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Ab und zu mache ich hier eine Audiokolumne:



DailyCoffeeBreak Podcast
4. Nov 2008

die “be kind rewind” epoche?

In welchem Zeitgeist oder Epoche leben wir? Sind wir zur ewigen Wiederholung verdammt? Sind wir nur noch Rezitierer? Leben wir tatsächlich dank globaler Vernetzung und Archivierung von tonnenweise Material über vergangene Moden, Musikstile, Filme und somit auch potenziellen Vorbildern und Lebensentwürfen in einer Art “Be-Kind-Rewind”-Epoche? Ist überhaupt noch Raum da für neue Stilrichtungen oder können wir bereits jetzt sagen, dass wir nur noch replizieren und rekombinieren können? Und wenn es neue Stilrichtungen gäbe, wären sie ähnlich imposant und breit verankert wie beispielsweise die 20er oder 68er? Oder suchen und wechseln wir einfach unsere Kulturnischen und besuchen heute eine Charleston- und morgen einfach eine 68er Party? Gibt es noch so etwas wie eine “breite Identität” in Form einer (Sub)kultur oder sind wir bereits auf dem Weg zu einem freien Individuum?

  • http://www.brainblogger.de Patrick Breitenbach

    Sorry Nils. Aufgrund von starker Spamsäuberung ust dein Kommentar verschwunden. Sorry. Magst du nochmal?

  • http://www.textfairy.de Julia

    Ich glaube, dass sich viele Veränderungen, die zusammengenommen sowas wie eine “Stilrichtung” ausmachen könnten, im Privatleben abspielen. Früher, als es noch diese klassischen Subkulturen gab, gab es auch eine Mainstream-Kultur, von der sie sich abgrenzen konnten. Heute wird so manche “Subkultur” schneller vom Mainstream absorbiert, als man “Youtube” sagen kann. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite haben immer mehr Leute Zugang zu vielen verschiedenen Kulturprodukten und können die beliebig kombinieren. Das ist vielleicht wirklich ein Schritt in Richtung freies Individuum, wenn man mal davon absieht, dass es immer noch sehr tonangebende Kulturproduzenten gibt, um die man kaum rumkommt.

    Was ich aber mit dem Privaten meine: Ich kenne inzwischen so viele Leute (mich selbst eingeschlossen), die in und mit sehr unklassischen, individuellen Familien- und Arbeitsstrukturen leben, dass ich das schon als “neue Stilrichtung” bezeichnen würde. Die unmittelbare und unvermittelte Alltagskultur hat sich verändert. Das eignet sich nicht so als Themenparty-Thema, prägt aber trotzdem – wenn auch erstmal vielleicht nur den/die Einzelnen (und ihre Kinder).

  • http://brainblogger.de Patrick Breitenbach

    @Julia: Gibt es überhaupt noch “den Mainstream”? Durch die ganze Zersplitterung der Medienlandschaft brökelt doch auch die Grundlinie eines solchen Mainstreams fast weg, oder?

    Deine Beschreibung lässt also auf einen gesunden Individualismus schließen und schließt die “Mitgliedschaft” einer Subkultur bei Vorlieben aus dem Mainstream ja nicht unbedingt aus, oder?

    Bzw. wie ernst nehmen wir noch dogmatische Kulturen?

  • http://www.textfairy.de Julia

    Es gibt zumindest wenig klare Grenzen zwischen “Mainstream” (also dem, was massenhaft konsumiert wird und wenig bzw. lediglich inszenierte Kontroversen auslöst) und Subkulturen. Bei uns in Kreuzberg (und nicht nur hier) gibt es natürlich auch Nischenkulturen, die mit dem Mainstream fast nichts zu tun haben. Das sind zum Teil sehr dogmatische Kulturen, und die müssen Du und ich vielleicht nicht ernst nehmen, diejenigen, die sich darin bewegen tun das aber schon.

    Ansonsten denke ich, dass diese einheitlicheren Subkulturen wie Flower Power, Punk, Mods, Teds etc. vor allem in einer Zeit florierten, als es zwar Massenmedien gab, diese aber nur in eine Richtung funktionierten. Wie war das früher? War der Weimarer Kreis eine Subkultur? Rückblickend sieht das ja alles immer ganz anders aus. Im 20. Jahrhundert jagten natürlich eine kulturelle Neuerung und ein künstlerischer -ismus die/den nächste(n), aber vor 300 Jahren fiel es vielleicht niemandem groß auf, wen ein paar Jahrzehnte lang alle nur das Gleiche voneinander abgemalt haben. Heute sind wir ungeduldiger.

    Das alles ist nur wilde Spekulation, da ich keine Kulturhistorikerin bin.

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