BREITENBACH


feed your head

20. Nov 2008

strom wird meer

Wenn ich an meine Kindheit und Jugend zurückdenke, so waren viele Dinge ziemlich unkompliziert, jedenfalls wenn es um den Mainstream, um Popkultur oder den Zeitgeist ging. Zur Zeit der wenigen Medienkanäle, dem kulturellen Flaschenhals, beherrschte eine damals sehr mutige und innovative US-Serie den Zeitgeist mindestens eines ganzen Landes. Obwohl ich die Serie nie wirklich zur damaligen Sendezeit schauen durfte, war ich infiziert von dessen Trendmemen. Die Mode und Musik des Sonny Crockett und Ricardo Tubbs dominierte mehrere Sommer lang die deutschen Modegeschäfte und -kataloge. Ich wollte übrigens ebenfalls so aussehen wie Don Johnson. Er, mit den fehlenden Socken in den Slippern und den luftigen Baumwollblazer über das rosane Muskelshirt geworfen, war nicht nur mein großes Vorbild in modischer Hinsicht. Etliche Jugendliche und junge Männer eiferten dem Sexsymbol der 80er nach, ganz egal ob es an den notwendigen langen bloden Haaren, gut trainierten Oberarmen oder den schweißgeruchsfreien Füßen mangelte. Die Fashionbranche - von Friseur bis Sonnebrillenmanufaktur - profitierte von dieser Quasi-Dauerwerbesendung. Miami Vice wurde zum Mainstream-Zeitgeist der späten 80er Jahre und somit überhaupt ein prägendes Element dieser Dekade.

Doch heute sehen die Dinge anders aus. Wir haben im Grunde genommen keinen stabilen Mainstream mehr, bzw. er verlangweilt in politisch korrekter Einödnis, des bloß niemanden auf die Füße Tretens, in einer nie enden wollenden, immer gleich geleckt aussehenden Daily Soap, mit oberflächlichen Charakteren und superflachen Stories. Das ist das Bild der klassischen Medien, wie ich es derzeit wahrnehme. Die wirklich spannenden Geschichten finden im Web statt, der Ort, an dem der Mensch theoretisch Raum und Zeit überwinden kann. Sich mit Woodstockveteranen in den USA über die gute alte FlowerPower Zeit und deren Mode und Musik austauschen? Kein Problem. Die Mod-Szene in England durch eine kleine Grassroot-Community wieder zum Leben erwecken? Das ist definitiv möglich.

Der kulturelle Flaschenhals ist aufgebrochen. Wir sollten uns langsam von der guten alten, geordneten und übersichtlichen Zeit verabschieden. Willkommen im gigantischen “Grid”, im großen Kontext, im Metaversum der unendlichen kommunikativen Möglichkeiten. In welch wundervollen Zeiten wir leben könnten.

19. Nov 2008

ein glas konstruktivismus

Ich habe da ein sehr schönes Schaubild für den Konstruktivismus gefunden, das gleichzeitig ein wunderbares Beispiel für die konstruktivistische Lerntheorie und der Rekombination vom Mem “Glashalbvoll/leer” ist.

16. Nov 2008

Das Web 2.0 macht unfruchtbar

Es ist doch eigentlich recht logisch. Durch das Internet erhalten wir eine enorme Breite an Inhalten. Jeder Mensch kann seine Gedanken, Ideen und Teile seiner Persönlichkeit durch vielfältige mediale Formen einspeisen, austauschen oder miteinander kombinieren. Sozusagen eine Art Ursuppe, mit allen geistigen Zutaten, die es theoretisch jedenfalls, da draußen gibt. Momentan sind es nur die Menschen, die Zugang zum Netz haben, das stimmt. Doch die Nutzerzahlen steigen weiterhin mehr oder weniger konstant nach oben.

Es entstehen dadurch aber auch gigantische Denk- und Kulturkollisionen. Man muss sich das ungefähr so vorstellen: Alle Menschen mit ihrer bisherigen Kultur-, Religions- oder Denkprägung, treffen virtuell aufeinander. Jeder Mensch verfolgt andere Interessen, ist von völlig verschiedenen Motivationen gelenkt. Wir kennen das schon im kleinen Kreis der Menschen, die uns umgeben. Dickschädel prallen mitunter auf Dickschädel.

Ganze Kulturen (Mikro- wie Makro) tauschen sich in nie dagewesener Form untereinander in Wort, Bild und Klang aus. Es entsteht dabei als Zwischenprodukte oft Angst, Entspannung, Neid, Freude, Sabotage, Kollaboration, Krieg, Frieden, Abschottung oder Austausch. Aber es findet langsam eine direkte Konfrontation statt. Jede entscheidet für sich, wie er neuen Kulturen begegnet, wenn er sie entdeckt. Entweder herzlich kennenlernen oder umgehend brandschatzen.

Das wie gehabte Leben geht also ganz normal weiter, nur eben auf kleinstem, verdichteten Raum, mit verdichteter Zeit, alles in unserem Kopf, denn wir nehmen ja nur Lichtreflexe aus dem Display war und verarbeiten sie zu inneren Bildern. Die Worte, die wir lesen, die Bilder, die wir anschauen oder die Musik, die wir hören, all das kommt aus einer Maschine, richtig lebendig werden sie erst bei uns im Kopf, wenn sie an unsere Emotionen, Erinnerungen oder vorhandenem Wissen andocken. Alles wird näher, schneller, vielfältiger und damit auch komplexer. Menschen, die das Internet als “dumm machend” einstufen, verwechseln leider ein Werkzeug mit dem Werkzeugbenutzer.

Hat uns das Rad dümmer gemacht? Kann sein, aus meiner Warte heraus würde ich sagen “nein”, obwohl ich leider nicht die Intelligenz der damaligen gesamten Bevölkerung hieb- und stichfest dokumentieren konnte, bzw. ich frage mal anders:

Kann eine Person den gesamten Inhalt des Web, auf einen Blick, also aus der Metaperspektive heraus erfassen?

Wenn eine Person das kann, ist es objektiv möglich all diese Inhalte in “schlaue” und “dumme” Inhalte einzuteilen?

Wenn eine Person das kann, was soll mit den “dummen” Inhalten überhaupt geschehen? Oder entscheidet die Person am Ende, dass gleich alle Inhalten ausgelöscht werden sollten, so dass wenigstens noch die dummen Inhalte sicher mit verschwinden?

Ja, Andrew, es gibt dumme Inhalte. Rein subjektiv. Aus meiner Warte heraus, kann ich dir attestieren, dass dein Inhalt für mich ganz persönlich dumm erscheint. Ich halte ihn für dumm, so wie du sicherlich meine Inhalte und Denkweisen nun als “dumm” titulieren würdest, wenn du überhaupt etwas von meinem Beitrag hier mitbekommst.

Das heisst jetzt dennoch nicht, dass dein Beitrag für mich und viele andere wertlos war bzw. ist. Nicht nur ich habe jetzt einen Beitrag dazu geschrieben, also deine Ideen, Ansätze und Meme rekombiniert - offensichtlich fühlten sich einige davon berufen, diese rekombiniert zu replizieren. (“aktuell”)

Als Empfänger der Information, also du lieber Leser und Web 2.0 Nutzer, stehst du nun ebenfalls vor der Wahl zwischen “weiterleiten” (replizieren), “kommentieren” (rekombinieren) oder zu “ignorieren” (selektieren).

Im Internet erfährt die Selektion (bsp. das Ignorieren solcher Themen) zur Zeit natürlich einen starken Dämpfer. Inhalte schießen aus dem Boden des kommunikativen Nährbodens, werden dauerhaft archiviert, bzw. nur spärlich irgendwann wieder gelöscht. Die Zahl der Replikation ist gigantisch (man denke allein an klassischen Spam oder Werbung im Allgemeinen, die Nachrichtensektion über die Agenturticker usw.). Also Redundanten wohin man blickt. Doch dann gibt es noch etliche, die rekombinieren diese Informationen und leiten sie dann erst weiter.

Diese “Rekombinatoren” werden in Zukunft immens wichtig sein, denn diese sorgen für die Artenvielfalt im Internet. Durch Rekombination wird zum großen Teil auch die Replikation der Kernbotschaft vorangetrieben, oder anders gesagt: Ohne die Möglichkeit zur Rekombination wird es weniger Replikation geben. Die Attraktivität zur Replizierung nimmt stark ab, da jeder einzelne einen bestimmten Wert aus der Weitergabe der Information ziehen möchte, also Anerkennung in jedweder Form. Das ist ein wichtiges Axiom, wenn es um Mundpropaganda (natürlich nicht nur für Produkte und Werbegedöns, sondern für Informationen an sich) im Allgemeinen geht.

Wir entscheiden, ob Qualität (wer auch immer die bestimmt) bewertet wird durch den größten Konsens an Meinungen (Mainstream) oder dem größten vorherrschenden Leidenschaftsgrad (Involvement). Es wird natürlich immer irgendwie eine Kombination aus beidem sein, denn es gehören grundsätzlich immer mehrere Menschen dazu. Und das ist doch das Schöne daran, oder?

14. Nov 2008

gutbösegutgutbösebösegutbösegutgutgut

Ich kann bzw. ich will nicht mehr Menschen in rein “gut” oder “böse” objektiv und stellvertretend für alle anderen Menschen in einer Gesellschaft für immer festgelegt einteilen (Auch wenn die Verlockung allgegenwärtig ist.) Da liegt doch der Haken. “Gut” und “Böse” kann nur jeder für sich selbst aus seiner subjektiven Denk- und Moralwelt heraus entscheiden. Wir alle haben den freien Willen Dinge, Taten und uns selbst in “gut” und “böse” einzuteilen, das heisst aber nicht, dass dies mit der Einteilung von anderen Menschen übereinstimmt. Wenn es keine Übereinstimmung gibt, kann es niemals die reine objektive Wahrheit sein, weil deren Makellosigkeit zerstört wäre. Demokratie und Konsens einverstanden. Eine makellose Wahrheit? Niemals!

Die einen glauben an einen heiligen Krieg, andere an den Frieden, Dritte wiederum huldigen Mammon und seinen Gesetzen. Wer von ihnen hat nun wirklich Recht? Natürlich immer nur wir selbst, bzw. unser eigenes Wertesystem. Wir orientieren uns an unserer Kultur und dessen Regeln, die wiederum ein Konsens (meist sehr alt und teilweise überholt) aus subjektiven Beobachtungen und Vorstellungen von der Welt. Früher dachten wir “onanieren” wäre böse. Menschen, die anders dachten und lebten, als der Konsens, wurden früher einmal auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Wir haben nicht die wahre Erkennnis von der Welt, sondern nur rein Ich-oder fremdgefärbte Fragmente. So wie meine Ausführungen hier. Man kann sie sowohl als naiv, idealistisch, freidenkerisch, anarchistisch, spinnert, selbstgefällig, als auch als subversiv, dumm, klug, weise, affig oder einfach nur sympathisch, also zu mir passend, werten.

Es geschieht. Alles gleichzeitig. Ich kann nur so sein, wie ich bin oder vielmehr die Vorbilder, die ich mir suche oder in der Vergangenheit gesucht habe: Menschen, von denen ich mehr lernen möchte, Lehren, die mich begeistern oder Ideen, die mich inspirieren. Aber eben auch Menschen, die einen runterziehen können, durch die Demütigung oder Verletzung anderer Menschen. Auch das sind Vorbilder, weil man es erlebt und parallel somit auch im Inneren miterlebt. Das heisst aber nicht, dass man dieses Vorbild anhaltend umklammern muss. Kinder, die von ihren Vätern geschlagen wurden, sind eben nicht dazu verdammt das gleiche zu tun. Väter, die ihre Kinder jetzt schlagen, sind nicht dazu verdammt es auch weiterhin zu tun. Väter, die selbst nicht geschlagen wurden, sind aber auch nicht absolut davor gefeit, ihre Kinder nicht zu schlagen.

Alles fließt und somit hat jeder Mensch und jede Idee die verdammte Chance und Möglichkeit sich zu verändern, sich neu zu orientieren. Verzeihen, Entschuldigen, ein Neuanfang. Alles ist drin. Sonst wäre das alles hier auf Erden sehr sehr traurig, aber vor allem tierisch langweilig.

12. Nov 2008

Das Virus unserer Handelskultur

Handeln sollte eigentlich etwas wunderschönes sein. Der ideale Markt, wie ich ihn mir vorstelle, ist besetzt von schier gigantischer Vielfältigkeit. Er sollte angenehm zu durchschreiten sein und mir ein Gefühl der Freude geben. Ich will natürlich beides. Sowohl möchte ich gezeigt bekommen, was mich interessiert, was zu mir und meiner Persönlichkeit passen könnte - aber ich möchte auch inspiriert werden, Neues entdecken, gucken, stöbern, spielen, anfassen, wohl und lang zu überlegen oder aber auch leidenschaftlich spontan, aber mit Herz und nicht als erstes mit der Frage: “Was kostest du?”, entscheiden ob ich “es” letztendlich auch kaufe. Natürlich spielt der Preis eine Rolle - jedoch verwechseln viele den Preis bzw. Wert mit einer Kaufmotivation. Das ist ganz schön arm. Wir kaufen es nicht, weil es uns besonders gut gefällt, es unserem Geschmack entspricht oder es uns sonst irgendwie emotional anspricht. Nein, wir kaufen das meiste, weil es so schön billig ist. Weil man nicht viel falsch machen kann. Der Handel ist zur billigen Losbude verkommen. Lauter Nieten, aber immer mit der Chance auf das größte baumelnde Stofftier an der Klappe des Containerwagens vor Augen.

Früher rochen die Menschen sicherlich noch verstärkt an den Waren auf dem Markt. Heute kann man in einem Discounter noch froh sein, wenn man den beißenden Gestank des dort ebenfalls im Regal erwerblichen Billig-Essigreinigers genießen darf. Ein Markt sollte doch auch immer ein sinnliches Erleben sein, etwas, dass Spaß macht und nicht auf Körper und Geist wie eine Fließbandarbeit am Hochofen wirkt. Oder sind das lediglich verstaubte und verdrehte Nostalgieschwärmereien aus einer pre-industriellen Gesellschaft?

Wir legen heute voller Hast und Eile unsere Produkte auf das fließende Kassenband. Rentnern an der Kasse werden regelrecht Morddrohungen ausgestoßen, wenn sie es wagen, die übliche kurzprägnante Grußfloskel mit ein zwei höflich gemeinten Smalltalksprüchen zeitlich zu überschreiten. Charme oder Nettigkeit bzw. überhaupt ein Gespräch ist hier fehl am Platz. Keine Verkäufer weit und breit - komischerweise nur Kassierer.

Das Einkaufen für unser tägliches Leben ist für einen Großteil der Menschen zur regelrechten Qual geworden. Wir opfern also die vergangene oder zumindestens mögliche Freude am Handel, am Erwerb und Prüfung der Waren. Ja, wir verderben uns sogar den Genuss an der Ware nach der erfolgten Transaktion. Billigprodukte schmecken billig - ob subjektiv oder objektiv gesehen ist erstmal ohne Belang - müssen daher vielleicht auch möglichst schnell verschlungen werden. Zucker und Fett sind dabei die heimlichen Überzeuger. Beides ist zum Glück billig. (Das heisst nicht, dass Zucker und Fett schlecht sind, im Gegenteil, daher rührt der andere Wahn, der des Diät- und Ersatzfettzuckervertilgens.) Welch ein Glück, die Waren waren so günstig, dass wir noch viel mehr von diesem billigen Schrott kaufen können. Das soll uns dann angeblich mit Freude erfüllen - sogar laut “Produkt- und Markeninformationen” richtig geil machen.

“Geiz ist geil” ist wohl einer der fatalsten Meme unserer Gegenwart. Dicht gefolgt vom “Zeit ist Geld”-Mem. Wo Geiz ist, kann auch die Gier nicht weit sein. Und die Angst. Die Angst alles zu verlieren. So wie es nun tausendfach geschieht und geschehen wird. Eine traurige selbsterfüllende Prophezeiung.

Werden wir also weitermachen? Werden wir noch geiler auf Geiz? Noch “effizienter”, also noch weniger Leistung für noch weniger Geld verlangen und bekommen? Werden wir auch weiterhin fleißig in den Discountern mit den hübsch dekorierten und einladenden Auslegwaren einkaufen? Werden wir weiterhin dieses wundervolle Ambiente genießen können: Milchtüten dunkel und eingezwängt in schäbige-zerfledderten Pappkartons. Schrillbuntblaue Plastikflaschen erstickt in einer weiteren lieblosen Hülle aus Plastik, ebenfalls eingezwängt zu einer kleinen 6er-Gruppe. Obst, kiloweise zu Monokulturen zellophaniert, ohne Chance auf das Erhaschen eines Geschmacks oder Geruchs. Käse, in Din-Langen Scheiben geschnitten, ohne Aussicht auf ein wenig Reife und Charakter. Auf dem Boden der Dreck von Tausenden von matschigen Straßenstiefeln, zertretene Irgendwasse mit klebrigem Saftunfall. Shoppen im Schweinekoben!

Warum tun wir uns das an? Wo bleibt die Freude am Handeln, die Freude am Austausch, die Freude an der marktwirtschaftlichen Kommunikation? Verdammt nochmal, das soll doch allen Spaß machen und nicht zu so einer komischen Morlock-Geschichte führen. Die Verantwortung hierfür tragen wir alle, denn wir alle sind besessen von diesem Gedankenkonstrukt des Geizes: Werber verkaufen, was ihre Auftraggeber verkaufen wollen und Auftraggeber wollen immer das verkaufen, was der Käufer haben will und Käufer wollen immer das, was ihnen Werbung, Freunde und Bekannte erzählen, dass sie bräuchten. Wir lernen und kaufen dank Imitation und damit auch durch Kommunikation. Kommunizieren bedeutet auch immer Einfluss zu nehmen, Meme zu verbreiten, zu rekombinieren aber sie eben auch zu selektieren. Was wollen wir also beibehalten und was wollen wir verändern? Alle Welt erwartet den “Change”, dabei kann der tatsächlich nur gemeinsam erfolgen. Ein einzelner Präsident kann sowas nicht verordnen.

Wer billig will, kriegt billig - aber niemals ohne seinen Preis!

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Meine derzeitige Traumrolle

Ich an der Karlshochschule

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