Jan 2, 2009
deprogrammierung I
In den 60er Jahren gab es zahlreiche Psychologen und allgemein Wissenschaftler, die davon ausgingen, dass der Mensch im Grunde genommen nichts anderes sei als ein großer und komplexer Biocomputer. Vielleicht nicht ganz so rigide, wie es der Evolutionsbiologie Richard Dawkins sieht, nämlich Menschen als reine Überlebensmaschinen für Gene und Meme. Viele sind und waren eher der Auffassung, dass man sowohl Maschine, als auch Programmierer der eigenen Maschine sein kann. Genau das würde uns Menschen auszeichnen. Irgendwie schafften wir es in die Metaprogrammierungsebene zu gelangen, wo wir den Computer neue Abläufe beibringen (Lernen) oder Programme verbessern oder verändern können (Verhaltenstherapie). Unser Computer arbeitet, wenn er auf Automatik steht, im Imitationsmodus, d.h. er lernt durch das Verhalten und die Kommunikation der anderen Computereinheiten in seiner unmittelbaren Umgebung. Die Metaprogrammierung wiederum, also die Bewusstmachung der eigenen Verhaltensmuster und das Bestreben nach Veränderung dieser “Programmschleifen”, erfolgt aus dem eigenen Selbst. Somit gilt tatsächlich das abgedroschene Sprichwort “Jeder ist seines Glückes Schmid”. Wir haben es in der Hand, jedenfalls mit bestimmten Techniken. Im Automatikmodus sind wir dann mehr oder weniger determiniert und arbeiten “normal” - wir funktionieren.
Das alles finde ich höchst spannend und es hilft mir derzeit dabei, meine Ernährungsprogrammierung zu verändern. Ich analysiere mein bisheriges Essverhalten, forsche nach möglichen Gründen und versuche dann ganz bewusst entgegenzusteuern, solange, bis dies in den Automatikmodus übergeht. Nur so ist eine dauerhafte Ernährungsumstellung m.E. überhaupt möglich. Diäten helfen kurzfristig Gewicht zu verlieren, sie bekämpfen für einige Zeit das Symptom, aber das Essverhalten bleibt gleich. Der Jojo-Effekt ist auf eine steigende Frustration zurückzuführen, die sich dann irgendwann wieder im Nachholfressen entläd.
Gestern habe ich also begonnen mit der Deprogrammierung. Es sieht wie folgt aus:
- Ich war bisher ein Schlinger. Das habe ich von meiner Familie gelernt. Ich zwinge mich nun, langsamer zu essen (gar nicht so einfach)
- Ich war ein Resteverputzer. Das Programm “Erst den Teller leer essen” hat sich bei mir so eingeschliffen, dass ich Essensreste nicht ertragen kann oder nur ungerne wegwerfe. Ich habe sie wie mein großes Vorbild damals (Großvater) immer selbst verputzt.
- Ich war ein Kind der Kompanieküche. Wie oft hörte ich den Spruch “Du hast ja für eine ganze Kompanie gekocht”. Essen galt als Liebesbeweis “Ich kümmer mich um euch, indem ich euch viel und gut koche” und als Symbol des Friedens und Glück (ich bin viel bei meinen Großeltern aufgewachsen, die dahingehend vom Krieg beeinflusst waren.) Jedenfalls große Portionen in Kombination mit “Teller leer essen” ist ein fettiger Sprengstoff.
- Wenigtrinker. Ich trinke bisher sehr wenig Wasser. Es kann durchaus vorkommen, dass der Körper Durst mit Hunger verwechselt und so bei Trinkbedarf auf die Flüssigkeit in der Nahrung zurückgreift. Daher versuche ich bei Hungergefühlen zu allererst zu trinken, dann zu essen.
- Fettgeschmack. Ich weiss noch nicht genau warum, aber scheinbar gibt es in mir ein Programm, dass ständig behauptet, dass fettige und süße Sachen besser schmecken, als Gemüse oder leichte Kost. Das darauffolgende extrem unangenehme Gefühl des “Platzens” habe ich stets ignoriert. Jetzt merke ich, dass ich nach dem Essen fitter bin. Ich versuche mir diesen Zustand dauerhaft zu verinnerlichen und bei Ausrutschern ins Fettland, werde ich mir den anschließenden Schmerzzustand stärker verinnerlichen.
- Bewusster einkaufen. Wenn man mit Hunger einkauft, so endet das Fatal. Es wird nicht nur der Einkaufswagen voller, man greift auch oft zu den größten und fettigsten Schleckereien. Ich achte nun auf Nährwertangaben und überlege mir vorher genau, was ich denn heute essen möchte. Spontane Essensentscheidungen gehen bei mir in die Hose. Planung ist also erstrebenswert.
- Essen einteilen. Ich mache sowas wie Weight Watchers, also das Zählen von einer ganz bestimmten Menge an Fett und Kalorien, die man am Tag zu sich nehmen darf. Dabei kann man eigentlich essen was man will, nur muss man selbst entscheiden, wieviel von was man isst. Was sich lohnt, was satt macht und gut schmeckt. Auch muss man sich Kalorien für ein Bierchen am Abend oder ein Schüsselchen Chips aufsparen. Ich mag das, weil es mir die Freiheit lässt zu essen was ich will, aber trotzdem darauf zu achten was und wieviel ich esse. Es zwingt mich also sanft zu einem Umdenken.
So sieht also meine derzeitige Deprogrammierung aus im Bezug auf Essen. Habt ihr euch schonmal erfolgreich umprogrammiert? Wenn ja, wie?





Hei Patrick,
erstmal viel Erfolg mit deinem Vorsatz! Ich glaube zwar selbst, dass 20 KG in diesem Jahr nicht möglich sind (ohne ein deutliches mehr an Sport) aber bin der festen Überzeugung, dass du auf dem richtigen Weg bist.
Besonders weil du - was viele falsch machen - wirklich eine Einstellungsveränderung bewirken willst und nicht nur kurzfristig dein Verhalten änderst.
Kleinere Teller beim Essen sind ein weiterer kleiner Trick der gut funktioniert.
20 Minuten vor dem Essen noch ein oder zwei Gläser Wasser trinken… sehr sinnvoll.
Ich persönlich habe meiner Ernährungsgewohnheiten beim “was” umgestellt. Jeder weiß, was qualitativ hoch- oder minderwertige Ware ist, was für Essen gut ist oder nicht … und nehme mir Zeit fürs kochen. Auch wenn ich alleine Esse. Viele Leute machen das nicht.
Nun ja, ich werde dein Vorhaben weiterhin gespannt verfolgen
@Che777: Danke für die Tipps. Die hatte ich noch vergessen zu erwähnen. Überhaupt kleinere Portionen auf den kleinen Teller platzieren.
Das mit dem Kochen ist nicht so einfach bei uns. 2 kleine Kiddies zu versorgen etc. Aber der Anfang ist schon einmal wegkommen vom Fast Food und fettigen Fertiggerichten. Salat, Gemüse, gutes Fleisch, Kartoffeln, Pasta etc.
20 Kilo sind durchaus drin, wenn ich es nicht schaffe bin ich schon zufrieden wenn ich langfristig alles umstellen kann. Ich werde immer mal wieder berichten.
[...] brainblogger.de macht sich Patrick Breitenbach einige lesenswerte Gedanken, an welchen Schrauben er drehen will, um [...]
Ich möchte noch mal den Punkt des Schlingens hervorheben. Gerade beim gemeinsamen Essen mit (kleinen) Kindern ist das meines Erachtens besonders problematisch. Ich merke jedenfalls seit einem Jahr, dass mir das auch häufig passiert - dann habe ich nämlich schneller wieder Zeit, die Schäden der kindlichen Nahrungsaufnahme in Grenzen zu halten.
Das mag sich ab einem gewissen Zeitpunkt wieder beruhigen, aber bis dahin stopft man schneller und mehr in sich hinein, als einem gut tut…
Einen Lösungsansatz sehe ich da noch nicht, aber Selbsterkenntnis ist ja auch schon ein erster Schritt zur Besserung
@Stefan: Ja klar, das kennen wir natürlich auch. Entweder beim gemeinsamen Essen einfach viel weniger auf den Teller (und dann nochmal wenn die Kleenen im Bett sind in aller Ruhe) Oder die Kinder einfach mal verwüsten lassen!
Ich mach es so beim Abendessen. Normal würde ich zig Brote in 5 Minuten reinschaufeln, heute esse ich nur eines in 5 Minuten. Das Verhältnis von zeit/menge ist also entscheidend, nicht die Zeit allein!
Im Rahmen der Recherchen für ein Unternehmenkonzept für einen Ernährungsberater, habe ich mich vertiefter als Frigitte.de und Co mit deren Standardweisweiten (kleiner Teller, mehr Gemüse, ggn) mit Phänomenen wie Diät beschäftigen müssen. Wühlte durch Verbraucherstudien und medizinische Universitätsstudien zum Thema Abnehmen. Vergesst bitte die Tricks mit dem kleinen Teller, bringt alles kaum was. Es muss mentalitätsmäßig etwas verändert werden, bevor mechanische Puppenspieler-Tricks wie viel Trinken oder kleinerer Teller zum Zuge kommen.
Also
Ergebnis und neuester Stand der Medizin (den VdOE, den Verband der Ökotrophologen, also der Ernährungsberater, kann man komischerweise vergessen, das scheinen wirklich dürre oder fressgestörte Körnerfresser zu sein, wie sie schon Uwe Pollmer beschimpfte :-)):
Die wichtigsten Sachen (näheres kann ich zumailen)
1. Dicksein beginnt im Kopf, Hauptverursacher Cortisol:
Bei negativem Stress und Gernvtsein steigt der Spiegel des Hormons Cortisol im Blut. Dadurch bekommt der Körper Power für Flucht oder Kampf. Cortisol ist ein Hauptverdächtiger bei der Entstehung von Fettleibigkeit. Wer sich ärgert, futtert zuviel. Er wird auch zuviel futtern, wenn er seinen Teller kleiner gemacht hat.
2. Wer ständig zu wenig schläft, nimmt zu.
Schlafmangel lässt das Cortisol ansteigen. Probanden, die
weniger als fünf Stunden schliefen, hatten im Vergleich zu
Acht-Stunden-Schläfern eine um 14,9 % höhere Konzentration
des Hormons Ghrelin, das die Cortisol-Ausschüttung verstärkt,
und eine Abnahme des Hormons Leptin um 15,5 % – was im
Endergebnis zu einem verstärkten Hungergefühl führt.
3. TV-Konsum macht dick – ohne Chips und Bier! (vermutlich auch das angespannte Sitzen vor dem Rechner)
Gemein: Intensiver und langer Fernsehkonsum macht trotzdem
dick, auch wenn man nichts Süßes dabei knabbert! Spannende
Actionfilme und Gewaltszenen, die Aufregung erzeugen,
treiben das dickmachende Cortisol nach oben.
4. Stress erzeugt einen Kugelbauch.
Stress soll die zentrale Fettverteilung in den Bauchraum
begünstigen, was anfällig werden lässt für gefährliche Herz-
und Organerkrankungen. Dieser sogenannte Apfelbauch ist
alles andere als harmlos und macht gerade Frauen in ihrem
belasteten Alltag noch empfindlicher gegen Stress und
Cortisol-Ausschüttung.
5. Wer seinen Appetit ständig zügelt, isst mehr, bis er satt ist, als Nichtzügler, die intuitiv essen.
Schwellenverschiebung: Gezügelte Esser sind durch das
kontrollierte Maßhalten trainiert, ihre Hungerschwelle später
wahrzunehmen und hinauszuschieben. Die damit erhöhte
Sättigungsgrenze führt dazu, dass sie später satt werden
und damit erst recht dazu neigen, mehr zu essen.
6. Wer Diät macht, kaut bei Ärger zu schnell und isst dadurch zuviel.
Im Hungerzustand neigen wir dazu, emotionaler zu reagieren.
Ärger wirkt sich dabei besonders stark auf das Essverhalten aus, was sich auch beim Kauen zeigt: Bei Ärger wird weniger und nachlässiger gekaut – und mehr gegessen.
Ob wir also zunemen oder nicht … oder ein Leben lang schlank bleiben, da haben auch unsere Gene ein Wörtchen mitzureden. Zum großen Teil wird dies aber auch direkt in unserem Kopf entschieden: durch Gefühle und bewusstes Denken, unsere Einstellung und durch erworbene aktive und passive Verhaltensweisen.
Eine Lösung kann also tatsächlich sein: zuerstmal Stressabbau und mehr Nachtschlaf. Und: mit Gewalt und Hauruck geht gar nichts, bringt nur noch mehr Stress.
Fahrradfahren bringt tatsächlich ein bisschen was, man sollte das allerdings wirklich regelmäßig tun und auch ma ein paar Berge nehmen. Nur auf der Ebene fahren ist Kinderkacke
Dann wäre flottes Gehen besser.
Wenn man mal bewusst schmeckt, also so richitg, dann vergeht einem sowieso die Lust auf so manches. Also geht mir so, und ich bin jetzt niemand, der sein Essen auf dem Teller auseinander sortiert…. Aber das ergibt sich dann sowieso beim vielen Kauen und langsam essen. Sollte ich mir auch mal angewöhnen….
@ Huldine
Auch das sind leider nur “Tricks”.
Welche zum Standardrepertoire des gefährdeten “gezügelten Essers” gehören.
(Merkmal des gezügelten Essers: Permanent ans Essen denken. Ist bei uns im Sprachgebrauch verankert wie: an herrliche Torten denken oder ein kühles Bier. Bewusste Tricks und bewuste Selbstüberlistung aber beim Essen sind genauso: sich permanent gedanklich mit Essen beschäftigen - nur andersrum. Daher funktionieren sie nicht wirklich)
Zu Patrick und den anderen
Es ist sehr männliches Denken, seinen Körper lediglich als Maschine oder als Computer zu begreifen, den man nur technisch umprogrammieren müsse:-) Unsere Körper - ob männlich oder weiblich sind jedoch sehr viel komplexer als ein Computer je sein kann. Frauen erfahren das pünktlich jeden Monat und die eigene Erfahrung der Schwangerschaft macht ebenfalls bewusster, dass das nicht einfach nur Reifen wechseln ist, was da abgeht. Daher fallen Frauen auch weniger auf ein mechanistisches Körperdenken rein, sondern akzeptieren, dass Sachen im Körper abgehen, die der Kontrolle entzogen sind.
Auch Grüße an NLP-Freunde
(NLP schätze ich nicht wirklich)
@Vroni: “Zum großen Teil wird dies aber auch direkt in unserem Kopf entschieden: durch Gefühle und bewusstes Denken, unsere Einstellung und durch erworbene aktive und passive Verhaltensweisen.”
Was anderes habe ich nicht geschrieben. Kleine Teller sind ein winziger Teil, sie sind bewusstes Handeln, das irgendwann in automatische Verhaltensweisen umschlagen soll (also Teller nicht mehr so füllen etc.) WIchtig ist doch, wenn es einzelnen Menschen dabei hilft ihr Verhalten zu ändern (denk mal nur an Placebo, der Glaube hilft).
Das mit dem Stress klingt einleuchtend, das mit den Genen auch. Der Mensch hat sich kulturell schneller verändert, das Erbgut kommt nicht so schnell nach. Früher waren wir Jäger und Sammler, es gab nix im Überfluss auch keine Produkte, die mit Fett und Zucker aufgeplustert wurden. Daher musste der Mensch sich auf große Hungerperioden einrichten. Daher fraß er, wenn er was bekam, so viel es ging. Er speicherte also Nahrung für die Durststrecken. Das war überlebenswichtig für die jeweiligen Gene.
Heute gehen wir nicht mehr tagelang auf die Jagd, sondern lassen im Fernsehen jagen. Stress ist also so etwas wie eine Jagd nur eben ohne körperliche Betätigung.
Aber ich glaube trotzdem nicht, dass Stress alleine verantwortlich ist für Übergewicht. Stress kann man mit Essen gut kompensieren, gibt aber auch etliche andere Möglichkeiten.
Und natürlich ist eine “Programmierung” des eigenen Körpers nicht so einfach wie ein Reifenwechsel. Aber zu behaupten es wäre nicht möglich halte ich für falsch. Allein durch so eine Aussage würde man Millionen von Verhaltenstherapeuten arbeitslos machen!
Einigen wir uns doch darauf, dass wir unsere “Maschine” noch nicht wirklich durchschaut haben.
Daher macht dieser Ernährungsberater auch als 1.Stufe - bevor es weitergeht mit Tricks und Trallala - so eine Art Entspannungstherapie
Und natürlich ist es multifaktoriell, das Ganze.
Mir behagte der Hauptenor der Kontrolle (bewusste De_programmierung) halt nicht, weil Kontrolle für mich der typische falsche 1. Zugang ist.
Abgesehen davon, das liebe Erbgut:
Die berühmte Einzelfallstudie mein Mann. Mein Mann ist hauptberuflicher Resteesser :-), und er mampft schnell und legt 2. und 3. Portion nach (beides erstere hat mich bei allen meinen Männern - und den Freunden 18+ meiner Tochter - seit je irritiert: dass sie Reste mögen wie wild, am liebsten sogar Verkochtes oder leicht Angebranntes, darauf fahren sie am meisten ab und ihr Schlingen). Es ist also nicht unbedingt ein Altersproblem, das nur noch die Kerls haben, die +- 40 sind. Und Essen au point zu servieren und zartrosa Lamm, vergisses, das wollen die gar nicht
Und er ist dürr. Vom Fahrrad fahren und von Fitnesstudios hält er gar nix. Soviel dazu. Ich kenn einige solche. Zugenommen hat er nur einmal im Leben: Als er ein Medikament länger einnehmen musste. War das Medikament weg, war der Kerl binnen 1 Vierteljahr wieder schlank.
Ich glaube, sein 2. Geheimnis nach seinen Genen ist, dass er sich im Grunde nicht allzuviel aus gutem Essen macht. Brot ist z. B. für ihn nur die “Pappdeckelunterlage, damit die Woscht net runterfällt” (original von ihm). Dass mich als altem Gourmet das grämt, der lecker Brot statt Industriepappe sehr schätzt, ist ihm bekannt, aber stört ihn nicht groß:-)
Zurück zu deinem Abnehmen:
Löblich und sicher gut für den Körper. Die Chancen sind gut. Nicht zuviel inneren Druck aufbauen. Abnehmen ist eigentlich eine Lebensänderung. Wo die ganze Familie mitmachen muss. Manchmal auch Berufsänderung. (Hektische oder schlecht geführte Werbeagenturen sind z. B. Gift für Leute mit Veranlagung zum Stressfressen.)
Wer Abnehmen nur als Zwischenrapsodie betrachtet, wird in den Jojo-Mode zurückgeworfen. Männer haben nur deswegen noch nicht soviel Jojo-Probleme und Jojo-Erfahrung, weil sie - noch ist es so - seltener Diäten machen als Frauen. Je öfter eine/r Diäten macht, desto mehr Jojo (also immer dicker am Schluss als vorher).
Also einfach nicht ans Essen denken.
Ich weiß: Fast genauso leicht wie nicht an einen rosa Elefanten denken.
(Bei mir ist es so: Ich esee gerne und gerne gut, leider. Wenn aber etwas für mich wirklich positiv spannend ist, dann vergess ich das Essen einfach. Lieder ist mir das mal auf der Piste passiert, war komplett unterzuckert, dehydriert und demineralisiert und konnte echt keinen Schritt mehr machen *blöd geschaut”, weil der Körper seine “Dienste” ohne Vorwarnung beendete*.)
Dann hat dein Mann wohl einen gesegneten Stoffwechsel und ich bin geneigt zu sagen, dass er sicherlich nicht stressfrei lebt, oder?
Ich glaube schon, dass man im erstenb Schritt ans Essen denken muss. Also nicht ans Essen, sondern vielmehr was man wann und wieviel isst. Schließlich muss man den alten Automatismus, also das Schlingen ohne Nachdenken, bewusst angehen.
Natürlich hat das ganze auch etwas mit Kontrolle zu tun. Aber was ist falsch daran, der Herr des eigenen Körper und Geistes zu werden? Natürlich ist da schnell Frustration vorhanden, wenn es nicht klappt, aber dennoch konnten Menschen erfolgreich das Rauchen aufgeben oder sonstige schwer eingelagerten Verhaltensmuster ändern. Auch das ist natürlich ein Akt der Kontrolle. Vielleicht bist du da etwas auf die autoritäre Kontrolle von außen einges die eigene Kontrolle immer vorgehthigender, dass die eigene Kontrolle immer vorgehthigender, dass die eigene Kontrolle immer vorgeht. Also noch einmal, was ist so falsch daran, Herr im eigenen Haus zu sein?
Übrigens wenn ich intensiv arbeite (flow etc. auch vorm Computer) gibt es keinen Hunger. Also das Gleiche was bei dir passiert ist. Ich denke es gibt sowieso zwei Arten von Stress. Den nährenden und den zehrenden.
Noch eine kleine Anekdote: Ich war in einem meiner unzufriedensten Jobperioden beschäftigt und habe es trotzdem geschafft bewusst 10 Kilos runterzubringen. Vielleicht gerade weil ich dort gemerkt habe, dass ich zum absoluten Stressfresser wurde. Bewusstmachen war auch da der Trick, leider war der Zeitraum nicht lang genug für eine nachhaltige Verhaltensänderung.
Ich hole mir jetzt doch noch das Steak.
@Radulf: Aber schön kauen!
Patrick
um nochmal auf meinen Mann zu kommen. Ja, seine Gene sind was das Schlankbleiben betrifft, beneidenswert.
Zum Stress: Er ist tatsächlich ein ebenfalls ganz anderer Arbeits-Typ. Wenn ich jetzt sage, Schonhaltung, das wäre unfair und trifft es nicht ganz. Jedoch ist es wahr: diesen Arbeitsstress und selbstinduzierten extremen Selbstüberforderungsstress, den wir im Endstadium alle als Burn-out bezeichnen, den viele Kreative als Selbständige in Agenturen kennen und machen, also vor lauter Energie an zwei Enden brennen, den macht er ebenfalls nicht.
Es sind also nicht nur seine Stoffwechselgene. Er geht z. B. seine Arbeit in der Regel ruhig an, er lässt sich nicht auf
Dauer und extrem antreiben (ist beim Lektorieren und Texten auch nur bedingt möglich. Anders als bei Grafikern: Denen wird die Infografik, der Anzeigenentwurf als: in einer Stunde muss alles fertig sein, sieht doch schon gut aus zackzack aus den Händen gerissen. Bei einem Lektor traut sich das das respektlose hektische Umfeld nur bedingt.)
Er hat zudem eine gesunde Distanz zu dem üblichen sozial-Büro-Thrill. Er lässt sich in kein Gekeife hineinziehen, sowas ist unglaublich stressfrei.
Er besteht z. B. auch auf seinen Feierabend. (Anders als ich, ich drehe da als Eule noch mal richtig auf, weil ich denke, ein 24 Stundentag genügt nie…, wer nicht aufpasst ist mit sowas immer ein Anwärter auf Cortisol-Übermaß, auf Herzrythmusstörungen - hatte ich tatsächlich in den Agenturen - und schlimmeres wie Burn-out und Herzklabaster).
Wer die Botschaften, dass die grundsätzliche Lebensweise und Lebenseinstellung der Motor allen guten und allen Übels beim eigenen Körper ist, nicht hören will, muss wohl erst mal am hinteren Ende des Gauls anfangen. Ist genehmigt, Hauptsache anfangen, seine Erfahrungen will wohl jeder selbst machen, der Gaul wird schon was dazu sagen:-)
Mir hat jedenfalls ein Arzt bei EKG-machen vor Jahren eindringlich klar gemacht, dass ich meinen Job und diverse andere Dinge wechseln sollte. Mich haben die Worte beeidruckt. Und habe das nicht weggewischt. Statt Herr über meinen Körper werden zu wollen, habe ich Freundschaft mit ihm geschlossen. Und ihm als erstes meine persönliche Einstellungsänderung gegönnt, statt ihn mit Tricks herumzusteuern. In der Folge ein anderes Arbeitsumfeld und weniger Stress gegönnt
Denn, ja, was ist falsch daran, der eigene Herr im Hause seines Körpers sein zu wollen? Auf den ersten Blick erstmal nix. Ich denke aber, statt ein straffes Herrschaftsmodell zu errichten, sollte man seinem Körper ein Freund sein. Und kein Herr.
Wer ihm Freund ist, der tut sich auch einfach leichter mit ihm und rennt nicht dauernd mit dem Kopf an die Wand. Es ist also auch ein Energie-Ding, das deutlich entspannter sein lässt. Was wiederum dem Cortisol-Haushalt gut tut.
Wer seinem Körper ein echter Freund sein will, der fängt z. B. vor allem erst mal an, darauf zu horchen, ob er wirklich Hunger hat. Viele Leute kennen ein richtiges Hungergefühl nicht mehr, auch ein richtiges wohles, zufriedenes Sattgefühl kennen sie auch nicht mehr. Bei sowas sollte man anfangen, statt den Körper mit Strategien und Programmieren zu überziehen, zu hungern und ihm Heißhunger aufzuzwingen. Er wird mit Jojo antworten, er macht das einfach. Er fragt dich nicht lang.
Statt also in einem Jahr 20 kg als Ziel abnehmen zu wollen, sind 5 kg pro Jahr und sich ab und an was stressfrei verzeihen, vernünftiger. In einem Jahr mit dem 20 kg-Programm bist vielleicht tatsächlich schlanker aber hast es in drei Jahren wieder drauf und mehr dazu, jede Wette. Mit dem 5 kg-Ansatz, bist in 10 Jahren ein Spreißel, bleibst es und ohne Jojo.
Ist aber nur meine unmaßgebliche Einstellung. Vielleicht bekommt man die erst, wenn man ein paar Jahre auf dem Buckel hat und man redet zu 20+, 30+ wie in den Wind hinein. Macht ja nix. So jetzt gehe ich ein Croissant essen, oder zwei? und heut abend is eating out und gettin drunk angesagt. Futtern und Cocktail schlürfen. Ganz in Ruhe und ganz ohne schlechtes Gewissen, weil schon morgen kann mir ein Blumentopf aufs Hirn knallen und das Rumstressen mit dem Körper kanns ja dann nicht gewesen sein, oder?
Überlegs dir halt noch. Die schlimmsten Irrtümer sind die, die wir nicht begehen und Eigenerfahrung ist Trumpf.
@Vroni: Ich glaube wir reden wie so oft aneinander vorbei
Ich mach keine Brigitte-Diät sondern versuche mein Essverhalten dauerhaft zu verändern.
Und auch ich werde heute abend ausgehen, pokern und Whiskey schlürfen. Also alles sehr entspannt. Mach dir mal keine Sorgen Mum!
Nönö, ich mach mir keine Sorgen. Da verstehst du was grottenfalsch.
Jaa, du machst keine Brigitte-Diät, jawoll. Du machst eine Schrauber-Diät mit Mem-Ansatz, die is was besseres. Ächz
Aber wer hungert, dass er sogar einen Affen verspeisen würde, machts echt falsch. Der kriegt Jojo. Wer sich zu ehrgeizige Ziele wie 20 kg im Jahr steckt auch.
Mir fällt eben auf, dass das, was viele Frauen über Jahrzehnte schon grottenfalsch machen, auch auf Männers überschwappt. Die ihreseits überzeugt ihre Diäten programmieren. Statt dass Männers davon lernen: Diät ist definitv Müll und grober Unfug. Egal, welche Meme und Mume da programmiert werden
_________________ Smalltalk an der Bar
Whiskey ist für mich keine Option, schmeckt mir zu scharf, am schlimmsten ist Scotch, der riecht nach faulen Pflaumen, bäh. Lieber Barmann, ich nehm alkoholfreie, süße Cocktails. 3 Pidde
@Vroni: Oh du liest meine Tweets!
Natürlich muss ich erstmal runterkommen vom Fett und Zucker und den Magen wieder schrumpfen lassen. Das ist halt in den ersten Tagen so. Ist ein wenig wie fasten.
Mit Meme hat das ausnahmsweise mal nix zu tun. Es ist KEINE Diät herschafftszeitennochämol!
Viel Spaß heute Abend!
Bei mir war/ist es Fitnesstraining (so ziemlich der erste Neujahrsvorsatz - im letzten Jahr - den ich tatsächlich zufriedenstellend umgesetzt habe). Das grundlegende Problem war für mich vor allem das “Aufraffen”, das Anfangen mit einer Übung - und dann, wenn ich mal angefangen hatte, das Durchhalten.
Es ist ein bisschen wie beim Autofahren: wenn man anfängt, ist es eine starke Anforderung, weil man wenig Routinen entwickelt hat und alles “bewußt” machen muss. Nach einiger Zeit, wenn sich Routinen gebildet haben, kann man aber vieles aus dem bewußten Konzentrieren “outsourcen”, weil es unbewußt(er) abläuft.
Deswegen habe ich mich bzw. meine eigene Trägheit dadurch uasgetrickst, indem ich mit dem Monotonsten und Routinebildensten angefangen habe: mit Joggen. Ich bin meiner eigenen Faulheit dabei sogar noch entgegengekommen, indem ich, statt hier durch die Gegend zu laufen (da kein Park oder sonstwas vorhanden, sondern nur eine lächerliche Anhäufung von Hauptverkehrsstraßen und Ampeln, vllt verständlich - dazu noch im norddeutschen Winter) mir ein billig angeschafftes Laufband in die Wohnung gestellt habe - und es hat tatsächlich funktioniert… so nach dem Motto “move your ass, your mind will follow” hab ich mich mit minimalem Aufwand an “bewußter Energie” von der Routine “faul rumhängen” in die Routine “stupide vor mich hin laufen” gewuchtet und das einfach so lange “laufen lassen”, bis sich ein Zustand körperlicher wie geistiger “Bereitschaft/Unternehmungslustigkeit” einstellte - und dann konnte ich recht problemlos anspruchsvollere Übungen, Hanteltraining etc. in Angriff nehmen.
Das war vor einem Jahr, und inzwischen gehört das Training nicht nur zu meinen täglichen Gewohnheiten/Routinen (und erfordert daher keine große “Überwindung” merh), sondern hat einen echten Selbstzweck: mir macht es einfach Spaß, und nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern an sich.
Man könnte vllt sagen - ich hab den inneren Schweinehund dadurch ausgeknockt, indem ich ihm scheinbar nachgegeben habe… ob und wie das bei Ernährungsumstellungen funktionieren könnte weiß ich nicht, aber bei dem Vorhaben “mehr Bewegung/Sport” scheint es zu klappen.
Essverhalten dauerhaft zu verändern, hab dich schon verstanden. Geht nur über Lebensweise dauerhaft verändern. Meine Meinung.
Beispiele gefällig? Wer schnell arbeitet, isst in der Regel auch schnell. Oft reden solche Leute auch schnell. Sie fahren auch schnell. Sie überfahren ander auch schnell. Sie erfassen z. B. Dinge schnell, sind Schnellmerker.
Wenn du es zugeben könntests. Würdest du einsehen, dass das “schnell, schnell” alle Lebensbereiche durchzieht und nicht nur das Essen.
Wer da also grundsätzlicher rangeht, es überall ruhiger angehen läst, braucht sich keine spezielle Ess-De_programmierung antun, sondern er ist automatisch langsamer, OHNE es mühsam in einem Einzelbereich herprogrammieren zu müssen. Das ist mein Botschaft und faslch verstandne habe ich dich gar nicht, hab deinen Ansatz schon kapiert. Ich halte ihn halt nur für halbes Werk. Denn du glaubst, sich selbst beim Essverhalten zu programmieren, habe nichts mit dem gezügelten Esser zu tuin. Hat es doch, ist nur eine andere Vokabel.
Das soll jetzt keine Kritik speziell an dir sein, sondern wendet sich an alle Leser hier mit, die auf dem Tripp sind, langsam und bewusst kauen, sich programmieren und so, und bewusst kleine Tellerchen und so…, das wäre klug.
Ist LEIDER nach neuesten Forschungen genau ein Indiz für einen “gezügelten Esser” und der liegt halt verdammt falsch, der ist halt nicht klug. Weil er sich das, was er sich mit seinen kognitiven Händern vorne aufgebaut hat, sobald er nur mal wieder mal bisschen mehr Stress hat, mit dem emotionalen Hintern hinten wieder einreißt. War doch nicht schwer zu kapieren, oder?
Bei Zweifel an meinen Aussagen, pidde mal die Leser “gezügelter Esser” in Google eingeben. Viele Frauen sind schon jahrelang gezügelte Esser mit langsam einspeicheln und so und kleinem Prinzesstellerchen zum optsichen Portion vergrößern und jammern sich im Netz gegenseitig die Hucke voll, wenn sie wieder mal sauber daneben gegriffen haben mit nächtlichen Kühlschrankbesuchen, weil sie Stress im Büro hatten. Aber das kommt von das.
Kummt jetz Patrick und sacht, nö, er ist anders, er hat das voll im Griff, denn bei ihm ist es Programmierung, die Frauen sind eben nicht clever, sie programmieren sich halt nicht oder nicht richtig:-)
Stöhn, warum müssen Männer immer das wiederholen, was Frauen schon immer falsch machen? Geht doch gar nicht, oder?
Etzt aber Schluss hier, muss Verdauungsnickerchen machen
Ich versteh dich schon, aber es ist nicht zu Ende gedacht.
Natürlich ändere ich auch meine Lebensweise dadurch. Ich nehme mir mehr Zeit zum Essen. Bzw. esse in der gleichen Zeit weniger. Du kennst mein bisheriges Essverhalten doch gar nicht. Es geht auch nicht darum dauernd zu hungern, ganz im Gegenteil, das essen was man mag, aber eben dosiert. Satt essen mit Obst und Gemüse. Leckereien für den Kopf.
Ich weiss ja du hast dich auf Cortisol eingeschossen. Ich lass es dir und am Ende des Jahres sehen wir ja ob Jo-Jo oder nicht.
@dario: Cool.
Ich muss derzeit eher Kinderwagenschieben oder Kinder hochstemmen bzw. fliegen lassen. Mein derzeitiges Fitnessprogramm.
Ansonsten wäre bei mir ein Laufband zu Hause vergebene Liebes Müh. Ich bin da ein Herdentier und muss angetrieben werden. Dann klappt das. Allein leider (noch) nicht.
Danke für diesen Artikel, Patrick. Jetzt weiß ich einmal wieder, warum ich so propper bin;-) Bei uns wird der Kommentator dieses geistreichen Einwurfes im T-Shirt Fettpresse statt Pressack bezeichnet. Ein gehöriger Unterschied, denn dann ist nur das T-Shirt zu klein und es passt zu wenig lecki-lecki in die Kuller.
Ich hab in der Hinsicht 2009 auch einiges vor, machs aber genau umgekehrt. Ich möchte mein Essverhalten soweit beibehalten und lege dafür jeden Tag ein halbes Stündchen Morgenlauf drauf. Mal sehen, was dabei rauskommt.
… so weit musste es kommen, dass ich bei den Weightwatchern poste;-)
Patrick,
ja gerne reden wir in einem Jahr nochmal drübers.
1 Jahr ist jedoch noch kein Zeitraum, um über dauerhaft zu reden. 1 Jahr ist Kinderkacke. Vorschlag 10 Jahre. Minimum, da geht dauerhaft an. Da erst gehts ins Finish.
Und Grüße
Das Zauberwort ist Sport. Und sei es nur die tägliche Fahrt mit dem Rad zum Einkaufen oder in die Agentur. Solange du nicht Kalorien verbrennst, wird das mit den 20 kg knapp.
Ich habe meine Ernährung komplett umgestellt (Fastfood, Spätesser, Schlinger) und treibe mehrmals in der Woche zwei Stunden nach Feierabend (24h Fitnessstudio) Sport. Aktuell sind es -26kg seit September. 5 Fehlen noch, dann habe ich mein Idealgewicht erreicht.
Und ich verzichte auf nicht vieles. Es gibt weiterhin mal McDonalds, Döner und Chips. Nur nicht mehr täglich und nur noch in Maßen. Ansonsten regelmäßig essen, viel trinken viel Obst, viel Gemüse und weniger Kohlenhydrate als früher.
@Andreas: Ja Sport ist gut, wenn man sich ihn zeitlich so schön einrichten kann.
Aber mit zwei kleinen Kiddies kommt die Bewegung fast von alleine!
Hut ab! Unternehme folgende Versuche:
http://dkomm.wordpress.com/2009/01/05/lesend-nie-mehr-mude-und-erschopft-donald-norfolk/
[...] gerade auf Ski die Piste runterbretterst, genieße ich meinen Urlaub zu Hause, führe eine kleine physische wie psychische Katharsis durch, um dann Mitte Januar so richtig energiegeladen durchstarten zu [...]
[...] Daniel meldet sich bei deprogrammierung I zu [...]
[...] selbst als neidisch erkenne, hilft mir persönlich schon einmal unheimlich weiter. Ich möchte also ähnlich wie bei meiner Ernährung, den Neid-Kreislauf, mein persönliches Neid-Programm verändern bzw. deprogrammieren. Das tue ich [...]