BREITENBACH


feed your head

Kinderpornografie: Dämonisieren, kriminalisieren und auch gleich tabuisieren?

Wer desöfteren in meinem Blog liest, kennt meinen Bezug zu “Tabus” und dass ich mich dafür interessiere. Ich finde es extrem spannend und zum Teil erschreckend, welche Macht von Tabus ausgeht und wie diese sich immer wieder blockierend auf bestimmte Prozesse auswirken. Nichtsdestotrotz schreibe ich als selbsternannter Systemiker Tabus natürlich immer eine Funktion zu - ich will nicht den gleichen Fehler machen und sie sofort dämonisieren. Tabus haben die Funktion gewisse Sachen zu stoppen, was zunächst einmal nicht gut oder schlecht ist. Vielleicht benötigt der Mensch ja Tabus, um sich vor Überforderung zu schützen?

Eine der größten gesellschaftlichen Tabus ist sicherlich zur Zeit das Thema Kinderpornografie bzw. Pädophilie. Ich begebe mich mit der Thematik auf ein gefährliches Terrain, denn dieses Thema ist mehr oder weniger durch die extreme Dämonisierung, Kriminalisierung und Pathologisierung so gut wie tabuisiert. Man darf es keinesfalls wagen, sich in die Rolle von Pädophilen hineinzuversetzen, weil man dann ganz schnell selbst den Stempel dieser Eigenschaft aufgedrückt bekommt. Und das ist das große Problem an der Thematik. Wenn wir wirklich ein echtes Interesse haben das Problem “Pädophilie” zu lösen, so müssen wir lernen anders damit umzugehen. Denn was hat diese extreme Dämonisierung und Tabuisierung zur Folge? Wir hören auf den Pädophilen zuzuhören und damit intensiver zu forschen und uns mit dem Thema wirklich ernsthaft auseinanderzusetzen. Das wäre aber eine wichtige Voraussetzung, um den Menschen dabei zu helfen ihre Neigungen in den Griff zu bekommen und Kinder eben nicht mehr als unschuldige Opfer missbrauchen zu lassen. Menschen mit pädophilen Neigungen, die sich selbst unsicher sind, holen sich aufgrund der Tabuisierung eben keine Hilfe mehr und schweigen - sie ziehen sich also immer tiefer in den Schutz ihrer kriminellen Milieus zurück, finden unter “derengleichen” die Akzeptanz oder das Verständnis, das sie sonst niemals in der “normalen” Gesellschaft bekämen. Es entstehen bizarre, starre, fast religiös-mystische Parallelkulturen, die Pädophilie gutheißen und als etwas natürliches ansehen und dabei kulturhistorische Kontexte als Beweisführung zu Hilfe nehmen (Was ja auch in diesen Kontexten stimmen könnte, nur ist das Wissen darüber extrem verzerrt und verblasst bzw. der heutige gesellschaftliche Kontext ein ganz anderer und damit absolut nicht stimmig). Kurzum. Das Problem wird sogar noch verstärkt oder in Extreme geführt.

In der heutigen Debatte rund um Kinderpornografie und Internetsperren reden wir leider ausnahmslos am Thema vorbei. Die Gegner von Internetzensur treten die Ängste und Beweggründe der Zensurbefürworter mit Füßen und umgekehrt gilt das genauso. Die Bekämpfer der Internetangebote sehen nicht die Befürchtungen der Kritiker, dass die Grundrechte von Menschen ausgehöhlt werden. Warum auch, sie wollen nur Kinderpornografie bekämpfen. Ein fruchtbarer Dialog zur Lösung des eigentlichen Problems findet also so gut wie nicht statt. Jeder stampft mit seinem Fuß in Rumpelstilzchenmanier auf den Boden und brüllt sein BASTA, während das Grundproblem weiterhin aktiv unter der Oberfläche gärt und keinesfalls gelöst wird. Wir lenken uns also lieber mit Meta-Scharmützeln ab. Zensur - ja, nein wie auch immer. Letztendlich sind die Kritiker der Zensur noch weitaus konsequenter, denn die wollen das Problem Kinderpornografie nicht unbedingt lösen sondern nur für Grundrechte und Zensurfreiheit kämpfen. Also im Grunde redet man komplett aneinander vorbei, was schade ist.

Wenn also schon ein Stoppschild und die Sperrung einer Seite sein muss, wieso dann nicht auch explizit Anlaufstellen zur Beratung oder Hilfe schaffen? Ich persönlich halte dieses “Stopp” im Zusammenhang mit der Thematik sogar einigermaßen für sinnvoll, denn der Konsument wird in seinem triebhaften Handeln (welches ja durch das limbische System bedingt fast ein Autopilotmodus ist) unterbrochen und ins mehr oder weniger rationale Bewusstsein zurückgeführt. Er hat nun erstmals die Chance wenigstens ganz kurz nachzudenken, wo er mit seinem Verhalten gesellschaftlich gerade steht. Nur dann muss es halt explizit weitergehen. Dann muss ich der betroffenen Person auch Hilfe anbieten, so dass sie sich eben nicht weiter in die Illegalität und Kriminalität zurückzieht oder sich gar die Triebbefriedigung in unmittelbarer, persönlicher Umgebung holt.

Um es am Ende ganz klar auszudrücken: Pädophilie ist eine in unserer jetzigen kulturellen Gesellschaft eine extreme Störung. Wenn wir aber als Gesellschaft wollen, dass diese Störung gelöst wird, so sollten wir doch wenigstens bereit sein, uns auf die Störung einzulassen, sie versuchen zu verstehen oder zumindestens zu analysieren. Tun wir das nicht, so verdrängen wir das Problem nur tief aus unserer Wahrnehmung und wir werden dann wieder umso extremer negativ überrascht, wenn wir unmittelbar Opfer dieses Problems werden. Dann ist die Empörung wieder gigantisch groß und der Ruf nach Kastration oder gar Todesstrafe wird laut und der ganze Schmarrn schleift sich tiefer und tiefer ein.

Wenn Politiker nach Regulierung rufen, so ist dies meist ein Zeichen für Resgination, denn diese Regeln sollen in erster Linie Kommunikation beschneiden und nicht das gesellschaftliche Problem dahinter lösen. Probleme löst man, in dem man sie erfasst, analysiert und dessen Funktion entschlüsselt, so dass man daraufhin alternative Lösungen entwickeln kann. Ein kommunikativer Ausschluss von Problemen führt zum genauen Gegenteil der Problemlösung. Beispiele hierzu findet man in der Stadtpolitik, bei der man das Problem Drogensucht und Obdachlosigkeit einfach räumlich verschiebt, aber eben nicht wirklich löst oder lösen will/kann.

Category: Allgemeines

Tagged: , , , ,

11 Responses

  1. Deine Forderung nach Problemlösung und Akzeptanz in allen Ehren, aber einige grundlegende Fehleinschätzungen übersiehst du:

    “Die Gegner von Internetzensur treten die Ängste und Beweggründe der Zensurbefürworter mit Füßen und umgekehrt gilt das genauso.”

    Ich bin absoluter Gegner der Internetsperren und einer Zensur, die damit verbunden ist. Ich trete nicht auf die Ängste und Beweggründe der Zensurbefürworter, sondern habe im Dialog versucht, diese von der technischen Irrsinnigkeit dieser Maßnahme zu überzeugen und bessere Möglichkeiten zu unterbreiten. Dass die per Gesetz durchgesetzen Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch völlig untauglich sind, läßt sich nachweisen, es sind keine Hirngespinste. Leider hat man diesen Dialog nicht führen wollen und hat ungeachtet aller Bedenken, das unsägliche Zugangserschwerungsgesetz verabschiedet.

    “Die Bekämpfer der Internetangebote sehen nicht die Befürchtungen der Kritiker, dass die Grundrechte von Menschen ausgehöhlt werden. Warum auch, sie wollen nur Kinderpornografie bekämpfen. Ein fruchtbarer Dialog zur Lösung des eigentlichen Problems findet also so gut wie nicht statt.”

    Man kann nicht mit technischen Maßnahmen gegen etwas kämpfen, wenn man die eigene Waffe nicht beherrscht. Internetsperren gegen Kinderpornographie sind vergleichbar wie das Abdichten eines undichten Eimers mit Schneebällen, eben unsinnig. Wenn man das nicht einsehen will, kommt kein Dialog zustande und eine Lösung erst recht nicht. Die gute Absicht versickert im Meer der Sinnlosigkeit. Man sollte auf die Kritiker der Internetsperren hören und auf deren Know How vertrauen, wenn man tatsächlich das Problem angehen möchte.

    “Letztendlich sind die Kritiker der Zensur noch weitaus konsequenter, denn die wollen das Problem Kinderpornografie nicht unbedingt lösen sondern nur für Grundrechte und Zensurfreiheit kämpfen.”

    Dieser Zusammenhang ist unverständlich: Sind nun die Kritiker der Zensur, diejenigen, die eine Zensurinfrastruktur befürchten oder diejenigen, die sie verleugnen? Aus dem Kontext heraus wären es eher die Internetsperren- Gegner, doch dann wäre der Rest der Argumentation völlig falsch. Gerade diese verweisen mit Nachdruck darauf, dass mit den verwendeten Mitteln, also dem DNS- Access Blocking keine Kinderpornographie bekämpft werden kann und verlangen nach geeigneten Maßnahmen, wie eben das konsequente Löschen anstatt dem unsinnigen Verstecken. Dass als Nebeneffekt der unsinnigen Bekämpfungsstrategie per Stopp- Schild noch nebenbei Grundrechte und Informationsfreiheit attackiert werden, sollte erst recht dazu führen, dass die Sperrgesetz- Befürworter ebenfalls einsehen, dass effektivere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Allerdings verfolgen die Initiatoren dieses Zensurgesetzes, Ursula von der Leyen und Jörg Ziercke, unbeeindruckt ihr Ziel weiter, obwohl inzwischen bekannt ist, dass sie ständig mit gefälschtem Zahlenmaterial argumentieren, andere Staaten ungerechtfertigt verunglimpfen und keine Argumente mehr vorweisen können, die nicht längst widerlegt wurden.

    Also wie soll man da einen Konsens finden?

  2. xconroy says:

    Zustimmung zu Johannes, was die Nutzlosigkeit und Kontraproduktivität von “Stoppschildern” angeht. Dein Versuch, Patrick, den Blickwinkel der Zensurbefürworter einzunehmen, ist ehrenwert, er ging aber - meines Erachtens - ebenso in die Hose wie der Versuch, den Blickwinkel von Pädophilen zu verstehen. Sry, aber beides kommt hier irgendwie… halbherzig und nicht gut durchdacht rüber.

    Wenn schon ein Stopschild “sein muß”, könne man wenigstens auch Angebote zur Beratung und Hilfe schaffen, sozusagen damit doch noch was Gutes dabei rumkommt? Das Gute, was bei dem unsäglichen Stopschild rumkommt, das sind hoffentlich viele Leute, die dermaßen angepißt sind von diesem Verdächtiger- und Bevormunderstaat, daß sie sich die recht wenigen Kenntnisse, die dazu nötig sind, unbehelligt von stümperhaften Zensurbestrebungen zu leben, aneignen und die Leyentruppe dumm dastehen lassen. Angebote und Beratung für Pädophile können und sollen natürlich trotzdem geschaffen werden, völlig unabhängig von albernen Stopschildern, deren Wirkung deiner Interpretation nach ja irgendwie ein Wundermittel gegen “triebhaftes Handeln” sein soll (stell dir halt vor, du befindest dich in einem äußerst prüden land und versuchst im Netz an dort verbotene Bilder von [hier Person einfügen, die du sehr sexy findest] zu gelangen - bist du dann auch einerseits komplett “autopilotgesteuert” und läßt dich dabei andererseits durch ein albernes Schildchen “erden”? Anstatt, im Wissen um die Illegalität deines Handelns, bereits vorher Sicherheitsmaßnahmen zu treffen?

    Weiterhin sagst du, “das Grundproblem” werde nicht berührt bei all den Diskussionen. Was genau ist denn “das Grundproblem”? Ist das nicht sehr perspektivabhängig? Für mich ist die Bedrohung durch einen Nahezu-Stasistaat, der aufs Perfideste die emotionale Wirkung von “Kindchen, unschuldig, geschändet” für seine Belange ausnutzt (die bei der NPD “Etablierung der Todesstrafe” heißen und bei der CDU eben “Etablierung von 1984″ - das Mittel zum ekligen Zweck ist jeweils dasselbe, nämlich Emotionalisierung bis zum Anschlag, bis die “breite Masse” tatsächlich auf Autopilot läuft wie damals der aufgehetzte britische Bodensatz bei der “News of the world”-Kampagne) sehr wohl ein Grundproblem. Falls du mit “Grundproblem” realen Kinderschutz oder reale Beschäftigung mit den Problemen Pädophiler meinst - das hat damit herzlich wenig bis herzlich gar nichts zu tun… genau das ist ja auch einer der Hauptkritikpunkte der Zensurgegner.

    Zum Thema “bizarre Parallelkulturen”: kannst du genauer erklären, wen und was du damit meinst? Ich persönlich finde nichts besonders “Bizarres” daran, Pädophilie als etwas Natürliches zu sehen - ebenso wie Homosexualität natürlich ist. Der einzige, wenn auch gravierende, Unterschied ist der soziale Impact. Pädophilie “gutheißen” ist übrigens auch nichts Bizarres, denn es handelt sich um eine erstmal wertfreie und daher neutrale Eigenschaft… zu werten gibt es erst etwas, wenn aus der Neigung/Eigenschaft konkrete Handlungen resultieren, die ggf. Schaden anrichten. So seh ich das jedenfalls, Kritik an dieser Meinung ist gerne willkommen (in diesem Blog ist ja erholsamerweise tatsächlich inhaltliche Kritik zu erwarten… an anderen Orten werde ich für solche Äußerungen wahlweise beschimpft, bedroht, gesperrt, gelöscht oder alles zusammen xD).

    So, nach all dem Gelaber kommen wir mal zu dem Punkt, den ICH als Hauptproblem sehe. Es wird nämlich ÜBER Menschen geredet, nicht MIT ihnen. MIT bedeutet: wir sollten ggf. auch mal “Minderjährige” in Diskussionen über solche Themen einbeziehen. Idealerweise ohne Suggestivgehampel. Als Beispiel: ich habe beruflich viel mit Jugendlichen zwischen 10 und 16 zu tun, es ist nicht ungewöhnlich daß ne 13jährige einen deutlich älteren Freund hat (um die 20, zum Bliestift). Das dürfte in den meisten öffentlichen Diskursen schon als Skandal und pervers gelten (ausgenommen das ganze betrifft europäische Touristen in der Türkei, dann sind die bösen Türken schuld^^ SCNR), und pädagogisch Korrekte wiegen bedenklich den Zeigefinger und husten was von “emotionaler Desorientierung”. Klar - für sie sind “Minder”jährige Objekte - Objekt von Betreuung, Forschung, Beeinflussung. Das läßt sich berufsbedingt auch nicht vollständig ablegen, das merke ich leider selber oft genug. Aber redte überhaupt mal jemand dieser Bedenkenträger MIT Kindern/Jugendlichen? Auf Augenhöhe? Gar ergebnisoffen, also mit der Option, seine eigene Meinung von der des “Minder”jährigen beeinflussen zu lassen? “Experten” machen das nicht. Leider.

    Das wäre der erste Teilaspekt - wir reden nur zu gerne ÜBER Kids, gerade bei solchen Themen, aber nicht mit ihnen, jedenfalls nicht unvoreingenommen. Der zweite Teilaspekt ist gleich, betrifft nur eine andere Gruppe: die bösen Pädophilen nämlich. ÜBER die wird auch immer gerne geredet - aber MIT ihnen? Von Mensch zu Mensch und NICHT von “Bessermensch” zu “Perversling”? Wär doch auch mal interessant. Mir ist zumindest ein Forum solcher “Perverser” bekannt, in dem sich teils hochintelligente, sehr reflektierte und selbstkritische Menschen austauschen, von denen in Sachen Selbstreflexion und Sozialverhalten viele “Normalos” was lernen könnten… Idioten gibts da natürlich auch, aber wo gibts die nicht?

    Auch wenn das jetzt zu weit führt, aber: mir scheint dieses hier verortete Hauptproblem nicht nur für dieses Thema relevant zu sein, sondern auch viel allgemeiner: wir reden ÜBER Menschen statt MIT ihnen, machen sie zu “Themen”, nicht zu Dialogpartnern. Das betrifft ebenso “Killerspielspieler”, Hartz4-Empfänger, HipHopper, “Ritzer”, Nazis and so on… es ist so unglaublich interessant, sich MIT Menschen auszutauschen, deren Lebenswelt und Perspektive deutlich von der eigenen abweicht… aber es ist leichter, ÜBER sie zu reden.

    Das MIT-”anderen”-Menschen-reden gehört vielleicht auch in die Tabuliste. Auch wenn das nach Gutmenschelei und political correctness klingt und uns Kindern der Spät80er in der Schule mit Gudrun-Pausewang-Lesebüchern “Toleranz” und sowas so lange eingehämmert wurden, bis sie zu Worthülsen verkamen.

  3. Patrick says:

    @xconroy: “deren Wirkung deiner Interpretation nach ja irgendwie ein Wundermittel gegen “triebhaftes Handeln” sein soll”

    Da hast du etwas komplett falsch verstanden.”einigermaßen sinnvoll” ist für mich nicht wirklich mit “Wundermittel” gleichzusetzen. Ich meinte in diesem Zusammenhang, dass ein “Stoppschild” ohne zusätzliche Hilfsangebote komplett sinnlos sind. Manchmal helfen Signale dabei, Muster zu durchbrechen, zur Reflexion anzuregen und wenn auch nur für eine Millisekunde. Aber eines stimmt gewiss, es wird “das Problem” nicht lösen.

    Aber was ich dich frage: Wenn ich deine Argumentation logisch fortführen würde, dann wäre auch unter diesen Gesichtspunkten eine Kontrollmanie (Überwachungsstaat) und Machtgier “normal”, oder? Auch da hieße es dann MIT den Menschen reden, statt ÜBER sie, so wie du es im ersten Absatz getan hast, oder? Finde es schon merkwürdig, wenn du die “gesellschaftlich Geächteten” unter den Schutzmantel der Offenheit hüllst, die Staatsführer (oder sie sich als solche verstehen) aber als die bösen Bespitzler hochstilisierst. Wir können nicht ohne duales Prinzip. Es hilft uns unsere Welt zu kategorisieren. Für mich wird es nur gefährlich wenn etwas zu starr wird und man nicht über solche Dinge Metadiskurse führen kann (was man bei all den Horrorszenarien in punkto deutsche Stasikultur hier immer noch ziemlich frei und ungeniert tun kann). An dieser Stelle muss ich auch daraufhinweisen, dass ich Gedankenexperimente liebe, in der ich Dinge denken kann, die ich als Person Breitenbach so niemals vertreten würde. Dazu gehört beispielsweise Pädophilie als etwas “normales” zu betrachten, ganz einfach weil ich Kinder habe und einen natürlichen enormen Beschützerinstinkt am Laufen habe. Ich meine in diesem Zusammenhang auch nicht die von dir geschilderten Grenzfälle mit verkitschtem Lolita-Charme, also die adoleszenten, hormongetränkten Trieb-Teenagern. Ich spreche von Kindern. Säuglingen bis Grundschulklasse. Und da diskutiere ich einfach ungerne über Normalität von sexuellem Missbrauch. Ich glaube da ist einfach was komplett falsch gelaufen und selbst wenn nicht, ich kategorisiere es (ob mit oder ohne gesellschaftlichen Konsens) als “Störung”, denn es würde die freie Entfaltung eines Wesens oder das Recht auf Unverletzlichkeit bedrohen. Und dafür stehe ich ein - komme was wolle.

    Nichtsdestotrotz danke ich dir für den Input, über den es sich wie immer nachzudenken lohnt.

  4. Patrick says:

    Ach ja und mir ging es bei diesem Eintrag natürlich nicht um die Zensurdebatte. Sondern um “Pädophilie” als Nebenkriegsschauplatz einer Zensurdebatte. Von beiden Seiten aus betrachtet.

    Internetsperrgesetzbefürworter nutzen das Thema Pädophilie um Interessen durrchzusetzen

    Internetsperrgesetzgegner versuchen das Thema Pädophilie (wegen des Todschlagcharakters) mit technischen Argumenten zu umschiffen.

    Aber beide sprechen nicht wirklich über das Problem “Pädophilie” - was kein Vorwurf an beide ist, sondern lediglich eine von mir getätigte Beobachtung mit anhsclißender Kommentierung.

    Soweit die “Management Summary” für den Blogeintrag ;-)

  5. Patrick says:

    Und noch was:

    “Internetsperrgesetzbefürworter nutzen das Thema Pädophilie um Interessen durrchzusetzen”

    Soll nicht implizieren, dass die alleinigen Interessen der Befürworter bei der Zensur als solches liegt, wie die Gegner immer versuchen zu unterstellen. Auf der anderen Seite weiß ich, dass ich auch nicht alle Zensurgegner über den Kamm scheren kann. Sehr komplex alles.

    Aber was fehlt ist tatsächlich der konstruktive Dialog. Denn “Zensursula” oder “Stasi 2.0″ ist mindestens genauso dialogfördernd wie die markigen Sprüche mancher CDU/CSU Politiker.

  6. xconroy says:

    Jep, das kam wohl in meinem Post nicht ganz rüber: selbstverständlich sollte MIT allen geredet werden - dazu gehören natürlich auch die (staatlichen) Vertreter/Befürworter einer Zensurinfrastruktur. Versucht wird dies ja auch - u.a. auf Seiten wie abgeordnetenwatch, auf lokaler Ebene auch im “offline”-Leben.

    Ein Unterschied liegt mmn aber darin, daß Personengruppen wie Killerspielspieler, Nazis, Pädophile oder Minderjährige zwar vom “Mainstream” gerne eher als Thema denn als Dialogpartner genommen werden - das haben sie mit Politikern gemein - aber im Gegensatz zu Politikern oder Lobbyisten besteht bei ihnen keine besonders große Hürde - es braucht nicht viel Aufwand, um mit so einem Menschen auf Augenhöhe zu reden, während es trotz abgeordnetenwatch und co. auch heute nicht wirklich leicht ist, mit Politikern auch über kritische Fragen in einen gleichberechtigten Dialog zu treten (aber vielleicht bin ich da auch etwas wiefelspützgeschädigt ;-)).
    Versucht werden sollte es auf jeden Fall auch weiterhin. Möglicherweise werden Politiker ihre Wähler auch wieder ernster nehmen, wenn sie merken, daß sie von ihnen selber ernstgenommen werden.
    Wenn man sich jetzt andererseits das Video von vdL (bei netzpolitik zu finden)ansieht, wie sie Populismus im übelsten Sinne betreibt… da habe ich meine Zweifel, was die Dialogbereitschaft und -fähigkeit solcher Leute angeht.

    Zu Metadiskursen: du hast recht, noch kann man sie führen, und daß Leute wegen ihrer Meinung Probleme kriegen kommt glücklicherweise bisher nur als Einzelfall vor. Dabei sollte es auch bleiben. Ich möchte da auch keinem Panikmacher das Wort reden, aber Aufmerksamkeit ist allemal angebracht, denn aus meiner Sicht sind Tendenzen nach mehr Überwachung und mehr Gängelung einfach zu starke “Attraktoren” für diverse (politische/wirtschaftliche) Interessengruppen, um sie außer Acht zu lassen.

    Zur Normalität: es geht nicht um die “Normalität” von sexuellem Mißbrauch, also einer Handlung, die bewertet werden kann. Sondern um die “Normalität” einer Neigung, die - wie exotisch und für viele abstoßend sie auch sein mag - per se nicht bewertet werden KANN. Rote Haare können auch nicht bewertet werden. Sie sind weder gut noch schlecht. Wenn man da überhaupt Normalität definieren will, dann bestenfalls nach Häufigkeit des Vorkommens.
    Übrigens halte ich Pädophilie nicht für “normal”. Genausowenig wie Homosexualität. Ich würde beides als “Störung” bezeichnen, allerdings ohne Wertung im Sinne von gut/schlecht, sondern einfach aus entwicklungspsychologischer Sicht: es macht aus allen möglichen Gründen keinen Sinn, auf Gleichgeschlechtliche oder auf vorpubertäre Kinder zu stehen. Und daß gerade letzteres ein Gefährdungspotenzial beinhaltet mußt du mir nicht erzählen… ich habe (noch) keine eignen Kinder - das ändert die Perspektive enorm -, aber u.a. auch mit Opfern von Mißbrauch und sonstiger Gewalt zu tun (und da komme dann selbst ich an Punkte, wo ich NICHT mehr bereit bin, MIT den entsprechenden Leuten zu reden). Aber es ist wichtig, zwischen Neigung und Handlung zu trennen. (es ist übrigens auch ganz richtig, zwischen “echten” Pädophilen, die ausschließlich auf Vorpubertäre abfahren, und irgendwelchen Leuten mit Jugendfetisch o.ä. zu trennen, das sind nämlich komplett verschiedene Welten… aber erzähl das wiederum mal nem Politiker, der sich solche Scherze wie “Scheinminderjährigkeit” ausdenkt).

    Ich hoffe, dadurch einiges klarer gestellt zu haben. Und übrigens vielen Dank dafür, immer wieder auch solche Themen zur offenen Diskussion zu stellen. Aus diesem Tabu-Ding könnte man direkt ne Serie machen… es gäbe da sicher noch einige andere Themen und Metabetrachtungen zu selbigen…

  7. xconroy says:

    Oh, da kam ja noch einiges nach ;-).

    Ich fand die “Zensursula” vom Prinzip her sehr gut - es ging ja, wenn auch wohl nicht gezielt und so beabsichtigt - darum, eine “Marke” als Gegenentwurf zu haben… als Werber weißt du, wie wichtig Meme sind, die eine Gruppe fokussieren können (und übrigens auch den Gegner… wenn Begriffe wie “Zensursula” schon bei denen ankommen, die gemeint sind, dann wird ihnen eher klar, daß sie Gegenwind haben, als wenn die Kritik ungebündelt und bestenfalls als diffuses Rauschen wahrgenommen wird).

    Was fehlt, und worin ich dir recht gebe - das ist der eigentlich nötige nächste Schritt: eine Verständigung beider Parteien über Differenzen UND Gemeinsamkeiten und darüber, wie diese entstehen und wie mit ihnen umzugehen ist.
    Aber ob das möglich ist? Um sowas überhaupt zu versuchen, müßte die Politik-Seite klarmachen können, daß sie tatsächlich an einem INHALTLICHEN Dialog interessiert ist und nicht nur Wahlkampf betreibt (es ist ja möglich, daß in vdL`s und Guttenbergs Kreisen allen klar ist, daß Stopschilder Quatsch sind, man diese aber trotzdem an den für dumm gehaltenen Wähler verkaufen will - wo soll auf einer solchen Ebene ein Dialog stattfinden?). Gesetzt den Fall, daß sowas passiert, dann wäre “die Netzgemeinde” natürlich gefordert, dieses Angebot auch bis auf Weiteres anzunehmen und, genau, MIT dem Gegner zu reden. Falls dieser nur auf Verarsche aus ist kann man ja immer noch den Dialog abbrechen.

    Wenn solche Entwicklungen aber überhaupt stattfinden, dann erst nach der Wahl. Was vorher passiert ist eh weißes Rauschen.

  8. [...] einfach räumlich verschiebt, aber eben nicht wirklich löst oder lösen will/kann.Quelle: brainblogger.de/2009/08/kinderpornografie-damonisieren-kriminalisieren-und-auch-gleich-tabuisieren/&…Post [...]

  9. Ich nochmal…

    “es ist ja möglich, daß in vdL`s und Guttenbergs Kreisen allen klar ist, daß Stopschilder Quatsch sind, man diese aber trotzdem an den für dumm gehaltenen Wähler verkaufen will - wo soll auf einer solchen Ebene ein Dialog stattfinden?”

    Es ist nicht nur möglich, sondern nachgewiesene Tatsache. Ich habe mit einigen Politikern, die maßgeblich am Zugangserschwerungsgesetz beteiligt waren, in direktem Email- Kontakt gestanden (teilweise in meinem Blog http://www.guedesweiler.blogspot.com veröffentlicht). Brigitte Zypries beispielsweise, sie ist bekanntermaßen Juristin, hat mich darüber belehren wollen, wie Anonymität im Internet usw. funktioniert. Ich bin übrigens IT- Administrator…
    Technisch nachweisbare Gegebenheiten werden von denen einfach nicht akzeptiert. Sie kennen quasi alle Unzulänglichkeiten, denn ich war nicht der einzige IT’ler, der versucht hat, unsere Politikelite über die Effektivität der Internetsperren und deren “technische” Risiken und Schwachstellen aufzuklären. Lediglich dass MdB Manuela Noll vom Familienministerium aufgrund unseres Dialoges ihr persönliches Statement zum Thema auf der eigenen Homepage geändert hat, wurde das Know How nicht angenommen. Was soll man also daraus schließen?

    “Internetsperrgesetzgegner versuchen das Thema Pädophilie (wegen des Todschlagcharakters) mit technischen Argumenten zu umschiffen.”

    Nein, so stimmt das nicht. Den Gegnern geht es darum, aufzuzeigen, dass Internetsperren, wie sie verwendet werden sollen, technischer Quatsch sind, die dem Ziel kein Stück näher kommen. “Umschiffen” lassen sich diese Internetsperren ganz einfach und das sollte den verantwortlichen Politikern klar gemacht werden (neben weiterer Schwachstellen). Gleichzeitig jedoch wurden andere Lösungsansätze eindrucksvoll und erfolgreich praktiziert und präsentiert. Das Ziel war es, geignetere Maßnahmen aufzuzeigen und das hat man getan. Dennoch halten die verantwortlichen hartnäckig an ihren unsinnigen Sperrmaßnahmen fest und verteidigen sie mit Scheinargumenten und schrecken auch nicht vor Lügen und Zahlenmanipulation zurück. Aus technischer Sicht geht es überhaupt nicht um Pädophilie, sondern um Technik, wie man sie richtig und verantwortungsbewußt einsetzt. Die Maßnahmen würden auch bei Themen wie Killerspielverbot versagen. Weshalb sollte gerade ein Verein wie MOGIS die Partei der Sperrgesetzgegner wohl ergreifen? Doch nur deswegen, dass eindeutig klar wurde, dass Kindesmissbrauch durch diese Internetsperren nicht im Geringsten minimiert werden kann. Kinderpornographie ist ja letztendlich ein Nebenprodukt des vorangegangen Missbrauchs und auch diese nachträgliche Dokumentation des Missbrauchs läßt sich durch die Sperren nicht wirklich unterbinden. “Löschen statt Sperren” wurde zur Devise und wurde erfolgversprechend vorgeführt. Die Regierung hat dann im 2. Anlauf im Gesetz die Richtlinie “Löschen vor Sperren” eingebracht, doch hat sich herausgestellt, dass man damit nur die Wogen glätten wollte. Setzt man nämlich das “Löschen” konsequent und vorrangig um, ist “Sperren” überflüssig. Verfolgt man die Debatte auch an Randschauplätzen, wird man unweigerlich feststellen müssen, dass auf diese Zensurinfrastruktur nicht verzichtet werden will. Das läßt allerdings den Umkehrschluss zu, dass den Befürwortern (nicht pauschal betrachtet) die Bekämpfung von Kinderpornographie nicht das primäre Ziel ist.

  10. Danke für euren Inout, war viel herauszuholen. Muss alles erstmal reflektieren. Vor allem der Punkt “Löschen statt sperren” hat weitergeholfen, da mir bis dato nicht wirklich bewusst war, dass dies eine zwischenzeitliche Gesetzentwurfsänderung war.

    Zu Politiker muss man dazu sagen, dass sie sich gar nicht intensiv mit sachthemen auseinandersetzen KÖNNEN. SIe haben viel zu viel mit repräsentieren zu tun. Die Arbeit erledigen Lobbyisten, Berater, Medien, Ehepartnern und Referenten für sie, d.h. sie MÜSSEN zu 100% das glauben, was sie von denen gesagt bekommen, sonst wären sie ja aufgeschmissen. Das ist das Fatale am Politikerdasein. Man ist und bleibt - ob man will oder nicht - eine Marionette (euphemistisch: Repräsentant).

Leave a Reply

Twittieren


Meine derzeitige Traumrolle

Ich an der Karlshochschule

Philoretisieren

philoretisieren

Videografieren



Fotografieren



Sozialisieren

DandyID Blip.fm identi.ca Twitter Delicious Dopplr Facebook Flickr Friendfeed Linkedin Stumbleupon Twitpic Vimeo Xing

Das bin ich




Meine Fotos

Hessischer Haushalt 2010

spinnenzucht 01

spinnenzucht 02

More Photos