BREITENBACH


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13. Jan 2009

bloggen 09

blogschange

Viele Dinge haben sich im letzten Jahr für mich persönlich herauskristallisiert und drastisch verändert. Eine ganz persönliche Erkenntnis davon hat das Bloggen betroffen. Mein Ausstieg beim Werbeblogger (demnächst werde ich ihn tuttokompletti in Rolands Hände übergeben, denn ein immer und doch nie präsenter Seniorchef kann ganz schön blockieren, vor allem wenn so neue, frische und sprühende Kräfte am Werk sind) Das ist mir beileibe nicht leicht gefallen. Zuviel Zeit, Leidenschaft und Herzblut habe ich da hineingesteckt um einfach mal so 5 Jahre loslassen zu können.

Dennoch war es wirklich einfach notwendig, denn nun wird das Kind tatsächlich, wie so vieles andere im Web oder im Leben erwachsen. Ich bin und bleibe jedoch ein Spielkind. Ich muss experimentieren, ständig neues machen, natürlich ist da jede Menge Quatsch und irrsinniger Schwachsinn dabei, aber es sind für mich alles Puzzleteile, die sich irgendwann oder irgendwo mit anderen Dingen verknüpfen lassen. Das ist mein Job. Ich verknüpfe Dinge, Ideen, Meme, Gedanken und zum Teil eben auch Menschen. Schon witzig, dass ich mich vorher noch nie so getraut habe, es so klar auszudrücken, aber so ist es. So empfinde ich es.

Jedenfalls muss ich dem ein oder anderen wabernden Gerücht den Garaus machen, dass ich mich mit Rolli-Roland für immer verstritten hätte. Es stimmt schon, wie waren in einigen Punkten uneinig, es herrschte mal eine kleine Funkstille, düstere Gedanken meinerseits, die aber ganz allein auf mich und meiner Situation zurückzuführen waren. Eine Situation, in der ich generell in mich gehen musste, um die Dinge neu zu ordnen. Ich danke Roland jedenfalls für seine Geduld, sein diplomatisches und herzliches Gemüt. Ich glaube wir wissen beide was wir voneinander haben, auch wenn die stürmischen Momentaufnahmen im Leben oft nach außen und innen eine ganz andere Geschichte erzählen. Ich denke, er wird nicht immer alles verstehen was ich so mache und ich verstehe eben nicht immer, was er manchmal so macht. Aber ich habe ja jetzt einen neuen Lieblingsausdruck aus dem Englischen: “Let’s agree to differ”. Lass uns darauf einigen, dass wir manchmal unterschiedlicher Meinung sind. Das ist verdammt wichtig. Das ist mir wichtig. Nur so kann ich lernen. Ich brauche Kontra und die Zustimmung. So wie wahrscheinlich jeder von uns.

Blogs und all der andere Kommunikationskram im Internet haben für mich im Zuge des ganzen Kladdereradatsch wieder eine neue Bedeutung erlangt. Es geht nicht darum ein Medium für die Masse zu werden. Es geht darum sich selbst auszudrücken. Zu zeigen wer man ist. Warum man ist. Wozu man Lust hat und wozu nicht. Und dass die Persönlichkeit eines Menschen wesentlich vielschichtiger ist als zwei oder drei Blogeinträge. Ich verstehe schon, warum sich so wenig trauen, da ihre Momentaufnahmen ihres emotionalen Lebens da reinzustecken. Immer in der Angst, man würde für immer als die oder die Person wahrgenommen.

Blogs sind für mich die mächtigen Vorläufer der Social Networks, jedenfalls könnte man sie so nutzen, wenn man denn will. Blogs sind für mich auch Radare, auf denen ich neue Dinge zum verknüpfen finde oder neue interessante Menschen kennen lerne. Ich lasse mich gerne treiben und nehme mal dies, mal das mit in mein Oberstübchen. Lasse das wirken, reliktiere jenes und kreeiere aus Inspirationen wieder etwas neues . Ich liebe das einfach. Egal ob das am Ende als gut oder schlecht bewertet, als massentauglich oder selbstreferentielles Nischenblah abgetan wird. Das interessiert mich nicht mehr. Nicht mehr in meinem Blog.

Auch in diesem Jahr, in der wir alle in einer Art Krisenmantra zu versinken drohen, sind Blogs sehr wichtig. Sie sind das Tor zu unseren Gedanken. Sie sind wie unsere Augen, ein Zugang zur Seele und damit ein Ankerpunkt für ein gemeinsames Schaffen. Blogs sind wichtige Netzwerkpunkte. Je authentischer, je vielfältiger, desto gewinnbringender. Blogs sind ein Hort neuer Ideen. Ein Ort in den man sich ausspinnen darf und somit eben auch etliche gedankliche Perlen für die Allgemeinheit aufspüren kann. Blogs sind Gespräche. Wenn man denn will.

Mit Blogs kann man Dinge gewinne, die man so direkt und unmittelbar gar nicht mit Geld aufwiegen kann. Jedenfalls für mich. Jetzt. Zum Glück. Wieder. Danke!

14. Nov 2008

gutbösegutgutbösebösegutbösegutgutgut

Ich kann bzw. ich will nicht mehr Menschen in rein “gut” oder “böse” objektiv und stellvertretend für alle anderen Menschen in einer Gesellschaft für immer festgelegt einteilen (Auch wenn die Verlockung allgegenwärtig ist.) Da liegt doch der Haken. “Gut” und “Böse” kann nur jeder für sich selbst aus seiner subjektiven Denk- und Moralwelt heraus entscheiden. Wir alle haben den freien Willen Dinge, Taten und uns selbst in “gut” und “böse” einzuteilen, das heisst aber nicht, dass dies mit der Einteilung von anderen Menschen übereinstimmt. Wenn es keine Übereinstimmung gibt, kann es niemals die reine objektive Wahrheit sein, weil deren Makellosigkeit zerstört wäre. Demokratie und Konsens einverstanden. Eine makellose Wahrheit? Niemals!

Die einen glauben an einen heiligen Krieg, andere an den Frieden, Dritte wiederum huldigen Mammon und seinen Gesetzen. Wer von ihnen hat nun wirklich Recht? Natürlich immer nur wir selbst, bzw. unser eigenes Wertesystem. Wir orientieren uns an unserer Kultur und dessen Regeln, die wiederum ein Konsens (meist sehr alt und teilweise überholt) aus subjektiven Beobachtungen und Vorstellungen von der Welt. Früher dachten wir “onanieren” wäre böse. Menschen, die anders dachten und lebten, als der Konsens, wurden früher einmal auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Wir haben nicht die wahre Erkennnis von der Welt, sondern nur rein Ich-oder fremdgefärbte Fragmente. So wie meine Ausführungen hier. Man kann sie sowohl als naiv, idealistisch, freidenkerisch, anarchistisch, spinnert, selbstgefällig, als auch als subversiv, dumm, klug, weise, affig oder einfach nur sympathisch, also zu mir passend, werten.

Es geschieht. Alles gleichzeitig. Ich kann nur so sein, wie ich bin oder vielmehr die Vorbilder, die ich mir suche oder in der Vergangenheit gesucht habe: Menschen, von denen ich mehr lernen möchte, Lehren, die mich begeistern oder Ideen, die mich inspirieren. Aber eben auch Menschen, die einen runterziehen können, durch die Demütigung oder Verletzung anderer Menschen. Auch das sind Vorbilder, weil man es erlebt und parallel somit auch im Inneren miterlebt. Das heisst aber nicht, dass man dieses Vorbild anhaltend umklammern muss. Kinder, die von ihren Vätern geschlagen wurden, sind eben nicht dazu verdammt das gleiche zu tun. Väter, die ihre Kinder jetzt schlagen, sind nicht dazu verdammt es auch weiterhin zu tun. Väter, die selbst nicht geschlagen wurden, sind aber auch nicht absolut davor gefeit, ihre Kinder nicht zu schlagen.

Alles fließt und somit hat jeder Mensch und jede Idee die verdammte Chance und Möglichkeit sich zu verändern, sich neu zu orientieren. Verzeihen, Entschuldigen, ein Neuanfang. Alles ist drin. Sonst wäre das alles hier auf Erden sehr sehr traurig, aber vor allem tierisch langweilig.

31. Okt 2008

Liebes Tagebuch - Hallo Welt!

Allerorts ist von einer Krise des Bloggens zu lesen, Blogblues hier, Katzenjammer da. Auch mich erreichte diese kleine Blog-Sinnkrise in der letzten Zeit sehr häufig. Mal schob ich das auf scheinbar langweilige Themen, nervige Kommentare oder den allgemeinen Zeitgeist. Doch heute weiß ich endlich, dass es etwas ganz anderes ist.

Ich war noch nie der Typ, der sich in einzelnen Schubladen besonders lange wohl gefühlt hat. Ein an Freiheit und Neugier orientierter Geist braucht eben auch seine entsprechende Räumlichkeit und genügend Futter. Eine Art Rückzugsort (ja ich weiss im Netz klingt das paradox), an dem er persönliche Erfahrungen, Gedanken und Gefühle gären lassen kann, in dem man aber auch - und das ist sehr wichtig, denn Ideen muss man teilen - mit ein paar Gleichgesinnten diskutieren kann, sich gegenseitig inspirieren lässt, ohne gleich eine auf den ersten Blick spinnige Idee - weil unkonventionell oder langweilig wirkend - als Blödsinn abzuwerten. Natürlich können viele Ideen im falschen Kontext untergebracht sein, aber eine Idee an sich kann niemals wirklich “falsch” sein - so wie es für mich keine dummen Fragen gibt.

Was mich schon immer am bloggen fasziniert hat, war die Tatsache frei nach Schnauze schreiben zu können. Sowohl über manche private Dinge, wie auch über berufliche Lernprozesse. Werbeblogger war für mich in erster Linie, jedenfalls am Anfang, ein Lern-, Netzwerk- und Archivierungstool. Im Laufe der Zeit glitt das Ganze dann immer stärker in Richtung Magazin. Klar, je mehr Aufmerksamkeit und Leser man bekommt, desto größer die Bandbreite der Einflussnahme. Die einen wollen lustige Spots, der größte Teil der Leser arbeitet in Werbeagenturen und die sind natürlich gar nicht “amused”, wenn ihre Kampagne mal wieder ordentlich verrissen wird - oder noch schlimmer - keine Aufmerksamkeit bekommt. Ich habe verstärkt das Gefühl nur gelesen zu werden, weil viele Leute (sicherlich nicht alle) nur noch wissen wollen, ob man heute auf Werbeblogger platziert oder zerrissen wurde. Das widerspricht aber genau meiner Motivation, wieso ich damit angefangen habe und heute noch so sehr am Bloggen hänge.

Ich will mich nicht rechtfertigen müssen, warum ich einen Tag Gedanken über Genetik blogge und am anderen Tag einen emotionalen, selbstreferentiellen Beitrag über was weiß ich schreibe. Ich will mich nicht mehr dafür rechtfertigen, dass ich mal hü und dann wieder hott marschiere. Ich sehe alles als eine Art Prozess. Dinge fügen sich zueinander, die auf den ersten Blick scheinbar nicht zusammengehören. Das ist für mich der eigentliche kreative Prozess. Rechtfertigungen oder die Aufforderung dazu unterbrechen immer wieder diesen Fluss. Klar ist Kritik an der Sache gewünscht, Kritik, die weiterführt, evolutionär wirkt, dem Fluss vielleicht eine neue Richtung verleiht.

So bin ich nunmal. Das ist die Authentizität, die ich eigentlich immer eingefordert habe. Ob das nun glaubwürdig wirkt, stringent oder gar markentechnisch konsequent ist mir letztendlich piepegal. Ich verkaufe mich nicht, ich biete höchstens meinen Denkapparat an.

Mir ist auch völlig egal von wem ich heute inspiriert bin und wen ich mir morgen als Vorbild suche. Es ist wie es ist. Es gibt kein “nie” oder “immer”. Ich möchte mich fortan verstärkt mit Leuten austauschen, die mich bei meiner gedanklichen Wanderschaft freiwillig begleiten, ein Stück dazu betragen, oder gerne auch nur still zuhören und eben nicht weil sie irgendwelche Blogs monitoren müssen und schauen welchen Scheiss der Breitenbach heute wieder verzapft hat (wieso tut ihr euch das überhaupt an?)

Auf der anderen Seite habe ich auch gemerkt, dass ich viel zu wenig zugehört habe in letzter Zeit. Das heisst, ich werde mich verstärkt auch wieder in andere Blogs reingehen, dort lesen, kommentieren und was mir besonders gut gefällt, das dann auch wieder aufgreifen. Ich bin dankbar für jede Anregung, jeden Tipp - abseits von PR-Interessen.

Das ist es also: Mein Tagebuch, mein Lernprozess, mein Gedankenordnen, unser Austauschen, unsere Verbindungen verknüpfen und vielleicht gemeinsam Dinge entwickeln und diskutieren. Mal ein Foto, mal eine Geschichte, vielleicht ein Wort, ein Gedanke oder nur ein Zitat. Es ist mein Haus und ihr seid meine Gäste - oder auch nicht. Das überlasse ich ganz euch.

Ich freu mich jedenfalls riesig! Danke an Marcus und allen, die hier sowieso schon mitgelesen haben.

11. Aug 2008

Gespiegelter Internet Ritus

“Macht das Internet doof?” titelt der Spiegel in dieser Woche und ohne zuvor reingelesen zu haben, wusste ich schon, welche Themenaspekte dort aufgeführt werden: Gamer, Urheberrechtsverletzer und Chatjunkies. Sex, Spam und Gruschelwuschel.

Es wird in dem Artikel die These aufgestellt, das Internet sei an der Verdummung der Gesellschaft maßgeblich Schuld. Der enorme Informationsmüll deprogrammiere unsere Gehirne und der Mensch sei sowieso unfähig zu Multitasking. Warum an keiner Stelle die durchaus wichtige Frage aufgeworfen wurde, wie eigentlich kurz vor dem “Massenmedium” Internet das Wissen und die Klugheit der Menschen beschaffen war, enttäuscht maßlos. Zwar wies man an einigen Stellen darauf hin, dass ja immer wieder sehr kritische Fragen auftraten, wenn mal wieder ein gesellschaftsverändernder technologischer Durchbruch wie zum Beispiel der Buchdruck erfolgte, aber die konkrete Frage nach einer Gesellschaft, geformt von einem miserablen und unterfinanzierten Bildungssystem, unterstützt von einem medialen Boulevardzirkus zusammengesetzt aus Print-, Fernseh- und Radiojournalismus, blieb mal wieder völlig aus. Nicht das Internet erzeugte in so kurzer Zeit ein Desinteresse für bildungsintensive Themen. Nicht das Internet hat unsere Hirne dahingehend degeneriert, dass viele Menschen langen Texten nicht mehr folgen können. Es waren etliche meinungsmachende Artikel wie dieser heute, der den Menschen Themen auf die Art vermittelt, wie sie, laut Artikel selbst, nur noch konsumiert werden können: Flach, einseitig, reißerisch und kontextlos. Quote machen eben.

Nun, ich maße mir sicherlich nicht an einen allwissenden Kontext herzustellen, dennoch möchte ich das Medium Internet an dieser Stelle nutzen, um einige Thesen zu ergänzen, um Anregungen zum Denken zu liefern, statt ein Thema XY einmalig in die von einigen Journalisten bzw. die Masse ihrer Leser vorgesehene Schublade zu stecken.

1. Die Menschen werden nicht dümmer. Im Gegenteil. Das Wissen wächst und vernetzt sich. Wer hatte vor 100 Jahren diesen theoretischen Wissensstand, den wir heute zur Verfügung stehen haben? Wer hatte die Chance so viele Fakten in einen Kontext zu setzen, um z.B. geschichtliche Prozesse nachzuvollziehen? Gleichzeitig nimmt natürlich die Masse an Informationen zu. Die zuvor gehegt und gepflegten boulevardesken Inhalte der Medien explodieren natürlich im Kommunikationsnährboden Internet. Der Blogger schreibt nur das was er kennt.

2. Solange sich Menschen hinter einem Medium darauf konzentrieren, was die Menschen denn gerne leicht verdaulich konsumieren würden, kann auch keine wirkliche Wissenskultur entstehen. Sollte es also diese beschriebene Verdummung tatsächlich geben, so fällt dies leider immer wieder auf die klassischen Medien (Boulevard-TV-Radio-Presse) zurück. SIe sind die eigentlichen Erfinder der “sinnlosen” Informationsflut. Oder gibt es meinem Leben einen Nutzen oder Sinn, wenn ich lese, dass sich Boris Becker verlobt?

3. Die Lücke zwischen “dumm” und “klug” (was auch immer diese Worte bedeuten mögen und wer auch immer diese Zuteilung verantwortet) bleibt innerhalb einer Gesellschaft dafür immer gleich groß. Dadurch dass die Klugen noch klüger werden und die Dummen, einfach weniger dumm, bleibt dennoch die gleiche Schere. Es entsteht der Eindruck bei den selbsternannten Klugen, dass die Umgebung um sie herum dümmer würde. Wie so vieles im Leben, eine riesengroße Illusion.

4. Menschen haben sich schon immer in Dingen verloren und werden dies auch weiterhin tun. Nur der Namen der Dinge ändert sich dabei stetig: Religion, Drogen, Autorität, Spiele, Liebe, Wissen, Arbeit usw. Das “sich verlieren” ist eine Abwehrhaltung des “Nicht-Verstehens” bzw. einer Orientierungslosigkeit. In klaren sautoritären Gesellschaftsgefügen beispielsweise gab es weniger offene Fragen und Verwirrung, in Zeiten starker Religionsherrschaften, gab es keine Frage nach dem “Warum” oder dem “Wohin”. Es war alles von Gott befohlen, egal ob Berufung oder Strafe. In einer Zeit der erzwungenen Orientierung gab es weniger Bedürfnisse nach Wissen und Antworten. Warum wohl sonst, sind totalitäre Regime so darauf bedacht den Informationsfluss so dermaßen kontrollieren zu wollen? Wo keine Antworten, da keine Fragen.

Das Internet ist also zweifelsohne ein Becken des Informationschaos und ein weiterer nicht aufzuhaltender Evolutionsschritt der Menschheit. Auf das Chaos folgt meist die Ordnung auf dem Fuße, das ist nun einmal der Lauf der Dinge. Doch sollten wir uns ganz ernsthaft und vernünftig die Frage stellen, ob eine Ordnung tatsächlich wieder mal auf Angst, Kontrolle oder Sanktionen gebaut sein sollte, wie es der Spiegel-Artikel unterschwellig suggeriert? Aber Angst macht eben Quote und die Chance steigt, dass auch “die Dummen” (also Printverweigerer) mal wieder einen mehrseitigen Artikel lesen und kaufen.

24. Jun 2008

Gedanken-Stream: Freiheit und Grenzen

Eine Antwort auf diesen Kommentar von John Dean.

Für mich lautet der Schlüsselsatz eben nicht

Was wir auch tun: es wirft immer ein Licht auf das, was wir anstreben.

(auch wenn ich deine Sichtweise nachvollziehen kann), sondern

Was wir auch anstreben, es wirft immer ein Licht auf das was wir tun werden.

Wer beispielsweise Sicherheit als höchstes Streben sieht, wird sich Überwachung natürlich “herbeiwünschen”. Wer Freiheit als höchstes Streben sieht, wird mit Überwachung dagegen ein immenses Problem haben.

Wichtig ist zunächst einmal, dass wir erkennen wonach wir und andere Menschen streben. Erst dann kann man sich darüber austauschen und gegebenfalls Alternativen entwickeln, die eine überschneidende Interessensverfolgung (Streben) auflöst. Denn nie vergessen:

Auch die Bösen haben vor den Guten haben vor den Bösen Angst.

Der einzige Weg zu umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen kann nur von innen heraus erfolgen. Erst wenn ich versuche ein tiefes Verständnis für alles und jetzt zu entwickeln (dazu bedarf es keiner Wissenschaft oder gar großen geistigen Anstrengung, das absolute Gegenteil ist der Fall), schaff ich es den ewigen Leidenskreis zu durchbrechen.

Wenn man materiell und gesellschaftlich die große Chance dazu hat, dann sollte man es wenigstens mal probieren. Wir haben diese Möglichkeit. Wir leben trotz drohender Schäublisierung noch sehr frei und sicher. Was fangen wir an mit dieser Freiheit?

Wenn wir lernen, dass Sicherheit niemals durch einen Staat verwirklicht werden kann, sondern nur durch unsere eigene Geisteshaltung, dann werden Kameras überflüssig (egal ob vorhanden oder nicht). Dann werden im Grunde genommen diese ganzen Machtverschiebungen und -asymmetrien überflüssig. Wenn wir lernen, dass wir nicht 24 Stunden von Krieg, Terror und Hass umgeben sind, sondern von etlichen schönen Dingen im Jetzt und Hier, dann erscheinen uns Diskussionen über eine Überwachung des Jetzt und Hier als geradezu trivial.

Wenn wir endlich begreifen, dass materielle Armut nicht nur Leiden, sondern oft auch als Befreiung empfunden werden kann (Mönche etc.), sie kein auswegloser Zustand ist, wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen, ohne dass wir ihn anderen aufdrängen, wenn wir lernen, dass wir alle irgendwie zusammengehören und das Universum viel zu groß und wundervoll ist um sich ständig auf einem Winzlingsplaneten auf den Keks zu gehen, dann wird die Welt nicht unbedingt “besser”, aber sie wird sicherlich ganz anders sein als sie jetzt ist.

In “Angstfreiheit” steckt eben “Freiheit” und nicht “Begrenzung”. Grenzen sind reine Gedankenkonstrukte. Symbole. Erschaffen von uns Menschen. Sowohl die gedanklichen, wie die materiellen. Die Grenzen setzen wir uns ganz allein. Nicht andere Menschen setzen uns Grenzen - nein - wir akzeptieren höchstens die fremde Grenzsetzung. Wir akzeptieren Kameraüberwachung aus Angst vor imaginärem Terror, aus Angst vor vergangenen Dingen, aus Angst vor Fernsehbildern. Was in der Zukunft liegt, ist vielen völlig egal. Wir reagieren nur, statt zu agieren. Wir setzen Grenzen immer aus der Vergangenheit heraus, die Gegenwart und die Zukunft indes sind völlig frei. Grenzenlos. Neuland. Doch wir verharren in den engen Grenzen von Gestern, in den Ideologien von Gestern, in den Konflikten und Kriegen von Gestern.

Schaffen wir also neue enge Grenzen, so verschieben wir nur und die Versuchung für die plötzlich “Begrenzten” wird groß sein, sich davon wieder zu befreien. And round and round it goes.

Sich selbst von Begrenzungen zu befreien, ohne dabei andere einzugrenzen, scheint ein gutes Konzept für unser aller Zukunft zu sein, meine ich jedenfalls …

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