Yes! I’m a Designer! Or not? Or what?

Früher dachte ich, Designer seien diese unrasierten, schwarzbebrillten Typen, die besonders gut malen können. Bis vor kurzem dachte ich Designer seien diese unrasierten, schwarzbebrillten Typen die besonders gut mit Photoshop und Illustrator umgehen können.
Heute weiß ich dass Designer nicht zwanghaft etwas mit Grafik am Hut haben müssen. Es geht nicht um die ästhetische Ausdrucksweise, das Stilmittel oder die Benutzung des jeweiligen Werkzeuges, sondern um die Grundeinstellung, eine bestimmte Art zu denken und zu handeln bei dem die Idee des Erschaffens und Ordnens im Vordergrund steht.
Designer sind Menschen, die den Trieb haben diese Welt schöner, besser oder schlichtweg anders zu gestalten. Im Gegensatz dazu, gibt es die Manager oder nennen wir sie lieber “Verwalter” (denn es gibt auch vereinzelt Designer in Managerpelzen). Die tun eben alles dafür, dass der Status Quo aufrechterhalten wird oder das Ungreifbare (was der Designer spürt) durch eine Prozessabbildung greifbar machen will. Der Verwalter steht auf MaFo und UseCases, auf Prozessdefinitionen und Monitoring, kurzum auf Kontrollinstrumente aller Art. Er will den schönen Status Quo um jeden Preis erhalten, also in erster Linie mögliche Fehler vermeiden.
Der Designer hingegen, der spinnt. Nämlich sich die Sachen so vor sich hin aus seinem Bauch heraus. Vieles was er da vor sich hinmurmelt oder kritzelt ist erstmal vielleicht nur Müll. Eben vor sich hingesponnen. Unausgereift. Ein Ordnungsprozess. Denn er entwickelt schließlich Dinge - er fertigt sie nicht. Die Denkweise des Designers sieht vor, dass man stets vor und zurück geht, vor und zurück; Entwerfen und verwerfen, entwerfen und verwerfen. Das macht den Verwalter natürlich wahnsinnig. Der schäumt, tobt und fleht um Effizienz.
Wir alle tragen übrigens beide Sichtweisen in uns. Wir entscheiden uns meist irgendwann nur für eine bestimmte Rolle. Beide Rollen sind übrigens gleichwertig, gleich wichtig und gleich schwierig, denn bestünde die Welt nur aus Designern, gäbe es zwar tolle Ideen, aber keine Umsetzungen dieser Ideen, niemand der sie finanziert oder entsprechend in einen Arbeitsprozess hineinbringt.
Wer sich das Thema “Innovation” auf die Fahnen geschrieben hat, der muss den Designern mehr Raum geben. Designer brauchen ein kreatives Ambiente und eine ausgewogene Mischung aus Druck und Freiraum (siehe Apple). Wer seine Position aber lediglich stabil halten will, der besorgt sich jede Menge Verwalter und lässt sie ihre Arbeit verrichten (siehe Microsoft). Beides ist legitim.
Wie dem auch sei. Ich war jedenfalls sehr froh, dass Tim Leberecht von FrogDesign mir mit seinem Vortrag auf der re:publica erneut klargemacht hat (Designer neigen scheinbar auch immer zu Selbstzweifel, vgl. entwerfen/verwerfen), auf welcher Seite ich eigentlich stehe:
PS: Designer sind am Ende auch immer nur so gut, wie es ihr jeweiliger Verwalter zulässt - und umgekehrt! ZZZZENNNN!


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