Wichtiges Update und Statement:
Ich kannte bis gerade den Kontext von Hans Domizlaff nicht und kenne auch nicht alle seine Werke in Tiefe und Breite. Ich finde viele seiner Thesen und fachlichen Gedanken zum Thema Marke ansprechend und spannend, selbstverständlich teile ich nicht das Weltbild, welches Domizlaff scheinbar vertreten hat. Daher werde ich diese Reihe unter diesem Motto auch wieder abbrechen. Danke an Sascha für den Hinweis auf diesen Artikel über Domizlaff. Das muss ich erstmal verdauen …
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Der großartige Manche fachlichen Thesen von Hans Domizlaff hat haben eigentlich eine Renaissance verdient und das möchte ich in diesem Blog ausführlich und gebührend tun indem ich seine Markenthesen aus “Die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens” zeitgemäß ins Breitenbachsche übersetze. Los geht es mit der ersten Maxime aus seinem Buch:
“1. Die Voraussetzung der natürlichen Markenbildung ist die Warenqualität”
Völlig egal über welche Marke wir hier wir sprechen, Persönlichkeitsmarke, Kulturmarke oder Klopapiermarke. Diese Maxime gilt vor allem dann, wenn man den eigenen Markenwert auf Dauer steigern möchte. Nichts ist fantasieloser und langfristig fataler als an der Preisschraube zu drehen. “Geiz ist geil” wird zwar heute noch als grandioser Markenslogan gefeiert, letztendlich hat es aber auf langer Sicht nicht nur der darin beworbenen Marke ihren langfristigen Spielraum genommen (vgl. Billigtechnikanbieter im Netz), zudem hat sich diese Epidemie leider auch auf den gesamten Handel übertragen. Wenn alles nur noch billig, billig und billig ist, versinkt Kunde und Anbieter in einem Brei aus mißbilligter Unzufriedenheit. Er, der Kunde, muss zwar immer mehr und mehr kaufen und konsumieren, kann sich aber langfristig an nichts mehr so wirklich erfreuen. Entweder weil schnell kaputt, zu beliebig, hässlich, klapprig, giftig oder ganz einfach offensichtlicher Schrott und Zeitverschwendung. Das billigste Angebot suggeriert uns, dass wir alles haben können und wenn wir alles haben können, so verliert sich irgendwann allerdings auch die Sehnsucht, Vorfreude und die Wertschätzung von Dingen, die vielleicht noch erreicht werden müssen.
Umgekehrt ist ja wohl auch ganz klar, dass wir als Anbieter “billig” nur dann fahren können, wenn wir die Qualität entsprechend zurückschrauben. Bislang fallen uns die Effekte der Geiz ist Geil Mentalität nur vereinzelt auf (man muss sich mal vorstellen, “Geiz ist geil” aus einem der reichsten Länder der Erde verdammt noch mal, wie armselig ist das eigentlich???). Da drüben sickert mal ein wenig schwarzes Dioxinfett aus meiner Putenbrust oder dort nehmen unsere Babys beherzt die blätternde von Kinderhände aufgetragene Bleifarbe ihrer günstigen Spielsachen in den Mund.
Nicht der Kapitalismus ist das Problem auf dieser Welt. Der Geiz ist unser verdammtes Problem. Mittlerweile sind mir ja fast die mit Geld um sich schmeißenden prolligen Neureichen tausendmal lieber als die verknöcherten Handelsmagnate, die fauchend und keifend auf ihren Milliarden hocken und nicht nur Geld am deutschen Fiskus vorbeischleusen sondern auch an der entsprechenden Konsumindustrie. Die zocken also gleich mehrfach ab. Kapitalismus funktioniert nur, wenn das Geld auch fließt und nicht wenn Geld dazu gehortet wird damit man den dicken Max machen kann und androht, dass man es fließen lassen könnte um bestimmte Profilneurosen zu pflegen. Aber nun weiche ich etwas vom Thema ab, zurück zu unserem Domizlaff.
Möchte ich eine nachhaltige, gut funktionierende Marke bilden und pflegen so ist das A&O die Qualität meines Angebots. Selbst die ollen Discounter von Aldi und Co haben das im Kern längst erkannt – wenn sie dennoch natürlich noch zweigleisig fahren – so könnten sie sich extremen Ramsch nicht mehr leisten. Der Qualitätsdruck wird größer auf allen Gebieten. Gerade durch die Konkurrenz zwischen Aldi, Penny, Lidl, Netto und wie sie alle heißen ist der Preiskampf eigentlich längst beendet. Von nun an wird die Frage des Verbrauchers nicht mehr lauten: Wo kann ich am billigsten einkaufen (natürlich wird es das noch geben), sondern wo kann ich am hochwertigsten relativ günstig einkaufen ohne die Welt dabei kaputtzumachen?
Und nun mal weg von der reinen Warenwelt hin zur Kulturwelt:
Auch bei der Kultur gilt genau diese Maxime. Wenn ich ein Schauspielhaus habe und das Stück ist grottig, die Schauspieler sind lustlos oder das Ambiente ist unerträglich, so biete ich keine anständige Warenqualität. Gerade die Kultureinrichtungen MÜSSEN noch stärker Richtung Marke denken, denn eigentlich ist die Inszenierung, die Fantasie das einzige schlagende Argument, was diese Zunft besitzt. Kultur verkauft Fantasie und wird diese lieb- und fantasielos präsentiert, tja kein Wunder wenn das Publikum ausbleibt. Kulturmarken müssen insbesondere sich dreimal mehr differenzieren und das können sie eben auch durch Qualität. Qualität des Spielplans, Qualität der Exponante, Qualität im Service, Qualität in der Kommunikation, Qualität in der Ausstattung, Qualität auf der ganzen Linie. Qualität ist auch mit einfachsten Mitteln mach- und umsetzbar, Geld spielt nicht ganz so oft die große Rolle, wie man sich das sonst vielleicht so vorstellt. Gerade heute im Zeitalter der medialen Vernetzung ist die Chance für die Kulturbetriebe gigantischer denn je, jetzt können sie mit einfachen und kreativen Mitteln ihre fantasiereichen Qualitätswaren nach außen tragen und feilbieten. Und wie findet man Qualität? Nun ganz einfach, indem man die Leute einfach mal fragt und wenn es die eigenen Mitarbeiter im Laden sind.
Qualität, liebe Freunde, hat eben nix mit Geilheit zu tun. Qualität hat schon eher etwas mit echter Liebe zu tun. Wer nicht begeistert ist von dem was er macht, wird am Ende auch keine Qualität abliefern. Die erfolgreichsten Markenköpfe egal ob Steve Jobs oder André Heller zeichnet eine große Gemeinsamkeit aus: Ihre brennende Leidenschaft für das was sie tun ist gleichzeitig ihr Antrieb für die stetige Qualitätsverbesserung ihrer Waren.

