Gerade bin ich bei Richard Dawkins Buch „Das egoistische Gen“ auf einen sehr interessanten und aufschlussreichen Absatz gestoßen. Dawkins spricht von den Anfängen des Lebens und wie sich die ersten Moleküle aus der großen dampfenden Ursuppe gebildet haben. Die „Replikatoren“ entstanden, mit der wichtigen Eigenschaft, sich selbst – wenn auch mit Fehlern oder Verbesserungen (je nach Sichtweise) – immer wieder erneut zu kopieren. Dawkins schreibt:
Die Replikatoren fingen an, nicht mehr einfach zu existieren, sondern für sich selbst Behälter zu konstruieren, Vehikel für ihr Fortbestehen. Es überlebten diejenigen Replikatoren, die um sich herum Überlebensmaschinen bauten. (…) Heute drängen sich riesige Kolonie, sicher im Innern gigantischer, schwerfälliger Roboter, hermetisch abgeschlossen von der Außenwelt; sie verständigen sich mit ihr auf gewundenen, indirekten Wegen, manipulieren sie durch Fernsteuerung. Sie sind in dir und in mir, sie schufen uns Körper und Geist, und ihr Fortbestehen ist der letzte Grund unserer Existenz. Sie haben einen weiten Weg hinter sich, diese Replikatoren. Heute tragen sie den Namen Gene, und wir sind ihre Überlebensmaschinen.
Mit „wir“ spricht Dawkins natürlich nicht nur von uns Menschen, die wir uns immer gerne getrennt vom gesamten System der Atome – also der Natur – betrachten. Er spricht von der Gesamtheit aller organischen Strukturen, die eben “Gene” in sich tragen. Der Gedanke, der mir spontan in den Sinn kam, ist die Überlegung hinsichtlich der Atomstrukturen ohne entsprechenden Genkern, also Gegenstände bzw. Objekte. Sind wir (Menschen) nicht irgendwie dessen Replikatoren geworden? Wir können Materie so beinflussen, formen und herstellen (und somit auch kopieren), dass wir im Grunde genommen ebenfalls die Aufgabe von Genen übernommen haben. Natürlich mag man sofort denken, dass ein Tisch uns nicht befehlen kann, dass wir ihn replizieren. Doch woher kommt das Bedürfnis, den Tisch in Masse herzustellen, seine Form zu variieren? Hier erwarte ich in Dawkins Buch noch einige Antworten, vor allem wenn es thematisch um die nicht-stofflichen Gene geht: Die Meme.

