Gedankenstream: Was kostet eine Idee?

So. Was kostet eine Idee?
Es ist nicht die Idee, es ist der Kontext, die Implementierung, die Einbettung in das jeweilige System, welches den Wert bestimmt. Ideen sind (wie Infos auch) ziemlich wertlos, wenn der entsprechende Kontext - also all das Zeugs da rundherum - nicht stimmig ist.
Paradebeispiele dazu findet man zu Hauf in der Werbewelt. Ich sehe Hochglanzplakate, singende Werbefiguren und putzige Witzfilmchen, aber in dem Moment, in dem ich mit dem ersten Mitarbeiter, dem ersten weiteren Kunden im Raum oder dem Support in der Hotline eines Unternehmens spreche, habe ich ratzfatz hui hui reden und pfui pfui ausstrahlen. Doch das nur nebenbei.
Eine Kultur vernetzt sich über Menschen, über ganz individuelle Identitäten. Jeder hat Stärken, jeder hat Schwächen. Gemeinsam können sie Großartiges und Katastrophales erzielen, je nachdem wie sich das System aus den Einzelcharakteren formt. Es ist alles unheimlich komplex und daher nicht kontrollierbar. Das Einzige, was formbar und einflussreich (im Sinne von Dinge bewegen, gestalten oder anstoßen) ist, sind wir selbst. Jeder einzelne von uns, aber auch die Menschen, denen wir uns verbunden fühlen, mit denen wir “verlinkt” sind. Und ich meine echte Links. Verifiziert. Deep Links. Keinen SEO-Dreck. Kein Spam.
Ich beispielsweise habe niemals originäre Ideen. Nie. Alle Ideen, die ich “habe” oder die sich in mir ergeben/entwickeln sind aus einem Misch Masch meines (Unter)Bewusstseins. Also alles was ich jemals durch meine beiden Äuglein gesehen, Öhrlein gehört, Grapscher getastet, Zinken gerochen und Zünglein geschmeckt habe. Alle Wahrnehmungen sind gespeichert in meinem Hirn. Teils komplett fragmentiert. Informationshäppchen. WIld durcheinander. Aber niemals meine eigenen Ideen, nur meine eigenen Wahrnehmungen. Ich kann auch nicht wirklich immer sagen, wann ich mal wo, was gesehen habe. Manchmal weiß ich noch nicht einmal wann und ob ich meinen Schlüssel hier oder dort hingelegt habe. Ich habe wirklich kein gutes bewusstes Wahrnehmungsgedächtnis. Sorry.
Was ich aber tue, wenn ich Ideen “erzeugen” will, ist folgendes: Ich höre anderen Menschen zu, ich rede mit ihnen, ich sehe mir zur gleichen Zeit vielleicht parallel Fernsehsendungen, Theaterstücke oder Kinofilme an sehe zillionen von Websites, Banner, Gegenständen, Logos, Buchtexte, Werbebotschaften und sonstige wahrnehmbare Kommunikation. ZILLIONEN!!!!!
Und alle diese Fetzen ergeben für mich in dem Moment, in dem ich Ideen zulasse oder “anfordere”, einen ganz bestimmten Sinn. Ich kombiniere sie zu etwas neuem, meist bezogen auf den jeweiligen “Kontext”, in dem ich mich befinde. Also konkret gesagt: Eine Aufgabenstellung. Doch ich schweife ab. Was ich ja eigentlich sagen wollte, ich nehme die Ideen von anderen und verwurste sie in meine Gedanken und damit wohl auch zu meinen Ideen. Respektiere ich all das genug? Ich weiss es wirklich nicht. Wahrscheinlich nicht - nicht in einem monetären Ideen-/Urheberrechtssystem.
Vielleicht war es Zufall, vielleicht dreist geklaut, aber entscheidend ist wir kommunizieren durch “kopieren” und nie “die Idee” allein, sondern der Kontext in dem die Idee eingebettet ist wesentlich wichtiger. Und das dürftest du, lieber Marcus, der mich ohne Ende inspiriert hat u.a. auch bzgl. dieses “Kontext-Artikels”, mit am Besten wissen.
Es kommt darauf an, dass die Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Es war bei S.M.E.B.S. deine Zeit, dein Ort und deine richtige Idee aber eben auch auch meine und die vieler, vieler anderer Menschen im Netz, die dein Werk gesehen haben. Da gibt es echte Fans von dir und dem was du machst, malst, schreibst, spielst oder insgesamt performst. Menschen, die das zu schätzen wissen, auf welche Art auch immer. Und dann gibt es da die Konsumenten und Sauger, die nur die Idee sehen, aber nicht den Kontext. Und das ist das Traurige. Eine Idee wird in einen nicht stimmigen Kontext kopiert und der “Urheber” erhält dafür massig Geld. Der “Urheber” des stimmigen Kontextes hingegen geht zunächst rein monetär leer aus. Das ist für den zweiten “Urheber” frustrierend. Sehr sogar.
Es ist aber nicht die Masse entscheidend, die ein Sony-Spot theoretisch erreicht, denn es wird dabei niemals die Leidenschaft für das entstehen, was Marcus mit seinem kreativen Output damals erreicht hat. Es ist egal wieviele Visits das bekommt, es ist wichtiger, wieviele einem wirklich “an den Lippen kleben”, WER einem vertraut, WEN man wirklich begeistert und WER ehrlich zu einem ist, treu und dankbar. Intensiv vernetzt, das ist doch was zählt. Da steckt die Substanz. Werbespots sind out. Werbung ist out. Massenkommunikation ist Bullshit, nur ein leeres Konstrukt. Viele erzählen zu viel Scheisse, der wir (also Menschen, die ähnlich denken) ganz einfach überdrüssig sind. Wir wollen uns lieber mit Menschen amüsieren, uns austauschen oder miteinander verbinden. Menschen, Charaktere oder sonstige Ankerpunkte (Links), die uns wichtig sind, mit denen wir uns geborgen fühlen, Spaß haben oder zu denen wir Vertrauen haben oder einfach aus ganzem Herzen mögen.
Ärgere dich nicht Marcus. Ich kann deinen Ärger WIRKLICH nachfühlen. Aber irgendwann kaufen die Leute lieber Qualitätsware und vor allem das Ambiente drumherum, statt den billigen, trivialen Ramsch. Irgendwann wirst auch du deine Ernte einfahren können, für dein reichhaltiges bisher ausgestreutes kreatives Saatgut. Lass dich bloß nicht abhalten.
Wobei die Wiederauferstehung des Kaisers hat sowieso seinen eigenen Charme. Calm down or don’t. Whatever your character needs. Do whatever you wanna do. You will do it anyway. Right? Right! I’m glad to have you “in my internet”. Thank you!
Your fan
Patrick
PS: Antwort: Nix.



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