24. Mrz 2009

Hack the War: Happy 40th “Year of Peace” Anniversary to Yoko & John

hackthewar

Der Artikel wurde durch Björn und Nadia inspiriert.

Sie machten mich erst auf das ganze Thema aufmerksam.

Heute vor 40 Jahren fand ein einmaliges kulturelles Happening statt. Am 24. März 1969 schlüpften Yoko Ono und John Lennon in die Pyjamas um das erste “Bed-In” für den Weltfrieden zu zelebrieren. Im Zuge der Aktion entstanden zahlreiche künstlerisch-kulturelle Schöpfungen, von der Friedenshymne “Give Peace a Chance” (und dem gesamten Album drumherum) bis hin zur großangelegten “Werbekampagne”, die mit Riesentranparenten in verschiedenen Teilen der Erde das Ende des Krieges verkünden ließen. The War is over. If you want it.

Krieg ist heute zur Selbstverständlichkeit geworden. Kaum jemanden fällt noch das orwellsche 1984-Paradoxon auf, das lautet: Krieg bedeutet Frieden. Wir sind fest davon überzeugt (jedenfalls der gesellschaftliche, wahrnehmbare Konsens, es gibt jedenfalls keinen breiten Widerspruch dazu), dass Krieg einfach sein muss. Krieg gehört dazu. Krieg ist ein Mittel um den Frieden zu sichern. Krieg ist weit weg. Weit genug entfernt, um uns nicht weiter damit zu belasten. Wir haben genug mit der Wirtschaftskrise zu tun oder welche Twittertools gerade besonders heiß sind. Mit sowas pathetischem wie Krieg oder Frieden setzen wir uns nicht auseinander. Wozu auch? Wer bei uns Krieg möchte, darf “Call of Duty” oder “Battlefield” zocken, wer Frieden will, soll sich ein Räucherstäbchen anzünden und für den Weltfrieden stricken. Frieden ist was für Weicheier, aber wenn wir ehrlich sind, den Krieg, den wir hier führen, dann wohl ganz bestimmt auch.

Mit meinem Impuls “Hack the War” wollte ich mich dem Thema Krieg etwas anders als bisher nähern. Sicherlich genauso pathetisch wie es Yoko und John vor 40 Jahren getan haben, nur nicht so medienwirksam eingekuschelt in der Komfortzone eines Luxushotels, eingedeckt mit Essen, Trinken, coolen Promis, Musik-Sessions und Kunstaktionen, während auf anderen Erdteilen tatsächlich Menschen abgeschlachtet wurden, unschuldige Frauen und Kinder, sogenannter Kolletaralschaden, ihr Leben für ein paar durchgeknallte Autoritäten lassen mussten. Menschen, die eigentlich genau wie Yoko, John und ich sich einfach nur friedlich im Bett rumfläzen wollten. Auch 40 Jahre später sieht es nicht anders aus. Kriege werden moderner, gesellschaftlich akzeptierter, teilweise sogar staatenlos und damit unübersichtlicher, scharmützelhafter, aber im Kern bleibt der Krieg eben Krieg und solange sich die jeweiligen Kriegsführer nicht eigenständig gegenseitig auf die Fresse hauen wollen, Mann gegen Mann, wie es sich für Gentlemen gehört, werden immer noch hunderttausende von unschuldigen Menschen in das schmutzige Geschäft Krieg mit hineingezogen. Menschen, die eigentlich keinen Bock auf Ballerei, Tod oder Völkerhass haben, aber dennoch dazu genötigt werden. Ein undurchbrechbarer Kreislauf aus Leiden, Imitation und Propganda?

Ich will das System “Krieg” hacken, denn das ist das einzige, was ich von meiner Komfortzone aus tun kann. Ich werde nicht auf das virtuelle oder reale Schlachtfeld ziehen, ich werde auch nicht meine Stimme erheben oder mit meinem Finger auf etwaige Schuldige richten, denn das wird an dem System “Krieg” nichts verändern. Es stärkt ihn nur. Denn dadurch begebe ich mich an die “Front”. Alles was ich tun möchte, ist das System “Krieg” zu verändern, zunächst natürlich nur in meinem Kopf, denn da beginnt jedwede Systemveränderung und Konstruktion der Wirklichkeit. Der zweite Schritt ist die Ausbreitung dieses Gedankens auf Menschen, die einem zuhören und vielleicht ähnlich empfinden. Sie möchte ich ermutigen sich ebenfalls Gedanken zu machen und ihre Gedanken dazu in sichtbare Gedanken (Meme) zu formen. Manifestierte Gedanken, die das System letzendlich nach und nach von innen breitbandig verändern soll.

Bei “Krieg” haben wir alle nämlich ganz bestimmte aber dennoch verschiedene Assoziationen, meist geprägt durch unsere Medien (Computerspiel bis Nachrichten), da die meisten von uns ihn nicht leibhaftig erleben mussten. Wir kennen Krieg nur aus der “Glotze” und haben ein entsprechend beschränktes Bild davon. Wir wissen weder wirklich von den Leiden der betroffenen Menschen, vom Wahnsinn der Befehlshaber, noch vom ganz normalen Alltagsleben zwischen den Gefechtspausen. Wir können ihn nur medien- bzw. schemenhaft erahnen. “Krieg” ist für uns ein legitimer Thriller. Etwas schreckliches, spannendes, aber zum Glück auch sehr distanziertes, was wir mit einer kleinen magischen Fingerbewegung einfach wegzappen können. Doch Krieg ist auch bei uns gesellschaftlich allgegenwärtig, er manifestiert sich in anderer perfider Art & Weise und bestimmt somit auch heute noch den Großteil unseres Denkens und Handelns.

Der Krieg an Nachbars Gartenzaun, der Rosenkrieg oder das Büro als Strombergsches Schlachtfeld. Unternehmen und dessen Mitarbeiter verwenden ganz selbstverständlich den Kriegsjargon in der täglichen Kommunikation miteinander. Da ist die Rede von Zielgruppen, Targets, Kampagne, Offensive, Strategie und selbst der Begriff “Werber” stammt noch aus uralten Schlachtzeiten. Das war nämlich der Trommler, der die Kompanie auf Linie hielt. Wir befinden uns also immer noch im Krieg, ganz zu schweigen von den Traumata des zweiten Weltkrieges, den wir noch Generationen später psychisch, dank memetischer Übertragung, am eigenen Leib & Seele erleben.

“Hack the war”, bedeutet in erster Linie sich dem Krieg aus einer anderen Perspektive zu nähern, abseits der gängigen Medien- und Hollywoodklischees. Wirklich mal kurz in sich gehen und sich zu fragen, was Krieg tatsächlich bedeutet, was es für betroffende Menschen bedeutet, was es für einen selbst bedeuten könnte, wenn man von heute auf morgen in soetwas hineingezogen werden würde? Der zweite Schritt ist das Aufrütteln von umgebenden Menschen, Menschen die einem Zuhören, Menschen die einem nahe stehen. Egal ob virtuell in Form von Blogs oder Twitter oder ganz klassisch im 1:1 Gespräch im Café. Ja, wir haben massig viel Zeit um uns über DSDS, Germanys Next Top Model, Fußball, die neuste Mediamarktwerbung oder das heißeste Gadget oder Twittertool zu unterhalten. Wir haben Zeit und Geld um dafür Konferenzen, Aktionen, Websites, Kunst oder ganze Bücher zu schreiben. Geistige Dauerprokastination von den etlichen existenziellen Themen dieser Welt. Schade eigentlich. Warum werden existenzielle Themen von uns als so anstrengend, langweilig oder pathetisch empfunden? Frustration? Überforderung? Mangelndes Selbstbewusstsein? Fremdbestimmung? Scham? Langeweile?

Ablenkung und Flucht ist toll. Ich nutze sie selbst all zu gerne. Doch von Zeit zu Zeit blitzt in mir etwas auf. Ein inneres Zucken. Ein Stechen. Ein Unbehagen. Etwas, was mich dazu antreibt genau das zu tun, was ich jetzt gerade versuche ellenlang zu formulieren. Ich möchte einfach ein Signal setzen, dass ich nicht einverstanden bin mit vielen Dingen, die da draußen laufen. Ich möchte den Menschen danken, die sich ihr Leben lang oder auch nur eine Sekunde sich über existenzielle Fragen einen Kopf gemacht haben. Gleichzeitig merke ich in diesen Momenten wie gut es mir und wie schlecht es anderen Menschen geht. Ich merke aber auch, dass ich abgleite in die große Weltrevolutionsgedanken, die aber im Grunde genommen, die gleiche Ablenkung, nur eben für “Gutmenschen” (ich hasse das Wort), darstellt. Nein, Krieg verändert man nicht global. Das frustriert und führt zur oben beschriebenen Ablenkung. Krieg verändert man lokal. Also als allererstes im eigenen Hinterstübchen. Das Deprogrammieren der kriegerischen Klischees und Programme, die wir seit tausenden von Jahren durch Imitation an die nächste Generation erhalten haben und wieder weitergeben. Denn Krieg ist Normalität. Krieg bedeutet Frieden. Krieg gehört dazu. Wirklich? Ist es so?

Hack the war! If you dare it! Happy 40th “Year of Peace” Anniversary to Yoko & John

Die Gedanken sind frei und nicht an Grafiken gebunden. Wir erinnern uns, im “Bed-In” entstanden unzählige Formen der Kunst. Gedichte, Songs, Plakate, Dialoge und und und. Wir sind Herr der Meme und nicht umgekehrt. Zeigt mir einfach, dass ich nicht alleine bin. Ich glaube darum geht es mir in erster Linie. Und es geht darum, den Krieg in uns zu beenden. Mit uns und unseren nahestehenden Menschen wie Familie, Freunde, Kollegen und begegnenden Menschen Frieden zu schließen. Nur so kann es sinnvoll beginnen und zu etwas möglichem Größerem erwachsen. Ohne Zwang. Ohne Druck. Ohne Dogmen, Konsequenzzwang und wenn möglich ohne den erhobenen Zeigefinger. Ein paar Minuten ist ein Anfang. Eine Grafik ein erster Schritt. Ein Text ein wichtiges Signal. Wir müssen uns nicht 1 Jahr ins Bett legen, auf anstrengende Friedensdemos ziehen oder ganz und gar auf Ballerspiele verzichten. Einmal kurz Nachdenken, einmal kurz mitdenken und mitreden. Das wäre ein schöner und wichtiger Beginn.

Upload Peace

Imagine Peace! Follow Yoko. Upload Peace. Danke!

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