Nov 12, 2008
erdung
Sein Kopf sank langsam in die warme Erde. Er war nun verbunden. Er konnte die wispernden Stimmen zwar nicht so wahrnehmen, wie er sie in seiner normalen Umgebung “hören” würde, dennoch er verstand sie ganz genau. Er war nun verbunden. Mittendrin im großen Netzwerk. Sie hießen ihn willkommen, doch er konnte und wollte sich nicht auf sie einlassen. Es entsprang schließlich nur aus seiner Fantasie, aus seinem Kopf. Doch zugleich steckte er ja körperlich spürbar mitten drin - in der Erde. Was war jetzt Wirklichkeit und was war ersponnen? Bestand denn die Welt, wie er sie sonst draußen wahrnahm, aus einer vollkommen makellosen Wahrheit? Purer Realität? Oder war diese nicht auch vielmehr ein großes, lebendiggewordene Puzzle, zusammengesetz aus Fragmenten seiner aktuellen Wahrnehmung, bisherigen Erfahrungen und intuitiven Gefühlszuständen? Wenn er traurig war, so war seine Realität ebenfalls von Traurigkeit erfüllt. Wenn er glücklich verliebt war, so erkannte er nur die guten und schönen Dinge im Leben. Wie klar war also seine Wirklichkeit, sein Verstand tatsächlich, auch außerhalb des gerade erlebten, quasifantasierten Vernetzungszustandes?
Der Zweifel begann seine Sporen in ihm zu versprühen. Das veränderte alles. Er war von nun an weder “drinnen” noch “draußen”. Tränen rannen über sein Gesicht. Sie fühlten sich an wie warmes Gold.





sehr schöne Beschreibung eines Erwachens! Ist das Deine Geschichte?
Es ist seine Geschichte, geschrieben von mir.
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