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DailyCoffeeBreak Podcast
5. Okt 2011 | 1.296 views

Warum Google auf Pseudonyme einfach nicht verzichten kann

1. Focus on the user and all else will follow.

Ich habe die derzeitige Debatte über den Klarnamenzwang jetzt lange verfolgt und viele gewichtigen Argumente gelesen (wenn es mir auch zum Teil bei den hochgestochenen Formulierungen sichtlich schwer fiel ) und habe dabei eigentlich das größte Argument gegen den Klarnamenzwang (vor allem aus der Google-Perspektive) schmerzlich vermisst.

Ich stelle euch mal eine einfache Frage (also auch an die Googlemenschen da draußen die das weder lesen noch kommentieren werden): Würdet ihr als Verleger oder Manager so große Künstler wie Novalis, Agatha Christie, Stephen King, Erich Kästner, Sting, Cher oder The Kaiser einfach ablehnen wollen, nur weil sie nicht unter Klarnamen publizieren wollen/können? Würdet ihr Bono verbieten aufzutreten nur weil er nicht seinen richtigen Namen angibt?

Also ich fände das ziemlich dämlich und ehrlich gesagt verstehe ich Google genau an diesem Punkt nicht. Schon rein strategisch müsste ihnen doch klar sein, dass man Kreativität durch so eine Regelung regelrecht aussperrt. Und das Fehlen von Kreativität und damit auch ein Stück weit Vielfältigkeit (Diversity) sind zwei ganz wichtige Treiber um Innovationen zu gebähren, also das was Google letztlich groß gemacht hat. Ich verstehe einfach nicht, warum Google auf so eine gigantische Datenpower überhaupt verzichten will?

Democracy on the web works.

Ich weiß, ich weiß, jetzt kommen wieder die üblichen Argumente: Man muss als Nutzer ja nicht jeden Scheiß mitmachen. Google ist der klare herrische Hausherr und wenn es dir nicht passt geh woanders hin. Ja genau. Guter Punkt. Genaus das wird nämlich geschehen. Bzw. es geschieht schon längst. Im großen Stil. Und damit lautet die Konsequenz kurz und prägnant: Keine Pseudonyme bedeutet eben weniger vielfältige und kreative Inhalte.

There’s always more information out there.

Pseudonyme – ob man die mag oder nicht – sind seid jeher nun mal ein extrem wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Pseudonyme dienen extrem oft als Schutzmantel um qualitätsreiche und bemerkenswerte Inhalte überhaupt erst erschaffen zu können. Egal ob man jetzt unter einem Pseudonym sich eher traut etwas zu publizieren oder weil es einfach Teil des Gesamtkunstwerkes ist. Mit der Abschaffung von Pseudonymen tötet Google auf seinem sogenannten sozialen Netzwerk ein großen Teil der Kunst. Und ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher ob man bei all der Rechenschieberei nicht genau das gerade nicht beachtet. Natürlich sind Klarnamen auf den ersten Blick die “reineren Daten”. Aber eben nur auf dem ersten Blick, denn bei all der Reinheit, geht eben auch das dreckige Rohmaterial verloren, was mitunter echte Nuggets enthalten kann. Egal ob es sich um den nächsten Skandal oder eine geniale Kunstperformance handelt.

The need for information crosses all borders.

Ich dachte ja immer das Thema “Content” würde bei Google ganz weit oben auf der Agenda stehen. Schlechter Content wandert nach unten, guter Content (also der der sich gerne und weit vebreitet) wandert nach oben. Scheinbar ist dem nicht mehr so, denn durch die Klarnamenregelung wird Google in Zukunft einfach auf sehr viel guten und kreativen Content verzichten müssen (jedenfalls auf Google Plus). Hinzu kommt: Wenn die Pseudonyme einmal gehen, so nehmen sie auch gleich ihr komplettes Fannetzwerk mit. Die inhaltliche Austrocknung droht und das Xing-Schicksal steht bevor.

You can be serious without a suit.

Momentan mache ich mir echt ein wenig Sorgen, dass sich Google gerade als steife Visitenkartenparty positioniert. Es gibt da dann ganz viele cleane und geleckte Profile, A LOT OF BUSINESS TALK, aber eben viel zu wenig fluffliges, menschliches, unterhaltsames dazwischen. Wie busy. Wie nett. Wie langweilig und öde.

Google’s mission is to organize the world‘s information and make it universally accessible and useful.

Ein virtueller Google-Ort ohne das kulturelle Leben da draußen in seiner Gesamtheit abzubilden? Ich dachte immer genau DAS sei stets der Anspruch von Google?! Nochmal: Ich verstehe euch einfach nicht mehr Google!

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