BREITENBACH


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14. Nov 2008

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Ich kann bzw. ich will nicht mehr Menschen in rein “gut” oder “böse” objektiv und stellvertretend für alle anderen Menschen in einer Gesellschaft für immer festgelegt einteilen (Auch wenn die Verlockung allgegenwärtig ist.) Da liegt doch der Haken. “Gut” und “Böse” kann nur jeder für sich selbst aus seiner subjektiven Denk- und Moralwelt heraus entscheiden. Wir alle haben den freien Willen Dinge, Taten und uns selbst in “gut” und “böse” einzuteilen, das heisst aber nicht, dass dies mit der Einteilung von anderen Menschen übereinstimmt. Wenn es keine Übereinstimmung gibt, kann es niemals die reine objektive Wahrheit sein, weil deren Makellosigkeit zerstört wäre. Demokratie und Konsens einverstanden. Eine makellose Wahrheit? Niemals!

Die einen glauben an einen heiligen Krieg, andere an den Frieden, Dritte wiederum huldigen Mammon und seinen Gesetzen. Wer von ihnen hat nun wirklich Recht? Natürlich immer nur wir selbst, bzw. unser eigenes Wertesystem. Wir orientieren uns an unserer Kultur und dessen Regeln, die wiederum ein Konsens (meist sehr alt und teilweise überholt) aus subjektiven Beobachtungen und Vorstellungen von der Welt. Früher dachten wir “onanieren” wäre böse. Menschen, die anders dachten und lebten, als der Konsens, wurden früher einmal auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Wir haben nicht die wahre Erkennnis von der Welt, sondern nur rein Ich-oder fremdgefärbte Fragmente. So wie meine Ausführungen hier. Man kann sie sowohl als naiv, idealistisch, freidenkerisch, anarchistisch, spinnert, selbstgefällig, als auch als subversiv, dumm, klug, weise, affig oder einfach nur sympathisch, also zu mir passend, werten.

Es geschieht. Alles gleichzeitig. Ich kann nur so sein, wie ich bin oder vielmehr die Vorbilder, die ich mir suche oder in der Vergangenheit gesucht habe: Menschen, von denen ich mehr lernen möchte, Lehren, die mich begeistern oder Ideen, die mich inspirieren. Aber eben auch Menschen, die einen runterziehen können, durch die Demütigung oder Verletzung anderer Menschen. Auch das sind Vorbilder, weil man es erlebt und parallel somit auch im Inneren miterlebt. Das heisst aber nicht, dass man dieses Vorbild anhaltend umklammern muss. Kinder, die von ihren Vätern geschlagen wurden, sind eben nicht dazu verdammt das gleiche zu tun. Väter, die ihre Kinder jetzt schlagen, sind nicht dazu verdammt es auch weiterhin zu tun. Väter, die selbst nicht geschlagen wurden, sind aber auch nicht absolut davor gefeit, ihre Kinder nicht zu schlagen.

Alles fließt und somit hat jeder Mensch und jede Idee die verdammte Chance und Möglichkeit sich zu verändern, sich neu zu orientieren. Verzeihen, Entschuldigen, ein Neuanfang. Alles ist drin. Sonst wäre das alles hier auf Erden sehr sehr traurig, aber vor allem tierisch langweilig.

15. Jun 2008

Re: Angst

Eine mögliche Antwort auf den Blogeintrag “Angst” bei Rebell ohne Markt:

Es gibt ein Ungleichgewicht der Angst in diesem Land. Man muss überlegen, wie man die Angst dorthin zurückträgt, wo sie herkommt.

Angst allein kann nicht nur von “außen” entstehen, weil es kein “außen” im System gibt. Angst braucht immer auch Rezeptoren. Unsere materiell geprägte Kultur, der durch Industrialisierung und Technologisierung bedingte Verlust von alten spirituellen Strömungen lässt uns in einem Meer aus Ungewissheit und Orientierungslosigkeit treiben. Wir glauben nicht mehr an Gott, aber wir sehnen und nach einem. Die Wissenschaft hat uns lange Zeit verboten, einen zu haben. Wir wissen heute nicht nur keine Antworten auf die existenziellen Fragen, wir stellen sie meist gar nicht mehr, sondern verharren im ewigen Ego-Zustand auf einem der beiden Pole: Gut oder böse - böse oder gut.

Angst kann zwar gestreut werden, jedoch muss sie auch zugelassen werden, damit sie überhaupt andocken kann. Angst entsteht durch die Aktivierung der wichtigsten “Programme” im menschlichen Denken, die da lauten: Tod (also Ichverlust und Verlust von anderen “Ichs” die das eigene Ich bilden), Verlust von materiellen Besitztümern (Armut) und Ausgrenzung aus der Gesellschaft (Verrücktheit). Diese Wegweiser zwingen uns ständig dazu dem Einfluss von angstschürenden Dingen nachzugeben, sich dem allgemeingültigen Bild dieser Gesellschaft, also den Normen, anzupassen. Sie sind die Rezeptoren für Angst.

Die Angst ist auf der Seite der Wehrlosen, sie ist nicht auf der Seite der Korrupten und derer, die Wanzen verstecken, Angst ist ein Instrument, gegen das es keine gesetzlichen Regelungen gibt, und die Frage, die sich mir stellt, ist eigentlich ganz einfach: Wie bleibt man legal, und produziert trotzdem Angst auf der anderen Seite, und zwar so, dass eine Abwehr mit Typen wie dem oben genannten schwer wird?

Wer Angst sät, wird auch immer wieder Angst ernten. Die Lösung kann also immer nur die bewusste Vermeidung der Aussendung von Angst sein, denn wenn wir begreifen, dass die böse Seite von sich selbst denkt, dass sie zu den “Guten” gehören, wird uns sehr schnell klar, dass wir mehr gemeinsam haben, als wir bisher dachten. Beide Seiten, egal ob subjektiv als “gut” oder “böse” eingestuft, haben Angst davor etwas von ihrer Existenz und allem was da an materiellen Dingen dazugehört abzugeben. Das gegenseitige Angstmachen, schürt doch gerade die Gewalt im gesamten System. Angst einflößen impliziert auf der anderen Seite genau das gleiche Verlangen, nämlich “Angst um Angst” zurückzuschlagen.

Angst ist also das falsche Mittel. Die Frage lautet also eher, wie gehen wir mit “denen auf der anderen Seite” um? Wie kommunizieren wir mit “ihnen” - wollen wir das überhaupt? Wollen “wir” in Ruhe gelassen werden oder lieber permanent rekrutieren und “andere” überzeugen. Wollen “wir” Recht besitzen oder uns den “anderen” annähren. Soll es dauerhaft Krieg oder Frieden sein?

Kann es sowas wie weissen Angstismus, Terrorismus geben?

Wir befinden uns ja gerade mittendrin. Wir halten es alle am Leben. Wir ernähren Terror durch die Streuung und Akzeptanz von Ängsten. Ohne Angst gäbe es gar keinen Kampf gegen den Terror bzw. den Terror als solchen. Terrorismus ist ein von uns selbst erschaffener, zum großen Teil gedanklich konstruierter Leviathan. Wieviele Menschen sind denn unmittelbar körperlich vom Terror bedroht und wieviele Menschen fühlen sich nur rein gedanklich vom Terror bedroht? Durch die weltweiten Kanäle der Medien gelangen die Konflikte der “restlichen” Welt direkt und in High-Def mitten in unser kuscheliges Wohnzimmer. Die Couch wird zum Kriegsschauplatz und gleichzeitig zum terroristischen Ziel. Dabei werden wir von den Medien tagtäglich dazu angehalten, zu wovor wir uns zu fürchten und was wir gefälligst zu hassen haben. Das ist der Motor des Systems Terror.

Ein Naturvolk im brasilianischen Regenwald, kennt bzw. kannte Terror einfach nicht in dem Maße, wie wir ihn definieren. Es hat jedenfalls keinerlei Vorstellung von “unserem Terrorismus”, geschweige denn von explodierenden Wolkenkratzern. Es weiß weder etwas vom Nahostkonflikt, noch etwas von schwindenen Ressourcen. Es hat keine Ahnung von rivalisierenden Religionen oder politischen Ansichten, geschweige denn von ausgebeuteten oder nutznießenden Staaten. Darüber sollte man mal einen Moment nachdenken, denn dann wird einem schnell bewusst, wie flexibel eine Weltanschauung eigentlich ist und dass die Strukturen doch nicht so verkrustet sind, wie man oftmals annimmt.

Was kann das Individuum gegen das System und seine Organisationen tun, wenn der Staat sich nicht mehr dem Bürger, sondern dem halbverstaatlichten Beziehungskomplex mit seinen Lobbyisten, Vertretern und Verwaltern verpflichtet fühlt?

Wir sind alle Teil des “Systems”, wir konstruieren es täglich mit und es verändert sich nicht, solange wir es “füttern” durch entsprechende Denkweisen und Handlungen. Wir halten die Nicht-Veränderung am Leben. Ein System ändert sich ständig, nur durch unser Zutun bleibt es starr und unbeweglich. Wenn wir etwas ändern wollen, so muss es jeder einzelne für sich tun. Das “Kollektiv”, also das Volk, der Staat oder die Gesellschaft entsteht durch die Gesamtheit aller vorhandenen Lebens- und Denkeinstellungen.

Die klassischen Medien, insbesondere das Fernsehen ist zu unserem gesellschaftlichem Hauptvorbild geworden. Großfamilienstrukturen lösten sich auf, Anonymität auf der realen Ebene macht sich breit und wir kommunizieren fast nur noch per Bande, also über die Medien. Film- und Serienfiguren sind unsere Vorbilder geworden. Ihren Lebenstil kopieren so viele Menschen. Nachrichten sind zum Alleinwissen mutiert. Die kurzen bunt geschnittenen Clips suggerieren uns, wie die Welt funktioniert bzw. zu funktionieren hat. Shows nehmen uns die Langeweile, weil wir in den Kandidaten uns selbst suchen und uns an ihnen orientieren. Doku-Soaps, meist inszeniert und verfälscht zusammengeschnitten, sollen uns ein Bild über unsere eigene Gesellschaft wiedergeben und wir hinterfragen es nicht. In einer medialen Welt, in dem die Kanäle zu “Programmen” in unserem Kopf werden, können wir nur reagieren, indem wir uns dessen bewusst werden. Das ist der erste wichtige Schritt. Sich Bewusstwerden, was wir täglich konsumieren und welchen Einfluss es auf unsere Psyche, auf unser Denken ausübt.

Vielleicht liegt die Lösung in der intensiven Aufklärung, in der Untersuchung nach stark wirkenden, tatsächlich aber schwachen und verletzlichen Punkten im System. Man muss lernen, was Angst ist, wie sie entsteht und wie sie wirkt. Jeder hat Angst.

Die Lösung liegt nur in der Bewusstmachung von Angst, nicht in der Suche nach Schwachstellen des sogenannten “Feindes”. Denn sonst befindet man sich wieder mittendrin im Spiel des Kollektivs, also des ewigen Kampfes um das eigene Selbstbild aufrechtzuerhalten, das da lautet: Du bist böse und ich bin gut. Die Antwort lautet aber eher: Wir sind.

Wir sind eine Spezies, die gerade einmal ein paar Generationen zwischen sich und friedlich lebenden Primaten hat, die aber heute schon emsig Smartphones bedienen können. Wir sind aber auf der Schwelle zu einer neuen Evolutionsstufe, die rein geistig abläuft, indem wir durch die Vernetzung von Informationen, Wissen und der Chance andere Kulturen kennen- und schätzen zu lernen, uns in einem größeren Kontext vorstellen können. Erst wenn wir uns diesem großen Kontext bewusst werden, also den gemeinsamen Wurzeln der Menschen (die berühmte Ursuppe), erst dann können wir ein Ziel setzen, ob wir weiterhin gegeneinander kämpfen möchten, oder ob wir endlich einmal damit beginnen an einem Strang zu ziehen und das Leben zu konstruieren, wie es im Grunde genommen jeder Mensch für sich selbst und seine Nachkommen wünscht: Ein Leben in Frieden, Harmonie und reiner Glückseligkeit. Es ist alles im Überfluss da. Wir müssen nur lernen es miteinander zu teilen.

Die Antwort kann nicht sein, die Iren rauszuschmeissen, die Antwort muss sein, dem System noch mehr Gegenangst zu machen.

Wenn man mal begriffen hat, dass man gar nicht außerhalb des Systems existieren kann, sondern immer Teil dessen ist, dann wird man auch sehr schnell begreifen, dass man durch Angst verbreiten auch wieder Angst kassieren wird. Eine Befreiuung kann niemals gewaltsam geschehen, denn es mündet immer wieder in einer Gefangenschaft. Eine Befreiuung kann erst dann geschehen, wenn wir allen ihre Freiheit zusprechen. Angst kann man nie bekämpfen, Angst kann man höchstens integrieren und damit weniger zum Bestimmer des eigenen Lebens machen.

6. Jun 2008

Wir sind Überlebensmaschinen

Gerade bin ich bei Richard Dawkins Buch „Das egoistische Gen“ auf einen sehr interessanten und aufschlussreichen Absatz gestoßen. Dawkins spricht von den Anfängen des Lebens und wie sich die ersten Moleküle aus der großen dampfenden Ursuppe gebildet haben. Die „Replikatoren“ entstanden, mit der wichtigen Eigenschaft, sich selbst - wenn auch mit Fehlern oder Verbesserungen (je nach Sichtweise) - immer wieder erneut zu kopieren. Dawkins schreibt:

Die Replikatoren fingen an, nicht mehr einfach zu existieren, sondern für sich selbst Behälter zu konstruieren, Vehikel für ihr Fortbestehen. Es überlebten diejenigen Replikatoren, die um sich herum Überlebensmaschinen bauten. (…) Heute drängen sich riesige Kolonie, sicher im Innern gigantischer, schwerfälliger Roboter, hermetisch abgeschlossen von der Außenwelt; sie verständigen sich mit ihr auf gewundenen, indirekten Wegen, manipulieren sie durch Fernsteuerung. Sie sind in dir und in mir, sie schufen uns Körper und Geist, und ihr Fortbestehen ist der letzte Grund unserer Existenz. Sie haben einen weiten Weg hinter sich, diese Replikatoren. Heute tragen sie den Namen Gene, und wir sind ihre Überlebensmaschinen.

Mit „wir“ spricht Dawkins natürlich nicht nur von uns Menschen, die wir uns immer gerne getrennt vom gesamten System der Atome - also der Natur - betrachten. Er spricht von der Gesamtheit aller organischen Strukturen, die eben “Gene” in sich tragen. Der Gedanke, der mir spontan in den Sinn kam, ist die Überlegung hinsichtlich der Atomstrukturen ohne entsprechenden Genkern, also Gegenstände bzw. Objekte. Sind wir (Menschen) nicht irgendwie dessen Replikatoren geworden? Wir können Materie so beinflussen, formen und herstellen (und somit auch kopieren), dass wir im Grunde genommen ebenfalls die Aufgabe von Genen übernommen haben. Natürlich mag man sofort denken, dass ein Tisch uns nicht befehlen kann, dass wir ihn replizieren. Doch woher kommt das Bedürfnis, den Tisch in Masse herzustellen, seine Form zu variieren? Hier erwarte ich in Dawkins Buch noch einige Antworten, vor allem wenn es thematisch um die nicht-stofflichen Gene geht: Die Meme.

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