9. Mrz 2009

Deprogrammierung: Neid zu Gunst – Schritt 1

Neid ist ganz schlimm. Neid zerfrisst im wahrsten Sinne des Wortes und führt selten zu etwas sinnvollem, es sei denn man versucht Neid in einen anderen Kontext zu setzen, bzw. ihn aktiv zu benutzen. Ich bin/war ein sehr neidischer Mensch. Das dürfte mich in diesem Lande, welches als eine der neidischsten Nationen auf der Welt gilt, nicht unbedingt zu etwas besonderen machen, aber allein die Tatsache, dass ich mich selbst als neidisch erkenne, hilft mir persönlich schon einmal unheimlich weiter. Ich möchte also ähnlich wie bei meiner Ernährung, den Neid-Kreislauf, mein persönliches Neid-Programm verändern bzw. deprogrammieren. Das tue ich aus zwei Gründen: Erstens, weil ich dadurch glücklicher leben werde, ganz einfach weil so viel unnötiger Ärger = Stress einfach mal komplett wegfällt und zweitens weil ich Vorbild sein möchte und ich natürlich nicht möchte, dass man mich mit denselben neidischen Sanktionen belegt. Neid lehrt Neid. Neid schließt – Gunst öffnet.

Wohlgemerkt will ich meine Einstellung zu Neid verändern und nicht abschaffen oder gar ausmerzen. Das wird nicht funktionieren und Frust wird umgehend vorprogrammiert sein und Frust ist wiederum ein wunderbarer Treibstoff für neue Neidgefühle. Ich möchte also lernen (bzw. ich stecke schon mittendrin, aber es war mir nur nie so bewusst) den Neid frühzeitig bei mir zu erkennen und ihm einen Platz zu schenken, an dem er mir und meiner Umgebung den geringsten Schaden zufügen kann. Es ist ein Prozess und ich bitte es immer als solchen zu erkennen, denn niemand kann von heute auf morgen seine inneren Schalter umkippen (Falls es doch jemand kann, bitte mir mitteilen wie das funktioniert).

Dazu habe ich mit einer sehr einfachen Übung begonnen. Immer wenn ich mich über jemanden aufrege, halte ich kurz inne und stelle mir die Frage, ob mein Aufregen mit meinem persönlichen Neidgefühl zu tun haben könnte. Das ist relativ einfach zu analysieren, weil es meist eine emotionale Reaktion auf eine Erfolgsmeldung ist. Natürlich versucht mein Neidprogramm diese Erfolgsmeldung umgehend als Nichterfolg zu rekonstruieren. So schnell konnte ich manchmal gar nicht denken. Ich beginne plötzlich damit, Argumente zu finden, warum dieser Erfolg aus meiner Sicht gar kein Erfolg sein kann. Also absolut verrückt. Daher Ruhe bewahren. Durchatmen. In Ruhe den Anlass der Aufregung anschauen und sich die Frage stellen, warum man jetzt diesen Erfolg nicht einfach gönnen kann?! Liegt es wirklich am anderen? Liegt es nicht eher daran, dass ich gerade schlecht drauf bin, unter Druck stehe oder selbst verzweifelt auf der Suche nach Erfolgserlebnissen bin?

Schritt 1 bedeutet also den Neid als solchen zu enttarnen, denn meistens sind diese Erfolgsmeldungen ja aus Themengebieten, in denen ich selbst gerne erfolgreich sein möchte.

Zu Schritt 2 nämlich wie man Neid in Gunst verwandelt, schreibe ich beim nächsten Mal mehr.