BREITENBACH


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Ich kann bzw. ich will nicht mehr Menschen in rein “gut” oder “böse” objektiv und stellvertretend für alle anderen Menschen in einer Gesellschaft für immer festgelegt einteilen (Auch wenn die Verlockung allgegenwärtig ist.) Da liegt doch der Haken. “Gut” und “Böse” kann nur jeder für sich selbst aus seiner subjektiven Denk- und Moralwelt heraus entscheiden. Wir alle haben den freien Willen Dinge, Taten und uns selbst in “gut” und “böse” einzuteilen, das heisst aber nicht, dass dies mit der Einteilung von anderen Menschen übereinstimmt. Wenn es keine Übereinstimmung gibt, kann es niemals die reine objektive Wahrheit sein, weil deren Makellosigkeit zerstört wäre. Demokratie und Konsens einverstanden. Eine makellose Wahrheit? Niemals!

Die einen glauben an einen heiligen Krieg, andere an den Frieden, Dritte wiederum huldigen Mammon und seinen Gesetzen. Wer von ihnen hat nun wirklich Recht? Natürlich immer nur wir selbst, bzw. unser eigenes Wertesystem. Wir orientieren uns an unserer Kultur und dessen Regeln, die wiederum ein Konsens (meist sehr alt und teilweise überholt) aus subjektiven Beobachtungen und Vorstellungen von der Welt. Früher dachten wir “onanieren” wäre böse. Menschen, die anders dachten und lebten, als der Konsens, wurden früher einmal auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Wir haben nicht die wahre Erkennnis von der Welt, sondern nur rein Ich-oder fremdgefärbte Fragmente. So wie meine Ausführungen hier. Man kann sie sowohl als naiv, idealistisch, freidenkerisch, anarchistisch, spinnert, selbstgefällig, als auch als subversiv, dumm, klug, weise, affig oder einfach nur sympathisch, also zu mir passend, werten.

Es geschieht. Alles gleichzeitig. Ich kann nur so sein, wie ich bin oder vielmehr die Vorbilder, die ich mir suche oder in der Vergangenheit gesucht habe: Menschen, von denen ich mehr lernen möchte, Lehren, die mich begeistern oder Ideen, die mich inspirieren. Aber eben auch Menschen, die einen runterziehen können, durch die Demütigung oder Verletzung anderer Menschen. Auch das sind Vorbilder, weil man es erlebt und parallel somit auch im Inneren miterlebt. Das heisst aber nicht, dass man dieses Vorbild anhaltend umklammern muss. Kinder, die von ihren Vätern geschlagen wurden, sind eben nicht dazu verdammt das gleiche zu tun. Väter, die ihre Kinder jetzt schlagen, sind nicht dazu verdammt es auch weiterhin zu tun. Väter, die selbst nicht geschlagen wurden, sind aber auch nicht absolut davor gefeit, ihre Kinder nicht zu schlagen.

Alles fließt und somit hat jeder Mensch und jede Idee die verdammte Chance und Möglichkeit sich zu verändern, sich neu zu orientieren. Verzeihen, Entschuldigen, ein Neuanfang. Alles ist drin. Sonst wäre das alles hier auf Erden sehr sehr traurig, aber vor allem tierisch langweilig.

Category: Allgemeines

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5 Responses

  1. Hagen says:

    Stimme Dir vollkommen zu! Was “gut” und “böse” heisst ist immer relativ… Da haben uns die Chinesen einiges voraus - die denken immer in Relationen (und daher verstehen wir die Chinesen so schwer und umgekehrt…). Für die Chinesen ist nichts einfach “gut” oder “böse”. Sie brauchen immer einen Vergleich zu etwas oder jemand anderem - jemand oder etwas ist gut/böse im Relation zu… Soetwas regt mich auch immer bei Personal- bzw. Einstellungskriterien auf - man möchte bspw. jemanden, der “zuverlässig” ist - aber was bedeutet das? Nicht, dass solche Einschätzugen immer subjektiv sind - es fehlt immer die Relaition und jeder hat ein anderes Bild dazu im Kopf…
    Zudem kann es daher für die Chinesen kein Gut ohne dem Bösen geben. Wir versuchen ja immer das Böse zu besiegen - für die Chinesen unmöglich! Denn wenn alles “Böse” weg ist kann es folglich auch kein “Gut” geben… Die einfache und klassische YinYang-Denke - es gibt kein hell ohne dunkel, kein männlich ohne weiblich, kein warm ohne kalt usw…
    Man merkt somit schnell, wie “beschränkt” die westlichen durch die linearen westlichen Sprachen geprägten Denkweisen sind!

  2. Hagen says:

    Du solltest noch mehr Heinz von Förster und Alan Watts lesen :-)

  3. @Hagen: Context is king! ;-)

    Danke für die Autorenempfehlung, schaue ich mir mal an, allerdings hab ich hier noch einen ordentlichen Stapel zu “Lernen”, “Empathie” und “Spiegelneuronen”.

  4. Hagen says:

    Pflichtlektüre:
    Alan Watts:
    “Die Illusion des Ich”

    Heinz von Förster:
    “Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners”

    Maturana/Pörsken:
    “Vom Sein zum Tun. Die Ursprünge der Biologie des Erkennens”,
    “Liebe und Spiel. Die vergessenen Grundlagen des Menschseins”,
    “Der Baum der Erkenntnis: Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens”

    Frederik Vester:
    “Die Kunst, vernetzt zu denken: Ideen und Werkzeuge für einen neuen Umgang mit Komplexität”,
    “Denken, Lernen, Vergessen: Was geht in unserem Kopf vor, wie lernt das Gehirn, und wann läßt es uns im Stich?”

    Kann-Lektüre:
    Alan Watts: “Der Lauf des Wassers” und “Das Tao der Philosophie”

    Heinz von Förster: “Einführung in den Konstruktivismus” und “Der Anfang von Himmel und Erde hat keinen Namen”

    Pörsken:
    “Die Gewissheit der Ungewissheit”

    Rassidakis:
    “Wege der Selbstevolution”

    Debus:
    “Routine und Innovation”

    So, das reicht erstmal zum aufwärmen ;-) Später gerne mehr :-)

  5. Das ist ordentlich! :-)

    Danke!

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