Nicht dass jetzt ein falscher Eindruck entstanden ist, ich bin sicherlich nicht vom Neid zerfressen, ich will nur weiter an meinem Umgang mit Neid weiterarbeiten. Übrigens war sicherlich die Abkehr des reinen Motzbloggerdaseins ein wichtiger Schritt, um aus meiner Neidfalle herauszukommen, wobei nicht jeder kritische vergangene Eintrag von Neid motiviert war (sowieso alles subjektives Empfinden).
Bei Schritt 1 habe ich ja hier erläutert, stärker darauf zu achten, welche Emotionen gerade bei einem selbst hochkochen und welche Gründe das sein könnten. Das heißt natürlich auch nicht, dass ich jetzt gar keine Dinge kritisieren werde, ich siebe einfach nur besser aus und konzentriere mich entweder auf konstruktive Kritik, indem ich parallel Verbesserungsvorschläge mache oder ich lasse die Kritik komplett weg, wenn ich merke, dass ich damit sowieso nichts verändern kann.
Mein wichtigstes Mantra, ist mir dauernd bewusst zu machen, dass ich unfreiwillig zu jeder Zeit als Vorbild agiere. Jeder Mensch ist eine Imitationsvorlage. Ganz egal ob es die Kinder, die Kollegen oder ein großes Publikum ist. Das eigene Verhalten färbt immer ab. Wenn ich also ein Interesse daran habe, den Neid in der Welt zu verkleinern, so kann ich nur bei mir selbst beginnen und das führt mich zu Schritt 2.
Schritt 2 besteht eigentlich nur aus Fragen, die man sich selbst stellen kann, sobald man merkt “Aha, jetzt motze ich aus Neid”. Also das wäre zum Beispiel sowas wie:
- Gönnst du demjenigen das jetzt nur nicht, weil du es selbst nicht haben kannst oder weil du den Menschen aus deinen bisherigen Vorurteilen und Projektionen unsympathisch findest?
- Du kannst es also nicht haben, aber was kannst du tun, damit du es selbst bekommst?
- Ist Mißgunst wirklich eine gute Methode um es wirklich zu erhalten?
- Wieviel Zeit und Energie müsstest du investieren, um das Ziel zu erreichen?
- Lohnt es sich tatsächlich diese Zeit/Energie für dieses Ziel aufzuwenden?
- Lohnt es sich überhaupt Zeit/Energie in geifernde Missgunst zu investieren?
- Ist das Begehren nach diesen Überlegungen immer noch so groß wie am Anfang?
- Kannst du dir vorstellen, dass die Erfüllung des Wunsches auch Nachteile haben könnte?
- Willst du wirklich mit der beneideten Person tauschen?
- Wenn du die Zeit/Energie aufgebracht hast, wie würdest du dich fühlen, wenn dir dein Mißgunst begegnet?
- Was würde dir passieren, wenn du es demjenigen einfach gönnen würdest?
- Wie fühlst du dich, wenn dir Menschen etwas gönnen?
Allein diese Reflektion bricht das alte automatische Verhaltensmuster “Neidreaktion”. Das macht man wiederum so lang bis dieser Ablauf selbst zum automatischen Verhaltensmuster wird. Irgendwann reduziert sich der Ärger also von ganz alleine. Weniger Ärger bedeutet weniger Stress, bedeutet gesünderes Leben, bedeutet mehr Glück. Könnte sich also lohnen.
Besonders schwierig ist das Thema natürlich auch, weil viele Menschen in unserem Kulturkreis ein merkwürdiges Verhältnis zu Lob haben. Das heißt, der 3. Schritt würde so aussehen, dass man lernt, wie man Lob “richtig” sendet und empfängt. Das dann beim nächsten Mal.

