BREITENBACH


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28. Nov 2008

schritte

spread wings

Ich bin sowas von aufgeregt. Ich stehe kurz davor in einen neuen beruflichen Lebensabschnitt einzutreten. Dazu werde ich manches loslassen, ein Schritt, der wirklich nicht einfach ist, denn er erfordert Vertrauen. Vertrauen in andere Menschen, Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten, aber in erster Linie das Vertrauen der Menschen, für die ich verantwortlich bin. In einer Gesellschaft in der Selbstbewusstsein oft in einem Topf mit Selbstgefälligkeit oder Narzismus geworfen wird, ist es gar nicht so einfach als reflektierender Mensch durchs Leben zu ziehen. Selbstsicherheit wirkt auf nicht selbstsichere Menschen bedrohlich, denn ein strotzendes Selbstbewusstsein erinnert einen nur viel zu oft an das eigene verletzliche Ego und an all die Wünsche und Träume, die man doch hätte umsetzen können, wenn man doch nur die Gelegenheit …

Genau das ist der Punkt. Versuchen und darüber reden allein reicht eben nicht. Andere für ihren Erfolg, für ihren mutigen Schritt beneiden ist einfach viel zu wenig. Schadenfreude bei gescheiterten mutigen Schritten ist Gift für eine nach Weiterentwicklung strebende Gesellschaft. Also lautet die Konsequenz, wenn man etwas verändern möchte: Vormachen. Man muss selbst den Schritt gehen.

Ich werde ihn sehr bald gehen. Für manche mag er lächerlich erscheinen oder gar nicht so dramatisch wie es jetzt hier vielleicht klingt, aber für mich selbst, ist es ein sehr großer und bedeutender Schritt, denn ich verlasse ein Stück weit sicheres Territorium, tauche ein in unbekannte Gebiete ohne zu wissen was mich, aber vor allem meiner zu versorgenden Familie erwartet. Scheitert es? Wird es ein großer Erfolg? Zerplatzt der Traum oder wird er Realität? Ich werde es sehr bald herausfinden. Ich bin sehr zuversichtlich und sicher, dass es ein Erfolg wird.

Aber - ich bin sowas von aufgeregt.

17. Nov 2008

schauspielhäuser


Dieses Haus steht in Dresden.

Gestern spazierte ich im Dunkeln durch unseren kleinen Stadtteil. Ich liebe das. An den beleuchteten Fenstern vorbeigehen und einen kleinen Blick in die Lebenswelten der Hausbewohner riskieren. Jedes Fenster ist dann wie eine Bühne, ein Ort der Geschichten. Sehr inspirierend. Aber auch der Rest drumherum bietet viele Ansatzpunkte für Stories. Ob es die Wahl und Dekoration der Haustür ist oder die mögliche Verschönerung der Regenrinnen.

16. Nov 2008

angerichtet

Keine Ahnung, warum ich hier bin. Um mich herum sitzen so viele fremde, komische Leute. Ein paar haben so merkwürdige Klamotten an. Die Tische sind langgezogen und der Raum wirkt dunkel und bedrückend, wahrscheinlich durch das ganze dunkle Holz an Decke und Wänden. Ich bin so schrecklich aufgeregt. Ich verstehe nichts. Ich muss mal. Neben mir sitzt meine Mama. Gegenüber sitzt mein Papa. Doch er ist mir so fremd. Ich würde ihn ja gerne ansprechen, berühren oder sonst irgendwie zeigen, dass ich ihn vemisse und ich nicht weiß was eigentlich hier los ist. Die Erwachsenen um mich herum reden unheimlich viel Zeug, dass ich nicht wirklich verstehen kann. Das macht mir noch mehr Angst. Mein Papa sieht sehr traurig aus und wirkt sehr müde. Ich kann ihn nicht anschauen. Ich kann überhaupt niemanden hier anschauen. Ich will nur weg. Raus hier. Nach Hause. Am liebsten zu Opa. Doch ich muss hier sein. Mit all den fremden Leuten. Der Mann mit dem komischen Gewand spricht mich jetzt an. Er fragt mich, wie ich denn heiße. Ich schweige. Ich will ihm antworten, ich glaube ich muss ihm sogar antworten, aber ich kann es nicht. Mein Herz rast. Ich kann einfach nichts sagen. Nun fragt er mich, ob ich weiß, wer “der Mann da” ist. Natürlich weiß ich das. Es ist mein Papa. Aber ich schweige auch diesmal. Ich kann es nicht sagen. Er ist mir zu fremd. Ich kenne ihn doch kaum noch und doch möchte ich es am liebsten herausschreien. Das ist doch mein Papa. Mein Einziger. Doch ich kann nicht. Ich schweige. Ich habe Angst. Ein letzte Frage von dem Mann mit dem Umhang. Ob ich lieber Fanta oder Sinalco trinke. Auch hier schweige ich. Die Antwort wäre so einfach. Doch ich muss nur an Papa denken, den ich im vorherigen Moment verleugnet hatte. Alles drehte sich nur noch um die eine Frage und die eine fehlende Antwort von mir. Ich war 5 oder 6. Für manche im Raum 207 war es ein Tag wie jeder andere, ein Fall wie jeder andere. Doch mindestens zwei Menschen konnten diesen Tag niemals vergessen. Mindestens zwei Menschen brach dieser Tag, dieser eine Moment, das Herz. Einer hat es überlebt - der andere nicht.

7. Nov 2008

ich konnte dich nicht besuchen

Die Straße in der ich einen Großteil meiner Kindheit verbracht habe, war gespickt mit Gastarbeiterhäusern. Deren Einfahrt, von einer Hauptverkehrsstraße, kurz nach einer goßen Flußbrücke, war klein und eng, hatte schon manches Blech auf dem Gewissen und führte über den kleinen Flußausläufer, der die Metall- und Eisenfabriken ganz in der Nähe mit Wasser versorgte. Der Schnittpunkt der beiden Straßen war in einer scharfen Kurve gelegen. Die Stelle war unübersichtlich, gleichzeitig eine Ortseinfahrt und dadurch höllisch gefährlich - zumal es immer irgendwelche Irren gab, die diese Strecke gnadenlos entlangheizten. Ich erinnere mich noch, wie ich damals meine ersten Erfahrungen mit dem Fahrrad rund um dieses Verkehrskonstrukt gesammelt habe. Einmal hat mich meine Mutter bei meinen gewagten Kapriolen erwischt und mir vor lauter Panik einen langen Vortrag zum Thema Verkehrssicherheit gehalten und dass ich als Draufgänger und Hansguckindieluft eigentlich prinzipiell gar kein Fahrrad fahren dürfte. Ich verstand sie natürlich überhaupt nicht, schließlich war ich als kleiner Knirps so gut wie unbesiegbar.

Doch dann geschah etwas. Ein anderer Junge aus der Straße, mit dem ich ab und zu spielte, wurde genau an dieser gefährlichen Stelle von einem Auto erfasst. Ich erinnere mich noch an den Wirbel in der Straße und wie viele türkische Familien dort durcheinander und aufgeregt waren. Er hieß Benjamin (was man im türkischen aber anders betont) und er war eigentlich so etwas wie mein Freund, schließlich spielte ich oft mit ihm und seine anderen Freunde. Normalerweise wäre also ein Besuch im Krankenhaus mehr als angebracht gewesen. Freunden steht man doch in solchen Situationen bei. Auch meine Familie fragte mich wohl öfters, ob ich ihn nicht einmal besuchen möchte. Doch ich wollte nicht. Absolut nicht. Mein Verhaltem muss von außen bertrachtet wohl ziemlich kaltherzig gewirkt haben. Doch innerlich hat es mich zerrissen. Natürlich empfand ich etwas für Benjamin und natürlich nahm mich dieser Unfall genauso mit, wie den meisten Anwohnern dieser Straße. Ich hab nur nicht darüber gesprochen und ich hatte einfach verdammt viel Angst.

Ich habe mir in meiner Vorstellung ausgemalt, wie er da liegt, im Krankenzimmer, an Schläuchen, peipenden Geräten, mit blutigen Verbänden und entstelltem Gesicht. Ich wollte diese Vorstellung keinesfalls in Realität verwandeln. Ich wollte, dass es einfach nicht wahr ist. Und dennoch zerriss es mir das Herz, denn natürlich empfand ich mich selbst auch irgendwie auch als Verräter, als treuloser Freund und kaltherziger Mensch.

Um dennoch irgendwie Anteilnahme zu zeigen, tat ich etwas richtig bescheuertes. In der Tageszeitung stand ein Unfallbericht, ich dachte, wenn ich das em Vater von Benjamin zeigen würde, sähe er, dass ich ich mich doch irgendwie kümmerte. Natürlich erzeugte ich durch diese Handlung das schiere Gegenteil. Sein Vater war völlig aufgebracht und brach soweit ich das weiß in Tränen aus, seine Freunde um ihn rum trösteten ihn. Eine Situation, die mir aufgrund meiner mangelnden Erfahrungen mit solchen emotionalen Situationen natürlich noch wesentlich mehr Angst einjagte. Benjamin wurde anscheinend von einem besoffenen Autofahrer angefahren, so stand es jedenfalls im Bericht. Und ich naives, ängstliches Wesen hielt dem Vater des Opfers gnadenlos die gedruckten Tatsachen vor Augen. Dieses Gefühl, diese Situation sperrte ich bis heute in eine kleine Kammer meines Kopfes ein. Ich habe sie bis heute mit niemanden geteilt.

Obwohl Wochen später Benjamin wieder da war, er lediglich einen buntbemalten Gips trug und zu meiner Verwunderung gar nicht entstellt aussah, hatte sich alles völlig verändert. Ich weiß nicht, ob er es mir krumm nahm, dass ich ihn nicht besucht habe, ich weiß nur, dass ich mich für das Nichtbesuchen so sehr geschämt habe, dass ich nicht mehr mit ihm spielen konnte.

Ich hasste mich sehr lange Zeit dafür, dass ich dich nicht besuchen konnte. Ich hoffe es geht dir heute gut, Benjamin!

24. Jun 2008

Gedanken-Stream: Freiheit und Grenzen

Eine Antwort auf diesen Kommentar von John Dean.

Für mich lautet der Schlüsselsatz eben nicht

Was wir auch tun: es wirft immer ein Licht auf das, was wir anstreben.

(auch wenn ich deine Sichtweise nachvollziehen kann), sondern

Was wir auch anstreben, es wirft immer ein Licht auf das was wir tun werden.

Wer beispielsweise Sicherheit als höchstes Streben sieht, wird sich Überwachung natürlich “herbeiwünschen”. Wer Freiheit als höchstes Streben sieht, wird mit Überwachung dagegen ein immenses Problem haben.

Wichtig ist zunächst einmal, dass wir erkennen wonach wir und andere Menschen streben. Erst dann kann man sich darüber austauschen und gegebenfalls Alternativen entwickeln, die eine überschneidende Interessensverfolgung (Streben) auflöst. Denn nie vergessen:

Auch die Bösen haben vor den Guten haben vor den Bösen Angst.

Der einzige Weg zu umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen kann nur von innen heraus erfolgen. Erst wenn ich versuche ein tiefes Verständnis für alles und jetzt zu entwickeln (dazu bedarf es keiner Wissenschaft oder gar großen geistigen Anstrengung, das absolute Gegenteil ist der Fall), schaff ich es den ewigen Leidenskreis zu durchbrechen.

Wenn man materiell und gesellschaftlich die große Chance dazu hat, dann sollte man es wenigstens mal probieren. Wir haben diese Möglichkeit. Wir leben trotz drohender Schäublisierung noch sehr frei und sicher. Was fangen wir an mit dieser Freiheit?

Wenn wir lernen, dass Sicherheit niemals durch einen Staat verwirklicht werden kann, sondern nur durch unsere eigene Geisteshaltung, dann werden Kameras überflüssig (egal ob vorhanden oder nicht). Dann werden im Grunde genommen diese ganzen Machtverschiebungen und -asymmetrien überflüssig. Wenn wir lernen, dass wir nicht 24 Stunden von Krieg, Terror und Hass umgeben sind, sondern von etlichen schönen Dingen im Jetzt und Hier, dann erscheinen uns Diskussionen über eine Überwachung des Jetzt und Hier als geradezu trivial.

Wenn wir endlich begreifen, dass materielle Armut nicht nur Leiden, sondern oft auch als Befreiung empfunden werden kann (Mönche etc.), sie kein auswegloser Zustand ist, wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen, ohne dass wir ihn anderen aufdrängen, wenn wir lernen, dass wir alle irgendwie zusammengehören und das Universum viel zu groß und wundervoll ist um sich ständig auf einem Winzlingsplaneten auf den Keks zu gehen, dann wird die Welt nicht unbedingt “besser”, aber sie wird sicherlich ganz anders sein als sie jetzt ist.

In “Angstfreiheit” steckt eben “Freiheit” und nicht “Begrenzung”. Grenzen sind reine Gedankenkonstrukte. Symbole. Erschaffen von uns Menschen. Sowohl die gedanklichen, wie die materiellen. Die Grenzen setzen wir uns ganz allein. Nicht andere Menschen setzen uns Grenzen - nein - wir akzeptieren höchstens die fremde Grenzsetzung. Wir akzeptieren Kameraüberwachung aus Angst vor imaginärem Terror, aus Angst vor vergangenen Dingen, aus Angst vor Fernsehbildern. Was in der Zukunft liegt, ist vielen völlig egal. Wir reagieren nur, statt zu agieren. Wir setzen Grenzen immer aus der Vergangenheit heraus, die Gegenwart und die Zukunft indes sind völlig frei. Grenzenlos. Neuland. Doch wir verharren in den engen Grenzen von Gestern, in den Ideologien von Gestern, in den Konflikten und Kriegen von Gestern.

Schaffen wir also neue enge Grenzen, so verschieben wir nur und die Versuchung für die plötzlich “Begrenzten” wird groß sein, sich davon wieder zu befreien. And round and round it goes.

Sich selbst von Begrenzungen zu befreien, ohne dabei andere einzugrenzen, scheint ein gutes Konzept für unser aller Zukunft zu sein, meine ich jedenfalls …

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Meine derzeitige Traumrolle

Ich an der Karlshochschule

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