motto “Nach mir die Sintfllut”. Nachhaltigkeit lautet das Wort von Morgen. Leider wird es genau wie andere wundervolle Begriffe durch Mißbrauch abgewetzt und dadurch unglaubwürdiger gemacht. Worte wie “Synergie” (lest mal Bucky Fullers “Bedienungsanleitung zum Raumschiff Erde) oder “ganzheitlich” erleiden da ja ein ähnliches Schicksal.

Klar, verkaufen bedeutet bis heute, dass man sich und sein Produkt im schillernsten Licht darstellt. Absurd wurde diese Taktik jedoch erst durch die Einführung der Werbeübertreibung. Da wurden nicht nur einfach Produktvorzüge in den Vordergrund gestellt, es wurden ganz einfach positive Attribute erfunden. Die Enttäuschung – als das Wegfallen der Täuschung am Ende des Kaufvorgangs – war und ist somit vorprogrammiert.

Dabei kennt der Mensch Fehler und er kann auch mit ihnen umgehen – solange es nicht die eigenen sind. Mich ärgert es beispielsweise überhaupt nicht, wenn ein Produkt kaputt ist, mich ärgert es, wenn mir der Service in diesem Zusammenhang von anderen Menschen erschwert oder verweigert wird. Mich ärgert vielleicht kurzzeitig ein Fehler eines Dienstleisters, aber ich bin sehr schnell wieder begeistert, wenn der Fehler mit einer flexiblen, alternativen Lösung wieder ausgeglichen wird. Das ist für mich Nachhaltigkeit. Das bedeutet für mich Kundenbeziehung. Das Produkt ist sowas von unwichtig. Das Produkt ist billig. Es geht darum wie und von wem mir das Produkt verkauft wird und wer in Zukunft dafür sorgt, dass ich so problemlos wie möglich mein Produkt nutzen kann. Das ist alles.

Das alles hat mit Kommunikation zu tun. Mit Beziehung, auf andere Menschen eingehen, zuhören, schnell und lösungsorientiert handeln ohne sich großartig mit Eitelkeiten oder Schuldfragen herumzuschlagen.

Warum ich das alles schreibe? Nun, während meiner derzeitigen Aufgaben, die mich diesmal auf Seite des Auftraggebers sein lässt, bestätigte sich dieses Bild. Und es bestätigte sich noch eine These von mir (klar, was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen): Ich (das typische Bloggerwort) brauche Ruhe, Abstand und Freiraum um kreative, unkonventionelle und wirksame Ideen zu entwickeln. Ich brauche Menschen auf die ich mich verlassen kann. Menschen, dessen Macken ich kenne und ich sie so ins Zusammenleben und -arbeiten bestmöglich integrieren kann, bzw. mit meinen Macken und Spinnereien abstimmen kann. Darum gehts. Und dabei könnte bloggen bzw. all der Social Profiling Kram helfen. Mit allen Ecken und Kanten. Sozusagen Völkerverständigung im kleinsten Rahmen.

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