Eine Antwort auf diesen Kommentar von John Dean.
Für mich lautet der Schlüsselsatz eben nicht
Was wir auch tun: es wirft immer ein Licht auf das, was wir anstreben.
(auch wenn ich deine Sichtweise nachvollziehen kann), sondern
Was wir auch anstreben, es wirft immer ein Licht auf das was wir tun werden.
Wer beispielsweise Sicherheit als höchstes Streben sieht, wird sich Überwachung natürlich “herbeiwünschen”. Wer Freiheit als höchstes Streben sieht, wird mit Überwachung dagegen ein immenses Problem haben.
Wichtig ist zunächst einmal, dass wir erkennen wonach wir und andere Menschen streben. Erst dann kann man sich darüber austauschen und gegebenfalls Alternativen entwickeln, die eine überschneidende Interessensverfolgung (Streben) auflöst. Denn nie vergessen:
Auch die Bösen haben vor den Guten haben vor den Bösen Angst.
Der einzige Weg zu umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen kann nur von innen heraus erfolgen. Erst wenn ich versuche ein tiefes Verständnis für alles und jetzt zu entwickeln (dazu bedarf es keiner Wissenschaft oder gar großen geistigen Anstrengung, das absolute Gegenteil ist der Fall), schaff ich es den ewigen Leidenskreis zu durchbrechen.
Wenn man materiell und gesellschaftlich die große Chance dazu hat, dann sollte man es wenigstens mal probieren. Wir haben diese Möglichkeit. Wir leben trotz drohender Schäublisierung noch sehr frei und sicher. Was fangen wir an mit dieser Freiheit?
Wenn wir lernen, dass Sicherheit niemals durch einen Staat verwirklicht werden kann, sondern nur durch unsere eigene Geisteshaltung, dann werden Kameras überflüssig (egal ob vorhanden oder nicht). Dann werden im Grunde genommen diese ganzen Machtverschiebungen und -asymmetrien überflüssig. Wenn wir lernen, dass wir nicht 24 Stunden von Krieg, Terror und Hass umgeben sind, sondern von etlichen schönen Dingen im Jetzt und Hier, dann erscheinen uns Diskussionen über eine Überwachung des Jetzt und Hier als geradezu trivial.
Wenn wir endlich begreifen, dass materielle Armut nicht nur Leiden, sondern oft auch als Befreiung empfunden werden kann (Mönche etc.), sie kein auswegloser Zustand ist, wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen, ohne dass wir ihn anderen aufdrängen, wenn wir lernen, dass wir alle irgendwie zusammengehören und das Universum viel zu groß und wundervoll ist um sich ständig auf einem Winzlingsplaneten auf den Keks zu gehen, dann wird die Welt nicht unbedingt “besser”, aber sie wird sicherlich ganz anders sein als sie jetzt ist.
In “Angstfreiheit” steckt eben “Freiheit” und nicht “Begrenzung”. Grenzen sind reine Gedankenkonstrukte. Symbole. Erschaffen von uns Menschen. Sowohl die gedanklichen, wie die materiellen. Die Grenzen setzen wir uns ganz allein. Nicht andere Menschen setzen uns Grenzen – nein – wir akzeptieren höchstens die fremde Grenzsetzung. Wir akzeptieren Kameraüberwachung aus Angst vor imaginärem Terror, aus Angst vor vergangenen Dingen, aus Angst vor Fernsehbildern. Was in der Zukunft liegt, ist vielen völlig egal. Wir reagieren nur, statt zu agieren. Wir setzen Grenzen immer aus der Vergangenheit heraus, die Gegenwart und die Zukunft indes sind völlig frei. Grenzenlos. Neuland. Doch wir verharren in den engen Grenzen von Gestern, in den Ideologien von Gestern, in den Konflikten und Kriegen von Gestern.
Schaffen wir also neue enge Grenzen, so verschieben wir nur und die Versuchung für die plötzlich “Begrenzten” wird groß sein, sich davon wieder zu befreien. And round and round it goes.
Sich selbst von Begrenzungen zu befreien, ohne dabei andere einzugrenzen, scheint ein gutes Konzept für unser aller Zukunft zu sein, meine ich jedenfalls …


