Meme & Kulturelle Kontexte: Autofahren in Deutschland
Vor kurzem habe ich eine spannende Reportage über die Autokultur in Deutschland gesehen.
Dazu einige Bemerkungen und Gedanken dazu:
1. Die Automobilindustrie (vornehmlich die Automobilmarken) ist weiterhin extrem ignorant bzw. an vielen Stellen naiv und dummdreist. Sie lehnen sich zurück, warten auf den Knall, sie hören es knallen und bitten den Staat um Hilfe, verbitten sich dabei aber eine Einmischung vom Staat. Ich glaube in einem Familiensystem würde man ein solches Verhalten als “verzogen” betrachten.
2. Die Automobilkäufer sind immer von starken Memen geprägt - vornehmlich aus den Medien und der Unterhaltungsbranche (von der Vorabendserie über das Formel1-Tamtam bis zum James Bond Knaller). Gleichzeitig ist bei uns das Autofahren in unserem kulturellen Kontext gleichzusetzen mit “der Autobahn” und dem fehlenden Geschindigkeitslimit. Bei uns ist das Autofahren memetisch assoziiert mit Freiheit, Geschwindigkeit und - im Zuge von begleitenden Risikofaktoren bei Raserei - mit Sicherheit.
3. Der Bau eines innovativen, nur wenige 100 kg schweren Elektromobils, kann niemals eine sofortige, adäquate Alternative für den deutschen Markt sein. Wir Deutschen brauchen ein stabiles Auto, das ganz einfach AUTOBAHNTAUGLICH ist. Bedeutet: Eine gewisses Maß an Leistung und Geschwindigkeit, eine grundlegende Ausstattung an Sicherheit (bringt Gewicht ins Spiel) und ein großzüges Maß an Raumkomfort (gerade bei Familienautos). Alle bisher vorgestellten Alternativautos, wie auch der eingestampfte 3Liter-Lupo sind/waren kleine Golfcaddywägelchen, die sich noch nicht einmal als Zweitwagen für den Haushaltsvorstand (und dem Großeinkauf mit den 2 Durchschnitsskindern) eignen, von langen Autobahnfahrten mal ganz abgesehen. Der “Mini” übrigens ist als kleines Auto deshalb so erfolgreich, weil man damit durch den Druck aufs Gaspedal den dicken fahrenden Autos genüßlich symbolisch den Stinkefinger zeigen kann. Ohne die Power unter der Haube wäre der “Mini” ein Nichts.
4. Mögliche Lösungsansätze:
a) Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen führt zu einer allgemeinen Entschleunigung, ohne dass man wesentlich später am Zielort wäre (man denke nur an Staus verursacht durch Raserunfälle etc.) und damit kommt es zu einer Art Druckentlastung im Bereich Geschwindigkeit und Sicherheit. Ich muss als kleines Auto nicht mehr gegen fette rasende SUV konkurrieren und so Angst haben, dass ich einfach mal von hinten mit 240 Sachen platt gemacht werde.
b) Die neu entwickelten Fahrzeuge müssen unbedingt Rücksicht nehmen auf die grundlegenden Bedürfnisse der Fahrzeugführer. Das bedeutet genügend Raum schaffen und die Autos auch wirklich autobahntauglich bauen. Das Bedürfnis nach Sicherheit und Komfort darf keinesfalls vernachlässigt werden. Nur Freaks würden sich ein leichtes Elektromobil kaufen, solange es noch LKWs, Busse und rasende Vollidoten auf Deutschlands Straßen gibt.
c) Lieber prozessorientiert handeln, d.h. schrittweise Technologien erfinden, wie man nach und nach den Verbrauch drosseln kann. Lieber fahre ich mit 6 Litern auf Autobahnen als mit 3 Litern in der Stadt.
d) Umweltbewusstes Verhalten muss wesentlich stärker belohnt werden. Der Bordcomputer meines Autos muss mir permanent sagen, was ich gerade gutes für die Umwelt tue, aber vor allem welch cleverer Fuchs ich bin und somit viel Geld beim Tanken einspare. Auch der Staat könnte in diesem Bereich wesentlich mehr Anreize schaffen.
e) Überhaupt sollte der Staat - wenn er schon mit unseren öffentlichen Geldern marode Automobilkonzerne stützen muss - ein Wörtchen mitreden und auch entsprechende Auflagen durchsetzen. Man mag von China halten was man will, aber ein reguliertes Limit für Spritverbrauch halte ich nicht für falsch und in keinem Maße wettbewerbsbehindernd - ganz im Gegenteil.
f) Offensichtlich irreführende Kommunikation in der Werbung, sogenanntes Greenwashing, muss konsequent entzaubert werden. An der Stelle schreie ich nicht nach dem Staat, hoffe aber auf den boden- und anständigen Journalismus (Hoffnung stirbt zu letzt).
g) Neue Meme braucht das Land. Die neuen Autoalternativen müssen natürlich extrem präsent in den Köpfen der Menschen werden. Also man muss sie auf den Straßen fahren sehen, im Fernsehen beobachten können und überhaupt müssen sie zu einem Gesprächsthema werden. Auch hier können wir wieder einiges von Toyota lernen, die es bisher als einziger Automobilkonzern geschafft haben, Innovation, Vernunft und Verständnis für den Markt in Einklang zu bringen.
h) Ohne Forschung & Entwicklung und dem dazugehörigen Risikoinvest, wird es keinen Meter vorwärts gehen. Das bloße Stieren auf kurzfristigen Profit wird langfristig diese Konzerne zerbröseln lassen - jedenfalls wenn Papa und Mama Staat nicht immer wieder dem Bub helfen und ihm zusätzlich noch ein Leckerli bei konsequentem Versagen geben würden.
i) Erst wenn der Leidensdruck bei allen Parteien extrem groß ist, wird ein Umdenken erzielt. Doch leider ist es meist dann schon viel zu spät und wir alle kennen auch den letzten Ausweg des Suizids. Daher wohl lieber an anderen Punkten ansetzen, oder?
Gibt es noch weitere Ideen?







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