BREITENBACH


feed your head

6. Jun 2009

expanded cinema university

Die Jugend von morgen wird sich der Videos als Mittel bedienen, um Dokumente der fähigsten Denker und Gestalter der Menschheit in das Szenario einzubringen. Nur durch das Szenario kann der Mensch schnell genug Ordnung in die konzeptiven Ressourcen seiner spontanen Formulierungen bringen. Die “Expanded Cinema University” von morgen, wie das Wort uni-vers - auf eins hin - impliziert, wird die Welt-Kommunität des Menschen durch den Strom des Verstehens und die spontan wahre Integrität des Kindes metaphysisch zusammenschmelzen.

Richard Buckminster Fuller in “Das totale Kommunikationssystem des Menschen”

24. Apr 2009

Warum ich Freiräume liebe

freeroom1

Bin gerade im System und verrichte meine Arbeit.

5. Apr 2009

re:publica 09: we don’t need no conferences?

rep

Hach, wie erfrischend fand ich seinerzeit das allererste Barcamp in Berlin. Dieses herrliche Selbstverständnis einer Unkonferenz. Jeder trägt etwas bei, es gibt keine reinen Konsumenten. Kein reines Absaugen, kein Frontalunterricht und keine Verkaufspräsentationen. Wundervolles Vernetzen in ungezwungener Atmosphäre und ein wirklich reichhaltiger Austausch von Erfahrungen, Wissen und sonstigen wertvollen oder von mir aus auch sinnfreien aber humorvollen Informationen. Die Unkonferenz als Ausdruck der damaligen Web-Szene, die so ganz und gar sich gegen die Konventionen des Medienestablishments stemmen wollte. Cluetrain in der linken, Laptop in der rechten Hand und Hauptsache es gibt W-Lan, Kekse und Gleichgesinnte, alles andere wird sich schon ergeben.

Donnerstag Nachmittag, 2.4.09, auf der re:publica. Ich lausche einer Mittfünfzigerin. Geschichtslehrerin. Schule oder Schulform habe ich vergessen. Ich bin einer der wenigen Zuschauer, die der Referentin ins Gesicht schaut - oder vielmehr keinen flimmernden Bildschirm vor sich stehen hat. Ich versuche zuzuhören, so gut wie man es eben in Frontalunterrichtmanier tun kann. Und während ich so lausche, bemerke ich, in welch absurder Situation ich mich gerade befinde. Da steht eine gestandene Lehrerin, die im gestandenen Lehrermodus über das veraltetete System Schule wettert. Überhaupt Web 2.0 sei doch die Lösung für unsere Bildungsmisere. Das Web 2.0 zeige uns den goldenen Pfad zu fröhlicher Lehr-/Lernbereitschaft und dem Drang nach lebenslangen Lernen. Selbst die verschmähten Killerspiele bzw. eher die süchtigmachenden MMORPGs (ein Jubel ging durchs Publikum als die Referentin in der Lage war, die Abkürzung korrekt, wenn auch nicht ganz flüssig wiederzugeben, aber geschenkt, sie ist über 40 und aus der anderen Welt, da muss man Anerkennung zollen. Leicht beschämt gab sie dann auch zu, dass ihre Kinder sie in diese geheimnisvolle Welt eingeführt haben.) Sorry nochmal. Selbst die verschmähten Killerspiele bzw. eher die süchtigmachenden MMORPGs waren für die Dame ein Garant für die Entwicklung von sozialer Kompetenz und ein sinnvolles Hilfsmittel zum Erlernen von kreativen Methoden um all die kniffligen Probleme des Alltags gemeinsam zu lösen. Egal ob nun als Ork oder Schamane. Sag ich mir auch immer wieder.

Das Schul- und Lernsystem, so wie sie seit 200 Jahren bestehe, sagt sie, wäre völlig fatal. Das vorgegebene Wissen sei sowas von schrecklich. Der forntal eingehämmerte Lehrfahrplan nahezu unverantwortlich. Kollaboration, vernetzte Kommunikation, freies Lernen mit all den tollen Tools wie Wiki und Co., seien die wahren Heilsbringer der zukünftigen Wissensgesellschaft. Am besten solle man alles alte komplett einstampfen und sich voll und ganz auf das Wundermittel Web 2.0 konzentrieren. Bis auf zwei Ausnahmen, einem älteren Herrn, offensichtlich ein Kollege aus der Zunft, der dann gleich zum Gegenvortrag ansetzte, und mir herrschte im Saal entweder eifrige Zustimmung oder vollkommendes in bildschirmstarrendes Desinteresse. Leider kam ich dann doch nicht mehr zu Wort, da man sich auf 1-2 Meinungen zum 30-Minuten-Vortrag aus zeitlichen Gründen beschränken musste. Vortrag 30 - Diskussion 5. Schließlich erwartete man Lawrence Lessigs Powerpointfeuerwerk. Niemand erhob also mehr seine Stimme, fragte sich, was geschehen würde, wenn wir den Lehrplan einfach mal weglassen und jedem es selbst überließen das zu lernen was man grad so will. Niemand fragte sich, was denn der Sinn und Zweck des bisherigen Systems Schule war und ob da nicht doch das ein oder andere gute Element innewohnte, das man ggf. retten könnte. Und vor allem fragte sich niemand im Saale, ob denn diese Vorgehensweise, also einen Frontalvortrag mit quasi nicht realisierter Diskussion nicht genau das war, was diese Frau da gerade so enthuiastisch auf der Bühne niederreißen wollte? Wie gesagt. Spätestens ab da war mir bewusst, wie absurd diese Konferenzinhalte und -gestaltung im Kontext von “Netzmenschen”, “menschlichen Neuornen”, eigentlich war.

Doch es war natürlich nicht alles schlecht. Das gute war: Es gab KEIN W-LAN. So war man quasi dazu gezwungen, sich noch mehr mit anderen Menschen Auge in Auge zu unterhalten. (Es sei denn man begegnete einem hysterischen Super-Poker, der einem aber umgehend links liegen ließ, wenn man selbst nicht so ein possierliches Poken besaß.) Diese Unterhaltungen stellten sich als außerordentlich erfrischend dar und man stellte sehr schnell fest, warum man eigentlich auf solche Veranstaltungen geht. Man mag sich irgendwie - klar man lästert auch über dies und das - man hat gemeinsame Themen und mitunter auch sicherlich ähnliche Interessen. Man erinnert sich plötzlich, wie man mal vor zig Jahren gedacht hatte, als diese komischen Blogs auftraten und warum man das damals gemacht hat und wogegen man damals damit irgendwie protestieren oder alternativ publizieren wollte.

Wie dem auch sei. Für mich hat es sich letztlich doch gelohn, denn ich lernte neue spannende Menschen und ihre Projekte kennen, entdeckte Schnittstellen und setze diese Vernetzung nun fort. Doch soll ich ehrlich sein? Dazu brauche ich diese ganzen Vorträge nicht. Lawrence Lessigs Vortrag war genial, keine Frage, aber er hätte auch über die deutsche Einkommenssteuererklärung mit Anlage F referieren können, bei seiner Methodik und Begabung als Redner, wäre auch das mit tosendem Applaus gewürdigt worden. Er kann einfach Geschichten erzählen, da ist es völlig egal ob der Inhalt (Copyright, Piraterie und Creative Commons) schon vor vielen Jahren diskutiert wurde. Bitter wird es natürlich dann, wenn die Inhalte längst dem Publikum (hey das sind alles heavy Internetuser, die sich im Netz über Themen kollaborativ ständig austauschen) bekannt sind, der Vortragende aber den Esprit eines Sacharbeiters für die deutsche Einkommensteuererklärung mit Anlage F versprüht. Fail!

we don’t need no conferences?
we don’t need no thought control?

Das Original mit Bezug zur Schule hätte die oben beschriebene Lehrerin sicherlich freudestrahlend mit eingestimmt, ohne dabei zu merken, dass sie auch weiterhin Teil des perfiden Systems der Frontalkonferenz bleibt. Das ist bitter, ja geradezu kafkaesque.

Brauchen “wir” also weiterhin diese Art von Konferenz? Ich würde sagen ja, denn dadurch haben wir eine Begründung unseren Chefs gegenüber mal wieder nach Berlin zu fahren um mit netten Menschen einen zu saufen. Wir brauchen diese Konferenzen um mal in Ruhe unsere Mails abzurufen, dabei aber so aussehen, also ob wir uns mit Unterricht weiterbilden. Wir brauchen diese Panels, damit wir in den Plaudereien dazwischen einen Smalltalk-Einstieg haben. Wir brauchen diese immer wieder und wieder auftauchenden Themen, damit wir uns nicht die Mühe machen müssen, mal etwas neues zu wagen oder gar Missionen zu formuieren. Wir brauchen die Vorträge, damit wir auch mal ganz schnell flüchten können, wenn uns der Gesprächsteilnehmer in der Lobby gerade tierisch nervt.

Und ich? Nun, ich brauche diese Konferenz, damit ich mal wieder von alten Unkonferenz-Barcampzeiten schwärmen kann und einen ellenlangen Schmähblogbeitrag schreibe, den eh keine Sau liest, weil kein einziges Mal “Twitter” drin vorkam.

PS: Danke an das Orga-Team, denn es war wirklich gut organisiert. Ihr solltet das beruflich machen. Da ist der Inhalt dann eigentlich auch völlig schnuppe, hauptsache jeder ist irgendwie da.

5. Feb 2009

Breitenbach philoretisiert: Wo kommen eigentlich Ideen her?

Wird mal Zeit ein bißchen mehr für die Bildung zu tun. Wir brauchen viel mehr Theorie!

10. Jun 2008

“Hartz 4 Dynastien”

Abgesehen von der völlig falschen Bedeutung ist dieser Begriff derzeit ein polemischer Leckerbissen, den Politiker aller Couleur gerne mal in den Mund nehmen. Ursprünglich möchten sie damit wohl ausdrücken, dass in ihren Augen Armut, asoziales Verhalten, Faulheit und staatliches Schmarotzertum praktisch vererbbar ist. Dynastien an sich werden zwar eigentlich nur in Verbindung gebracht mit mächtigen und einflussreichen Familienbanden, aber vielleicht ist das bewusste Gegenteil ja gerade die polemisch-ironische Würze für die sowieso sonst so faden Verbalsüppchen der deutschen Politiker.

Wie in jeder Überzeichnung, jedem Klischee und jeder Polemik steckt natürlich auch in dieser Sache ein realistischer Kern. Fakt ist, dass sich große Teile der Verhaltensweisen innerhalb enger sozialer Gefüge natürlich wieder von der folgenden Generation übernommen wird. Sie kennen ja selten anderes Verhalten, welches sie imitieren könnten. Qualmt die ganze Familie, so ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass auch der Nachwuchs gerne mal zum Glimmstengel greift. Vertreten die Eltern offensiv nach außen, dass sich der Staat verdammt nochmal zu kümmern hat und dass sie mit Stütze besser wegkommen, als für sich für einen Euro pro Stunde abzuplagen, so werden die Kinder das unverblümt nachplappern und -eifern. Sind die Ausländer an allem Schuld, rauben sie uns den Job, Erfolg, ja einfach alles, so werden die Kinder der Vorurteilsschleuder sicherlich nicht unbedingt ihr Meinungsbild um 180 Grad wenden. Es sei denn…

Ja es sei denn, die Politik bekommt endlich mal ihren lobbyistengeleckten Hintern hoch und fängt an über die Polemik hinaus zu denken und endlich die komplette Sozialpolitik zu reformieren. Wenn es den Politikern also scheinbar schon bewusst ist, wie sich Vorbilder auf die kommenden Generationen auswirken, dann frage mich mich allen Ernstes, wieso sie alles dafür tun, damit das auch in Zukunft so bleibt wie es ist?!

Man muss nur einen Blick auf die erste offizielle Stufe des Bildungs- und Erziehungssystems werfen (gibt auch Vorstufen die aber nicht in unserem Bewusstsein verankert sind, zum Beispiel Hebammenbetreuung etc.) um festzustellen, wo das Schlamassel seinen Anfang nimmt. Beginnen wir bei den Kindergärten. Es ist heute völlig normal, dass sich zwei Erzieher um 27+ Kinder tagtäglich kümmern müssen. 27 Kinder, so ungefähr der Durchschnitt bzw. keine Seltenheit, im Alter von 2 bis 6 Jahre. Zwei Erzieher sollen 27 Kinder den sozialen Umgang miteinander beibringen, dabei super relaxed sein und dafür sorgen, dass sie optimal auf die Schule vorbereitet werden. Habt ihr schonmal einen Pulk von 27 Kleinkindern erlebt? Also ungefähr vergleichbar mit der Bändigung eines Aufsichtsrates - nur eben nicht ganz so gut bezahlt.

Da fängt es doch im Grunde an. An solchen markanten Institutionen kann man eine Gesellschaft messen. Dort kann man die Ernsthaftigkeit zur Lösung sozialer Probleme sofort erkennen - oder eben nicht. Hier könnte man langfristig in eine funktionierende, harmonische Gesellschaft investieren. Hier könnte man einer Gesellschaft von Grund auf beibringen, wie man die jeweiligen Stärken und Schwächen gegenseitig ausbalanciert. Es müsste theoretisch niemand mehr aufgrund seines Backgroundes in der zugeschriebenen Rolle verweilen. Und es ist einfach falsch, dass Eltern aus sogenannten “asozialen Milieus” ihre Kinder weniger lieben. Das stimmt nicht. Liebe zum eigenen Genpool ist einer der wenigen Dinge, die jeder hier auf Erden irgendwie miteinander gemeinsam hat. Diese Eltern sind nur einfach sehr viel schneller überfordert, weil sie ihr eigenes Leben nicht im Griff haben. Diese Eltern sind keine Monster. Im Gegenteil, es sind die tragischsten Figuren, die man sich nur vorstellen kann. Zerrissen zwischen den eigenen Problemen und der scheinbaren Unfähigkeit für den eigenen Nachwuchs zu sorgen.

Diese (und eigentlich natürlich alle) Eltern wären jedenfalls sehr dankbar, wenn ihre Kinder ein besseres Leben hätten, wenn sie gefördert würden, integriert würden. Das funktioniert aber auch nur, solange sich die Eltern dabei nicht ausgegrenzt fühlen. Es darf nicht ein Wechsel “auf die andere Seite” erfolgen oder ein Bruch mit der Familie, sondern es muss eine ganzheitliche pädagogische Arbeit erfolgen in der gesamten Familie. Es müssen Freizeitangebote und Zukunftsperspektiven geschaffen werden. Es müssen Alternativen zu Fernsehen, Kippen und Alkohol geboten werden. Es muss therapeutisch gearbeitet werden, ohne den Zeigefinger oder die Bildschlagzeile auszupacken.

Ja, das kostet Geld, aber sicherlich lohnt sich dieser Ansatz tatsächlich für die gesamte Gesellschaft. Also auch für diejenigen, die diese Situation zugleich ignorieren, belächeln, verabscheuen oder von ihr bedroht werden (meist wirklich alles zugleich). Es wird mehr Hoffnung, mehr Zuversicht, mehr Motivation und weniger Gewalt, Kriminalität und “asoziales Verhalten” geben. Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach, es wird weiterhin das geerntet, was auch gesäät wird, die Fragen dazu lauten also: Warum ist dafür kein Geld da? Wer profitiert davon, dass alles so bleibt wie es ist? Was müsste sich ändern, damit wir dieses System endlich anders anpacken?

Die eigentliche Armut liegt also ganz woanders in diesem Land.

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