21. Nov 2011

ich und das kind von morgen

Dinge zusammenfügen.

Das war die Essenz meiner absoluten Lieblingsbeschäftigung, als ich noch ein unbeschwertes Kind mit massig viel Zeit und ohne Verantwortung war. Dinge zusammenzufügen. Egal ob Bauwerke oder Raumschiffe aus Legos, gigantische Puzzles oder Bausätze, einfache Handarbeiten wie Knüpfteppiche oder Strickschals, Radiosendungen mit zwei Kassettenrekordern und einem Walkie-Talkie oder Ritterrüstungen und Wohnungseinrichtungen aus Papier, Schere und Uhu. Eben Dinge zusammenfügen.

All die dafür notwendigen Werkzeuge und Materialien hatte ich irgendwie wie von Zauberhand ständig um mich, da darf ich mich wohl bei meiner Familie bedanken. Im Nachhinein betrachtet wuchs ich sowieso in einer paradiesischen Zeit auf. Obwohl meine Familie alles andere als materiell reich war, erfüllten sie mir die wichtigsten und nützlichsten Wünsche. Ich wuchs sicherlich auch in einer “Kultur des Selbermachens” auf, in der mein Großvater einen eigenen Garten bestellt, eine große Werkstatt im Keller besaß und alle Arten von Bastel- und Renovierungsarbeiten selbst in die Hand nahm. Vielleicht war auch das gerade ein Grund warum ich gar nicht sooo scharf auf all die Fertigspielsachen war, die manch andere meiner Zeitgenossen besaßen. Ich hatte weder Playmobil noch Actionfiguren. Ich bastelte mir die Requisiten für mein Spiel zu diversen Universen aus Geschichten selbst- vom selbstbemalten Ghostbusterskostüm bis hin zu Star-Wars Raumschiffen aus Lego oder Pappe, aber eben immer Marke Eigenbau. Es war für mich sowieso auch der wesentlich befriedigendere Teil des Spiels. Dinge zu erschaffen, sie nicht einfach nur benutzen.

Eben so wie dieser kleine Junge, der uns Erwachsenen auf eindringliche Art klarzumachen versucht, worauf wir bei der Erziehung und Bildung unserer Kinder Wert legen sollten. Hört ihn euch an, den Jungen, der uns Erwachsene anfleht, Angebote zu schaffen, die unsere Kinder zu selbstverantwortlichen Tüftlern macht und eben nicht zu zombiehaften Konsumierern und maschinenhaften Auswendiglernern. Ein großes Plädoyer für die Reformierung unserer Bildung, ja unserer gesamten Kultur:

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