Ein Mem ist ein Gedanke, also eine Idee, welche bei uns Menschen eine bestimmte Verhaltensweise auslösen und sich dabei gleichzeitig noch virusartig in den Köpfen vieler anderer Menschen per Kommunikation fortpflanzen kann – oftmals auch über Generationen hinweg. Viren des Geistes.
Ein Mem kann demnach z.B. ein in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangener Werbespruch, ein lustiges Katzenbild oder ein Symbol mit Strahlkraft wie Kreuze oder Sterne sein.
Meme gibt es nicht erst seit dem Internet und auch nicht der Begriff „Mem“ an sich (nur um das mal ganz deutlich an der Stelle zu sagen). Meme sind also mitnichten nur spaßige Twitterwitze und sonstiger Katzencontent – nein, Meme sind sozusagen die psychische Grundlage für unser Dasein, sie sind Auslöser und Antreiber für unser Verhalten und schlichtweg nichts anderes als der Inhalt unserer gesamten Kommunikation, die wiederum unsere Systeme und unser Interagieren darin letztlich prägt und formt.
Richard Dawkins erfand einst in seinem Werk „Das egoistische Gen“ den Begriff des Mems (welche übrigens genauso alt ist wie ich selbst und ganz nebenbei selbst zu einem Mem wurde) und konstatierte, das wir Menschen neben dem Träger von Genen auch echte Memmaschinen sind, also fleißige Verbreiter, Hüter und aber auch Abhängige von Memen.
Wir erlangen unser Wissen – demnach unsere gesamte Kultur – allein über Meme und tragen diese über viele Generationen hinweg immer weiter und weiter und weiter. Die Bibel und sonstige heilige Schriften ist beispielsweise gespickt mit einer Vielzahl an Memen, die uns auf der einen Seite Orientierung geben und uns aber auf der anderen Seite bis heute zum Teil aber auch fragwürdige Verhaltenskodexe aufzwingen, die vielleicht vor vielen hundert Jahren noch zeitgemäß und sinnvoll waren, aber eben heute einfach nicht mehr notwendig wären oder uns gar behindern. Damals sicherten sie noch unser Überleben, zum Beispiel aufgrund von Hygienefragen, heute sind es meist nur noch leere Dogmen.
Meme sind demnach nicht immer nützlich und sinnvoll. Sie haben zwar immer einen Zweck, doch muss dieser uns als Menschen nicht unbedingt weiterbringen. Wem das Mem grundsätzlich nützt ist das allein das Mem selbst. Wir sind nur dessen Wirt und Überträger, wir tanzen sozusagen nach der Pfeife der Meme. Das merkt man insbesondere an so Kleinigkeiten wie den „Urban Legends“, also Geschichten, von dessen Wahrheitsgehalt wir so überzeugt sind, dass wir sie unhinterfragt an künftige Generationen weitergeben. So geistert bis heute die Mär von dem besonders hohen Eisengehalt von Spinat umher, welches zeitweise dazu führte, dass der Absatz von Spinat spürbar explodierte und zahlreiche Kinder heulen ließ.
Ja überhaupt ist die Werbebranche ein Meister der Memerschaffung. Egal ob Piemontkirsche oder wertvoller Cerealien, hier werden und wurden Meme bewusst erfunden um sie bei Menschen bestmöglich zu verbreiten und dabei noch eine für die jeweiligen Unternehmen wertvolle Verhaltensänderung auszulösen, nämlich den Kaufreiz.
Doch all das ist im Gegensatz zum gefährlichsten und zerstörerischsten Mem aller Zeiten relativ harmlos. Denn wirklich gefährliche Meme sind solche, die uns blockieren oder dazu bringen dumme und zerstörerische Sachen zu tun. Es sind noch nicht einmal Meme wie „Krieg ist Frieden“ oder „Märkte müssen frei sein“, die “Friedenseinsätze” in fernen Ländern gutheißen oder Rettungsschirme für einige gierige Bankster ausbreiten lassen, nein, das Mem das ich meine ist nichts gegen das Mem der Meme, dem Killermem schlechthin.
Es nennt sich das
„Das war schon immer so und daran lässt sich auch nichts ändern“-Mem
Dieses Mem sorgt dafür dass wir geistig kurzfristig und physisch langfristig aussterben. Es sorgt dafür, dass wir stehenbleiben, resignieren und alles dafür tun, dass die eigene Prophezeiung der Alternativlosigkeit auch tatsächlich so eintritt.
Manch einer wird die Symptomatik dieses Membefalls vielleicht unter den Begriffen „Depression“ oder „Burnout“ kennen. Die höchste bekannte Stufe der Resignation, ein zu tiefes Erstarren in absoluter Hilflosigkeit und Resignation. Die Welt um einem herum darf ruhig untergehen – was jedoch weder als schön (so wie es der aktuelle Film von Lars von Trier darstellt) noch als besonders schrecklich empfunden wird, nein noch schlimmer, es ist einem schlichtweg völlig egal.
Dieses Mem höhlt uns und unser Gesellschaftssystem Zug um Zug aus. Es frisst sich wie ein kulturelles Krebsgeschwür durch unsere Zivilisation. Es schluckt erbarmungslos alles Sinnliche, Schöne, Geniale und Nützliche. Es erstickt Innovation, Fortschritt, Hoffnung und Kreativität im Keim. Es zersetzt große und kleine Unternehmen, Parteien und Vereine, Organisationen und Familien, Schulen und Bewegungen. Sobald sich dieses Mem einmal in ein System eingenistet hat ist es nur schwerlich aufzuhalten und verbreitet sich dafür umso aggressiver.
„Ja klar wären mehr Kindergartenplätze wichtig, aber das ist ja eh nicht finanzierbar!“
„Natürlich ist Basisdemokratie eine tolle Idee, aber das ist doch eh nicht realisierbar!“
„Sicherlich ist der Weltfrieden eine wünschenswerte Utopie, aber eben leider nur eine Wunschvorstellung!“
„Klar ist der offene und direkte Dialog mit anderen Menschen erstrebenswert und sinnvoll, aber bei uns im Haus ist das unmöglich durchzusetzen.“
“Klar ist das eine tolle Idee, aber leider bei uns aus politischen Gründen nicht umsetzbar”
Scheisse! Das Mem ist tasächlich überall zu finden und wenn man es erst einmal entdeckt hat, macht es wirklich große Angst. Ja sogar Joachim Gauck, Initiator der Montagsdemonstrationen und Beteiligter beim Fall der Mauer ist nun von diesem Mem befallen und bläst es über alle Kanäle direkt in die Köpfe der zuhörenden Menschen. Ist ihm da überhaupt bewusst gewesen, was er da rein memetisch angerichtet hat? Ich fürchte nicht.
Und so setzt er sich also weiter fort, das geistige Virus. Unaufhaltsam. Unveränderlich und endgültig. Das kann man wohl nicht mehr verändern. Das wird wohl immer so bleiben. HA-HA-HATSCHI! Ups. Da brüte ich wohl auch gerade etwas aus …
Was also tun, wenn es einen erwischt hat? Hier mal ein möglicher Therapieplan:
1. Sezierende Selbstdiagnose
Wie oft wirkt das Mem bei mir selbst und wie oft verbreite ich es an andere Menschen. Immer wieder selbst beobachten und reflektieren. Zur Not andere bitten uns mal gründlich durchzuchecken).
2. Konsequente Karantäne
Wenn ich befallen bin versuche ich so gut wie mögliche eine Ansteckung zu vermeiden. Begegnen mir durch und durch träumerisch-kreative Menschen voller Hoffnung und Perspektive werde ich sie nicht mit dem besagten Mem anstecken. Wenn ich an etwas nicht mehr glaube halte ich mich fern. Wenn ich innerlich gekündigt habe so kündige ich auch auf dem Papier usw.
3. Hoffende Heilung
Die Heilung geschieht durch eine bewusste und geballte Gegenmembenutzung. Ich spende Hoffnung statt Bedenken, ich kämpfe statt zu resignieren. Jedoch nicht krampfhaft sondern bei Dingen von denen ich im Kern schon auch überzeugt bin.
Ich wünsche uns allen baldmöglichst eine gute Genesung!



