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Ab und zu mache ich hier eine Audiokolumne:



DailyCoffeeBreak Podcast
27. Jun 2008

Macht Bildblog ihre Bild stärker?

Wohl ist mir die Intention hinter Bildblog und ihrer Autoren sehr wohl bewusst, doch gibt es immer wieder merkwürdige Nebeneffekte auf der Welt, die uns einen Anlass geben könnten, das eigene Vorgehen immer mal wieder gründlich zu überdenken.

Was ich mich schon immer im Zusammenhang mit Bild und Bildblog interessiert hat, ist die Frage: Macht Bildblog die Marke Bild eigentlich stärker?

Es gibt ja vereinzelnd spöttische Zungen, die behaupten, dass “Bildblog lesen” im Grunde nichts anderes ist, als die Bildzeitung mit einem reinem Gewissen zu konsumieren. Der Nachrichtengehalt ist in beiden Fällen identisch, nur dass der aufmerksame Bildblogleser die “bereinigte” Variante der EM-Fernsehpanne, des Herzensbruchs durch David Beckham oder den menschenzerfleischenden Löwen bekommt. Beides Male wird die Botschaft transportiert und damit eben auch oft der reißerische aber meist substanzlose Nachrichtenkern.

Natürlich geht es bei Bildblog in erster Linie darum, die schlampige journalistische Arbeit (wenn nicht sogar Kalkül) von Bild zu entlarven, welche bewussten Provokationen sie ausspielen und welch abartige Themen zum Teil an der Grenze der Persönlichkeitsrechte und darüber hinaus publiziert werden. Doch muss ich an dieser Stelle eine weitere provokante Frage stellen: Weiß das der Großteil der deutschen Bundesbürger nicht schon längst – und noch viel schlimmer – haben sie sich damit zum Großteil nicht sogar schon damit abgefunden bzw. kaufen sie es nicht sogar gerade deswegen?

Ich stelle mir Bild oft als unterhaltsamen Sex & Crime Groschenroman vor, mit Anlehnung an die Realität. Peinlichdumpfe Headlines, zwischen ein paar Burgern gelesen, die am Ende doch irgendwie den kleinsten gemeinsamen Volksnenner teffen: Volksentertainment. Jeder SO manch einer schmunzelt doch insgeheim ein wenig über die täglichen Wortspielchen (es sei denn er ist selbst betroffen), glotzt wie gebannt auf die silikongefüllten Milchspeicher des Mädchens von Seite 1 und die daneben platzierten Texte (damals noch von Katja Kessler verfasst) sind Teil der deutschen literarischen Popkultur geworden.

Also nochmal zusammengefasst: Gibt es nicht bereits ein breites Bewusstsein in der deutschen Bevölkerung, dass Bild im Endeffekt viel Schmuh schreibt, aber es denoch aus dem Drang, der Gier nach Entertainment dann doch gelesen wird? Und natürlich auch von den Bildkritiker, sowie alle anderen Journalisten, Politiker, Medienmenschen, Unternehmer etc. pp. – denn schließlich muss ja jeder doch irgendwie wissen, was Bild da so schreibt. Muss man das denn wirklich?

Genau das ist doch der Knackpunkt. Aufmerksamkeit ist das tägliche Geschäft von Bild. Awareness In- & Export sozusagen. Ohne Aufmerksamkeit, keine Bild. Bild initiiert Gespräche, muss dabei aber auch immer selbst Gesprächsthema bleiben. Reichweite verschafft Macht, Meinung und jede Menge Werbegelder. Reichweite wiederum ist pure Aufmerksamkeit. Stell dir vor es gibt Bild und keiner liest sie.

Bei all den altruistischen Motiven, welche die Betreiber von Bildblog verfolgen mögen, ist doch eines generell glasklar: Ohne Bild gäbe es das Nummer 1 Vorzeigeblog Bildblog gar nicht. Ohne schlechten Content der Bild, gäbe es nicht das freiwillige und (für Bild) kostenfreie Lektorat des Watchblogs. Ohne Stories, keine 1,5 Mio Besucher im Monat (Sind die botverseuchten Awstats Statistiken jetzt eigentlich Visits oder Page Impressions?).

Die Marke Bild indes wird täglich vom Watchblog immer wieder ins Gespräch und damit in die Köpfe der Leser gebracht. Das Watchblog führt zum Teil sogar die Corporate Identity des Blattes aus dem Axel Springer Verlag fort. Täglich wird massenhaft auf Bild.de verlinkt, es werden Screenshots publiziert und somit natürlich die Aumerksamkeitsmaschinerie von Bild geölt. Zwar weist man stolz auf den Rückgang der Printauflage hin (die aber sowieso schon vor der Existenz von Bildblog zu schrumpfen begann und dessen Schicksal mit eigentlich allen Print-Tageszeitungen einhergeht), die Zunahme der Klickzahlen für den Onlineauftritt verschweigt man indes – vielleicht gerade weil man ja eigentlich auch monatlich 1,5 Mio Besucher vom Watchblog an bild.de weiterleitet. Klicks auf bild.de bedeuten in der Tat wiederum Werbe-Mehreinnahmen für die Publikation und damit natürlich auch mehr Macht und Einfluss – also mehr Stärke. Klicks unterscheiden nicht on kritisch oder nicht-kritisch. Klick ist Klick, View ist View. Das weiß man in Berlin ganz genau.

Also woher diese Besessenheit bei den Betreibern? Wieso ist man so fixiert auf die größte deutsche Boulevardzeitung? Wieso macht man bei der Ökonomie der Aufmerksamkeit noch leidenschaftlich mit bzw. sieht man es ganz anders? Wenn man wirklich etwas verändern will und trotzdem am Boulevardesken festhalten möchte, wieso nicht eine vernünftige gut recherchierte Gegenpublikation eröffnen, statt den gleichen Mist immer und immer wieder neu aufzukochen und so die Klicks und das Ranking von bild.de weiter in die Höhe treiben? Ich versteh es als naiver Nicht-Journalist einfach nicht. Vielleicht kann es mir ja jemand erklären?

  • http://pseudopost.org/ Fabian Neumann

    Sehr gute Frage. Mal sehen, warum lese ich das Bildblog?

    1. Eindeutig *nicht* um den Inhalt der Bild wegen. Ich kann mich an keine Story erinnern, die ich quasi Second-Hand gelesen habe. Ich klicke auch nicht auf die Originalartikel durch und kaufe die Bild auch nicht. Im Prinzip interessieren es mich nicht — ich muss nicht wissen, was Bild schreibt.

    2. ich möchte meine Abneigung diesem Leitmedium gegenüber mit Fakten untermauert haben. Ich möchte wissen, dass die Vorurteile à la Lügen, Verfälschungen, Doppelmoral etc. tatsächlich stimmen.

    3. Masochismus. Bildblog lesen macht mich krank — ich rege mich auf, es deprimiert mich. Mindestens einmal in der Woche bin ich einen Klick davor, das Feed-Abo zu kündigen. Punkt 1 und 2 sind bisher aber stärker.

    Das Thema Klicklieferung BB->Bild ist ein anderes. Ich kenne die Bildblog-Autoren zu wenig, um mir ein Urteil über deren wahre Absichten erlauben zu können. Vielleicht sollten Screens/Fotos ausreichen und auf Verlinkungen verzichtet werden — was aber auch nicht im Sinne der Hypertext-Erfindung und der journalistischen Sorgfalt wäre.

  • http://pseudopost.org/archives/2008/06/there-is-no-bild/ Kein Fußbreit den vier großen Buchstaben ← pseudopost.org

    [...] Frage drüben beim Brainblogger: Macht das Bildblog die Bild(-Marke) stärker? Dazu mein Kommentar Warum lese ich [...]

  • http://twitter.com/Theincredible The Incredible Hagen

    Also ich war in meinem ganzen Leben vllt. 5 mal auf bild.de und max.3 mal auf bildblog.de (heisst die adresse so..?) und darauf bin ich “stolz.”
    Eben weil die Informationsflut zunimmt und man um den ganzen Boulevard-Info-Rummel ja nie ganz drum rum kommt, muss ich mir das nicht noch freuwillig und persönlich geben!

    Und ganz klar, gehts da um Kohle, beidseitig. Aus purem Idealismus betreibe ich leider auch kein Watchblog, sondern ziele natürlich auf Traffic ab, den ich nur bekomme, wenn es weiter was zum watchen gibt…

    Letztendlich sind es wieder die Leser und Nutzer, die in ihrer Masse uund Gesamtheit über Erfolg und Misserfolg bestimmen. Also ich sabotiere da gern ;-)

  • http://meonly.de/ Iris

    Folgende Awareness-Schleife kam mir gerade in den Sinn: Verschafft Bildblog-Kritik dem Brainblogger Links? Und hätte er diese Links dann nicht der Existenz vom Bildblog und weiter Deiner Argumentation folgend letztendlich der Existenz von BILD zu verdanken? Und verschafft der Brainblogger dem Bildblog eventuell auch Aufmerksamkeit, indem er es thematisiert und somit indirekt auch wieder der BILD? Ein bisschen Aufmerksamkeitsökonomie ist doch überall, gelle? Manche Themen sind halt todsichere Quotenbringer – für alle, die sich dranhängen … mit welchen primären Absichten bzw. edlen Motiven auch immer ;o).

    Peinlichdumpfe Headlines, zwischen ein paar Burgern gelesen, die am Ende doch irgendwie den kleinsten gemeinsamen Volksnenner teffen: Volksentertainment. Jeder schmunzelt doch insgeheim ein wenig über die täglichen Wortspielchen (es sei denn er ist selbst betroffen), glotzt wie gebannt auf die silikongefüllten Milchspeicher des Mädchens von Seite 1 und die daneben platzierten Texte (damals noch von Katja Kessler verfasst) sind Teil der deutschen literarischen Popkultur geworden.

    Die Vorstellung, dass Du mit ‘jeder’ auch mich meinen könntest, weckt in mir den unwiderstehlichen Drang zum Widerspruch: BILD hat bei mir schon ungezählte Male Zorn und Traurigkeit bewirkt, auch Brechreiz schon desöfteren, aber noch nie ein Schmunzeln. Ich komme mit Deiner Darstellung von BILD als ‘Volksentertainer’ nicht auf einen Nenner … nicht mal auf einen klitzekleinen.

  • http://www.werbeblogger.de Patrick Breitenbach

    @Iris: Okay, das “Jeder” war definitiv ein Griff ins Klo.

    Und natürlich generiere ich durch die Bildblog-Kritik eine mögliche Aufmerksamkeit, nur bin ich kein Bildblogwatchblog und schon gar kein Bildblogbekämpfer, d.h. ich habe mir das nicht auf die Fahne geschrieben, täglich den Content des Blogs “zweitzuverwerten”. Ich behaupte auch nicht, dass es Bildblog primär darum geht, sondern dass sie sich bewusst werden sollen, welche Wirkung sie als Nebeneffekt eben noch erzielen. Diese Wirkung ist für mich eben fernab von “Bild entzaubern” oder gar “entmachten”.

  • http://www.zeitschrift-humanwirtschaft.de Andreas Bangemann

    Es ist doch klar:
    Bild -ler und die meisten anderen Mainstream-Medienmacher lenken das öffentliche Interesse auf Themen, welche sie für geeignet und attraktiv genug halten, die Leute zu unterhalten.
    Zum Nachdenken anregen oder gar zum Handeln bewegen ist Tabu. Bildblog bedient genau die gleichen Instinkte, nur auf einer anderen Ebene. 911-Geschichten und vermeintliche Komplotte und Theorien genau so, wie Bilderberger usw. Es ist Unterhaltung, die Gefühle auslöst, welche die bisherigen Kommentatoren schon genannt haben.
    Diese Art der Unterhaltung stumpft ab, treibt den Einzelnen in die Entertainment-Isolation und hinterlässt selbst beim Lachen das ungute Gefühl: “Es stimmt was nicht im Staate Dänemark”.
    Dieses Gefühl, in der Isolation entstanden, wird sich kollektiv entladen. Nur hat dann kaum einer mehr etwas zu lachen.
    Dieser Blogeintrag kann, zumindest bei einem kleinen Kreis, Motivation sein, andere Wege zu gehen. Der Beitrag regt zum Nachdenken an – das scheint er zu sein: der Weg.

  • http://twitter.com/Theincredible The Incredible Hagen

    @Iris: logisch generiert Patrick hier mit dem Thema traffic. Aber es ist eben die Art und Weise und der Inhalt, wie man darüber schreibt.
    Und ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand ernsthaft da einen hinterhältigen Ansatz findet, wenn jemand versucht auf ein bestimmtes “Problem” oder besser einen theoretisch nicht beabsichtigten Nebeneffekt aufzuzeigen.
    Da schließe ich mich @Andreas auch an: es geht ums nachdenken und hinterfragen. Das kann man natürlich auch diesen Blog und diesen Post. Steht für mich aber weniger zur Debatte :)

  • http://meonly.de/ Iris

    @Patrick:
    Ich habe ja gar nicht behauptet, dass Du Bildblog-Inhalte täglich zweitverwertest, aber Du hast es mit diesem Beitrag zumindest einmal getan. Und wenn viele Blogger das gelegentlich tun, indem sie das Bildblog kritisieren oder über es berichten, kommt schon einiges an Aufmerksamkeit zusammen, gelle? Nicht zuletzt deshalb gehört das Bildblog ja auch zu den meistfrequentierten der deutschsprachigen Blogosphäre (ob es noch das meistgelesenste ist, kann ich nicht sagen, denn ich beobachte die Schwanzvergleichslisten nicht) – weil über es berichtet wurde und wird (inzwischen nicht mehr nur in der Blogosphäre sondern auch immer öfter in konventionellen Medien). Nicht dass mich diese Aufmerksamkeitsschleife im Falle des Bildblogs stören würde (da gibt es andere Beispiele in der Blogosphäre, wo ich das durchaus anders sehe und wünschte, sie wären von Anfang an ignoriert worden; jetzt ist es fürs Zutodenichtbeachten zu spät, jetzt muss man sich mit den Hetzblogs auseinandersetzen). Ich wollte die Zusammenhänge hier nur mal aus meinem Blickwinkel darlegen.

    Davon mal abgesehen, kann ich persönlich nichts Verwerfliches an dem finden, was die Bildblogger tun. Sie setzen sich kritisch mit den Inhalten der meistgelesensten Tages’zeitung’ in Deutschland auseinander – was die BILD übrigens schon lange vor der Existenz des Bildblogs war, vermutlich sogar schon bevor die Bildblogger das Licht der Welt erblickten; daher finde ich es reichlich überflüssig, darüber zu spekulieren, ob das tägliche Wühlen im BILD-Dreck, die Aufmerksamkeit für BILD erhöht. Mehr Aufmerksamkeit hatte doch ohnehin nie ein anderes Medium in Deutschland, oder? Die Bildblogger haben für ihre Mühe und Ausdauer (von der es ja auch vor dem jetzigen Bildblog-Status als bekanntestes Blog Deutschlands schon einiges erfordert hat) bei ihrem Ekeljob meinen Respekt. Obwohl ich ehrlich gesagt die Arbeit nicht machen möchte, bin ich dankbar, das es jemand tut – mindestens so dankbar wie unseren Müllmännern dafür, dass mein Müll wöchentlich von ihnen entsorgt wird.

    Und noch mal zu Deinem Bild von BILD als ‘Volksentertainer’. Aus meiner Sicht verharmlost Du damit, was die BILD tatsächlich ist: Das größte Hetzblatt Deutschlands, Propaganda-Organ für rechtspopulistische Politiker, ein (durch und durch fauler) Teil des Systems. Die BILD ist ein bösartiges Geschwür in der deutschen Medienlandschaft. Und sowas heilt oder bekämpft man imo nicht durch Ignorieren …

    Wenn man wirklich etwas verändern will und trotzdem am Boulevardesken festhalten möchte, wieso nicht eine vernünftige gut recherchierte Gegenpublikation eröffnen

    Genau das haben die Bildblogger in meinen Augen ja getan. Um als Kontrahent der BILD überhaupt von einer nennenswerten Zahl Medienkonsumenten und -macher wahrgenommen zu werden, gehört aus meiner Sicht aber das tägliche Aufkochen des BILD-Mists. Deren Taktik der kleinen Nadelstiche geht nur auf, weil sie immer und immer wieder namentlich die BILD trifft.
    Und wenn Du oder andere Publizisten andere, vielleicht sogar bessere Ideen zur BILD-Bekämpfung haben – nur zu, was hält Euch auf? Ich wär’ ja froh und dankbar, wenn das Bildblog nicht das einzige Blog in Deutschland bliebe, das sich an dem täglichen Müllberg abarbeitet.

  • http://brainblogger.de Patrick Breitenbach

    @Iris: Mir ist die Aufmerksamkeitssystemik durchaus bewusst, daher war meine Frage: Ist den “Müllentsorgern” das auch so bewusst?

    Habe nie behauptet, dass die Arbeit von Bildblog etwas verwerfliches ist. Diese Art der Argumentaion wäre aus meiner Sicht her Unsinn. Ich versuche ledilgich das Ganze mal von der anderen Seite zu beleuchten, ohne die grundlegende Kritik an Bild nicht fallen zu lassen.

    Ich bleibe dennoch dabei: Ein Unternehmen, dass von Aufmerksamkeit lebt, kann man nur angehen, indem man diese entzieht (Natürlich nicht nur auf Seiten der Kritiker).

  • http://meonly.de/ Iris

    @Patrick:

    Mir ist die Aufmerksamkeitssystemik durchaus bewusst, daher war meine Frage: Ist den “Müllentsorgern” das auch so bewusst?

    Ich vermute schon. Ich halte die Bildblogger für klug genug, die Regeln der Aufmerksamkeitsökonomie zu durchschauen. Ich nehme sogar an, sie ist Teil ihrer Strategie. Aber wenn Du das genau wissen willst, müsstest Du sie natürlich selbst fragen. Doch aus meiner Sicht profitiert das Bildblog um ein Vielfaches stärker von der Aufmerksamkeit, die BILD schon lange hat (ohne Zutun des Bildblogs), als umgekehrt.

    Ich versuche ledilgich das Ganze mal von der anderen Seite zu beleuchten, ohne die grundlegende Kritik an Bild nicht fallen zu lassen.

    Ich bleibe dennoch dabei: Ein Unternehmen, dass von Aufmerksamkeit lebt, kann man nur angehen, indem man diese entzieht (Natürlich nicht nur auf Seiten der Kritiker).

    Nette Theorie. Und wie genau würde die in der Praxis aussehen? Ich glaube nicht, dass Du dem BILD-Image auch nur den Hauch eines Kratzers versetzen kannst, indem Du sie mit Aufmerksamkeitsentzug strafst, denn Millionen andere tun das nicht. Wie willst Du sie dazu bringen?
    Meine abschließende Frage an Dich: Wie konkret stellst Du Dir eine effektive, ‘vernünftige gut recherchierte Gegenpublikation’ zur BILD vor?

  • http://www.brainblogger.de Patrick Breitenbach

    Ich habe mich nicht dem Kampf gegen Bild verschrieben, daher ist es nicht mein Anspruch. Meine persönliche Intention ist die Dinge (die scheinbar selbstverständlich sind) zu hinterfragen.

    Aber um auf deine abschließende Frage zurückzukommen:

    Ich könnte mir eine Publikation im boulevardesken Stil vorstellen, die viele Dinge zunächst an der Oberfläche behandelt, dann aber auch gleich tiefergehende Informationen jederzeit dazu anbietet. Sauber recherchiert, hinterfragt, beleuchtet und investigativ aufbereitet. Themen, die wichtiger sind als Klatsch & Tratsch, aber auf den ersten Blick wie Klatsch & Tratsch aufgemacht sind. Das ist für mich momentan ein möglicher Hebel das von Unterhaltung übermästete Gehirn wieder auf Touren zu bringen.

    Also Bildthemen (oder den direkten Bezug zu Bild) links liegen lassen, aber mit einem hohen anspruch journalistisch arbeiten. Wie gesagt, ich bin kein Journalist. :-)

    Alternativen schaffen, statt Bekanntes zu bekämpfen und damit indirekt zu stärken.

  • http://meonly.de/ Iris

    @Patrick:

    Ich habe mich nicht dem Kampf gegen Bild verschrieben, daher ist es nicht mein Anspruch.

    Aber es ist der Anspruch der Bildblogger – ich nehme (im guten Glauben) an, in erster Linie, weil sie diesen Kampf für gesellschaftlich wichtig erachten.

    Ich könnte mir eine Publikation im boulevardesken Stil vorstellen, die viele Dinge zunächst an der Oberfläche behandelt, dann aber auch gleich tiefergehende Informationen jederzeit dazu anbietet. Sauber recherchiert, hinterfragt, beleuchtet und investigativ aufbereitet. Themen, die wichtiger sind als Klatsch & Tratsch, aber auf den ersten Blick wie Klatsch & Tratsch aufgemacht sind. Das ist für mich momentan ein möglicher Hebel das von Unterhaltung übermästete Gehirn wieder auf Touren zu bringen.

    Prinzipiell eine gute Idee für eine qualitativ hochwertige Nachrichtenquelle. Aber es wäre in meinen Augen keine Gegenpublikation zur BILD. Journalistisch anspruchsvollere und verantwortungsbewusstere Alternativen zur BILD, ohne direkten Bezug auf sie und ihre Inhalte, gab es doch schon immer (das BILD-Niveau zumindest zu überbieten ist ja auch nicht schwer). Dennoch ist sie nach wie vor das Leitmedium Nr.1. Warum also nicht zur Abwechslung mal versuchen, die BILD frontal anzugreifen und dazu ihre eigene Popularität gegen sie verwenden (so in etwa sehe ich das, was das Bildblog macht)? Und die BILD-Leser, die nur oberflächlich unterhalten werden wollen (bzw. sich nur dafür die Zeit nehmen), würden m.E. auch nicht in die Tiefe gehen, wenn ihnen auf der Oberfläche treiben und Eintauchen unter einem Dach geboten würde.

    Aber um noch mal auf Deine m.E. verharmlosende Darstellung der BILD als ‘Volksentertainer’ zurückzukommen: Oberflächliche Unterhaltung statt journalistisch korrekter Information ist nicht das primäre Problem, das ich mit der BILD habe, sondern Massenmanipulation mittels (nicht versehentlicher sondern kalkulierter!) Fehlinformation und Hetze. Und darauf immer wieder mit dem Finger zu zeigen, halte ich für wichtig und richtig. Denn ich denke, dass ein Großteil der Leser sich durch BILD eben nicht nur billig unterhalten sondern auch informiert fühlt.

  • http://meonly.de/ Iris

    btw Patrick, aus meiner Sicht beherzigen die Bildblogger mit ihrer Arbeit u.a. folgenden Tipp:

    Offensichtliche Lügen als solche in der Öffentlichkeit immer wieder entlarven. (Internet ist ideal weil langes Gedächtnis)

    ;o)

  • http://rebellmarkt.blogger.de Don Alphonso

    Ich denke, ein andere Effekt spielt auch noch mit rein: Das Bildblog bremst bei Falschmeldungen frühzeitig die Follow Ups vieler Internetmedien. Das heisst, wenn die Bild mal was übergeigt, wird es nicht mehr automatisch weiterverbreitet, oder auch von anderen zurückgezogen. Das isoliert die Bildzeitung fraglos, und es trifft ihre Position als Leitmedium im Internet. dass radiojournalismus oft nur noch Vorlesen aus der Bild und dann eine Umfrage ist, steht auf einem anderen Blatt, und auch in der Glotze holt man kein Team zurück, das schon auf dem Weg ist, die Bild nachzudrehen. Aber immerhin, im Bereich der journalistischen Kollegen ist das Bildblog sicher schmerzhaft.

    Andererseits ist es selbst an einer Grenze angelangt. Weder Aktionen noch Lesungen oder Werbung ändern etwas an den Zugriffzahlen, die Vermarktung läuft nicht richtig, und Bildblogger bis zur Pensionierung ist nun auch nicht die tollste Zukunftserwartung. In meinen Augen nutzt es sich ab, und die “Amüsiert mich”-Haltung der Leser kam wohl auch bei einer Umfrage ziemlich gut rüber. Inwieweit das wiederum den Bildlesern und ihrem Gegeifer entspricht? Als Stefan Niggemeier in seinem Blog eine kampagne gegen Alice Schwarzer wegen der Werbung für Bild gefahren hat, gab es massenhaft frauenfeindliche Kommentare.

  • http://meonly.de/ Iris

    @Don:

    Nun ja, was die vorhandenen oder nicht vorhandenen Vermarktungschancen des Bildblog-Formats angeht, da halte ich mich raus. Blogbusiness interessiert mich nicht – solange ich mich davon nicht belästigt fühle, andernfalls bin ich weg und das betreffende Blog ist für mich gestorben.
    Was die Zugriffszahlen angeht – die Reichweite von Blogs ist vielleicht generell in DE noch sehr begrenzt. Wie viele Leute in Deinem privaten Offline-Umfeld lesen regelmäßig Blogs? In meinem, soweit ich weiß, keiner.

    Als Stefan Niggemeier in seinem Blog eine kampagne gegen Alice Schwarzer wegen der Werbung für Bild gefahren hat, gab es massenhaft frauenfeindliche Kommentare.

    Ja, und wenn er in seinem Blog Postings gegen die Politisch-Inkontinenten veröffentlicht, kommen regelmäßig massenhaft islamophobe und fremdenfeindliche Kommentare. Und? Soll er deswegen vielleicht nicht mehr über brisante Themen bloggen, die auch immer irgendwelche asozialen Krakeler anziehen? Solange er die Nerven dafür hat, den Dompteur für dieses Pack zu spielen – why not? Davon abgesehen, Stefans privates Blog ist war ja hier nicht Thema, gelle ;o)?

  • Spießer Alfons

    Lieber Patrick – Deine Eingangsfrage ist für mich so ähnlich wie: “Sollten Journalisten nicht aufhören, über Links- oder Rechtsradikale, Scientology etc. zu berichten, weil die dadurch nur noch populärer werden?”

    Ich lese BILD und ich lese BILDblog. So BILD ich mir meine Meinung.

  • http://www.fixmbr.de/sie-haben-menschenleben-auf-dem-gewissen/ Sie haben Menschenleben auf dem Gewissen | F!XMBR

    [...] Macht Bildblog ihre Bild stärker?Sehr interessanter Artikel von Patrick mit ebenso feinen Kommentaren. Ein Punkt noch dazu: Der Deutsche Konsument ist ja eher einfältig. Wenn er also den neuesten Skandal der BILD auf dem BILDblog liest, ist seine Schlussfolgerung, dass der Rest der heutigen BILD der Wahrheit entspricht. Das BILDblog selektiert dementsprechend die Wahrheit wie die BILD, unter dem Strich bleibt die Feststellung, dass sie keinen Deut besser sind – das zeigt auch die Notbremse dort, keine Kommentare zuzulassen. Die einen leben vom anderen und umgekehrt… [...]

  • http://www.zeitschrift-humanwirtschaft.de Andreas Bangemann

    Zusatzfragen:
    In wie weit prägt, gestaltet oder verändert die Berichterstattung von Geschehenem die Zukunft der Gesellschaft?
    Ist nicht letztlich die Aufmachung der Berichte das eigentlich Verwerfliche, weil mit und durch sie die Zukunft konditioniert, Wertvorstellungen geprägt werden (sollen)?
    Wäre nicht eine Berichterstattung mit einer nach mehr Neutralität und umfassender Sichtweise strebenden Intention und gleichzeitiger Analyse der Ursachen und Aufzeigen von Möglichkeiten für die Zukunft ein anzustrebender Journalismus?
    Was ist beispielsweise links- oder rechtsradikal? Ist ein Bericht noch das Papier wert, auf dem er geschrieben wurde, wenn ein Mensch sich gegen Neoliberalismus und Globalisierung auf eine Demo begibt und dafür das Etikett “Linksradikal” verpasst bekommt?
    Niemand kann am selbst denken gehindert werden, scheinbar sind dahingehende Versuche aber mit zunehmendem Erfolg gekrönt, auf perfideste Art und Weise.

  • http://brainblogger.de Patrick Breitenbach

    @Spießer Alfons: Provokante Frage in der Tat gut verstanden, ja! Wohl denn, immer schön weiter die meinung von anderen BILDen lassen, statt selbst nachzudenken.

  • http://brainblogger.de Patrick Breitenbach

    @Spießer Alfons: Lesen und darüber reflektieren: http://de.wikipedia.org/wiki/Werther-Effekt

  • Spießer Alfons

    @ Patrick

    Verstehe ich zwar nicht, aber ich bin ja auch nur durchschnittlich geBILDet. Und wenn ich mich informieren will, dann lese ich nicht nur die Medien und Kommentare, die auf meiner Wellenlänge liegen, sondern schaue über den Tellerrand hinaus – auch wenn ich mich dabei immer wieder ärgere. Und dann schreibe ich auch mal einen BILD-Artikel um, wie hier: http://off-the-record.de/2008/06/14/spiesser-alfons-ein-verlierer-der-in-wahrheit-ein-gewinner-ist/#comments

  • http://brainblogger.de Patrick Breitenbach

    Super. Und dazu auch noch so themenrelevant. :-P

  • Herr Jott

    Dass Bild widerlich ist, weiß man, aber wie widerlich es ist, schaue ich mir immer mal wieder gerne an. Es hilft, sich in der Welt zurecht zu finden, und man hat auch immer schön ein aktuelles Beispiel für eine Antwort parat, wenn man hört, dass Springer und Bild so schlimm ja doch nicht sind. Sind sie aber. Deshalb hier nochmal schönen Dank an die Bildblogger (auch wenn die manchmal tatsächlich ein bisschen besessen scheinen).

  • Spießer Alfons

    Ach so, ich konnte natürlich nicht ahnen, dass es dabei nur um Themen geht, die für DICH relevant sind. Na, wie gesagt, ich bin eben nur ein Spießer ;) Und weißt Du, welches Thema im Augenblick noch relevanter ist…?

    Dass wir den EM-Pokal gewinnen! Und ob wir das geschafft haben, werde ich dann morgen aus BILD erfahren. Und wenn ich denen nicht abnehme, dass die Spanier gewonnen haben, dann gucke ich einfach nach auf BILDblog.de – dort wird’s dann ja richtig gestellt werden. Womit Du mal wieder sehen kannst, dass ein Spießer beides benötigt: BILD&BILDblog ;)

  • http://brainblogger.de Patrick Breitenbach

    Stimmt. Du, ich hatte auch ganz vergessen, dass es mein Blog ist und manche Leser hier gerne in den Beiträgen nahe an der Relevanz diskutieren und mit lustigen umgeschriebenen Bildzeitungskolumnen wahrscheinlich jetzt weniger anfangen können. Auch wenn da das Wort “Bild” drin versteckt ist. Ach ja, vergessen habe ich auch, dass heute Sonntag ist und wieder die Sendung mit der Maus läuft…

  • http://www.leere-signifikanten.net/2008/06/29/links-for-2008-06-29/ links for 2008-06-29 | Leere Signifikanten

    [...] Macht Bildblog ihre Bild stärker? Wieso ist man so fixiert auf die größte deutsche Boulevardzeitung? Wieso macht man bei der Ökonomie der Aufmerksamkeit noch leidenschaftlich mit bzw. sieht man es ganz anders? Brainblogger über die Leser des Bildblog (tags: bild fragen aufmerksamkeitsökomie) [...]

  • Spießer Alfons

    Mönsch, Patrick – die Sendung mit der Maus – hätte ich glatt vergessen! Vielen Dank für den Hinweis! Ich beschäftige mich geistig immer wieder gern mit Themen, die den Großteil unserer Bevölkerung beschäftigen und für Dich nicht relevant sind. (Gut für Dich, dass Du nicht kreativ in der Werbung arbeitest, sonst könntest Du Dir den geistigen Luxus Deiner Einstellung zu uns Proletariern und BILD-Lesern gar nicht erlauben! ;) )

    So, nun lasse ich Dich in Frieden in DEINEM Blog. Da kannst Du jetzt Nietzsche zitieren. Und – wenn Dir das zu niedrig ist – Dich selbst.

    Viel Erfolg noch in Deinem weiteren Leben!

  • http://www.brainblogger.de Patrick Breitenbach

    Öch nöö, das Selbstzitieren überlasse ich dann doch gerne dir. Siehe oben.

    Gut für Dich, dass Du nicht kreativ in der Werbung arbeitest

    Oh, da haben wir ja doch noch tatsächlich was gemeinsam. Auch dir weiterhin viel Erfolg beim Kolumnenschreiben.

  • http://pseudopost.org/ Fabian Neumann

    Ja, Fritz, äh, Alfons, schön, wenn man nicht pseudo-kreativ den müffelnden Mainstreamsumpf bedienen muss, du sagst es.

  • http://www.fixmbr.de Chris

    Spießer Alfons ist halt ein typischer BILD-Leser, ja mei…

    Lass Dich nicht ärgern, Patrick. ;-)

    Oben im Pingback steht es bereits – BILDblog und BILD ist ein und dieselbe Suppe. Besonders anschaulich kann man das bei BILDblog-Macher Stefan N. sehen. Wie oft wird darauf hingewiesen, dass man die BILD-Pressestelle angeschrieben hat? Wie oft zitiert er genüßlich (auf seiner privaten Homepage) aus Mails von WELT-Redakteuren, von anderen Kollegen? Wie oft weist er spitzbübisch darauf hin, dass er keine Antwort erhalten hat? Wie oft wirft er diese Menschen in BILD-Manier seiner Meute, seinen Kommentatoren zum Fraß vor? Fast täglich.

    Wie oft hat er genau dieses Verhalten, welches er Tag für Tag anprangert, im Fall adical, Yahoo und Cisco selbst gezeigt? Seit über einem verfluchten Jahr! Stefan N. aus Berlin ist keinen Deut besser wie Kai. D. aus Hamburg. Der Unterschied ist freilich, der eine hat größere Macht, als der andere – das Verhalten jedoch gleicht einem Team beim Synchronschwimmen.

  • http://brainblogger.de Patrick Breitenbach

    @Chris: Wieso ärgern? Man erfährt doch viele tolle Dinge zwischen den Zeilen. ;-)

    Ich kenne mich zu wenig mit dem Wirken der von dir beschriebenen Person aus, aber ich glaube dass man als “Feinde” meist sehr viele Schnittpunkte teilt, so dass ein leidenschaftlicher Kampf (die von oben zitierte “Besessenheit”) erst dadurch zustande kommen kann.

    Meist haben Machtkämpfe auch nur eine einzige Intention: Mehr Macht gewinnen.

  • http://meonly.de/ Iris

    @Patrick:

    Meist haben Machtkämpfe auch nur eine einzige Intention: Mehr Macht gewinnen.

    Blogger-Wadenbeißen hat meinen Erfahrungen nach oft auch nur eine Intention: Mehr Aufmerksamkeit gewinnen.
    Und Blogger-Anschleimen hat oft auch nur eine Intention: Verbündete zu gewinnen für den Kampf gegen die selbstgewählten Blogger-Feinde.

    Außerdem ist mir vorhin ein Wort eingefallen: Aufmerksamkeitsneid. Ist das neu oder schon gebräuchlich?

    Was das alles mit Deinem Eingangsposting oben zu tun hat? Nichts. Aber das ist ja in diesem Kommentarstrang schon seit ‘ner Weile nicht mehr von Bedeutung, oder?

  • http://medienlese.com/2008/06/30/6-vor-9-479/ medienlese.com » Blog Archiv » 6 vor 9

    [...] Macht Bildblog ihre Bild stärker? (brainblogger.de, Patrick Breitenbach) “Es gibt ja vereinzelnd spöttische Zungen, die behaupten, dass ‘Bildblog lesen’ im Grunde nichts anderes ist, als die Bildzeitung mit einem reinem Gewissen zu konsumieren.” [...]

  • Florian Steglich

    Deine Fragen zur Motivation der Bildblogger sind ja eigentlich längst beantwortet. Bleibt also: Macht das Bildblog die Bild stärker? Gut möglich, wenn es um ein paar mehr Page Impressions auf bild.de geht; auf keinen Fall, wenn es um das Image des Blattes geht. Und deswegen wäre es auch völlig egal, wenn das Bildblog bild.de oder gar der gedruckten Ausgabe spürbar Leser zuführen sollte – die (Archiv-)Funktion, immer und immer wieder klar zu machen, wie unjournalistisch dort gearbeitet wird, von den Kinkerlitzchen bis zu den Kampagnen zum Kotzen – würde es aufwiegen. Es ist unter anderem die Hoffnung darauf, dass auch jene Politiker und anderen Schwächlinge, die ohne Skrupel die Bild mit Kolumnen, Gastbeiträgen, Werbung unterstützen, angesichts der massenhaft dokumentierten Verfehlungen irgendwann mal reagieren. Also: Ja, das Bildblog verschafft der Bild eine gewisse Aufmerksamkeit – na und?

    Ach, und Chris: Abgesehen davon, dass ich Deine Meinung über Stefan Niggemeier und sein Publikum in beiden Blogs sowieso nicht teile – findest Du wirklich, es sei kein Unterschied, ob man Profis im Mediengeschäft vorführt oder Witwen schüttelt, Opfer zu Tätern erklärt, Menschen unanonymisiert an einen Millionenpranger stellt? Was für ein zynischer Vergleich.

  • http://www.martina-kausch.de Martina

    Oh mein Gott, was für eine Diskussion!

    Wer sich bis heute weder von Günter Wallraff das Buch “Der Aufmacher” bzw. den Fassbenderfilm: “Die verlorene Ehre der Katharina Blum” (für die Nichtwissenden: von Heinrich Böll geschrieben) zu Gemüte geführt hat, dann aber noch glaubt, dass alles weitere, was der BB in der B nicht kritisiert, der Wahrheit entspricht, stellt sich auch bestimmt noch abends vorm Einschlafen einen kleinen Hocker neben’s Bett, damit der Sandmann mal Platz nehmen kann.

    Auch wenn ich manche Vorgehensweise von Stefan N. für manchmal recht “eigenartig” halte, nehme ich ihm gerne die eine oder andere Kampfeslust ab.

    Den BB hingegen lese ich nicht, da es sich hierbei um oftmals “zugesandte” Hinweise handelt, sie aber Werbung bei sich plaziert haben… also nix anderes als das altbewährte AAL-Prinzip, das sogar akzeptiert wird. Und sowas mag ich nicht… aber das ist allein meine Entscheidung.. ;)

  • http://www.flausenkopf.net Flausenkopf

    Missgunst ist die höchste Anerkennung. Jede Marke wünscht sich nichts mehr als eine Anti-Bewegung.
    NATÜRLICH MACHT DER BILD Blog der Marke Bild stärker.
    Das erzeugen von Gesprächsstoff ist das höchste Gut einer Marke. Der BildBlog erweitert in diesem Zusammenhang einfach nur die Zielgruppe. Das ist nicht mehr als Content- Wiederverwertung
    Der BildBlog könnte von der BILD inszeniert sein und ich würde mich nicht wundern.

  • http://blindtextblog.blogspot.com/ ramses101

    Bildblog würde die Marke Bild stärken, wenn die Marke Bild souveräner wäre. Bei Nörglern und Benörgelten ist es immer eine Frage der gesellschaftlichen Flughöhe. Stünde Bild auf dem gesellschaftlichen Niveau der „Zeit“, würden die Nörgler wahrscheinlich jeden Tag gelesen werden, um aber ihrerseits Schmunzler ob ihrer Nörgelei erzeugen würden. Das stärkt eine Marke in der Tat (und die „Zeit“ hat das btw. längst erkannt und selbst ein Meckerblog gestartet).

    Nörgler sind immer zunächst mal unsympathisch – es sei denn, sie treffen auf jemanden, der unsympathischer ist. Dann werden aus Nörglern Kritiker. Und berechtigte, nachgewiesene und vor allem unkommentierte Kritik stärkt die Marke Bild nicht im Ansatz. Bild könnte das natürlich ändern. Zum Beispiel mit einer Kolumne in der jeden Tag mit viel Pathos erklärt würde, warum Bild Persönlichkeitsrechte von vermeintlichen Mördern, Schlägern etc verletzt.

    Die Bild-Zielgruppe würde doch genüsslich grunzen und sagen „Jawoll! Lasst Euch von denen da oben nix erzählen!“ Das würde eine noch stärkere Bindung ans Blatt erzeugen. Aber die schiere Existenz des Bildblogs? Never ever. Und das die Klicks von Bildblog irgendwie relevant für Bild.de wären, glaub ich auch nicht. Und selbst wenn: Seit wann sind gesteigerte Klickraten denn Stärkung der Marke?

  • http://blindtextblog.blogspot.com/ ramses101

    die aber ihrerseits …

  • http://www.flausenkopf.net Flausenkopf

    ich glaube hiermit ist alles gesagt: sowas steht unter bildblog artikeln:

    Zitat: “Mit Dank an Lennart S., Ben und an Sascha – auch für den selbstlosen Kauf einer “Bild”-Zeitung und das Fotografieren derselben.”

  • http://blindtextblog.blogspot.com/ ramses101

    Vielleicht versteh ich Dich jetzt falsch, aber ich lese daraus, dass Du aus aus Bildblog-generierten Abverkäufen auf eine Stärkung der Marke schließt. Was aber Käse wäre, denn ein McDonalds-Kritiker stärkt doch auch nicht die Marke, wenn er den Burger erst kauft, bevor er ihn auf Fett und Salz untersucht.

  • http://brainblogger.de Patrick Breitenbach

    Ok. Jetzt wird es haarspaltig. Die Marke ist nicht nur “Image”, wobei dasselbige schon immer polar, provokant und eigentlich recht mies war -jedenfalls nach Wallraff. Dadurch nährt sich allerdings auch die Marke, durch diese Polarität, die genügend Gesprächsstoff liefert, dass sich sowohl genug Fans, wie auch Gegner das Produkt kaufen. Ich glaube kaum, dass McDonalds-Kritiker täglich aufs neue in Heerscharen die Burger kaufen um sie auf Salz- und Fettgehaöt hin zu untersuchen, bei Bild sieht das schon etwas anders aus.

  • http://blindtextblog.blogspot.com/ ramses101

    Gut, vergiss das McBeispiel. Aber die Nummer mit den steigenden Abverkäufen durch Kritiker = Stärkung der Marke bleibt in meinen Augen falsch. BILD ist ja eine starke Marke – trotz seit Jahren sinkender Auflage. Das ist ja der Witz bei einer starken Marke: Das sie so etwas abkann. Aber verstärkt das Bildblog tatsächlich die Fähigkeit, Verkaufszahlen gegenüber verhältnismäßig immun zu sein? Glaub ich nicht.

    (Allerdings glaub ich auch nicht, dass das Bildblog der Marke BILD in irgend einer Form schadet. Daran hat der Diekmann viel mehr Anteil.)

  • http://brainblogger.de Patrick Breitenbach

    @ramses101: Ja ich fürchte schaden sowieso nicht, ganz einfach, weil der klassische Bildleser ( siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/BILD ) mit hoher Wahrscheinlichkeit eben nicht Bildblog liest.

  • http://www.flausenkopf.net Flausenkopf

    @ramses101 eine Anti-Bewegung macht eine Marke vielseitiger und präsenter in jeglicher Form und stärkt sie somit.

    Ich würde daraufbezogen auch behaupten dass der BildBlog den Abverkauf der Bild fördert!
    Der Bild Blog schafft ein zusätzliches Motiv sich die Bild-Zeitung zu kaufen – Fehlersuche etc.

    Zudem befüllt er Google mit Keywords die unweigerlich mit der Marke BILD in Verbindung stehen. Das heißt: mehr Aufmerksamkeit für die Bild auch im Internet.
    Ein starke Marke muss nicht positiv stark sein !

  • Burny

    Es kommt immer darauf an, aus welcher Warte man das Alles betrachtet.

    Sicherlich, BildBlog generiert definitiv Page Impressions und Views bei Bild.de, mit Sicherheit gerät die Marke “Bild” hie und da noch einmal mehr in das Bewusstsein der Menschen, wenn sich Freunde, Bekannte oder Kollegen von dem letzten BildBlog-Artikel erzählen und ganz klar ist auch, dass der eine oder andere sich den direkten Vergleich anschauen möchte und zur Papier- oder Online-Ausgabe greift. Das sind zwei unbestrittene Fakten und eine ernsthaft in Betracht zu ziehende Annahme.

    Nun stellt sich aber wirklich die Frage, ob die Marke “Bild”, wenn auch öfter benannt, wirklich gestärkt oder eher zusätzlich geschwächt wird. Die abverkäufe der Print-Ausgaben der täglichen “Bild” und auch der BamS, sinken kontinuierlich, was zwei Gründe haben dürfte. Der erste und wahrscheinlich wichtigste, ist der gestiegene Kaufpreis. Wer sich die Bild schon einmal angetan hat, dürfte festgestellt haben, dass man das halbwegs interessante innerhalb von 20 Minuten herausgelesen, filtern und verarbeiten kann. Jeden Tag, 20 Minuten lesen und für die meisten Lokalausgaben 0,60 € hinzulegen wird auf Dauer ein Geldbeutel-Staubsauger, ganz von der BamS abgesehen, die noch einmal höher zu Buche schlägt. Zumal man das meiste kostenfrei im Internet nachvollziehen kann und sogar weniger “BILDlich”.

    Der zweite Grund und wie schon erwähnt weitaus geringere Teil, dürfte der auffallend schlechte Stil der Berichterstattung sein. Die Gerüchte über Bestechung, Bedrohung und Ausbeutung der “Informanten” und Artikel-Protagonisten, gepaart mit Informationsverfälschung, Verleumdungen und extrem selten abgedruckten Gegendarstellungen zeugt nicht gerade von Elite-Journalismus.

    Propaganda und Populismus, gepaart mit Unwahrheiten und nacktem Fleisch mögen für den einen oder anderen sicherlich interessant sein, tun aber ihr übriges, bei einem Publikum was, nach und nach vielleicht doch etwas erwachsener wird und lieber “ehrlichen” Journalismus und zutreffende Berichterstattungen bevorzugt; man wendet sich vom Bild-Kauf ab.

    Nun bleibt nur noch der Punkt offen, ob BildBlog wirklich die Marke “Bild” unterstützt. Ich für meinen Teil denke, dass dem nicht so ist. Eher wird ein wahres Bild der “Bild” gezeigt, nämlich jenes, das die Bild, als das darstellt was sie ist: Medien-Unrat.

  • http://www.dpetereit.de/2008/07/01/bloggen-und-das-echte-leben/ Bloggen und das echte Leben | dpetereits bloghaus

    [...] kann man sich ernsthaft die Frage stellen, ob das Bildblog die Marke Bild stärkt? Das Bildblog ist der Pickel am Hintern der Bild. Du merkst ihn nur, wenn Du Dich genau draufsetzt. [...]

  • http://blindtextblog.blogspot.com/ ramses101

    @Flausenkopf: Mit dem verstärkten Abverkauf magst Du Recht haben. Und da die Kurve dennoch sinkt, könnte man daraus abgeleitet auch tatsächlich sagen: Bildblog sorgt dafür, dass die Kurve nicht so schnell sinkt, wie Bildblog das gerne hätte. Aber macht das die Marke stärker? Ich werte Stärke übrigens nicht. Weder negativ noch positiv.

    Aber die von Burny angesprochenen Dinge: Informationsverfälschung, Verleumdungen etc. gehen eben häufig nicht zu Lasten von “denen da oben”, sondern ganz klar auf Kosten des “kleinen Mannes” dessen Anwalt BILD ja vordergründig sein will. Gut, die lesen alle Bildblog nicht. Aber es geht ja um eine Stärkung der Marke, also des Fundaments rund um den Mythos BILD.

    Und das ist nunmal: Wir sind bei euch, euer starker großer Bruder, der Missstände aufdeckt und den Großen (Unternehmen, Politikern, Schauspielern) auf die Finger schaut. Das Bildblog macht nichts anderes, als permanent zu zeigen, dass diese Fundament nicht gerade aus Stahlbeton gezimmert ist. Die Unternehmen bekommen ihre Schleichwerbung, Politiker stehen mit Journalisten in Verbindung und die Promis eh.

    Das macht BILD unglaubwürdig. Und Glaubwürdigkeit war immer das Pfund, mit dem BILD bei der Zielgruppe wuchern konnte. Selbst die sagen zwar mit einem Zwinkern, “na ja, BILD halt” und denken gleichzeitig “… aber wird schon was dran sein, wenn die das schreiben.” Wenn dieses Demaskieren in einer breiteren Öffentlichkeit stattfinden würde, wäre die Marke sogar noch präsenter – aber eben nicht in ihrer Urform, sondern mit runtergelassenen Hosen. Das kann nicht stärken.

  • http://twitter.com/Theincredible The Incredible Hagen

    Vielleicht können wir auch darauf hoffen, dass zukünftig “nur noch” die Kritiker und Bildblog-Informanten die BILD kaufen und die eigentliche Zielgruppe gar nicht mehr.
    Schade, dass es ganz so einfach eben wirklich nicht ist, wie die Diskussion ja wirklich sehr treffend zeigt.