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Ab und zu mache ich hier eine Audiokolumne:



DailyCoffeeBreak Podcast
12. Nov 2008

Das Virus unserer Handelskultur

Handeln sollte eigentlich etwas wunderschönes sein. Der ideale Markt, wie ich ihn mir vorstelle, ist besetzt von schier gigantischer Vielfältigkeit. Er sollte angenehm zu durchschreiten sein und mir ein Gefühl der Freude geben. Ich will natürlich beides. Sowohl möchte ich gezeigt bekommen, was mich interessiert, was zu mir und meiner Persönlichkeit passen könnte – aber ich möchte auch inspiriert werden, Neues entdecken, gucken, stöbern, spielen, anfassen, wohl und lang zu überlegen oder aber auch leidenschaftlich spontan, aber mit Herz und nicht als erstes mit der Frage: “Was kostest du?”, entscheiden ob ich “es” letztendlich auch kaufe. Natürlich spielt der Preis eine Rolle – jedoch verwechseln viele den Preis bzw. Wert mit einer Kaufmotivation. Das ist ganz schön arm. Wir kaufen es nicht, weil es uns besonders gut gefällt, es unserem Geschmack entspricht oder es uns sonst irgendwie emotional anspricht. Nein, wir kaufen das meiste, weil es so schön billig ist. Weil man nicht viel falsch machen kann. Der Handel ist zur billigen Losbude verkommen. Lauter Nieten, aber immer mit der Chance auf das größte baumelnde Stofftier an der Klappe des Containerwagens vor Augen.

Früher rochen die Menschen sicherlich noch verstärkt an den Waren auf dem Markt. Heute kann man in einem Discounter noch froh sein, wenn man den beißenden Gestank des dort ebenfalls im Regal erwerblichen Billig-Essigreinigers genießen darf. Ein Markt sollte doch auch immer ein sinnliches Erleben sein, etwas, dass Spaß macht und nicht auf Körper und Geist wie eine Fließbandarbeit am Hochofen wirkt. Oder sind das lediglich verstaubte und verdrehte Nostalgieschwärmereien aus einer pre-industriellen Gesellschaft?

Wir legen heute voller Hast und Eile unsere Produkte auf das fließende Kassenband. Rentnern an der Kasse werden regelrecht Morddrohungen ausgestoßen, wenn sie es wagen, die übliche kurzprägnante Grußfloskel mit ein zwei höflich gemeinten Smalltalksprüchen zeitlich zu überschreiten. Charme oder Nettigkeit bzw. überhaupt ein Gespräch ist hier fehl am Platz. Keine Verkäufer weit und breit – komischerweise nur Kassierer.

Das Einkaufen für unser tägliches Leben ist für einen Großteil der Menschen zur regelrechten Qual geworden. Wir opfern also die vergangene oder zumindestens mögliche Freude am Handel, am Erwerb und Prüfung der Waren. Ja, wir verderben uns sogar den Genuss an der Ware nach der erfolgten Transaktion. Billigprodukte schmecken billig – ob subjektiv oder objektiv gesehen ist erstmal ohne Belang – müssen daher vielleicht auch möglichst schnell verschlungen werden. Zucker und Fett sind dabei die heimlichen Überzeuger. Beides ist zum Glück billig. (Das heisst nicht, dass Zucker und Fett schlecht sind, im Gegenteil, daher rührt der andere Wahn, der des Diät- und Ersatzfettzuckervertilgens.) Welch ein Glück, die Waren waren so günstig, dass wir noch viel mehr von diesem billigen Schrott kaufen können. Das soll uns dann angeblich mit Freude erfüllen – sogar laut “Produkt- und Markeninformationen” richtig geil machen.

“Geiz ist geil” ist wohl einer der fatalsten Meme unserer Gegenwart. Dicht gefolgt vom “Zeit ist Geld”-Mem. Wo Geiz ist, kann auch die Gier nicht weit sein. Und die Angst. Die Angst alles zu verlieren. So wie es nun tausendfach geschieht und geschehen wird. Eine traurige selbsterfüllende Prophezeiung.

Werden wir also weitermachen? Werden wir noch geiler auf Geiz? Noch “effizienter”, also noch weniger Leistung für noch weniger Geld verlangen und bekommen? Werden wir auch weiterhin fleißig in den Discountern mit den hübsch dekorierten und einladenden Auslegwaren einkaufen? Werden wir weiterhin dieses wundervolle Ambiente genießen können: Milchtüten dunkel und eingezwängt in schäbige-zerfledderten Pappkartons. Schrillbuntblaue Plastikflaschen erstickt in einer weiteren lieblosen Hülle aus Plastik, ebenfalls eingezwängt zu einer kleinen 6er-Gruppe. Obst, kiloweise zu Monokulturen zellophaniert, ohne Chance auf das Erhaschen eines Geschmacks oder Geruchs. Käse, in Din-Langen Scheiben geschnitten, ohne Aussicht auf ein wenig Reife und Charakter. Auf dem Boden der Dreck von Tausenden von matschigen Straßenstiefeln, zertretene Irgendwasse mit klebrigem Saftunfall. Shoppen im Schweinekoben!

Warum tun wir uns das an? Wo bleibt die Freude am Handeln, die Freude am Austausch, die Freude an der marktwirtschaftlichen Kommunikation? Verdammt nochmal, das soll doch allen Spaß machen und nicht zu so einer komischen Morlock-Geschichte führen. Die Verantwortung hierfür tragen wir alle, denn wir alle sind besessen von diesem Gedankenkonstrukt des Geizes: Werber verkaufen, was ihre Auftraggeber verkaufen wollen und Auftraggeber wollen immer das verkaufen, was der Käufer haben will und Käufer wollen immer das, was ihnen Werbung, Freunde und Bekannte erzählen, dass sie bräuchten. Wir lernen und kaufen dank Imitation und damit auch durch Kommunikation. Kommunizieren bedeutet auch immer Einfluss zu nehmen, Meme zu verbreiten, zu rekombinieren aber sie eben auch zu selektieren. Was wollen wir also beibehalten und was wollen wir verändern? Alle Welt erwartet den “Change”, dabei kann der tatsächlich nur gemeinsam erfolgen. Ein einzelner Präsident kann sowas nicht verordnen.

Wer billig will, kriegt billig – aber niemals ohne seinen Preis!

  • http://blindtextblog.blogspot.com/ ramses101

    Nur darfst Du eine Sache nicht vergessen. Die ganzen Billigheimer mit ihrem Prozente-Sales-Ausverkaufs-Geschrei machen das unter anderem, weil viele Leute schlicht darauf achten müssen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand aus Lust bei Aldi statt (z.B.) auf dem Hamburger Ise-Markt einkauft.

    Aber manchmal versteh ich die Leute auch einfach nicht. Ich hab letztens (bei Horizont? weiß nicht mehr) von einer Umfrage gelesen, in der herauskam, dass in Sachen “Einkaufserlebnis” (!) Aldi vor Karstadt gelandet ist. Das raff ich nicht. Aber vielleicht ist mein nächstgelegener Aldi auch für normale Aldi-Verhältnisse überdurchschnittlich deprimierend und Karstadt in der Mönkebergstraße unrepresentativ einladend ;-)

  • http://www.brainblogger.de Patrick Breitenbach

    @ramses101: muss man wirklich darauf achten oder wird einem das suggeriert? natürlich ist da immer ein gewisser verzicht im spiel, keine frage. aber haben wir nicht in wirklichkeit den verzicht verlernt? auf kippen verzichten beispielsweise nur ungern manche menschen, die vielleicht nicht so viel geld zur verfügung haben. kippen vor kulinarischen genuss. das sind so dinge die einen stutzig machen – immer mit dem bewusstsein im hinterkopf, dass es viele “weniger wohlhabende” im land gibt.

    ich schließe mich übrigens aus diesem gezeichneten bild überhaupt nicht aus. ich stecke da ganz genauso tief drin wie viele andere auch. (nicht das da ein falscher eindruck entsteht)

    das mit dem einkaufserlebnis kann nur ein ergebnis der erfahrung sein. leute die selten bis gar nicht im kaufhaus kaufen, attestieren natürlich ihrer routine das bessere erlebnis, sonst würden sie sich selbst als person ja irgendwie abwerten.

  • http://blindtextblog.blogspot.com/ ramses101

    Die Kippe zählt als Beispiel nicht. Rauchen ist eine Sucht und der Verzicht auf eine Sucht ist kein Verzicht, sondern ein Gewinn (been there). Aber wer wem was suggeriert, ist in der Tat die Frage. Meine aktuellen Lieblings-Schuldigen sind jedenfalls die Krawallmedien. Wer permanent propagiert, 2009 ginge alles den Bach runter, der ruft sowas hervor:

    http://www.presseportal.de/pm/60247/1299946/deloitte

    Und ob wir das Verzichten verlernt haben, weiß ich nicht, immerhin gehören die Deutschen noch zu den größten “Sparer-Nationen”. Allerdings geht das auch zurück und das wiederum geht auf Kosten der Qualität. Wer sich alle 2 Jahre einen DVD-Player mit Surround-System für 100 Euro kauft, mag zwar im ersten Moment nicht sparen müssen, auf lange Sicht zahlt er aber mehr als derjenige, der sich einen für 500 Euro kauft. (Aber das sagt ja auch Dein Schlusswort)

  • http://www.brainblogger.de Patrick Breitenbach

    Es gibt auch Kaufsucht, Fettsucht, Alkoholsucht etc., das Totschlaggargument lass ich also nur bedingt zu. :-) Ich weiß wie Süchte sind, aber es als unbändige Fessel zu betrachten halte ich für fatal. Der Leidensdruck ist nur oft nicht groß genug um eine Sucht in Angriff zu nehmen, aber das nur nebenbei.

    Vielleicht ist “Verzicht” auch das falsche Wort. Wir können nicht mehr priorisieren und Werte einordnen. Wir haben das “wertschätzen” verlernt. Vielleicht so?

  • http://www.brainblogger.de Patrick Breitenbach

    Ach ja, die Krawallmedien spiegeln letzendlich doch nur das wieder, wovor sich die Wirtschaft fürchtet. Ein kurzzeitiger Stopp des Wachstums, also der Profite. Wir reden hier nicht von Rückgang sondern erstmal von Wachstumsstopp. Schon allein das ist verrückt, weil die Angst davor kommuniziert durch die großen Memträger (aka Holzmedien) natürlich eine selbsterfüllende Prophezeiung darstellt.

    Im Übrigen haben die Medien schon lange damit begonnen bei sich selbst zu rationalisieren, ich finde das gibt ihnen auch ein Recht zu lamentieren, genau wie die Manager anderer Unternehmen, Banken wie Realwirtschaft, auch. ;-)

  • http://blindtextblog.blogspot.com/ ramses101

    Wir haben das “wertschätzen” verlernt.

    Da ist was dran. Ich hab vor einiger Zeit “Matchball in Moldawien” von Tony Hawks gelesen. Da beschreibt er eine Szene, in der ihm sein Kamerastativ kaputt geht woraufhin sein einheimischen Begleiter ihm sagt, das könne man sicher reparieren und er ihm antwortet, das lohne nicht, da kauft er sich lieber gleich ein neues. Das konnte der Moldawier nun gar nicht begreifen, wie man sich eher etwas neu kauft, bevor man es repariert.

    Das geht zwar nicht zu 100% in die Richtung, aber es ist schon ein Beleg dafür, dass eben alles billiger wird und man es sich sehr leicht in (s)einer Wegwerfgesellschaft gemütlich machen kann. Dinge, die ich leichter wegwerfen kann, muss ich auch nicht mehr wertschätzen.

  • http://the-missinglink.blogs.com/ Vroni

    Da ich noch aus Zeiten stamme, wo der Tante Emmaladen noch der Standard war, zudem war ich Landpomeranze, erlebte ich mit 15 Jahren erst zum ersten Mal ein Discountgeschäft. In der nächsten großen Kreisstadt, da wo ich zum Gym ging.

    “Angevirust” wurde ich von meiner Freundin, (eine “Zugereiste”, ihr Papa kaufte bei uns einen Bauernhof und renovierte ihn, machte den Kuhstall zu einer Dunkelkammer all das, er war Selbständiger, Typograph und schnitt arabische Schriften). Er hatte eine Familie mit drei großen Teenagern zu ernähren, musste das Geld zusammenhalten. War von daher o.k.

    Aber ich war entsetzt. Der Discounter war sooo hässlich: ungastliche Steinböden, hohe Regale, wo man kaum rauflangen konnte, lieblos arangierte Waren, meine Lieblingsmarken fehlten völlig. Sie fands toll.

    Ich muss dazu sagen, bis heute kann ich mich an sowas nicht gewöhnen.

    Der Tante Emmaladen, der auch in unserem Münchner Stadtviertel wieder seine Urständ feiert – das muss auchmal gesagt werden: nicht alle rennen dauernd zu ALDI – ist jedoch ein ganz anderer wie aus meiner Kindheit. Er hat was von Urlaub.

    Den aus meiner Kindheit will ich um gar keinen Preis wiederhaben: Wenn ich für meine Mama einkaufen musste, wurde ich von Erwachsenen weggedrängt und nicht oder sehr spät bedient. Am schlimmsten beim Dorfmetzger. Kinder galten nix. Oft lief ich weinend nach Hause. Mutter verstand nicht, wieso ich nicht mehr einkaufen wollte und lieber Geschirr spülte (was ich genau hasste). Die Verkäuferin war meist die Besitzern des Ladens und hatte einen unglaublich superfalschen Ton drauf. Man war ihr ausgeliefert. Sie wusste, dass man weit und breit nur bei ihr das Mondamin kriegte. Oder der Milchladen, wo ich regelrecht von den Dorfgossips ausgehorcht wurde, nur weil ich diesmla kein Butter dazu brauchte. Sie sollten alle zum Teufel gehen. Das war blanker Dorf- und Provinzterror. In den Läden roch es muffig, die Besitzer waren falsche Schlangen. Einkaufen bei ihne war eine Tortur, und nicht: Spaß. Und sie waren im Stadt-/Gemeinderat.

    Damit war mit den ersten Diskountern Schluss – und obwohl sie hässlich waren und mein Nutella nicht hatte, war ich sehr sehr froh drum. Einkaufen war damals eine Tortur und ein Spießrutenlaufen, nur unsere Nopstalgie verklärt das.

    Das wovon Patrick spricht, ist unsere romantische Urlaubsvorstellung vom Bazar, vom Suk. Da duften Zimt und Nelken, da werden Waren vor einem ausgebreitet, da ist man König, wird zum Handeln aufgefordert.

    Ich war da, in Ägypten. Kaufte Kochbananen, das typische lange Hemd der Ägypter und kaufte Schmuck. Bis auf den Schmuck lief alles recht nett. Das mit dem Schmuck werde ich bis heute nicht vergessen :-) Der Kerl hielt sich einfach nicht an die mit vielen Worten (ja, es muss, ich weiß) ausgehandelten Abmachungen, stopfte plötzlich noch ein Armband dazu und eine Kette und machte schon wieder einen völlig neuen und vor allem unverschämt hohen Preis. (Wie der Aaljakob auf dem Hamburger Fischmarkt, der einem noch ein Bündel Bananen für nix dazugibt, der nur noch doller und jedesmal teuerer). Wie Alzheimer im Sekundentakt. Ich wollte schöne, wertige Ohrringe, gerne auch handeln, macht ja Spaß. Auweia, ich musste dreimal den Laden verlassen, der Verkäufer rief mich dreimal wieder zurück, aber nur um seine extremen Spielchen zu wiederholen. Ich war völlig erschöpft.:-)

    Kann sein der Touristenfaktor (wär doch gelacht, die deutsche Dame reinzulegen…), aber solche Art Handel, dazu habe ich im Alltag keine Zeit und auch keine Lust.

    Ich habe ne andere Idee.
    Es würde reichen, dass wir wieder das Genießen lernen. Statt nach bunten Urlaubsbazaren zu schielen, die dann auch nicht so dolle sind beim genauen Hinsehen. Es soll die Sage gehen, Deutsche könnte nicht genießen. Daher kommt für mich die ganze Misere, deswegen wird Schrott gekauft statt Wertiges. Wer nicht genießen kann, kann auch nicht wertschätzen. Jahrhunderte von Calvin und Protestantismus scheinen noch in den Knochen zu sein, vermischt mit “modernen” Prekariatslebensläufen ohne jede Sicherheit ist das eine fatale Mischung. Selbst nach Ende des Krieges, als es wieder alles gab, haben sie nicht genossen, sie haben gefressen (wir erinnern uns: die Fresswelle).

    Bis heute haben sie ein schöneres Auto als einen Kühlschrank mit richtig guten Sachen darin. Sie rennen in den Urlaub, und essen dort Schnitzel. Das Krasseste, was ich erleben musste, war ein Urlaub in Burgund, wo unsere deutschen Cliquenkameraden (BWLer, Maschinenbauer, Marketer) allen Ernstes sich auf dem Boot Kartoffelsalat und Spaghetti kochten, unentwegt das Boot putzten und dort Trivial Pursuit spielten. Statt wenigstens auf eine der vielen schönen Burgen zu gehen oder mal in einem Dorf Pastis zu trinken in aller Ruhe oder eine Weinprobe, fraßen sie Meilen mit ihrem Boot und nervten einen französischen Schleusenwärter sogar am Sonntag, dass er die Schleusen aufmache. Machte er natürlich nicht, es war Mittags- und Ruhezeit. Da enterten sie selber die Schleuse. Eine Flut heilloser Verwünschungen ergoss sich über die Boches. Ich fremdschäme mich heute noch:-)

    Meine Tochter erzählt ähnliches aus einem kürzlichen Urlaub mit ihren Freunden. Sie kauften zuhause wie die Wilden ein (Nudeln, Ketchup), um dann in Südfankreich (!!) Hüttenurlaub zu machen. In einem Land des Genusses und des Essens, verstehe das wer will. Ich nicht. Sie auch nicht.

    Wer also über Geiz und Meme reden will, muss so einem Volk zuerst das Genießen beibringen. Schöne Möbel zeigen und schönes Essen. Zeigen wie Genießen geht. Vor-genießen. Schimpfen hilft nix. Leider.

  • de_signer

    leider ist es politische so gewollt das wir nur noch nach dem billigsten suchen weil uns heute und in zukunft weniger zum leben übrig bleibt. jetzt sparen bevor der abstieg als kassierer an der liedlkasse kommt (siehe ulmen tv…bis zur liedlkasse und dann ist schluss).

  • http://www.brainblogger.de Patrick Breitenbach

    @Vroni: Vielen Dank für die Episoden.
    Tja, Romantik ist immer das Stilmittel des Ideals, der Marmor, der am Ende mit Hammer und Meißel zu irgendeiner anderen Skulputur zertrümmert wird! ;-) Großer Marmor, große Skulptur.

    @de_signer: politisch gewollt? haben “wir” uns das politische nicht selbst eingebrockt? Ich fürchte “weil uns heute und in zukunft weniger zum leben übrig bleibt” könnte dann ebenfalls eine “politisch gewollte” Denke sein, oder?

  • http://www.werbeblogger.de/2008/11/13/holger-jung-die-krise-und-wieder-die-boesen-internetnutzer/ Holger Jung, die Krise und wieder die bösen Internetnutzer | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Holger Jung, die Krise und wieder die bösen Internetnutzer

    [...] Internetkultur? Die Worte, ausgerechnet aus dem Munde eines Mannes, dessen Agentur das große “Geiz ist geil”-Mem erschaffen hat, welches uns ein Stück weit stärker in den Sog des allgemeinen [...]

  • http://blindtextblog.blogspot.com/ ramses101

    @Vroni: Stimmt. Mit dem Genießen haben es die Deutschen nicht so. Ich hab die Zahlen nicht parat, aber es ist erschreckend, wie sparsam die Deutschen – prozentual gesehen – beim Essen sind. Aber der Romantikmarkt muss nicht im Urlaub stattfinden. Es gibt ihn zwar viel zu selten, aber der oben angesprochene Ise-Markt gehört dazu. Auf einem Kilometer Länge findet man da all das, was es im Supermarkt nicht gibt. Und im Discounter schon gar nicht. Da kostet eine Cuore di Bue dann zwar etwas mehr als die Strauchtomate, die daraus gemachte Soße ist allerdings wieder billiger als die fertige von Bertolli. Es ginge also, man muss nur wollen (und, zugegeben, die logistischen Möglichkeiten haben).

  • http://www.brainblogger.de Patrick Breitenbach

    @ramses101 und @vroni:

    Ich weiß, Vroni, du stehst nicht auf Meme, aber ich bin dennoch der festen Auffassung, dass sich so manche ziemlich blockierend auswirken. Gerade die “Zeit ist Geld” raubt uns doch letztendlich auch die Grundlage für Genuss, oder? Ich weiß, man könnte Prioritäten setzen und sich diese Zeit bewusst nehmen. Aber in einer zunehmend vernetzten Welt, mit so vielen Ablenkungen, Herausforderungen und Angebotsvielfalt, können viele vielleicht gar nicht mehr richtig selektieren, aus der Angst heraus etwas zu verpassen, nicht genügend Geld zu verdienen oder weil es einfach bequemer ist, sich dem schnellen Rausch hinzugeben.

    Der Prozess der Zubereitung von Speisen, “kostet” Zeit, statt dies mit “die Zubereitung von Speisen ist die Voraussetzung und der notwendige kreative Akt um ein gutes und köstliches Essen zu genießen”. Die Auswahl von Gewürzen und allen frischen Zutaten ist ein kreativer Akt und nicht die Notwendigkeit um etwas zu essen zu haben.

    Man darf nicht vergessen, dass wir durch unsere Leistungsgesellschaft mit der schier endlosen Wirtschaftswachstumsschleifenhysterie und der Koppelung von Zeit mit Geld (was mit Effizienz nix zu tun hat) gar keinen wirklichen Raum mehr haben um solche Dinge noch zu genießen (außer vielleicht im Urlaub, wo wir aber erstmal 2 Wochen brauchen um vom Stress richtig runterzukommen)

    Mir geht es nicht ums schimpfen (nicht immer jedenfalls). Mir geht es darum, sich solche Dinge wenigstens zu allererst bewusst zu machen und letztendlich auch mir selbst bewusst zu machen.