BREITENBACH


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Jim Morrison lebt im deutschen Sommerloch

Jim Morrison war am Ende seines Lebens - was man so mitbekommen hat - ein fettes, alkoholgetränktes Wrack. Keine Ahnung, ob er jetzt an einer Überdosis Heroin starb oder ob seine durch Dauerexzesse überlastete Pumpe einfach den Geist aufgab. Fakt ist: Er ist nun mausetot.

Doch nicht für Ray Manzarek und die Zeitungen dieser Welt. Dieser lässt mit Hilfe des Sommerloches und der klassischen, investigativen deutschen Medien, den schillernden Morrison wieder auferstehen. Kein Wunder, denn die Sehnsucht nach dem charismatischen Bandleader der Doors dürfte nach den kläglichen Comebackversuchen der restlichen Bandmitglieder ziemlich gigantisch sein. Morrison war faktisch die Doors, auch wenn Morrison ohne Manzarek & Co diesen Ruhm wahrscheinlich nie hätte genießen können. Vielleicht wäre er in einem von Warhols Popartpornos aufgetreten, aber eine Rockikone ohne die Musik der restlichen Band? Niemals. Dazu waren seine düsteren Blake-Schriften einfach nicht Mainstream genug.

Doch zurück zu unseren seriösen Medien. Einen guten Job hat Medienlese gemacht. Die stellten erstmal klar, dass die Nachrichtenquelle von Spiegel, Welt & Co. natürlich nicht “Daily Maily” ist, sondern allerhöchstens “Daily Mail”. Und natürlich behauptete Manzarak nicht, dass er von Morrisons vorgetäuschtem Tod Bescheid weiß, er schwelgt nur wie viele Anhängsel einer Ikone von alten gemeinsamen Zeiten und der ewigen Hoffnung, eines Tages doch noch einmal ein ganz großes Konzert geben zu können und Millionen von Platten zu verkaufen.

Daraus wurschtelt SPON also diesen hahnebüchenen Sommerlochsartikel und behauptet unter anderem:

Der legendäre Musiker, der im Alter von 27 Jahren starb, lebe heute heimlich und unerkannt auf den Seychellen, sagte Manzarek. Morrison selbst habe 1970 die Idee aufgebracht, seinen eigenen Tod zu inszenieren und sich ins Ausland abzusetzen. Er sei von seinem Ruhm und den damit einhergehenden Exzessen müde gewesen sei, wird der 69-Jährige zitiert.

Auch dass Manzarek das Interview im “Daily Mail” als PR-Werkzeug für seine neue Band “Riders on the storm” und dessen derzeitige Tournee nutzt, verschweigt uns die Presse. Aufmerksamkeit ist alles, nicht nur für Manzarek. So beweist SPON mal wieder, dass sie weiterhin schnurstracks Richtung BILD marschieren und ihnen journalistische Gründlichkeit beim Copy&Paste Verfahren ausländischer Agenturmeldungen im Angesicht von Klickdruck der eigenen Werbepartner piepegal geworden ist. Schnell sein, dabei sein, Klicks generieren. Und es funktioniert natürlich bestens.

Reflexion: Wie bitter, dass auch ich zum Sommerlochthema greifen muss.

Category: Allgemeines

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