Die Geschichte von Social Media ist eine Geschichte voller Mißverständnisse.
Die meisten verwechseln Social Media Management mit der Bedienung von klassischen Push-Vertriebstools, also weiteren medialen Plakatwänden, pflasterbar mit kreischender Werbung und penetrierenden Corporate Messages. Dabei könnte Social Media viel mehr – wenn die Unternehmen denn wollen würden.
Bei Social Media geht es in erster Linie eben nicht darum zu verstehen wie man Facebook oder Twitter eigentlich bedient und wie man möglichst viele Fans und Follower in allerkürzester Zeit zusammenklaubt um sie mit langweiligen Unternehmensinfos zu berieseln. Es geht viel mehr darum tagtäglich zu überlegen welche Geschichten, Angebote, Produkte, Bilder, Events, Nachrichten und Menschen so spannend sind, dass andere Menschen diese digital (und natürlich analog) weiterverbreiten – sie also so involvierend und einnehmend sind, dass Menschen freiwillig und langfristig darüber sprechen. Gutes Social Media Marketing kann also auch tatsächlich ohne die eigenständige Bedienung von Social Media Kanälen stattfinden. Es orientiert sich grundsätzlich immer an den Prinzipien der Mundpropaganda.
Bei der allseits gefürchteten Budgetfrage aus dem Marketingetat eines Unternehmens für das Thema Social Media gibt es im Grunde genommen nur eine sinnvolle Antwort: JEDER Cent, den das Unternehmen in gute, differenzierende Geschichten, guten Content, Produktoptimierung oder gar neue ergänzende Produkte und Serviceleistungen steckt ist auch ein gut investierter Cent in Social Media, ja DIESER Cent zahlt sogar doppelt und dreifach ein: Auf die Marke, auf PR, auf Kundenzufriedenheit bzw. -begeisterung und damit eben auch immer automatisch auf Social Media.
Ein weiteres ganz gutes Beispiel ist diese Konzeptidee von Studenten der Miami Ad School für Vodafone.
Darin kann man deutlich erkennen, dass sich der Nachwuchs nicht nur intensive Gedanken um eine Lebenswelt (Community) als Teil der potenziellen Vodafone-Kunden gemacht haben sondern eben auch hart daran gearbeitet haben wie man die Marke und die Produkte von Vodafone für diese Lebenswelt so positioniert, dass sie hochattraktiv und damit eben auch im jeweiligen Freundschaftsnetzwerk “weitererzählbar” werden.
An der Stelle komme ich nicht drum herum mal wieder auf Marcus Brown (Head of Social Media bei Booming) E-Book “Content will kill your ad agency” zu verweisen. Marcus schreibt u.a. darin:
The kind of content that will kill your agency is briefless content. It will kill your agency because nobody is telling you what to do and you won’t have a mandate to do it. You will have to work it all out for yourselves. It will kill your agency because it will be bespoke, unique and without comparison. You will have to fight harder for it, harder than you fight for stuff now. It will kill your agency because it’s not advertising, at least not as we know it today. (…) Content could be anything; a book, a story, a game, a film, a painting, a song, a band, a poem, a television show, a web site, a blog, a concert, a piece of design, a chair, a house, a building, a home, and it could also be a business.
Content ist also mehr als reines textuelles, SEO-optimiertes Verkaufs-BlahBlah. Content sind Inhalte, die es auch wert sind, dass man über sie spricht. Content ist Gesprächsstoff, der sich einfach weiterverbreiten muss. Ohne solchen attraktiven Content, ohne diese besonderen Anlässe, wird eine Social Media Strategie weder effizient noch erfolgreich sein. Ich würde sogar noch weiter gehen: Die beste Social Media Strategie ist die, bei der man noch nicht einmal mehr selbst Social Media Kanäle befüllen muss, sondern das andere freiwillig für mich tun (siehe Apple). Dafür muss man “lediglich” die geeigneten Inhalte und Angebote erschaffen.



