Möchte man den Zeilen dieses Buches glauben, so war der erste Präsident der vereinigten Staaten George W. (Washington nicht Walker), ein Sklavenhalter. Natürlich ist dieser Begriff heute “political” ziemlich eindeutig besetzt – nämlich ganz klar “Igitt” oder “Geht gar nicht”.
George Washington, befand sich damals in einem völlig anderem Kontext, als wir es heute tun. Doch ironischerweise ist der grundlegende Inhalt gleich geblieben: Leute werden versklavt, um für die Bedürfnisse anderer billig zu sorgen. Natürlich werden heute etwas seltener Menschen in Ketten gelegt, um auf Galeeren zu rudern oder um irgendwelche Steine zum perfekten Weltwunder hochzuschleppen. Heute läuft das ein wenig subtiler, quasi in einem codierten Zusammenhang statt. Wir alle WISSEN schließlich, dass Menschen und ihre Familien für unseren Konsum leiden, härter arbeiten oder gar drauf gehen müssen. Dennoch ignorieren wir diesen Umstand und distanzieren uns gedanklich vom Thema Sklaverei Ausbeutung. Man witzelt zwar sehr leicht, wenn man einen Teppich im Laden sieht und dessen Qualität den kleinen, flinken Kinderhänden zuschreibt. Doch dabei bleibt es auch schon. Das Thema “Sklaverei” (in all seinen widerlichen Facetten) wird bei uns ansonsten ziemlich stark ausgedimmt. Zu weit weg. Aber vor allem, niemand vermisst die thematische Abwesenheit.
Wir spielen uns in unserem funkelnden Wohlstandsmüll so moralisch unglaublich überlegen auf, dass wir völlig vergessen haben, dass der ganze verseuchte Plastikschrott um uns herum, der ganze elektronische Schnickschnack, das girrende und piepende elektronische Dauerrauschen zum Großteil nur so billig sein kann, weil es eben auch wirklich verlässlich konseqent billig hergestellt wird. Nur wie lange noch?
Und wie Washington und seine Jungs damals schon wussten, war Billiglohn bzw. Kost & Logie (also gerade so die Rechnungen zahlen) das mindeste, was man für seine Sklaven bereitstellen mussten, damit sie selbst all die Annehmlichkeiten der damaligen Hochkultur behalten durften, die sie im Laufe ihrer Erziehung zu wert schätzen gelernt hatten. Sie waren zwar nach außen hin immer wieder gegen die Sklaverei, vielleicht sogar mit den Gedanken, doch im Innersten, im Herzen, konnten sie sich nie von den süßen Verzückungen, die die Sklaverei für sie mit sich brachte, trennen.
Wir waren, sind und werden wahrscheinlich noch lange ein System von Sklaven und Sklavenhalter sein. Denn das ist das Grundprinzip, dem bisher unsere “Spezie Mensch” folgte: Ficken oder gefickt werden. Fressen oder gefressen werden. Also entweder boxt man sich von unten nach oben durch und genießt anschließend genau die gleichen Annehmlichkeiten wie die abgelösten Herrschaften – z.B. in Form von versklavten Sklavenhaltern. Oder man verharrt in seiner Rolle und “vererbt” sie spielend an die nächste Generation weiter.
Oder
wir begreifen uns endlich alle als eine sich weiterentwickelnde Gattung, mit diversen Stärken und Schwächen, die es schafft, Dinge gedanklich zuvor zu entwerfen und dann auch die Macht und das “KnowHow” haben, diese auch anschließend in die Tat umzusetzen. Alles denkbare. Man stelle sich vor, was da gemeinschaftlich so alles machbar wäre.
Natürlich gäbe es dann weniger bis gar keine Billigplastikspielsachen mehr. Aber soll ich ein kleines Geheimnis verraten? Die Dinger, die immer sofort kaputtgehen und unsere Mülltonnen verstopfen, würde auch kein Mensch mehr vermissen, in einer Welt ganz ohne Sklaverei und Privilegien. Allerdings müssten wir uns dann auch mit dem Gedanken anfreunden, dass der Arschloch-Chef oder der Schurkenstaat von nebenan genauso menschlich und wertvoll ist, wie wir uns selbst wünschen behandelt und wahrgenommen zu werden.
So, nun werfe ich aber meinen iPod an. Gute Nacht, du güldenes Zeitalter.



