Jun 24, 2008
Back in Black: McCains Lobbyisten
Das liebe ich an Spiegel Online, keine weiterführenden Links, Texte, die einen Kontextgehalt gen Null besitzen und somit eine aus dem Kontext gerissene Bemerkung eines Präsidentschaftskandidatenberaters zu einem Riesenskandal mit hochstilisiert.
Es geht um Charlie Black, einem engen Berater von Republikaner und Präsidentschaftskandidat John McCain, der gegenüber dem Fortune Magazine konstatierte, dass ein weiterer möglicher Terroranschlag in den USA Vorteile im Wahlkampf für den alten Haudegen John McCain bringen würde.
Natürlich hat er damit absolut recht, er darf es natürlich nur nicht so laut äußern. Black hat nämlich nicht gesagt, er wünsche sich für seinen Kandidaten einen solchen Anschlag, obwohl die Medien genau diese Haltung implizieren.
Dabei ließe sich der Berater McCains sehr viel leichter ins Zwielicht setzen, aber das scheint vielen Journalisten einfach zu heikel und mühsam zu sein, außerdem vergrault man sich damit wertvolle Werbekunden. Charlie Black war einer der mächtigen und skrupellosen Lobbyisten, die auf der ganzen Welt mit Diktatoren und Massenmördern im Auftrag des jeweiligen Konzerns zusammengearbeitet haben. Die Vergangenheit und die immer wiederkehrenden Versprechen McCains, er mache dem Lobbyismus endlich den Garaus, er aber parallel einige Ex-Lobbyisten als Berater ins Boot holt, würden mich als freidenkenden Wähler wohl eher stutzig machen, als die von Black getätigte Aussage zu einem möglichen Terroranschlag, die zudem sogar noch rein wahlkampftaktisch stimmen würde.
Wir sehen also: Verbrechen im Ausland im Namen amerikanischer Unternehmen ist nichts im Vergleich zur schwammigen Tabu-Marke und Angstsymbol Nummer 1: “Terror”.





Ich glaub nicht, daß es so schwarz / weiss ist. Medien reagieren zuerst immer auf potenzielle Massenthemen. Es ist doch eher so, daß Menschen auf Terror schneller reagieren, als auf Machenschaften von Unternehmen im Interesse des Profits. Die Medien sind nur ein Spiegel. Auf die Gesichter hinter dem Spiegel kommt es an. Die Frage ist also, warum skrupelloser Lobbyismus kaum jemanden interessiert?
Medien sind aber nicht nur reagierende Instanzen und somit reflektierende Oberflächen, sie können (und sollen) auch auf Themen hinweisen und sensibilisieren, die nicht unmittelbar im Massenfokus stehen. Sonst hat man irgendwann eine permanente Wiederkäuung (haben wir ja großteils).
Medien sind zudem nicht nur abhängig von Massenthemen sondern auch von Werbegeldern, so viel dürfte sicher sein oder?
Menschen reagieren natürlich auf einen konstruierten Terror sehr viel schneller, weil sie davon unmittelbar bedroht werden. Wieso sollten sie sich von 3. Welt Diktatoren bedroht fühlen (solange sie nicht den Terror über die eigene Grenze tragen)? Daher interessiert es sie auch nicht, bzw. andere Themen wirken scheinbar einfach existenzieller.
@KMTO ist meiner Meinung nicht richtig: Die Gesellschaft ist der Spiegel der Medien !
Würde Terror nicht in der Form wie derzeit propagiert, dann wäre vielleicht geistig mehr Platz für andere Themen.
Angst verkauft sich einfach mit am Besten. Da landet man dann in einem Teufelskreis.
Aber es gibt sicherlich aktivere Medien und passivere Meiden, die einen reagieren auf die Gesellschaft die anderen verändern sie.