Neben der körperlichen Abhängigkeit vereinzelter Drogen ist die psychische Komponente in diesem Bereich um ein vielfaches größer. Eine körperliche Abhängigkeit ist durch einen Entzug heutzutage relativ gut in den Griff zu bekommen, weitaus schwieriger ist der Umgang mit der Abhängigkeit im Kopf. Man kann sich das in etwa so vorstellen: Drogenuser nehmen Drogen in einem sozialen Kontext, das bedeutet sie verknüpfen ihren Konsum direkt mit ihrem Erleben und ihrer Umgebung. Zigarettenraucher erleben soziale Kontakte während ihrem Raucherpäuschen, einer Kneipenrunde – sie verknüpfen den Konsum also permanent mit oftmals angenehmen, entspannenden und lustigen Gesprächssituationen. Die Zigarette danach, verknüpft den gerade erlebten Höhepunkt mit dem Konsum des Glimmstengels. Das gleiche gilt für jede andere Droge oder Substanz, die ein User zu sich nimmt. Immer wird der Konsum mit der jeweiligen Situtation, Menschen, Wahrnehmung und Gegenständen verknüpft. So ist es eben dann kein Wunder, wenn ehemalige Drogenkonsumenten Gelüste bekommen, wenn sie beispielsweise bestimmte Musik hören, eine Spritze sehen oder von Leuten umgeben sind, die permanent Zigarettenpausen machen. Und natürlich ist die Entwöhnung vom Alkohol um ein vielfaches schwieriger, wenn man in einer Kultur lebt, die den Alkohol geradezu verherrlicht und dessen Symbole und Signale an jeder Ecke lauern.
Forscher in den USA sind nun gerade dabei Techniken zu entwickeln, die genau dieses Phänomen abmildern soll. Es findet tatsächlich eine Art Deprogrammierung statt. Der jeweilige “Patient” kann lernen seine Gelüste, die ein bestimmtes Bild auf einem Gehirn-Scan zeigen, zu kontrollieren. Wie genau das funktionieren soll, kann man auf Technology Review nachlesen.
Meines Erachtens ist es immens wichtig ein solches verknüpftes, kontextuales Verständnis von Drogen und Drogengebrauch zu entwickeln. Man kann es nicht einfach so trennen nach: Drogen als Substanz ist schlecht, lass es weg und alles ist gut.
Es ist wie so vieles auch ein ganzheitlicher äußerst komplexer Prozess. Diese Kontexttheorie könnte auch erklären, warum langjährige Drogenkonsumenten eine weitaus geringere Chance haben von ihrer Sucht loszukommen. Sie haben einfach viel zu lange die Realität mit ihrem eigenen Drogenkonsum verknüpft, d.h. sie kennen keinen anderen Zustand mehr und ihnen begegnen viel zu viele Erinnerungsanker, die die beschriebenen Gelüste wieder aufwecken. Und bitte auch nicht den bereits beschriebenen Belohnungsfaktor vergessen.


