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Die große Kampagne gegen Adblocker, also Menschen, die Werbung auf Onlinepublikationen per Software automatisch ausblenden weil es sie schlichtweg nervt, war am Ende wohl eher eine Kampagne für das Ausblenden von Werbung, weil es mehr oder weniger dezent einem breitem Publikum vermittelt hat, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Jetzt kann man sich darüber lustig machen, oder sich über die Verlage und generell über Werbung echauffieren, man kann aber auch mal versuchen zu verstehen, was da gerade im Umbruch ist und warum sich in letzter Zeit immer wieder solches Verhalten der Verzweiflung anhäufen. Um das zu verstehen muss man zunächst einmal verstehen was das Internet da kulturell eigentlich auf den Kopf gestellt hat.
Es gibt im Grunde genommen nur eine wichtige erschütternde Erkenntnis, die wir unseren Studierenden im Modul “New Media Culture” grundsätzlich immer wieder vermitteln möchten: Die Ära des „Broadcastings“ mit all ihren Randerscheinungen und Refinanzierungsmodellen wird derzeit Zug um Zug abgelöst von der Ära des “Broadcirclings“. Hää? Was? Wie bitte? Also noch mal ganz langsam zum mitschreiben:
Das Konzept „Broadcasting“ sieht vor, dass einige wenige Menschen gezielt sehr viele Menschen über eine überschaubare Anzahl von Informationsträgern mit festem Sendezeitenschema erreichen. Die Tagesschau kommt täglich um 20:00 Uhr und erreicht mit einem Sprecher, einigen Redakteuren und einer begrenzten Zahl von Meldungen ein Millionenpublikum. Wem der englische Begriff Broadcasting zu englisch ist, der darf auch gerne „Rundfunk“ und/oder „Presse“ verwenden. Den Begriff „Massenmedium“ lasse ich an der Stelle bewusst aus, denn das Internet ist ohne Zweifel auch ein Massenmedium, nur ist dessen grundsätzliches Konzept zur Verbreitung von Informationen ein ganz anderes. Rundfunk und Presse sind schematisch skizzierbar mit der berühmten hierarchischen Pyramide. Ganz oben ist es schmal und spitz und unten wird es sehr breit. Informationen werden vornehmlich von oben nach unten gesendet (Top-Down), dabei gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Rücklaufkanälen (Feedback).
Ganz anders hingegen das Schema des Internets. Man kann es sich, spätestens nach Gunter Duecks Vortrag auf der re:publica 2013, als einen verwobenen Ball vorstellen. Einzelne Knoten, die jeweils mit anderen Knoten verknüpft oder verdrahtet sind. Jeder Knoten ist theoretisch gleich wichtig, sofern er mit mindestens einem anderen Knoten und damit dem gesamten Netzwerk aus Knoten verbunden ist. Das Thema “Netzwerk” will ich an der Stelle nicht weiter vertiefen, denn natürlich gibt es große und kleine Knoten, die auch unterschiedlichen Einfluss auf die Informationsverteilung haben.
Dieses netzwerkartige Gebilde führt dazu, dass eine Geschichte keinen bestimmten Sendeplatz mehr benötigt um sich im Publikum zu verteilen. Die Zugangsvoraussetzung um eine Geschichte in der Masse zu verteilen hat sich drastisch verändert. Man kann mit wenigen Mitteln theoretisch sehr schnell, sehr viele Menschen erreichen. Manchmal ist die Masse aber auch gar nicht so wichtig, dann reicht es oftmals eine Nachricht in der entsprechenden Nische zirkulieren zu lassen.
Gleichzeitig hat sich mit der neuen Möglichkeit der Verbreitung von Informationen auch die Technologie zur Erstellung Informationen drastisch entwickelt. Es gibt mittlerweile günstige und echt mächtige Digitalkameras, Smartphones und jede Menge Dienste, die einzig und allein darauf ausgelegt sind Inhalte zu produzieren, zu optimieren und bereitzustellen. Das alles sind also zahlreiche Publikationsmaschinen oder -werkzeuge, die zugleich eine größere Anzahl von Menschen dazu befähigen selbst sehr schnell zum Publizisten zu werden. Der Ich-Verlag. Der Ich-Sender. Das Ich-Radio.
Sehr deutlich sieht man das derzeit anhand der aufkeimenden Youtube-Kultur. Teens und Twens experimentieren mit Video, ganz ohne aufwendige Rundfunktechnologie, oftmals einfach mit dem Handy oder der Webcam. Ihre Einschaltquoten, man nennt es Klickrate, lassen so manche aufwendig produzierten TV-Sendungen mittlerweile echt blass aussehen und liegen zum Teil in Deutschland im zweistelligen Millionenbereich. Das kulturelle Resultat aus der neuen Technologie, plus den neuen Verbreitungsmechanismen nenne ich in diesem Beitrag ab sofort „Mitmachkultur“. In den USA findet der Begriff „Participatory Culture“ (so auch der Name einer Unterrichtseinheit hier an der Karlshochschule) von Henry Jenkins und seinen Kollegen am MIT entsprechende Verwendung. Die Werke von Jenkins und Kollegen stehe daher auch ganz oben auf der Literaturliste unseres Moduls.
Das interessante für mich: Der Eintritt zur “Mitmachkultur”, dem Akt des Publizierens, beginnt schon extrem früh bzw. sehr niederschwellig, nämlich bereits bei jedem getätigten “Like“, “Retweet” oder “Share“, also der öffentlichen Kennzeichnung von Inhalten. In dem Moment, in dem ich etwas „like“, signalisiere ich zugleich den Menschen in meinem Netzwerk: “Seht her, das habe ich gelesen“. In diesem Moment werde ich selbst zum Publizist – zugegeben auf ganz niedrigem Niveau, aber dennoch wirkmächtig genug um das alte Broadcasting-Prinzip dauerhaft und breit auf den Kopf zu stellen.
Nehmen wir beispielsweise den Journalismus und das Twitter-Netzwerk. Die Jagd nach dem großen Scoop, der Sondermeldung, die man als journalistisches Format als erster bringen will, ist auf Twitter schier unmöglich geworden. Früher waren die Journalisten als erste Berichterstatter am Ort des Geschehens und haben Zeugen und beteiligte Behörden befragt, heute publizieren die Zeugen und Behörden selbst, ein Novum, das zahlreiche Journalisten mittlerweile beschäftigt. Die „Breaking News“ verbreitet sich heute im Netzwerk völlig unkontrolliert am Journalismus vorbei. Denn dieser muss ja aus dem eigenen Selbtsverständnis heraus Meldungen aufgreifen, genau checken und sehr viel später erst verifiziert veröffentlichen, während die Meldung an sich bereits zig mal über Twitter und Co weiterverbreitet wurde. Das geht meines Erachtens zum Teil so weit, dass Journalisten so sehr unter Druck geraten, dass sie Meldungen ohne Faktencheck veröffentlichen, so dass die Zirkulierung noch maßgeblich verstärkt wird. Bei den Anschlägen von Boston konnten wir sehen welche Auswirkungen das zum Teil hatte. Anhand der „Breaking News“ kann man übrigens sehr schön den Unterschied zwischen neuer „Zirkulierung“ und alter „Sendung“ von Nachrichten erkennen.
Die neue Mitmachkultur lässt Informationen also zirkulieren, während die journalistische Zunft immer noch versucht Nachrichten zu senden. Das ist eine interessante Anomalie, die eine Gesellschaft, welche sich maßgeblich aus Kommunikation zusammensetzt, ordentlich durchschüttelt. Im Epizentrum des Bebens stehen also die Broadcasting-Medien, die bisherigen Gatekeeper und Wirklichkeitskonstrukteure einer Gesellschaft unter Schock. Neben dem Verlust von Deutungshoheit (aka Macht) hat die Mitmachkultur natürlich gleichzeitig auch Auswirkung auf ihr bisheriges Geschäftsmodell.
Blicken wir nun also auf die Ökonomie der Medien und der interessanten und zugleich ermüdend wirkenden Frage, wie sich Medien und deren Akteure refinanzieren. Werbung oder “Paid Content”? Entweder oder? Ich meine, wie so oft, wohl eher ein “sowohl als auch” – oder gar was völlig anderes? Schauen wir doch mal auf die möglichen Szenarien und Entwicklungen:
1. Werbefinanzierte Medien
Neben der Mitmachkultur erlebte die Broadcasting Ära eine weitere Erschütterung, die scheinbare absolute Messbarkeit von Reichweite. Bei Rundfunk und Presse wurde und wird Reichweite bisher interpoliert berechnet. Einschaltquoten werden hochgerechnet, als Datenbasis dienen eine überschaubare Anzahl von Messfernsehgeräten in verschiedenen Haushalten. Im Printbereich rechnet man normalerweise in Auflagen, also wieviele Zeitungen durch die Druckerpresse gejagt werden. Sowohl Rundfunk wie auch Presse (öffentlich-rechtliche Sendeanstalten ausgenommen) werden durch Werbung refinanziert, d.h. man bietet Unternehmen einen Sendeplatz an, entweder eine ausgewiesene Fläche auf dem Papier oder eine bestimmte Uhrzeit im Fernsehprogramm.
Das schöne an dem alten Modell war nicht nur die tolle Überschau- und Planbarkeit, sondern vor allem auch die unscharfe Auswertung der Werbereichweite. Das hat sich seit dem Internet und den messbaren Interaktionen radikal geändert. Bei Zeitungen nimmt man an, dass eine ganzseitige Anzeige bei einer Auflage von 1 Mio so und so oft gelesen wird, also zahlt der Werbekunde regelmäßig dafür den interpolierten Preis XYZ. Da steckt unheimlich viel Fantasie drin und damit auch jede Menge Luft nach oben und unten. Doch die neuen messbaren Onlinemedien sind gnadenlos kalt und berechenbar (“Big Data” ist da das neue Angstwort), so macht es jedenfalls den Anschein. Jeder Klick ist messbar, jede Konversion – also die Wandlung vom Klick- zum Kaufkunden – ist identifizierbar. Das führt mitunter zu ernüchternden Erkenntnissen und noch viel ernüchternden Ein- und Ausgaben der Werbekunden. Ich sage bewusst “vermeintliche Messbarkeit”, weil Markenkommunikation, also abseits der Abverkaufsbanner, natürlich auch weiterhin schwer messbar seinw ird, schließlich können wir noch nicht in unsere Köpfe schauen.
Langer Rede kurzer Sinn, die genaueren Zahlen bescheren den Publikationen insgesamt im Vergleich zur interpolierten Ära weniger Einnahmen, die Qualität der Publikationen orientiert sich dadurch zunehmend an der Quantität der Klicks, was zu noch mehr Klickstrecken und Promigeschichten führt (wobei Publikationen wie Spiegel Online klare Mischkalkulationen fahren, also ein Teil Klickgeschäft, ein Teil „Reichweite ist uns egal Inhalte“). Gleichzeitig müssen die Werbeformen zwangsläufig aggressiver werden, denn sie kämpfen um noch reduzierte Aufmerksamkeit. So nehmen Pop-Ups, Flash-Layer und alles was beim Lesen stört und unterbricht und einem entgegenbrüllt „BITTE KLICK MICH UND WENN AUCH NUR AUS VERSEHEN“ bei sinkenden Klickraten natürlich entsprechend zu. Das wiederum steigert die Reaktanz der Leser auf diese Art der Werbung, so entsteht wiederum ein Markt für „Werbeblocker“, kleine Programme die diese Nervigkeiten wunderbar ausblenden, was wiederum dazu führt, dass die Werbekunden bei den Publikationen anklopfen und ihr Geld zurückverlangen und so weiter und so weiter. Man sieht das Modell „Werbefinanzierung“ hat echt Zukunft im Netz der zirkulierenden Botschaften. Nicht.
2. Advertorials und Corporate Publishing
Ein weiteres Resultat aus der oben beschriebenen Reaktanz von klassischen Werbeformen ist die Entstehung neuer Formen der Kundenbeeinflussung. Die „Public Relation“ ist zum Beispiel auch aus dem Gedanken entstanden Menschen zu beinflussen, ohne sie mit nervigen Werbeanzeigen zuzuballern. Die Public Relation ist also ein Meister der verschleierten Werbung, auch wenn ihre Akteure das so nie schreiben würden, sie formulieren das wesentlich eloquenter als ich zum Beispiel mit „Aufklärungsarbeit“ oder „Kommunikative Vermittlungsarbeit zwischen Auftraggeber und der Öffentlichkeit“. Lange Jahre war also das Ziel der “Public Relation” eine Beziehung mit der Öffentlichkeit aufzubauen, meist über Bande durch die Beziehung zu Journalisten. Dort wurden dann Geschichten inszeniert und platziert.
Was nun durch die Reaktanz von Werbung, der Zirkulation von Informationen im Netz zugenommen hat sind zwei mit der PR verknüpfte Phänomene: 1. Publikationen bieten ihren Werbekunden nun ganz neue Plätze an. Bisher waren Inhalte und Werbung streng voneinander sichtbar getrennt. Nun eröffnen sich plötzlich Möglichkeiten “Advertorials” (gekaufte Artikel) zu buchen oder gar ganze Rubriken zu bespielen. Die Washington Post schafft einen Präzedenzfall in der Geschichte des Journalismus, indem sie Unternehmen anbietet selbst Inhalte innerhalb ihres journalistischen Gerüstes zu veröffentlichen. Der Trend nennt sich “Native Advertising” und ist vor allem bei neuen Medien-Plattformen wie BuzzFeed.com stark im Kommen.
Das alles ist nicht nur eine logische Reaktion auf die sinkenden Einnahmen und die Reaktanz der Werbung, das ist auch eine weitere Gegenreaktion auf den weiteren neuen Trend des „Corporate Publishings“, also das Konzept bei dem sich Unternehmen ihre eigenen Publikationen selbst erschaffen. Red Bull oder Coca Cola sind wohl die prominenteren Beispiele, aber auch die Versuche mit “Corporate Blogs” oder einfach nur bespielten Facebook-Pages beim Kunden zu landen, fallen für mich bereits in den Bereich des „Corporate Publishings“. Wenn diese Unternehmen dann noch über Themen außerhalb ihres Produktradius schreiben, wird es brenzlig für die journalistischen Formate, allen voran in den soweiso klickgetriebenen und werbeüberfinanzierten Themenfeldern wie Lifestyle, Gossip, Technologie oder Sport.
„Corporate Publishing“ ist eine echte Bedrohung für etablierte Medienmarken, daher beißen sie in Zukunft lieber in den sauren Apfel und lassen die Inhalte von Unternehmen in Zukunft lieber direkt auf ihrem eigenen Kanal stattfinden. Was das für die Qualität und die Rolle des jeweiligen Mediumformates in Zukunft bedeutet, muss sich nun jeder selbst ausmalen. Deutlich erkennbar scheint jedoch die Verwischung der publizistischen Grenzen zu sein. Es gibt nicht mehr “den Journalismus” und “die Unternehmenskommunikation” Nicht mehr “die Anzeige” und “den journalistischen Artikel”. Ob das nun angenehmer als aufdringliche Werbung ist muss nun auch jeder für sich entscheiden.
3. Paywall vs. Paywill
Eine Bobachtung muss man ebenfalls deutlich bennen: Die Zahlungsbereitschaft für Inhalte nimmt signifikant zu. Die vielbeschworene Kostenloskultur ist eher im Bereich des Mythos angesiedelt. Natürlich kauft nicht jeder umgehend das was ihn interessiert. Die Zirkulation von Content führt eben auch dazu, dass man mit wesentlich mehr Angeboten in Kontakt kommt. Das Kaufhaus in der kleinen Stadt war da doch recht überschaubar, was die Auswahl an Produkten betrifft. Heute sind wir mit einer großen Anzahl von Menschen vernetzt, die alle irgendwie mehr oder weniger auch ihr Konsumverhalten entblößen: Neues Album hier, neue Lieblingsserie da. Früher konnte man in den Musikgeschäften seines Vertrauens in ein Album reinhören, bevor man das begrenzte Taschengeld dafür ausgab. Heute ist das alles noch wesentlich bequemer geworden und Dienste wie Spotify haben sogar erkannt, wie man allein durch das Antesten von Musik Geld verdienen kann und offensichtlich sind Menschen auch dazu bereit eine Summe X zu bezahlen, wenn sie dafür jederzeit Zugriff auf Inhalte haben. Die Musikgeschäfte hingegen sind so gut wie verschwunden.
Das Flatratemodell scheint Segen und Fluch zugleich zu sein. Segen für den Konsumenten, Fluch für den Produzenten, der natürlich davon ausgeht, dass die Menschen entweder immer nur SEINE Sachen hören und kaufen und nicht die zig Millionen Konkurrenzprodukte auf dem Markt oder einfach über unendlich viel Geld verfügen um die zig Millionen Angebote einfach alle zu kaufen. Auch hier findet also ein enormer Umbruch der Geschäftsmodelle statt. Zirkulierende Informationen plus einfacher Kopierbarkeit von digitalen Informationen führen zu einem verstärkten Bedürfnis des kurzzeitigen Besitzes, der begrenzten Verfügbarkeit, des kurz eingeräumten Nutzungsrechtes und nicht unbedingt des körperlichen, dauerhaften Eigentums.
Und auch der Bezahlmodus scheint sich umzukehren. Man vertritt heute wohl eher die Haltung erst zu konsumieren und dann zu zahlen. In der Musik ist der Trend am deutlichsten sichtbar. Ich höre erst ins Album rein, dann kaufe ich es mir vielleicht. Habe ich das Album gehe ich vielleicht anschließend ins Konzert. Hier will kaum noch jemand die Katze im Sack kaufen. Daher halte ich „Paywall“ Konzepte für sehr schwierig. Hier will man den Leser zwanghaft von vornherein an die Katze im Sack binden. Man tut so als sei man ein Medium mit exklusiven Inhalten, dabei ist man das einfach nicht. Den gleichen Informationswert erhalte ich um die Ecke, zumeist kostenlos und manchmal sogar werbefrei. Kein Wunder wenn Verlage so verzweifelt sind, ich kann es ihnen nicht verdenken, aber empfehle dann doch noch einen Schritt weiter zu denken.
So finde ich es beispielsweise interessant, dass eine permanent ums Überleben kämpfende Publikation als einer der ersten den Schritt in Richtung „Paywill“ gewagt haben. Die TAZ bittet seine Leser bei jedem Artikel um Unterstützung, entweder als Bezahlabo oder mit einer Spende. Zugleich hat die TAZ den Mikrospendendienst Flattr integriert, eine Art „Like-Button“, der eine kleine Spende an den Autor des Artikels oder Eigentümer einer Website weiterreicht. Sicherlich ist der Dienst aus deutscher Sicht noch suboptimal, aber ich frage mich wieso die deutsche Verlagslandschaft nicht längst selbst so einen Spendendienst in Kooperation mit Finanzinstituten baut.
Doch zurück zu “Paywill statt Paywall”. Inhalte vor einem zirkulierenden System per Bezahlschranke auszuschließen ist glatter publizistischer Selbstmord, denn man unterbindet genau den Fluss, der dazu führt neue potenzielle Leser zu gewinnen. Wenn ich einen Artikel teilen kann, meine Freunde ihn aber nicht lesen können, wird das eher dazu führen, dass die sich dem gleichen Thema bei anderen Angeboten widmen. Die Alternativangebote in der Mitmachkultur sind viel zu groß und vielfältig als das sich eine Medienmarke einbilden könnte ohne sie würde die Welt untergehen. Es sei denn es gibt eine breite Allianz der Medienhäuser, aber selbst dann werden im Markt neue Angebote sprießen, die der Paywall den Kampf ansagen wird. Der Konsument und sein Verhalten bestimmen den Markt. Er will schnell, bequem und kostengünstig bedient werden.
4. Angebote und Services
Kommen wir nun zum Fazit und der Frage, wie Medien in Zukunft Geld verdienen können. Zunächst glaube ich, dass die Geldprobleme in erster Linie Verteilungsprobleme sind. Statt auf die Spitze der Pyramide zu schauen, dem zum Teil aufgeblasenen Management, kappt man lieber die Kosten direkt an der Basis. Man kürzt also als erstes dort, wo gleichzeitig am meisten Potential für die Zukunft steckt: Bei den Geschichtenerzählern. Damit entlässt man die wegrationierten Journalisten direkt in die neu entstandende Mitmachkultur, damit sie dort unter Umständen selbst irgendwann zur Konkurrenz werden. Man schneidet sich hier also doppelt ins eigene Fleisch.
Ich möchte aber weniger auf den Ausgabeteil schauen, als vielmehr auf die Potenziale bei der Einnahme. Was funktioniert denn besonders gut? Zum einen würde ich dringend dazu raten neue Bezahlsysteme zu etablieren, die es dem Leser ermöglichen einfach und ohne Aufwand Geld zukommen zu lassen. Freiwillig. Ich würde neue Produkte und Veranstaltungsformate erschaffen (so wie die Musikindustrie mittlerweile auf Konzerte und Merchandising setzt). Ich würde das Thema “Crowdfunding” wesentlich intensiver in Betracht ziehen, denn das ist ein weiteres ökonomisches Modell, das perfekt zur Zirkularität von Informationen passt. Ich würde generell die Mitmachkultur stärker einbeziehen und sie einfach an der Entwicklung neuer Sachen beteiligen. Ich würde meine Journalisten wie Stars behandeln und sie entsprechend managen. Sie sind die entscheidenden Urheber der Geschichten und Meme, sie sind das wichtigste Kapital in einer neuen Aufmerksamkeitsökonomie der zirkulierenden Informationen. Entweder sie machen bei euch in den Verlagshäusern als Zugpferde mit oder sie machen es woanders. Zur Not halt auch ganz alleine oder gleich für irgendwelche Brausehersteller und ehemalige Werbekunden.
Auch in diesem Jahr auf der re:publica gab Sascha Lobo der Netzgemeinde zuverlässig wie “Punxsutawney Phil”, das wetterfühlige Murmeltier, den Trend für das kommende Jahr Internetz aus. Sein Credo lautete: Machen! Seine Bühnenperformance war dabei spürbar vom Frust geprägt. Frust durch die für einen Referenten unsäglichen Powerpointpannen. Aber vor allem Frust durch die derzeitige netzpolitische Großwetterlage in Deutschland, bei dem derzeit ein Tief das andere zu jagen scheint und somit den “Netsummer of Love” von Deutschland erst einmal für laaaange Zeit fern zu halten scheint. Dunkle Zeiten stehen dem Schwerindustriell geprägten Land der Dichter und Denker bevor, deren Königin auf Ewig nun wohl Angela Merkel heißen wird. Statt “Breitband für alle” droht nun die “Drosselung fürs Volk”. Statt freies, offenes, sicheres und vor allem innovatives Internet greift man hierzulande lieber zu branchenkonservierenden Regulationsmonstern, wie dem Leistungsschutzrecht, das diesem Internet (was viele ja mit ein zwei drei Konzernen verwechseln) mal ein wenig Einhalt gebietet. Silicon Valley sieht wirklich anders aus. Kein Wunder also, dass Herr Diekmann als Vertreter des größten deutschen Medienunternehmens schon vor einiger Zeit nach Kalifornien flüchten musste. Brace yourself – New Media Winter is coming! Exclusively to Germany.
Nun gibt es mindestens zwei Möglichkeiten einem solchen Frust zu begegnen. Entweder Kopf in den Sand stecken oder nach vorne rennen und freischlagen. Sascha Lobo hat sich für die letztere Variante entschieden. So heldenreich nun sein Bemühen auch sein mag ein Logo für das Internet zu erschaffen (das Ergebnis ist wirklich gut) oder mit reclaim.fm eine Anleitung zur Modifikation eines WordPress-Plugins zu präsentieren (das Vorhaben ist von der Idee her supertoll), so hinterließ dieser Vortrag bei mir wiederum dann doch eine gewisse frustrierende Leere mit und ohne funktionierender Powerpoint. Ich glaube das liegt schlicht und ergreifend einfach daran, dass ich Sascha Lobo mittlerweile als gefühlten deutschen Internetminister akzeptiert habe – natürlich ganz im positiven Sinn. Man kann von ihm halten was man will – ich für meinen Teil denke, dass er unglaublich intelligent, eloquent und analytisch und kreativ begabt ist. Vielleicht war ich auch deshalb so enttäuscht von dem gefrusteten Vortrag. Um aber nun selbst nicht ebenfalls in einen platten “Rant” zu rutschen und nur rumzujammern, hier einige Wunschgedanken bis zur re:publica 2014:
Ich würde mir wünschen, dass viele Menschen dem Aufruf Sascha Lobos folgen und tatsächlich mehr machen als nur zu jammern. “Machen” bedeutet für mich in diesem Zusammenhang aber auch positiv über andere Macher zu sprechen. Sie also mit Geld, Aufmerksamkeit und sonstigem Notwendigen tat- und ratkräftig zu unterstützen. Die deutsche Podcast-Szene rund um Tim Pritlove und dem Projektnamen “Podvlove” macht das gerade wunderbar vor. Trotz Nischendasein ist dort eine extrem emsige Community entstanden, die nun dabei ist innovative Softwarelösungen für ihren Bereich zu entwickeln. Aus sich heraus. Oder nehmen wir Daniel Bröckerhoff, ein TV-Journalist der neuen Generation, der einfach mal im großen Stil was ausprobiert und mal eben die deutsche Dokumentation auf den Kopf stellen will. Das löst alles jetzt nicht unmittelbar die netzpolitischen Aufgabenstellungen, aber es zeigt meines Erachtens sehr deutlich, dass es eine große Szene von Machern statt Jammeren bereits gibt und dass es unglaublich wichtig ist sich in “Banden” zusammenzuschließen, wie es beispielsweise Markus Beckedahl in unserem Hochschul-Podcast zur Netzneutralität am Ende forderte. Ich wünsche mir auch, dass die Menschen für ihre Themen auch wieder mehr auf die Straße gehen. Online-Protest ist gut und schön, sie kratzt aber nicht im mindesten an der Blase der entscheidenden Politiker. Politiker werden erst dann nervös, wenn mehr als 1000 Leute sich auf der Straße tummeln und die Tagesschau daraus einen Beitrag bastelt. Empörungswellen im Internet sind mittlerweile zu “Shitstorms” verkommen. Sie geschehen tagtäglich hundertfach und haben außer Gestank nicht viel bedrohliches zu bieten – aus Sicht der medialen Wirklichkeitskonstruktion. E-Petition ja, aber eben bitte nicht nur.
Was ich mir am Ende unbedingt von Sascha Lobo im nächsten Jahr wünschen würde ist das Beiseitelegen der ersten Geige und der beherzte Griff zum Dirigentenstab. (Und ich will einfach, dass er im nächsten Jahr im Frack erscheint und seine Gags wieder selber schreibt). Ich wünsche mir jemanden, der die Netzkultur endlich konzertiert zusammenführt. Jemand, der nicht nur der Netzgemeinde sondern auch dem Nichtnetz-Mainstream (deren Botschafter Sascha nun mal ist – er nennt sich selbst ja auch “Netzerklärer”) viele Beispiele aufzeigt, wo es gerade auch wirklich prima läuft und die Aufmerksamkeit und die Wertschätzung dahin lenkt, wo sie gerade gebraucht wird. Jemand, der regelmäßig potenzielle Mitmachangebote vorstellt und somit eher ein gigantisches Dauerkonzert erschafft und anleitet als selbst nur ein- bis zweimal im Jahr eine kleine Melodie auf dem eigenen Instrument zu fideln. Sascha Lobo könnte eine Art John Peel, Sir Peter Ustinov und mindestens Herbert von Karajan der Netzkultur werden. Er würde dadurch am Ende nicht nur unsterblich werden, sondern sogar wesentlich mit dazu beitragen, dass die Netzkultur maßgeblich von ihm medial organisiert und letztlich kuratiert wird. Er würde den Machern den notwendigen Antrieb geben, den sie so dringend gebrauchen können. Denn nicht der Mangel an Ideen oder Machern ist das Problem, sondern die größere Herausforderung liegt meines Erachtens mittlerweile eher in der nachhaltigen Vorantreibung der bestehenden Projekt. Lasst uns doch einfach gemeinsam mal eine neue entdrosselte Telekom bauen. Zum Beispiel als eine Genossenschaft. Lasst uns doch einfach mal einen eigenen digitalen Verlag gründen – ohne Leistungsschutzrechtsgedöns. Ein elektronisches Warenhaus ohne schlechtes Gewissen. Lasst uns die Kommunen, den Landtag und den Bund neu gemeinschaftlich gestalten. Schritt für Schritt. Projekt für Projekt. Blaupause für Blaupause. Das alles geht aber nur mit gemeinsamer Kraft, Aufmerksamkeit und Wertschätzung.
Nach dem “Rant”, dem “Flausch” und dem “Macht mal” würde ich mir für 2014 nun das “Kollaborieren” wünschen. Ich freue mich drauf. Flauschrant Ende.
Die Stadt Boston verwandelte sich letzte Woche, im Zuge des Sprengstoffanschlages auch kurzzeitig in ein Spielfeld für virtuelle Hobbykriminologen. Es war womöglich der erste und sicherlich nicht der letzte Fall von Bürgerstrafverfolgung, mit Folgen, die heute kaum jemand einschätzen vermag.
Wo gehobelt wird, da fallen bekanntlich Spähne und wenn ein Sprengstoffanschlag eine US-amerikanische Stadt erschüttert, muss man durchaus schon einmal in Kauf nehmen, dass der eine oder andere Unschuldige verdächtigt wird. Die medialen Ereignisse rund um Boston haben vor allem eines gezeigt: Jede Menge Menschen halten sich für Experten und reden mit, jagen mit und richten dabei auch jede Menge Schaden an.
Die Jäger im virtuellen Gefilde kann man durchaus mit Gaffern am Unfallort vergleichen. Sie behindern die Arbeit derjenigen, die dazu befähigt aber vor allem auch dazu befugt sind. Natürlich haben die Behörden die Bevölkerung um Mithilfe gebeten, allerdings haben sie nicht darum gebeten eigenmächtig irgendwelche Verdächtigungen in die Welt hinaus zu schreien.
Mindestens vier völlig mißlungene Verdächtigungen listet allein “The Week” auf. Fälle, die zum Teil auch von den etablierten Medien ernsthaft aufgegriffen und diskutiert wurden. Der Journalist Konrad Weber fragt sich bei der neuen Dynamik des Mitmachens zu Recht wohin das alles noch führen wird und welche Autorität der Rechtsstaat eigentlich noch hat oder haben wird?
Das Rückenmark des Rechtsstaates ist sein Gewaltmonopol. Die Bürger übergeben die Ausübung von Gewalt und Macht den staatlichen Instutitionen und verzichten im Gegenzug auf das individuelle Recht dieser Ausübung. Verbrechensverfolgung und -verurteilung übernimmt demnach die Exekutive und Judikative – Zweidrittel der Gewaltenteilung – ebenfalls ein wichtiges Merkmal des demokratischen Rechtsstaates. Dieses Gewaltmonopol schützt in erster Linie jeden Bürger vor willkürlicher Gewalt in Form von Verleumdung und Selbstjustiz. Ja, auch falsche Verdachtsäußerungen sind eine Form von Gewalt. Die virtuellen Ereignisse rund um den Anschlag in Boston scheinen das Gewaltmonopol kurzzeitig ausgehebelt zu haben.
Auch die Rolle der Medien und des Journalismus, als vierte Gewalt, scheint sich nach diesem Präzedenzfall zu wandeln oder sollte man besser sagen: Der längst stattgefundene Wandel wird zum ersten Mal wirklich sichtbar. So fragt Weber in seinem Artikel auch:
Wenn plötzlich Behörden, Polizei-Kommandanten und Hacker-Kollektive dieselbe Öffentlichkeitswirkung wie Medienhäuser erzielen, müssen wir uns ernsthaft fragen, welche Aufgabe den Journalisten noch zukommt.
Eine wirklich gute Frage, denn im Zeitalter der schnellen Informationsweitergabe ohne weitere Reflektion, wird faktisch jeder mitmachende Mensch im Netzwerk Teil einer nachrichtenübermittelnden Dynamik, die sich früher vielleicht Journalismus nannte. Es gibt eben nicht nur EINEN Blödmann, der irgendeinen völlig Unschuldigen verdächtig und an den Pranger stellt. All diejenigen, die diese Verdächtigung unreflektiert aufgreifen, retweeten, zitieren und somit zu deren Zirkularität beitragen machen sich im Grunde genommen mitschuldig. Genau dieses Phänomen verläuft nun völlig unabhängig vom Journalismus. Der Journalismus scheint im Gegenteil dem hinterher zu rennen. Faktencheck und Quellenprüfung, also ordentlicher Journalismus, benötigt Zeit. Zeit, die eine Generation Retweet einfach nicht mehr einräumt.
Der Journalismus allein wird dieses Problem also vermutlich nicht lösen. Es obliegt denjenigen, die das Problem am Ende auch verursacht haben: Jeder einzelne Nutzer. Es bedarf eines breiteren Bewusstseins für neue Medien und deren Auswirkungen. Es bedarf eines radikalen Umdenkens im Bezug auf die Verbreitung von Informationen. Es gibt kein kontrolliertes “von oben nach unten”, von der Quelle zum Journalisten zum Publikum mehr. Nachrichten zirkulieren völlig frei und werden von jedem einzelnen Menschen gleich stark befördert. Die memetische Regel von morgen lautet: Was sich am schnellsten verbreitet ist auch am erfolgreichsten.
Anstatt nur über die neue Rolle des Journalisten nachzudenken scheint es mir noch viel wichtiger zu sein auch über die neue Rolle des Medienkonsumenten im Netz nachzudenken. Das empfinde ich als wesentlich gravierender. Es gibt im Grunde genommen im Netz kaum noch Konsumenten, jedenfalls sind sie nicht mehr sichtbar. Sobald ich meinen Medienkonsum für andere sichtbar mache, indem ich zeige was ich mag oder gelesen habe werde ich selbst Teil des Verbreitungsprozesses, ich werde zum Produzenten. Durch meinen öffentlichen Konsum teile ich anderen nicht nur mit, dass ich die Nachricht gerade gelesen habe, sondern ich verifiziere damit auch implizit die Meldung zur Weiterverbreitung.
Und was bedeutet das am Ende? Schlechte Neuigkeiten für den “Lean-Back-Consumer”, der in der Vergangenheit keinerlei Verantwortung bei der Benutzung von Medien besaß. Das ist heute anders. Die Mitmachkultur forderte immer das Recht auf mehr Transparnz und Beteiligung. Ich hoffe ihr ist allerdings auch bewusst, das damit einhergehend auch jede Menge neue Verantwortung hinzukommt. Ein Journalist zeichnet sich meines Erachtens nicht nur dadurch aus, dass er im Auftrag einer etablierten Medienmarke vertrauenswürdig agiert. Ein Journalist zeichnet sich vor allem auch dadurch aus, dass er die volle Verantwortung für seine Berufsausübung übernimmt.
Damit man mich nicht falsch versteht, ich bin ein großer Freund der Mitmachkultur. Nur mitmachen bedeutet eben auch die Verantwortung mitzutragen. Ich glaube daher es wird allerhöchste Zeit, dass wir neben den kulturtechnischen Grundlagen wie Lesen, Schreiben, Rechnen auch die vierte Komponente, den Umgang und Verbreitung von gelesenen, geschriebenen und gerechneten Inhalte in der Öffentlichkeit dringend reflektieren und vermitteln.
Diese verdammten Neureichen. Kaum kommen sie zu etwas Geld – mit ihrem globalem Handel in einer boomenden Wirtschaft – schon meinen sie allein durch ihren Konsumstil dazu zu gehören. Mitzumischen. Macht zu haben. So oder jedenfalls so ähnlich muss es damals im Kopf von König Karl VII. von Frankreich zugegangen sein, also vor über 500 Jahren, kurz bevor er eine strenge Kleider- und damit auch Konsumverordnung veranlasst hat.
Damals war das vermutlich nämlich so: Das wirtschaftliche Wachstum und der Ausbau des Handels führte dazu, dass sowohl Händler als auch Handwerker und einige Bauern in kürzester Zeit zu einem gewissen Wohlstand gelangten. Mehr Geld bedeutete auch damals schon mehr Konsum und so investierten die Menschen ihr Geld unter anderem in neue Kleidung. Als Katalogmodels dienten dabei – ähnlich wie heute noch zum Teil in den altbackenen Friseur- und Arztzeitschriften – natürlich das Adelsgeschlecht, also die große Herrscherelite, auf die man bewundernd herauf schaute. Da der Mensch, als eines der wenigen Tiere auf Erden, nicht nur in der Lage ist Seinesgleichen zu imitieren, sondern davon auch ein wenig zwanghaft besessen zu sein scheint, orientierte die damals aufstrebende Klasse sich am Kleidungsstil der Fürsten-, Lord- und Königshäuser. Man kaufte sich also hoch. Das wiederum erzürnte natürlich die blaublütige Kaste, denn sie verlor ein bis dato vorherrschendes Privileg, nämlich den eigenen Stand in der Gesellschaft auch nach außen hin klar sichtbar zu machen und sich somit deutlich vom übrigen Gesindel abzugrenzen – oder wie es König Karl scharf im Rahmen seiner Verordnung formulierte:
daß man vermittelst der Kleider nicht mehr den Stand und Rang der Leute erkennt, ob sie Prinzen sind oder Edelleute oder Bürger oder Handwerker, weil man es duldet, daß jeder nach seinem Vergnügen sich kleidet, Mann wie Frau, in Gold- und Silberstoff, in Seide oder Wolle, ohne Rücksicht auf seinen Stand zu nehmen.
Die Folge war zu dieser Zeit eine enorme Welle von Kleiderverordnungen bis in das 18. Jahrhundert hinein. Zum Teil finanzierten die jeweiligen Herrscher sogar eine eigens eingerichtete Kleiderpolizei oder ermutigte das Volk mit Belohnungen zur Denunzation der Kleiderkriminellen (viele solcher Berichte und Geschichten aus dem Mittelalter findet man übrigens hier wunderbar niedergeschrieben).
Was lehren uns jetzt diese alten Geschichten in Bezug auf Konsum?
1. Konsum war bereits lange vor den Massenmedien und der einhergehenden Werbung eng gekoppelt an das Bedürfnis die eigene Identität zu verändern und andere Menschen mittels Konsum zu imitieren.
In den 20er Jahren des letzten Jahrhundert galt Edward Bernays als Vater der Public Relation und als Begründer der modernen Werbung, denn er soll angeblich das erste Mal Konsumverhalten mit Emotion und Identität gekoppelt haben. Für die damalige Kommunikation in den Massenmedien mag das stimmen, aber man darf natürlich nicht vergessen, dass er die Menschen nicht dazu verführen musste das zu tun, sondern er hat das Bedürfnis oder die Eigenschaft der Menschen (wie in den alten Geschichten beschrieben) erkannt und nur auf ein neues Medium oder eine neue Disziplin erfolgreich angewendet. Das Phänomen, dass der Mensch einen Warenfetisch entwickelt ist also nicht neu, nur die Methoden und die Kommunikationswege um diesen Fetisch noch zu verstärken und zu beeinflussen war je nach technologischer, medialer Weiterentwicklung entsprechend ausbaufähig.
2. Der Konsum von Waren und Dienstleistungen war auch damals schon mehr als reine funktionale Zweckerfüllung.
Konsum – mit oder ohne Geld im Spiel – war auch gleichzeitig immer ein Ausdruck über die reine Funktionalität hinaus. Mit Konsum teilte man den anderen etwas mit und wollte sich damit gleichzeitig zu einer Gruppe zugehörig fühlen. Natürlich immer im Sinne einer Verbesserung. Hier poppte jüngst im Rahmen einer Konsumkonferenz ein Soziologe auf, der sich bereits im 19. Jahrhundert intensiv damit beschäftigt hat, nämlich Thorstein Veblen und sein Begriff “Geltungskonsum” aus seiner Schrift “The Theory of the Leisure Class” (PDF), übersetzt mit “Die Theorie der feinen Leute”
3. Konsum war und ist auch immer Kommunikation.
Letzterer Punkt bringt für mich Konsum auf die entscheidende Essenz, wenn wir Konsum verstehen und steuern wollen – also egal ob wir ihn erhöhen, verringern oder bewusster gestalten möchten. Konsum erlangt maximale Attraktivität, wenn dessen Ausführung auch äußerlich erkennbar und abbildbar ist und die Konsumenten mit ihrer Handlung auch einen Teil ihrer persönlichen Identität zum Ausdruck bringen können: Ich konsumiere, ich stelle dar – seht her, also das bin ich. Gleichzeitig ist jede offene Darstellung von Konsum eine Inszenierung und damit auch eine potenzielle Imitationsvorlage für alle Menschen, die das sehen können. Je “näher” – mir fällt kein besserer Begriff ein – ich mich selbst bei diesen Menschen sehe, desto eher möchte ich ihr Verhalten imitieren. Und umgekehrt gilt: Je “näher” ich an anderen bin, desto eher werden sie mich vielleicht imitieren.
Konkret übertragen heißt das beispielsweise: Ich kaufe nicht das Telefon aus den Werbefilmen, weil da vielleicht auch gar keine Menschen drin vorkommen, sondern ich kaufe das Telefon, weil mein Mentor oder mein Chef in meinem Unternehmen das Ding begeistert und stolz benutzt oder mein Serienheld damit ständig irgendwelche tollen Geschichten erlebt. Ich kaufe das Auto nicht weil die Marke so toll ist, sondern weil mir irgendwelche Leute erzählt haben wie zuverlässig, toll oder was auch immer die Marke ist oder weil James Bond damit nicht nur andere Autos von der Fahrbahn drängt sondern damit auch gleich die nächste Frau zum lauschigen Schäferstündchen fährt. So wie Bernays vor fast 100 Jahren diese Erkenntnis auf das neue Massenmedium “Zeitung” und später “Film und Fernsehen” angewendet hat, indem er Promis in den Massenmedien einsetze, die wiederum Waren benutzten und empfahlen, wäre es nun also spannend zu überlegen was sich in Zeiten des Internets dahingehend verändert hat.
Machen wir doch einfach mal einen schnellen Feldversuch. Jetzt gleich:
Wir gehen mal gemeinsam auf ein soziales Netzwerk, egal ob Twitter, Facebook, Google Plus, Instagram oder Path. Hauptsache wir können die Aktivitäten von einigen verbundenen Profilen beobachten. Jetzt bitte einfach mal zählen, wieviele Menschen gerade ihren Konsum offen zur Schau stellen. Ich mache das gerade mal bei mir und sehe folgendes: Ein Foto mit Unterschrift “Meine Bettlektüre”, Ein Linktipp für Gratis-Comics bei Marvel, eine Frage zu Biker-Jeans, ein hübsches Foto von einer Rom-Reise, ein weiteres Foto von einem deliziösen Salat, ein Bild von einem frischen Kölsch der Marke “Früh”. Soweit ein schneller Blick auf die letzte Stunde Ereignisse meines Netzwerkes. Klar, worauf ich hinaus will? All das ist Konsumkommunikation von Menschen, die wir vermutlich mögen und bei denen die Wahrscheinlichkeit relativ hoch ist, dass wir sie auch irgendwann imitieren. Beides ist uns kaum bewusst. Mit jedem Foto, jeder Statusmeldung zeigen wir also nicht nur was wir gerade konsumieren oder konsumiert haben, wir reizen auch gleichzeitig andere uns und unser Verhalten zu imitieren.
Der Schlüssel zum Umgang mit Konsum liegt meines Erachtens also genau da drin. In der Memetik. Der Informationsübertragung per Imitation, die gleichzeitig auch dazu führen kann unser Verhalten zu steuern, indem sie uns anregt dargestelltes Verhalten (also auch Konsum) ebenfalls auszuführen, entweder identisch oder abgewandelt. Natürlich ist es nicht so trivial wie es nun klingen mag, natürlich drückt man bei uns nicht einfach auf einen Knopf und wir machen brav das was uns andere zeigen. Warum wir beispielsweise die einen so begeistert imitieren, während wir das Verhalten der Anderen links liegen lassen oder uns darüber sogar echauffieren und gegenteiliges Verhalten vollziehen, wissen wir einfach nicht. Das liegt alles noch schön in der großen Blackbox verborgen. Wenn wir aber den Grundmechanismus, also Konsum als Kommunikation und Imitation, als schlüssig empfinden, dann bringt uns dieses Denkwerkzeug glaube ich einen enormen Schritt weiter. Gleichzeitig zeigt uns die neue Infrastruktur der Informationen, also das Netzwerk, auch eine neue Varianz dieses Grundmechanismus: Wir kommunizieren vermehrt, beschleunigt und verzweigt. Bisher waren die Modelle, also die Imitationsvorlagen, nur den Zeitschriften, Fernsehsendungen und unserer unmittelbaren lokalen Umgebung vorbehalten und waren durch Werbe- und PR-Agenturen wunderbar kontrollierbar. Heute scheinen diese Grenzen vollkommen aufzubrechen.
Was bedeutet das für Werbung? Was bedeutet das für Konsumkritiker und Freunde des nachhaltigen Konsums? Es geht wohl mittlerweile eher – oder immer noch – darum sich Gedanken um Imitationsmodelle zu machen, statt langweilige Handlungsanweisungen einflüstern zu wollen. Es geht darum andere Menschen so zu begeistern, dass sie gerne imitieren und andere zum imitieren anregen. Es geht darum Geschichten zu erzählen und klare Symbole zu entwickeln, also klar erkennbare Imitationsvorlagen. Egal, ob wir ein neues lustiges Internet-Mem entwickeln wollen oder den schnöden Konsum von Waren ankurbeln oder die Überzeugung zu einem bewussteren Konsumverhalten anregen möchten.
Wir imitieren und wir werden imitiert. Das ist im Grunde alles notwendige was man wissen muss um die Welt von morgen zu verstehen und entsprechend zu formen. Macht also bitte das Beste daraus.
(via Dressed like Machines)
Es gibt Themen, die haben es verdient mit einer gewissen Portion Fingerspitzengefühl und Sorgfalt behandelt zu werden; “Kindesmissbrauch” ist ganz sicher eines davon. Der jüngste Artikel der FAZ Sonntagszeitung mit dem Titel “Pädokriminelle im Internet: Magst du Sex haben?” macht durch ein Selbstexperiment von Journalisten mit der Brechstange auf das Thema aufmerksam. Die implizite Kernthese des Artikels lautet: Das Internet öffnet Tür & Tor zu den Zimmern unserer Kinder und lässt damit auch die davor lauernden Monster herein.
Man kann sich nun darüber streiten, ob die Art und Weise der Vorgehensweise der Journalistin wissenschaftlich fundiert und repräsentativ war – also mit einem fiktiven Profil eines Kindes in soziale Netzwerke, meist für Kinder ausgelegt, einzutauchen und dort zu beobachten was passiert, nämlich schockierende und bestürzende Erlebnisse in den Chaträumen, die doppelt so dramatisch wirken, weil sie eben im Rahmen von selbsternannten kindgerechten Seiten stattfinden. Wenn man dann selbst noch Elternteil ist, dürfte der Artikel sowieso endgültig sein Ziel erreicht haben. Man liest – sofern man das ganz schafft – das Erschaudernde zu Ende und ist anschließend fassungsslos, empört, hilflos und wütend zugleich.
Ein Beitrag, der auf einer breiten Emotionsklaviatur einhämmert, Tabus bricht und damit zur eigenen Zirkulation, also Weiterverbreitung anregt. Am Ende hinterlässt er jedoch weder breites, fundiertes und neues Wissen zu der Thematik, noch bietet er mögliche Hilfestellungen oder Lösungsansätze an. Der Leser bleibt mit seiner Wut, seinem Schock und seiner Hilflosigkeit mal wieder alleine, was ich nicht nur schade, sondern fast schon ein wenig ärgerlich empfinde. So ein Bericht muss das nicht tun, aber er könnte es, denn er hinterlässt zu viel Schockmoment. Zu viel negativer Stress setzt auch das vernünftige Denken außer Kraft und so erscheint kurz darauf ein reißerischer Folgeartikel, der mal wieder von der Forderung einer notwendigen Vorratsdatenspeicherung und den blockierenden, unbelehrbaren Netzaktivisten handelt. Ein Teil der Netzgemeinde, die jeden Versuch von einer scheinbar notwendigen Regulierung des Internets mit “Shitstorms” bekämpfen würde. Kurzum: Das Internet ist böse und hat Schuld und die Verteidiger der Internetfreiheit verteidigen auch indirekt immer die “Pädokriminalität”.
Da ich solche Schuldzuweisungen in Richtung eines Mediums für ziemlichen Unsinn halte – denn ein Medium ist immer nur ein Träger von menschlichen Interaktionen und kein schuldfähiger Organismus an sich – versuche ich lieber Fragen und Gedanken im Hinblick auf die damit zusammenhängenden menschlichen Verantwortlichkeiten zu stellen. Wer kann etwas tun? Was kann man tun? Wer sollte mehr Verantwortung übernehmen?
1. Die Verantwortung von Eltern und Pädagogen
Die kurze Beschreibung des falschen Profils des 10-jährigen Mädchens im Artikel offenbart bereits die erste wichtige Kernkompetenz im Umgang mit sozialen Netzwerken. Es ist eben nicht ganz unbedeutend – neben der GEstaltung des eigenen Profils – ob man Interaktionen von fremden Benutzern einfach so unreflektiert zulässt:
Sie hat niemanden angesprochen, nur bei den Anfragen auf ja gedrückt.
Genau das ist der erste Ansatzpunkt für medienpädagogische Arbeit: Prüfe ein Profil bevor du weitere Interaktionsmöglichkeiten zulässt. Frage dich: Wer ist das, der mit mir reden will? Kenne ich denjenigen und muss ich ihn unbedingt kennenlernen? Also ein Schritt von vielen um das Risiko belästigender Momente rigoros einzudämmen.
Das ist in etwa so wie viele Erwachsene erst lernen mussten, dass man kein Geld nach Nigeria schicken sollte, in der Hoffnung damit eine großzügige Erbschaft zu erhalten. Spam, Müll, Dreck und Schmutz. Ja, das Internet ist voll davon, allerdings ist auch unsere ganze Welt voll davon. Und dennoch kann man sich tatsächlich so einrichten, dass man davon immer weniger mitbekommt, immer weniger darauf hereinfällt und immer besser davor geschützt wird. Doch Voraussetzung dafür ist neben den gesetzlichen Grundlagen, die längst in Deutschland vorhanden sind, eben auch das Wissen um nigerianische Spammails, das Wissen um pädophil verseuchtes Terrain und das Wissen um die Masche der Manipulateure. Und, noch wesentlich wichtiger, aus diesem Wissen heraus Grenzen zu setzen und Konsequenzen zu ziehen. Kurzum: “Medienkompetenz” ist in diesem Zusammenhang mal wieder ein unverzichtbares Schlagwort.
Doch hört man Bestsellerautoren und Medienratgebern wie Manfred Spitzer zu, so scheint als sei Medienkompetenz nicht nur unnötig sondern sogar gefährlich:
Interviewer: Wenn die digitalen Medien wirklich so gefährlich sind – ist es dann nicht sinnvoll, dass Kinder lernen, mit diesen Gefahren umzugehen?
Spitzer: Nein, das schadet ihnen! Alkohol ist Teil unserer Kultur. Alkohol macht süchtig. Betreiben wir Alkohol-Pädagogik in Kindergärten und Grundschulen? Nein! Weil es der Entwicklung junger Menschen schadet, Alkohol zu konsumieren.
Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich betrachte Verteufelung als ein pädagogisches Instrument aus dem 20. Jahrhundert. Hingegen betrachte ich Bildung, Reflektion und Kompetenzerwerb als sinnvolle pädagogische Vorschläge für unsere Gegenwart.
Es geht eben nicht darum unsere Kinder nun bewusst aktiv an Medien (Alkohol) heranzuführen, sondern sie – wenn es denn soweit ist – kompetent über Konsum und wirkungsweise aufzuklären und sie dabei aktiv zu begleiten. Das wiederum können wir nur tun, indem wir selbst eine solche Kompetenz besitzen. Das wiederum bedarf eine breit angelegte Unterstützung für die Vermittlung von Medienkompetenz in Schulen und außerschulischen Bildungseinrichtungen. Hier sind wir dann alle irgendwie gefragt: Kinder, Eltern, Lehrer, Medien und Politik. Wichtig ist aber vor allem der erste Schritt, uns darüber einig werden, dass Medienkompetenz lohnenswerter ist als auf die Strategie der “medialen Verteufelung” zu setzen.
Am Ende ist es nicht nur wichtig welche Plattform mein Kind in welcher Weise benutzt, sondern wie es sich darauf bewegt und welche Grenzen es anderen dort setzen muss um nicht in entsprechende bedrängende Situationen zu gelangen. Wer nicht im Meer ertrinken will, sollte besser schwimmen lernen. Das Meer für immer verstecken zu wollen halte ich an der Stelle für weniger sinnvoll.
Abschließend zu diesem Punkt sei vielleicht ausdrücklich ein Buch zum Einstieg in das Thema “Medienkompetenz” empfohlen. Ein unaufgeregter Ratgeber für Eltern und nennt sich “Netzgemüse”.
2. Die Verantwortung der Seitenbetreiber
Neben der Schulung der Medienbenutzer bleibt es natürlich nicht aus auch an die Verantwortung der Medienanbieter zu appellieren. Es irritiert mich schon immens, wenn auf ausgewiesenen Kinderplattformen (nur für Kinder bis 10 Jahre) von 18 bis 20 Uhr ein offener “Herzklopfen”-Chat angeboten wird. Braucht es das wirklich? Ich meine, braucht eine Seite für maximal 10-Jährige im Netz wirklich so dringend einen offenen Chat? Muss man mit völlig unnötigem Licht noch sehr viel mehr lästige Motten anlocken?
Oder warum wird mir auf einer anderen Plattform als Kind kommuniziert, dass sich gerade „20 Männer“ für mich interessieren? Wenn man schon einen Bereich für Kinder einrichtet, sollte dieser auch durchweg kindgerecht gestaltet sein. Eine Meldung, die aus einer billigen Partnerschaftsvermittlung stammen könnte, hat da jedenfalls rein gar nichts zu suchen.
Wir brauchen also tatsächlich auch zuverlässige, kindgerechte Angebote. Diese sollten konsequent konzipiert, implementiert und regelmäßig kontrolliert werden. Vor mangelhaften Angeboten sollte gewarnt werden, gute Angebote hingegen sollten empfohlen werden. Die große Frage lautet in diesem Zusammenhang: Wie bauen wir in Zukunft geschützte virtuelle Räume für unsere Kinder, ohne dass wir sie in ihren Freiheiten zu sehr beschneiden? Wem vertrauen wir unsere Kinder an und was wäre uns das wert?
Update
Das Internet ist natürlich auch gefüllt mit nützlichen Tipps und Ratschlägen zum Thema Medienkompetenz bei Kindern. Gerne sammel ich hier weiterführende Links (bitte in den Kommentaren darauf hinweisen):
Handysektor.de – Weine Website rund um Sicherheit in mobilen Netzen, jugendgerecht aufgearbeitet
Google stellt sein Projekt “Google Reader” zum 1. Juni ein, zum Ärgernis vieler Blogger, Jorunalisten und Wissenssammler, denn ein RSS-Reader ist nach wie vor das wichtigste Werkzeug um Nachrichten im Web zu sammeln, zu filtern, zu sichten und zu kuratieren.
Damit alle ehamligen Google Reader Nutzer nicht im Regen stehen bleiben müssen, hier einige von mir vorgeschlagene Alternativvorschläge:
1. Feedly
Feedly ist derzeit mein meistgenutzter Feedreader. Er ist für Anfänger bestens geeignet (automatiche RSS-Feed Erkennung und Themenclusterung) und besticht durch ein hervorragendes Design. Feedly ist sowohl als Browseranwendung, wie auch als Apps für Tablets und Smartphones erhältlich – kostenlos. Feedly basiert auf dem Google Reader, hat aber bereits angekündigt auch nach dem Verschwinden wie gewohnt eigenständig weiter zu laufen. Für mich hat Feedly mit Abstand die beste App in dem Bereich, mit einer großen Anzahl von Weiterverarbeitungsschnittstellen. Schlägt m.E. auch das Flipboard um Längen.
2. The old Reader
“The Old Reader” dürfte dem Google Reader, was Aussehen und Handling betrifft, ziemlich ähnlich sein. Ich finde sogar, er wirkt ein wenig hübscher. Mit einem Klick lassen sich bequem alle Google Reader Abos direkt importieren. Der Reader arbeitet auch mit einem Follower-Prinzip, d.h. ihr könnt theoretisch in Gruppen eure Feeds und Artikel austauschen. Einziges Manko: Keine Apps, aber wie ich finde eine recht bedienbare Website auf Tablets und Smartphones. Charme: Kleines, unterstützenswertes Projekt.
3. GoodNoows
Dieser Reader kommt ganz schick daher und besticht durch eine große Anzahl verschiedener Layout-Varianten (Rasterung). Das Hinzufügen und organisieren von Nachrichtenströmen scheint sehr intuitiv und einfach zu funktionieren. In der Betaversion ist es scheinbar auch möglich Twitter-Streams direkt zu abonnieren. Auch hier gibt es anscheinend noch keine Apps für Tablets und Mobiles.
4. Netvibes
Ich bin mit Netvibes leider nie wirklich warm geworden, was aber eher am Geschmack und Anspruch an der Layoutanpassung scheitert. Der große Vorteil dieses Tools ist seine Fähigkeit große Anzahl von unterschiedlichen Quellen auf einem Dashboard zu organisieren. Neben der Fähigkeit reine RSS-Feeds und Nachrichtenquellen zu verwalten ist wohl die große Stärke auch die Einbettung von Social Networks und Mediendienste wie Facebook, Flickr, Twitter etc. pp. Ein weiteres Higlight ist die Funktion einen schnellen Themenradar zu erstellen. Einfach Suchbegriff eingeben und Netvibes stellt einem auf Anhieb ein Dashboard aus verschiedensten Quellen zu der Thematik zusammen. Auch ist es möglich Dashboards für andere öffentlich zu machen. Im Sinne des Sharing-Gedankens, gerade auch für Dozenten und Pädagogen recht schön. Für mich das einzige Manko: Ich habe irgendwie keinen Spaß an der Benutzung und kann da Layout nur bedingt meinen Anforderungen gerecht einstellen. Es gibt auch keine App und die mobile Version von Netvibes ist fast noch schlimmer als die Browservariante.
An der Stelle sammel ich gerne noch andere Blogartikel mit Alternativen:
Eine schöne Liste mit 10 Alternativen liefert Florian Kohl
Liste mit noch mehr Alternativen (angeblich 100)
Wer sich richtig unabhängig von Diensten machen will kann auf die Eigeninstallation “Tiny Tiny RSS” zurückgreifen.
Die digitale Welt scharrt mit den Hufen und will das neue heilige Glas, die smarte Brille aus dem Hause Google. Sie wollen es anscheinend so sehr, dass zwischenzeitlich eine Auktion auf ebay mit der Datenbrille auf über 15.000 Dollar anschwoll und dann jedoch schnell wieder von der Bildfläche verschwand – vermutlich nur ein Fake. Sie wollen es so sehr, dass gestandene Technologiepersönlichkeiten wie Tim O’Reilly, Guy Kawasaki oder Jeff Jarvis flammende Begründungen mit dem Hashtag “#ifihadglass” auf dem sozialen Netzwerk Google Plus formulieren. Dort hat Google unter diesem Motto zu einem Wettbewerb aufgerufen. Wer wird der nächste “Google Glass Explorer”? Wer darf als erstes das neu entdeckte Feuer in sein digitales Dorf tragen?
Und gerade dieser Wettbewerb zeigt sehr schön die die Beflügelung der Fantasie bei den potenziellen Benutzern und auch ein wenig die Spannbreite der Anwendungsmöglichkeiten. Während der Autor und ehemalige Apple-Manager Guy Kawasaki am liebsten von all seinen Vorträgen Bilder vom Publikum machen möchte oder Szenen vom eigenen Hobby Eishockey aufnehmen möchte, entscheidet sich der Webpionier O’Reilly beispielsweise lieber dazu, die heilige Brille denjenigen zu geben, die sich neue sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für das Gemeinwohl überlegen:
I’d love to see people who are thinking about applications for public good (civic coders, makers working on education projects, and so on) applying to become Glass Explorers. I would imagine, for example, interesting public safety applications for firemen, interactive online repair manuals, health-care applications, and unique educational materials.
Spätestens an dem Punkt hat man das Gefühl man spricht hie rnur noch über ein sakrales Artefakt, ein heiliger Gegenstand, der in gute Hände gehört um die Menschheit zu befreien.
Doch was macht diese Brille denn nun so besonders?
Es hilft einem bei der Betrachtung des Produktes “Google Glass” nicht gleich in die typischen “Verhaltensmuster der Technologiekritik” zu verfallen, die Katrin Passig einmal wundervoll formulierte. Also versuche ich wertoffen zu bleiben und beschränke mich zunächst auf die Beschreibung der Grundfunktionen (siehe dazu auch diese Grafik):
Zunächst einmal erschafft die Brille mit Hilfe eines Prismas ein Mini-Projektor und erzeugt somit ein kleines Display am Rande des Sehfeldes des Brillenträgers. Dort können theoretisch alle Arten von Informationen abgebildet werden – angeblich in Smartphone-Display-Qualität. Mittels der “Bone Conduction” Technologie, der Übertragung von Schall vom Bügel auf die Schädelknochen, wird man mit dieser Brille auch hören können, also Musik oder Geräusche, die das Gerät selbst liefert. Die Ohren bleiben dabei für alle Umgebungsgespräche und Geräusche frei, denn der Schall setzt direkt am Knochen an und umgeht somit ein Teil des Ohres. Die Brille wird mittels Sprache gesteuert, daher ein eingebautes Mikrofon und liest man die Gerüchte rund um das nächste Samsung Smartphone so dürfte es nicht wirklich überraschen, wenn die Brille in Zukunft ebenfalls mit den Augen gesteuert werden kann. Natürlich lässt sich die Brille auch mit dem Internet verbinden und so kann man dann damit jederzeit einen Datenstrom erzeugen oder eben auch abrufen. Die Brille enthält zudem eine Kamera für Foto- und Videoaufnahmen. Das Video- und Fotomaterial lässt sich offenbar direkt ins Netz streamen, natürlich in Kombination mit einem GPS-Signal, also der Möglichkeit zur lokalen Veortung. So weit die groben technischen Hardware-Rahmenbedingungen, die nun das Gründgerüst liefern für schier unendliche potenzieller Anwendungsmöglichkeiten.
Allein von den technischen Funktionalitäten unterscheidet sich die Brille kaum vom Smartphone. Das wirklich neue und besondere ist die Art wie man dieses Werkzeug benutzt und wie es mit dem eigenen Körper stärker verschmilzt. So sehr, das wir Probleme bekommen zu unterscheiden ob es sich um das alte Werkzeug “Sehhilfe” oder das neue Werkzeug “Gehirnmaschine mit Aufzeichnungsmöglichkeiten” handelt. Das ehemalige Smartphone wird nun mehr oder weniger unsichtbar. Im Gegensatz zu den klar sichtbaren Smartphones, die natürlich auch jederzeit filmen und aufnehmen können, erkennt man bei den Brillen auf den ersten Blick eben nicht, dass man damit gerade etwas aktiv anderes macht außer da durchzugucken und die eigene Sehkraft zu verbessern. Ein erster Test in einem Restaurant beschreibt das Phänomen recht schön: Während filmende Menschen mit einer sichtbaren Kamera des Ladens verwiesen wurden, konnte der Verbündeter mit der Brille das gesamte Geschehen unbemerkt mitfilmen. Wir sehen heute vielleicht nicht immer genau was der Mitmensch mit seinem Handy da gerade anstellt, aber wir wissen wenigstens, dass er eindeutig sein Handy benutzt. Ein Smartphone sieht momentan eben dem memetisch verankerten Telefonhörer sehr ähnlich und es gibt kaum ein ihm ähnlichen Alltagsgegenstand der mit einer ähnlichen Handbewegung verwendet wird. Meine Kinder wuchsen so zwar ohne Wählscheibe auf, aber die Bewegung des Telefonierens imitierten sie sehr schnell in dem sie sich irgendein Spielzeug ans Ohr hielten. Diese Verhaltensweise entfällt beim “Google Glass”. Das Telefonieren in seiner alten Form verschwindet, was auch zugleich ein Problem sein könnte. Sehr schön erkennt man das zum Beispiel daran, wenn wir beim Stadtbummel auf Menschen treffen, die ganz versunken vor sich hin brabbeln – bis wir merken, dass sie ein “Headset” aufhaben und sie in ihr nicht sichtbares Telefon sprechen. Es irritiert uns. Immer noch. Übrigens tut es das auch, wenn man selbst anfängt genau das zu tun.
Das führt auch schon zum Knackpunkt der Googlegläser. Die Frage nach der Gewöhnung, denn das größte “Feature” und gleichzeitig die größte Herausforderung, die diese Brille hat, dürfte ihr Einfluss auf unsere Mitmenschen sein. Ein Smartphone mag nerven, es dringt aber noch nicht annähernd so tief in die Intimsphäre des Gegenübers ein wie die Brille von Google: Werden wir gerade gefilmt? Was schaut er sich nebenbei an? Hört er parallel noch jemand anderem zu? Was weiß der schon über mich? Erkennt man mich in der Menschenmenge? Hat er etwa mein Popeln aufgenommen? Was geschieht mit unserer Privatsphäre?
Es ist auffällig, wie intensiv derzeit im Netz, ein Ort der “Early Adaptor”, über genau diese gesellschaftlichen Konsequenzen kontrovers diskutiert wird. Thema Nummer Eins ist dabei natürlich immer wieder die gefühlte und gegebenenfalls reale Bedrohung unserer Privatsphäre, das “Big Brother Szenario”, zusätzlich befeuert durch Nachrichten wie vom Erwerb von “viewdle”, einem Anbieter für Gesichtserkennungssoftware. Die Brille kann nicht nur alles erdenkliche im Blickfeld des Benutzers theoretisch aufnehmen und streamen, sie ist auch noch in der Lage allerlei Zusatzinformationen zu Objekten und Menschen zu liefern. Auf der einen Seite toll: Nie wieder ein Gesicht auf einer Party vergessen oder schnell mal “Abchecken” ob der- oder diejenige gerade Interesse an einer neuen Beziehung hat. Schnell auf nem verlorene Freunde suchen? Kein Problem. Gleichzeitig befeuern genau diese Fanatasien natürlich auf der anderen Seite die große Angst der Menschen vor Durchleuchtung, Kontrolle und einem generellen Mißbrauch der Technologie – so wie es beispielsweise dieser eindrucksvolle, futuristische Kurzfilm “Sight” rüberbringt:
Sight from Sight Systems on Vimeo.
Erstaunlich finde ich, dass diese noch gärende Angst sich jetzt schon in reale kulturelle Konsequenzen verwandelt hat: Eine Bar in Seattle kündigte bereits ein Google Glass Verbot bei Gästen an (Natürlich mit dem schönen Seiteneffekt der medialen Aufmerksamkeit). Sind diese Ängste und Befürchtungen denn jetzt schon berechtigt? Nun, sie sind eigentlich ganz natürlich und wie immer ist es interessant zu beobachten, dass nicht die Technologie das eigentlich bedrohliche ist, sondern immer nur der Umstand und die Art und Weise, was die einzelnen Menschen daraus machen.
Gerade weil bei “Google Glass” Utopie und Dystopie so eng beianander liegen, scheint es so als hielte der Konzern hier einen echten technologischen “Gamechanger” in den Händen. Das Schicksal der Gläser wird geschliffen von den nutzenbringenden Anwendungen, den utopischen Ideen und den Mißbrauchsbeispielen, den dystopischen Szenarien. Sie werden die Waage hin und her bewegen: Wie kann diese Brille – aber vor allem dessen Software – unsere Lebensqualität spürbar verbessern? Wie bringt es mir als Anwender einen Nutzen ohne dass ich andere damit einschränke? Das alles sind Fragen, die am Ende über das Schicksal des Produktes entscheiden. Bleibt es ein unheimliches Spielzeug für Nerds oder wird es ein selbstverständliches Allerweltsprodukt? Wie verändert sich unser Verhalten, wenn wir bereits jetzt permanent vom surrenden Handy abgelenkt werden? Darf man die Brillen beim Autofahren benutzen? Im Kino? In der Schule? Auf der Arbeit? Ist das überhaupt für unsere Augen und unser Gehirn gesund?
Fragen, die natürlich auch die ökonomisch geprägten Analysten beschäftigen. Denn setzt sich diese Technologie einmal durch, zöge sie einen Schweif an Sub-Geschäftsmodellen nach sich und würde vermutlich gleichzeitig andere wiederum auslöschen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, ob und welche Bedeutung wir dem neuen Werkzeug zuschreiben. Werden wir der alten Brille einen neuen memetischen Rahmen verpassen? Wir werden sehen.
Im Zuge meiner Vorbereitungen für das Modul “New Media Culture”, Teil unseres neuen Masterstudiengangs mit der Spezialisierung “New Media”, beschäftige ich mich gerade intensiv mit dem Thema “Net Smart”, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Howard Rheingold, einem bemerkenswerten Sozialwissenschaftler aus den USA der sich schon sehr früh mit den Auswirkungen der neuen Technologie auf unsere Gesellschaft und Kultur befasst hat.
Rheingold behandelt in seinem Buch 5 wichtige Kernkompetenzen im Umgang mit den neuen Medien, der sogenannten “Social Media Literacy”, also Kenntnisse und Fertigkeiten, die man möglichst schon in der Schulzeit parallel zur Lese- und Schreibkompetenz entwickeln sollte. Die 5 Punkte lauten:
1. Attention
Der Umgang mit Aufmerksamkeit und zwar eher mit Fokus auf das eigene Verhalten?
2. Participation
Wie kann ich aktiv teilnehmen an der Erstellung von Inhalten?
3. Collaboration
Wie kann ich in den neuen Medien mit anderen bestmöglich kooperieren?
4. Critical Consumption (also known as “Crap Detection”)
Wie kann ich Inhalte auf Qualität, Kontext und Faktengehalt hin prüfen?
5. Network Smarts
Wie bilden sich Netzwerke und ihre Dynamiken?
Persönlich besonders spannend bzw. erkenntnisreich finde ich den ersten Punkt, das Thema der Aufmerksamkeit. Besonders eindrucksvoll finde ich in diesem Zusammenhang zum Beispiel das mitunter beobachtbare Phänomen der “E-Mail Apnea”, Atemaussetzer bei Empfang und Ansicht von Mails. Was einen dezenten Hinweis darauf gibt, wie unmittelbar eng die Benutzung von Medien direkt mit unserem Körper und unserem Verhalten zusammenhängt, ohne das es uns das wirklich bewusst wird. Bisher nur eine These, aber eine interessante Beobachtung. Sollte man vielleicht wissenschaftlich vertiefen.
Ein zweites Phänomen, das mir in diesem Zusammenhang selbst aufgefallen ist, könnte man fast als Pawlow’schen Onlinereflex bezeichnen. Ihr wisst schon, Pawlow und seine Hunde, die beim Glöckchen zu sabbern anfingen. Besonders anschaulich oder eher anhörlich erlebte ich das jüngst bei den neuen Geräuschen, die Facebook seinen Nutzern neuerdings serviert, also dann wenn Aktivitäten auf dem eigenen Profil stattfinden. Bisher war es ja so, dass man ein “Plink” oder “Plonk” erst dann im Browser hörte, wenn man eine persönliche (Chat)nachricht bekam, nun wird das Konzept der Audio-Benachrichtigung fortgeführt und man wird nun über jede kommentierende Interkation per Signal (visuell wie akustisch), also jeden Sch… benachrichtigt. Neuer Kommentar auf einem eigenen Beitrag -> es macht “Pling”. Kommentar auf einen Beitrag den man selbst kommentiert hat -> es macht “Pling” usw.
Neben dem mutmaßlichen Service, den Facebook seinen Nutzern da anbieten möchte, ist natürlich wesentlich bemerkenswerter, dass diese Sounds am Ende auch dazu dienen, den Nutzer immer wieder von anderen Seiten zurück auf Facebook zu ziehen. Es sind echte Aufmerksamkeitsmagneten oder -killer, je nachdem wie man das bewerten mag. Wie bei Pawlow und seinen Hunden stellt sich bei den Dauernutzern, die parallel sämtliche Fenster gleichzeitig geöffnet haben also der Drang ein, bei einem “Pling” und “Plopp” nachzuschauen, was da passiert ist. Also statt zu speicheln, wechsel man das Browserfenster, geht auf die Facebookseite und unterbricht damit das was man gerade tut, egal ob denken, schreiben oder lesen – und schaut was da schon wieder los ist. Brav. Gut gemacht.
Natürlich lässt sich dieser mitunter quälende Lärm abschalten und natürlich wird es viele Nutzer dazu bringen genau das aufgrund der Nervigkeit auch sehr schnell zu tun, aber spannend ist doch auf anderer Ebene wie unsere Aufmerksamkeit durch solche Kleinigkeiten immens beeinflusst werden. Und Facebook mal völlig beiseite, wie oft surrt, gurrt, brummt, plingt oder plonkt es durch andere Dienste? Twitter. Skype. E-Mail. SMS. Telefon.
So wurde mir mein eigenes Verhalten erst jetzt, durch die Beschäftigung mit dem Thema und dem Denkanstoß, deutlich bewusst(er). Ich habe jetzt erst mal einen kleinen Schritt Abstand genommen und beobachtet was das Gedingel und Gedongel wirklich mit mir die ganze Zeit macht und wie es meine Konzentration mal so nebenher fragmentiert.
Das alles hat nicht nur tiefgreifende Konsequenzen für unser Arbeitsleben (Meeting- und Gesprächskulturen), sondern vor allem auch für unser Privat- und Familienleben. Auch da bietet das Buch eine beeindruckende Geschichte und jeder kann man für sich schauen wie das bei einem selbst ggf. sein könnte:
Ellen Reagan told the story of a major advertising agency CEO who was, not surprisingly, a heavy BlackBerry user. One day, his daughter interrupted midtext by giving him two small, rolled-up pieces of paper. When he asked what they were, “sweetly, she slipped the construction-paper cylinders over his poised thumbs. “Blackberry handcuffs,” she said.”
Gerade im Netz belächelt man all zu gerne das Phänomen “Internetsucht”, was wohl in erster Linie daran liegt, das wir als westliche Gesellschaft eine ziemlich merkwürdige Haltung zum Thema Sucht an den Tag legen. Sucht ist etwas kriminelles, krankes und sobald man den Stempel “süchtig” trägt, wird man entsprechend als “schwach” und “minderwertig” gebrandmarkt. Kein Wunder also, das man sich allein schon vor einem leisen Verdacht abschirmen möchte.
Und genau an der Stelle verehre ich das Buch von Howard Rheingold, es schafft an der Stelle nämlich den wichtigen Spagat zwischen den Extremen. Ja, es gibt vermutlich so etwas wie Suchtverhalten mit den neuen Medien (in verschiedener Ausprägung). Ja, die Nutzung von Social Media führt zu expliziten Belohnungseffekten im Gehirn (natürlich, wenn wir keinen Spaß daran hätten, würden wir es wohl kaum tun). Ja, die Dosis bestimmt das Gift und die Substanz ist in Augen dieses US-Ökonomen nicht so entscheidend wie wir denken. Also allein die Benutzung des Internets führt noch nicht zu einer Sucht. Das ist der Unterschied zu den verteufelnden Thesen von Manfred Spitzer. Er verdrängt die Kompetenzen und spricht sich für eine Prohibition des Internets bei Jugendlichen aus.
Howard Rheingold hingegen fordert einen viel bewussteren Umgang mit den neuen Medien. Er sieht das Problem durchaus, vollzieht aber ganz andere lösungsorientierte und pragmatische Ableitungen. Er rät dazu im ersten Schritt zunächst einmal herauszufinden: Wie nutze ich die Medien? Für was nutze ich sie. Wie lasse ich mich ablenken? Wie sehr lassen wir uns vom Internet als Werkzeug benutzen – statt umgekehrt? Welche Auswirkungen (positiv wie negativ) hat die Benutzung der Medien auf uns und unsere unmittelbare Umgebung? Und wenn es eine ungewünschte Auswirkung hat, wie bekommen wir das in den Griff. Er beschreibt das kurz und knapp wie folgt:
Mindful use of digital media means thinking about what we are doing, cultivating an ongoing inner inquiry into how we want to spend our time.
Und genau mitten in dieses Spannungsfeld werden meine Kollegen und ich unsere Studenten hinein werfen. Genau diese Art der differenzierten Betrachtung und die Reflektion der unmittelbaren, eigene Erfahrung, befähigt meiner Ansicht nach Menschen in Zukunft vernünftig aber vor allem selbstbestimmt mit den (neuen) Medien umzugehen. Ich freue mich schon sehr auf diesen (Ex)kurs.
Wie ist dein bisheriges Nutzerverhalten?
War dir das bisher bewusst?
Wenn ja, hast du mittlerweile etwas verändert? Was, wieso und warum?
Ich freue mich auf deinen Kommentar.
Update:
Marco Ladermann fragt auf Google Plus: Wieso eigentlich Pawlow und klassische Konditionierung?
Und fügt hinzu:
Wenn, dann ist das eine operante Konditionierung [1], bei der die Ereignishäufigkeit auf das Signal zu reagieren und in das Soziale Netzwerk zu schauen, durch das, was da gelesen wird positiv verstärkt wird. Das erklärt auch viel besser, warum das Gebimmel nervt. In Soziale Netzwerke zu schauen kann auch anöden, besonders (siehe Premack-Prinzip [2]) wenn man gerade Wichtigeres zu tun hat.
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Instrumentelle_und_operante_Konditionierung
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Premack-Prinzip#Premack-Prinzip?
Artifizielle Intelligenz simuliert nicht das menschliche Hirn, denn niemand weiß, wie das funktioniert. Gewiss kann man ohne weiteres sagen, dass dort [im Gehirn] bestimmte Dinge errechnet werden; die Errechnungsmetapher würde ich durchaus zulassen. Sobald ich aber sage, in meinem Kopf sei eine Rechenmaschine, mache ich zweierlei: Erstens beziehe ich mich auf etwas, was ich kenne, nämlich die Rechenmaschine; und zweitens projiziere ich diese metaphorisch zurück auf etwas, was ich nicht kenne, nämlich mein Hirn.
aus „Warum sind Computer musikalisch, Herr von Foerster – Ein Interview mit Peter Bexte“
In seinem neuen Buch „Ego“ führt Frank Schirrmacher die krisenhaften Symptome der letzten Zeit auf die Geburt eines „Monsters“, dem „Zweiten“, eine mutierte Variante des „Homo Oeconomicus“ zurück, er schreibt:
Man hat ihn „Double“, „Dummy“, den „ökonomischen Agenten“, den „verdoppelten“ oder den „Gefälschten“ Menschen genannt. In diesem Buch nennen wir ihn „Nummer 2“. Weil er irgendwann anfing, für Nummer 1, den echten Menschen, zu denken und zu handeln.
Der Nährboden dieser Mutation ist ein Modell, man könnte fast sagen eine Ideologie, entsprungen aus der neoklassisch geprägten Ökonomie. Eine Denkgrundlage, die den Menschen, seine Handlungen und Gefühle zu berechenbaren, egoistisch motivierten Einheiten zusammenfasst und ihn somit als triviale, linear handelnde Maschinen stilisiert. Diese zuvor rein in der Wirtschaftswissenschaft beheimate Grundannahme, also der Mensch als rein egoistisch handelndes Wesen, ist nun als neues lebensbestimmendes Paradigma in alle gesellschaftliche Bereiche eingesickert.
Um zu verstehen warum das Bild der “trivialen Maschine” sich nur wenig eignet lohnt sich ein kurzer Ausflug in die Kybernetik. Dort wird eine „triviale Maschine“ als ein klar überschaubares System beschrieben. Eine Art linearer Schaltkreis. Drücke ich, als Bediener der Maschine, den Knopf A so kann ich mir sicher sein, dass am Ende immer das Ergebnis B rauskommt. Ich drücke den Lichtschalter in eine Richtung und am Ende werde es Licht. Das ist in der Tat trivial und deshalb nennt man diese linearen Systeme auch so.
Der Gegensatz zu diesem Modell ist die „nicht-triviale Maschine“, ein komplexes, undurchschaubares System, zum Beispiel eben auch der Mensch. Ich kann bei ihm zwar Knopf A drücken, indem ich zum Beispiel einen Satz formuliere oder ein anderes Signal gebe, aber ich weiß weder vorher zu 100% ob mein Gegenüber das so verstanden hat wie ich es meinte, noch was in seinem Kopf passiert – geschweige denn wie seine Reaktion darauf ausfällt und ob ich sie wiederum so verstehe wie sie gemeint war. Das was in der Verarbeitung, in der Interpretation, das was vermutlich in unseren Köpfen geschieht, bezeichnen die Kybernetiker gerne auch als „Black Box“, eine Art geheimnisvoller Kasten, bei dem man nicht sehen oder erfahren kann was genau darin vor sich geht.
Die Wissenschaft wiederum versucht diesem Kasten permanent auf die Spur zu kommen. So forscht die Neurobiologie eifrig daran wie die Substanz des Kastens funktioniert, also die Hardware und die Psychologie befasst sich eher mit der Software dieser Black Box, also unserem Seelenleben. Dieses bisher unlösbare Problem, also der alten Frage: “Was ist der Mensch?”, wird nun urplötzlich von der Wirtschaftswissenschaft als gelöst angenommen, nämlich indem sie behauptet, bzw. angibt zu wissen, dass der Mensch ein rein egoistisch handelndes Wesen ist und alle seine Handlungen und Gedanken auf diesen einen Leitsatz zurückzuführen ist. Man muss sich das mal vorstellen: Die Wirtschaftswissenschaft kommt daher und erklärt uns die gesamte Welt anhand dieses einen Modells. Das wäre ja nur halb so tragisch, wenn nicht plötzlich genau dieses ökonomische Modell (was schon innerhalb seiner Disziplin erhebliche Grenzen und Mängel aufzeigt) auf alle anderen Lebensbereichen wie selbstverständlich übertragen werden würde. Die Behauptung der Mensch sei ein rein egoistische handelndes Wesen und alle seine Spielzüge sind berechenbar wird somit zu einem gefährlichen Leitsatz, der immer mehr Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu erobern scheint.
Vielleicht mal ein ganz konkretes Beispiel, sozusagen aus dem Leben gegriffen: Waren Sie in den letzten Jahren mal in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung, die Sie irgendwie entsetzt hat? Ich schon und der Journalist Daniel Bröckerhoff, der das medizinische System in Deutschland in einer Reportage “Die Patientenfalle” für das ZDF skizziert hat, wohl auch. Er wollte damit die möglichen Folgen eines mittlerweile vollkommen durchökonomisierten gesellschaftlichen Bereiches aufzeigen. Der Patient wird durch das derzeitige Modell, basierend auf den „Homo Oeconomicus“, im deutschen Gesundheitssystem zu einem Fall mit einer Nummer abstrahiert. Jeder Fall wird mittlerweile ökonomisch pauschalisiert und genormt. Man nennt es Fallpauschale. Die Eigenheiten und unterschidlichen Bedürfnisse der Menschen wird entsprechend vernachlässigt und weggekürzt. Die Pflege, also ehemals einfach ein bestmöglicher Prozess der Genesung oder Linderung, wird nun dank ökonomischen Zahlenvorgaben in ein überenges Zeitkorsett geschnürt und somit völlig trivialisiert – mit zum Teil verheerenden Folgen für das gesamte System. So drohen bisher hoch altruistisch engagierte und motivierte Pflegekräfte (oder meinen Sie so viele Menschen arbeiten in diesem Bereich weil man da so gut verdient) zu frustrierten Fließband-Pflege-Robotern zu verkümmern. Zeit für ein paar freundliche Worte oder gar ein aufmunterndes Gespräch mit dem oftmals verängstigten und verunsicherten Patienten ist im straff durchökonomisierten Pflegeschema einfach nicht mehr vorgesehen und explizit ausgeschlossen. Wer sich nicht an die Regeln hält wird bestraft und unter Druck gesetzt. Der wirtschaftliche und zeitliche Druck wird am Ende so groß, dass der betreffende Mensch entweder anfängt zu tricksen oder der meist hilflose Patient beginnt die Auswirkungen am eigenen Leib zu erfahren. Nicht genügend Zeit mehr für die Hygiene, kein Geld mehr für anständiges Material, mittlerweile haben sich Krankenhäuser den ersten Teil ihres Namens redlich verdient. Ihre Wirtschaftlichkeit ist mittlerweile so eng getaktet, dass es nur um die direkten und schnellen Erfolge und Einsparungen geht, die langfristige, komplexe Genesung von einzelnen Menschen mit ihrer jeweiligen physischen und psychischen Konstitution, die langfristige Auswirkung auf uns als Gesellschaft oder die nachhaltige und komplexe Ökonomie spielen kaum noch eine Rolle.
Nun wieder zurück zum Modell, dem Paradigma, dem Auslöser der Misere. Dabei ist es denke ich sehr wichtig, dass uns eines glasklar wird: Das Bild, der Mensch sei eine triviale, berechenbare Maschine hat sich zu einem Welt-Bild manifestiert. Nicht der Gedanke der Mensch sei irgendwie berechenbar ist dabei das gefährliche, sondern vielmehr die mittlerweile geronnene und völlig normale, unhinterfragte Haltung „Der Mensch ist berechenbar und handelt grundsätzlich egoistisch“. Eine Annahme, die langsam aber sicher zu einer Art Naturgesetz, einem Dogma, mutiert ist. Hat man jedoch erst ein Dogma geschaffen, so schrumpft die Zahl derer, die das bezweifeln (dürfen). Hat man erst mal etwas in Stein gemeißelt wird eine spätere Korrektur ziemlich schwierig, wie auch jüngst die Finanzkrisen und das mangelhafte, radikale Umdenken andeuten. Man gibt vor aus der Krise gelernt zu haben, bekämpft aber weiterhin emsig die Symptome und nicht den Krankheitsherd.
Aus Dogmen können also auch Paradigmen entstehen. Also grundsätzliche Modelle, auf die jedes nachfolgende Denken und Wissen basiert. Eine Art Super-Mem – wenn man sich mit Memetik etwas intensiver beschäftigt. Um zu verstehen was ich genau meine und warum eine einfache Annahme, ein formulierter Gedanke eine ganze Welt prägen kann sei an der Stelle auf zwei große Paradigmen der Menschheitsgeschichte hingewiesen:
Die wohl zwei größten bekannten Beispiele sind das geozentrische Weltbild (Ptolemäus) – also die Welt steht im Mittelpunkt – und das heliozentrische Weltbild (Kopernikus) – die Sonne steht im Mittelpunkt. Mit dieser unterschiedlichen Ausgangslage sind natürlich auch alle darauf basierenden Folgegedanken von unterschiedlicher Ausprägung. Die Welt wäre heute vermutlich eine komplett andere, hielten wir immer noch am geozentrischen Weltbild fest. Somit war die kopernikanische Wende nicht unbedingt deshalb so hochspannend weil wir plötzlich eine neues naturwissenschaftliches Grundsystem zur Verfügung hatten oder es uns näher an die Wahrheit oder „das Gute“ geführt hat, sondern weil uns ganz einfach dadurch bewusst wurde, dass ein Paradigma existieren kann, es sich verschieben oder wechseln kann und damit eben nicht alles immer in Stein gemeißelt sein muss. Wir konstruieren uns unsere Welt auf Basis von grundsätzlichen Annahmen. Nehmen wir an oder schreiben wir sogar permanent zu der Mensch sei ein rationales, egoistisch handelndes Wesen, so werden wir irgendwann auch eine entsprechend gestaltete Welt vorfinden.?
Nun könnte man Schirrmachers Gedanken, die ja im Kern ja nicht neu sind, vorwerfen sie seien zahlen- oder technologiefeindlich. Doch ich glaube es geht ihm nicht darum die Technologie oder die Mathematik per se als etwas „böses“ zu stilisieren. Ich glaube niemand würde den Nutzen bezweifeln, den Zahlen und ihre maschinelle Weiterverarbeitung uns liefern könnten. Das ist auch gar nicht das Problem an der Sache. Des Pudels Kern ist doch viel mehr die Annahme, dass Maschinen uns irgendwann gleichen oder sie uns gar überlegen sind. Der Glaube Maschinen, gefüttert durch Zahlen, würden unsere Märkte besser bedienen können oder die Grundannahme das wir die Welt als Zahlenkonstrukt abbilden können, das wir die wundervolle Komplexität unseres Daseins mit einer simplen Spieltheorie simulieren könnten.
Natürlich können wir etwas berechnen was so aussieht wie der Mensch und seine Welt. Aber das IST NICHT der Mensch und seine Welt. Das ist ein wenig vergleichbar mit einem defekten Musikstück oder eine komprimierte Audiodatei. Die Bässe und Höhen sind weg, manche Tonsequenzen sind total verquirlt und trotzdem erkennen wir das Lied. Und doch offenbart es uns nicht wie das Lied wirklich IST, geschweige denn wie es entstanden ist, ob es unterschiedlich auf uns wirkt oder wie man künstlich ein folgendes Lied berechnet (da man es ja noch nicht einmal vollständig kennt). Das ist das was Heinz von Foerster meint, wenn er davon spricht, dass sich der Mensch nicht als Computer simulieren lässt. Ich weiß noch nicht einmal wie ich selbst wirklich bin, wie soll dann jemand anders annähernd wissen wie er mich zu simulieren hat.
Zum Abschluss vielleicht noch ein Ausblick auf die Frage wie man nun mit all dem umgeht? Dazu komm ich an diesem Ort des Beitrages nicht drum herum im Namen unserer Hochschule zu sprechen und natürlich auch im Namen vieler anderen Bildungseinrichtungen und Menschen, die sich längst, auch schon lange vor Schirrmachers Buch, vom Modell des „Homo Oeconomicus“ distanziert haben. Wir versuchen als Hochschule Management in der Tat ganz anders zu vermitteln als die neoklassischen Mitstreiter, oder wie es unser Präsident Michael Zerr weitaus treffender formuliert:
Wirtschaftliches Handeln ist eine Form des Handelns in einer Kultur, und zwar in Beziehung zu anderen, also eben nicht der autistische Ansatz – methodologischer Individualismus – sondern ein Ansatz, in dem Menschen immer schon in Beziehung stehen. Die Vertreter des klassischen Ansatzes Homo Oeconomicus haben da gar keinen Zugang dazu; sie sagen: Ja gut, der Einzelne für sich und der hat Eigentum. Dass aber Eigentum schon eine gesellschaftliche Zuordnung ist – nicht meine Beziehung zur Sache, sondern meine Beziehung zu DIR – indem ich nämlich anerkenne, dass dein Jackett dir gehört, heißt, dass ich es mir nicht nehme, dass ich anerkenne, in unserer Beziehung, dass es eher in deiner Sphäre nutzbar ist. Schon das setzt eine Beziehung voraus. Und zwar eine Beziehung, die kulturell geprägt ist: Ich muss erst mal verstehen, dass wir Dinge zuordnen, wie wir sie zuordnen und wie wir sie tauschen. Ich brauche Vertrauen, um tauschen zu können. Also lauter kulturell geprägte Dinge. Ich muss etwas verstehen über Beziehungen, über Macht, über Leidenschaft, über Raum, über Zeit… Ich muss verstehen, wie in einer Kultur Menschen miteinander agieren, um zu verstehen, wie sie auch in Bezug auf Wirtschaft untereinander agieren.
Insofern sehen wir wirtschaftliches Handeln – unternehmerisches Handeln, organisationales Handeln – immer als kulturell geprägt an, als EINE kulturelle Praxis, und Management als eine hochspezifische, artifizielle kulturelle Praktik. Das zeichnet den Ansatz dieser Hochschule aus. Das wollen wir uns anschauen. Und übrigens, in einem solchen Ansatz ist die Wirtschaft nicht etwas völlig eigengesetzliches, was aus der Kultur herausgelöst ist, und damit auch ein unethisches Etwas; Ethik wäre dann nur eine Randbedingung, die ich sozusagen von außen an das wirtschaftliche Handeln herantrage. Das wirtschaftliche Handeln per se ist Nutzenmaximierung und ich trage ethisches als Kalkül von außen heran. Oder als Sanktion, wie eine staatliche Rahmenordnung, innerhalb der sich etwas zu vollziehen hat, was aber eigengesetzlich – ethisch blind – und verantwortungslos sei. Nein: In unserer Auffassung ist das immer schon integraler Bestandteil wirtschaftlichen Handelns, weil wirtschaftliches Handeln eine kulturelle Praxis ist, Praktik ist. Insofern sind ethische Ansätze und Ansätze der Sinnstiftung Teil des ökonomischen Denkens in diesem Cultural Turn, den wir auf das Management oder auf die Wirtschaft anwenden.
Darin liegt für mich ein möglicher Teil der Lösung. Das Paradigma, Tag für Tag, immer und immer wieder zu hinterfragen. Zahlen und Maschinen sind hilfreich und wichtig, sie liefern einen Nutzen und bilden auch in der Tat Teile der Wirklichkeit ab, aber SIE SIND NICHT DIE WIRKLICHKEIT. Abstrakte Modell trennen uns von den unterschiedlichen und komplexen, unberechenbaren Wirklichkeiten der Menschen. Daher entsenden wir zum Beispiel ganz bewusst unsere Masterstudenten in andere soziale Lebenswirklichkeiten, von denen sie in ihrem späteren Leben und Wirken vielleicht eher komplett abgeschottet sind. Sie arbeiten während ihres Studiums für einige Wochen in einer sozialen Einrichtung, einem Obdachlosenheim oder einer Kinderkrippe. Genau das sind dann die Momente der wichtigen Erdung und des Perspektivenwechsels. Die Momente, in denen oftmals das Modell des „Homo Oeconomicus“ einfach in sich zusammenfällt, weil Menschen dadurch erst erkennen was sie sind: Komplexe, unterschiedliche Wesen mit unterschiedlichen Gefühlen und gegenseitigen Abhängigkeiten und Beziehungen, also all das, was eben nicht in eine Formel zu packen ist.
Unser Ziel als wirtschaftswissenschaftliche Hochschule ist es junge Menschen dabei zu helfen ihre individuelle Persönlichkeit, ihr Potential, bestmöglich zu entfalten und ihnen dabei zu helfen zu erkennen das ihre späteren und jetzigen Entscheidungen, in oftmals prinzipiell unentscheidbaren Momenten, immer auch ihre Auswirkungen auf alle anderen Menschen und Lebensbereiche haben wird (Ein Blick in unser Leitbild könnte sich da lohnen).
Auf den Punkt gebracht bedeutet das: Wir ziehen das Bild eines neugierigen, kreativen, vielschichtigen, multiperspektivisch denkenden Menschenverstandes grundsätzlich vor das abstrakte, simplifizierende Modell des „Homo Oeconomicus“. Erst wenn wir von einer anderen Grundannahme ausgehen, sie mindestens mal hinterfragend vermitteln, werden wir auch die Auswirkungen unseres Handelns irgendwann spürbar erkennen und verändern. Wir als kleine Hochschule können natürlich nur einen winzigen Teil dazu beitragen, aber wir sind stolz, dass wir damit seit Jahren erfolgreich gegen den Strom schwimmen und hoffentlich damit irgendwann die Welt ein kleines Stückchen anders gestalten.
Weitere Links zu dem Thema:
Gunnar Sohn: Die politisch naiven und gefährlichen Makroökonomen: Spieltheoretische Egomanen inkl. Interview mit Prof. Dr. Lutz Becker (Karlshochschule)
You have to be fast on your feet and adaptive or else a strategy is useless.
Charles de Gaulle
Der amerikanische Superbowl gilt neben der Löwenverleihung in Cannes als das letzte verbliebene Freudenfest der klassischen Werbebranche. Geschätzte 3,8 Mio Dollar müssen Marken für 30 Sekunden Sendezeit hinblättern (Die Produktion natürlich nicht eingerechnet). Die Unternehmen zahlten in den letzten Jahren überaus gerne, denn der Platz im Superbowl-Event ist nicht nur wegen den Einschaltquoten heiß begehrt, sondern vor allem wegen der kostenlosen Berichterstattung drumherum. Die Spots zum Superbowl wurden in den letzten Jahren immer mehr zum Kult. Möglich gemacht wurde diese Dynamik jedoch erst durch das Internet aka soziale Medien. Mit Youtube & Co konnte man die Spots erst dauerhaft archivieren und dem Publikum so zugänglich machen, dass man sie anschließend bequem per Blogs, Twitter, Facebook und Hastenichtgesehen an Freunde, Kollegen und dem restlichen Publikum weiterreichen oder gar in irgendwelchen platten Votings packen konnte. Mit den sozialen Medien ermöglichte man dem Publikum zum ersten Mal mit diesen bis dahin in starren Sendezeiten gepressten Werbebotschaften zu spielen und sorgte somit indirekt für deren Verbreitung über die einmalige Prime-Time-Werbepause hinaus. Gleichzeitig erkannten die Medien durch die sichtbare Messbarkeit der Abrufe und Verbreitung der Spots auch ein anscheinend vorhandenes Interesse beim Publikum, was sie wiederum dazu veranlasste verstärkt über die Werbespots selbst zu berichten. Der Kult war geboren, Madison Avenue ließ die Korken knallen und das alles geschah nicht zuletzt genau wegen der Ermöglichung einer Partizipation durch das Publikum – was Zug um Zug auch diverse Marken, zum Beispiel Doritos entsprechend mit Crowdsourcing-Aktionen, mittlerweile ausgebaut haben.
Vor einigen Tagen erreichte nun die partizipative Markenkommunikation beim Superbowl eine völlig neue Stufe: Twitter wurde am Supersunday sozusagen zum Superwatercooler, eine Art virtuelles Meta-Mega-Stadion, ein gigantisches digitales Lagerfeuer, an dem man sich während dem Spiel Menschen mit anderen Menschen über die Geschehnisse des Spiels und drumherum austauschten. Also im Grunde genau das was Budweiser einst vor einigen Jahren in ihrem Superbowl-Kult-Spot “Wazzzuuuupppp” aufzeigte: “Wazzup? Watching the game. Having a bud.” Nur dort eben noch per Telefon. Das alles wäre vermutlich belanglos untergegangen, wenn nicht zufällig für mehr als eine halbe Stunde der Strom ausgefallen wäre. Der “Blackout” wurde zum “Black Swan”, ein völlig unvorhersehbares Ereignis, das aber eben auch eindeutig offenbarte, wie Markenkommunikation im 21. Jahrhundert aussehen kann: So reagierten die Social Media Verantwortlichen von Oero, Calvin Klein und Tide blitzschnell und kreierten Botschaften auf Twitter, mit dem sie direkt auf den Stromausfall reagierten:
Power out? No problem. twitter.com/Oreo/status/29…
— Oreo Cookie (@Oreo) 4. Februar 2013
Since the lights are still out… vine.co/v/b1iiiiUz5uq #SB47
— Calvin Klein (@CalvinKlein) 4. Februar 2013
We can’t get your #blackout, but we can get your stains out. #SuperBowl #TidePower twitter.com/tide/status/29…
— Tide (@tide) 4. Februar 2013
Das werberische Resultat daraus: Oreo erzielte mit seiner kreativen Reaktion über 15.000 direkte Retweets und damit auch einen Sonderplatz in der medialen Berichterstattung. Am Ende überstrahlte diese eine Reaktion auf Twitter, also ein simples Produktbild und eine witzige Zeile Text, nahezu jeden Millionen-Spot zur besten Sendezeit – na, oder sagen wir sie konnten damit locker mithalten. Jedenfalls ging das Brimborium so weit, dass sich die Washington Post ernsthaft fragte: “Can Twitter replace the Super Bowl ad?”
Damit wären wir auch schon wieder bei “ROI und Social Media” – meinem Lieblingsthema. Nicht. Aber dieses Beispiel zeigt sehr schön, wie unberechenbar eine Social Media Strategie ist und dass es wesentlich wichtiger ist langfristig ein Netzwerk aufzubauen und zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit dem richtigen Mem, einer Geschichte, einem Service, einer Idee zu sein. Übersetzt bedeutet das: Ja, man sollte langfristig in Kommunikation und Beziehungsoflege über soziale Medien investieren um allein schon den entsprechenden Nährboden zu bereiten, um dann im richtigen Moment mit der richtigen Idee einfach präsent zu sein (Gilt auch für Krisen). Vorab berechenbar ist eher schlecht.
Selbst wenn man also nicht – wie ich es immer predige – auf langfristige persönliche Beziehungen durch Content und Kundenservice steht, weil da zu wenig Reichweite in kurzer Zeit rausspringt und zu viel Geld kostet, so sollte man sich nun vielleicht doch mal eingestehen, dass man dieses langfristig angelegte Netzwerk aus Menschen und gesprächen benötigt, um solchen prinzipiell unplanbaren schwarze Schwänen zu kommunikativ zu begegnen. Also Investition in Aufbau und Pflege einer Infrastruktur für emergente Kommunikation und natürlich gleichzeitig maximal zugewiesene Freiheit der Bediener der Kanäle, denn mit einer ellenlangen Abstimmungsschleife durch diverse Gremien braucht man gar nicht erst anfangen zu planen. Oder würden Sie sich mit jemanden entspannt auf einer Party unterhalten, wenn derjenige vor jeder geäußerten Antwort erstmal am Telefon Mama oder Papa fragen muss? Gute Social Media Strategie (oder generell Kommunikation) ist wie Jazz. Man muss zwar sicher sein, dass man gute Musiker an guten Instrumenten sitzen hat und die auch noch in bester Laune sind, aber das Spielen selbst muss man dann auch denen überlassen.
Oder noch einfacher: Um Teil einer Kultur zu werden muss man sich den Gegebenheiten einer Kultur auch anpassen.
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Herr Breitenbach und Doktor Köbel widmen sich in dieser Ausgabe dem Thema Erziehung: Was genau ist das eigentlich und brauchen wir das? Was ist gute Erziehung und kann man eigentlich nicht nicht erziehen?
SHOWNOTES – DANK AN http://shownot.es/ UND @1insider (Bitte flattrn!)
Erziehungswissenschaftler; “We don’t need no education”; Erziehung; und seine Abgrenzung zur Sozialisation; und dem Begriff der Entwicklung; Soziopod 028; Vergesellschaftung; Jürgen Habermas; Frankfurter Schule; Auf Wiki; “natürliche Identität”; impulsgesteuerte Kinder; Fachjargon: signalgebende Verhaltensweisen, siehe “Frühe Bindungen und Sozialisation, eine Einführung” von Christel Hopf;
Niklas Luhmann; Wolfskinder; Ernst Cassirer, neu Kantianischer Philosoph; Kontamination kann auch von innen kommen; Klaus Hurrelmann; Émile Durkheim;Durkheim “Sozialisation ist vor allem die Weitergabe von bürgerlichen Werten, Normen und Konventionen”; NK: “Kreative Menschen lieben ja nichts mehr als Einschränkungen, weil sie dann gefordert sind, die Einschränkung zu umgehen”; NK: “Sozialisation hört niemals auf”;
Erziehung ist intentionale Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche; Erziehung ist auch Manipulation; “Kann man überhaupt nicht nicht manipulieren?” Propaganda Podcast;deskriptive Erziehungswissenschaft; normative Erziehungswissenschaft; Befehlshaushalt zu Verhandlungshaushalt; pädagogische Anthropologie; Klaus Mollenhauer;Vergessene Zusammenhänge zwischen Kultur und Erziehung; Memetik; Christoph Wulf; Timm Thaler, der sein Lachen an den Teufel verkauft hat; Gibt es Menschen die nicht lachen können? Aufforderung an die Zuhörer: Kommentiert, wenn ihr die Antwort kennt.; Biologische Kodierung von Schreien und Weinen; Repräsentation mit Bildern statt Präsentation von realen Dingen; Filterung bzw. Abmildern der Realität; O. Comenius; Dreigliedriges Schulsystem in Deutschland; Helicopter-parenting; Extreme Einflussnahme von Schulen auf Familien; Sozipod 028; Desintegration von Hauptschülern; Normative Erziehung “wie soll man Kinder erziehen”; Pink Floyd “We don’t need no education”; ”Wer darf was, und wie?”; Anti-Autoritäre bzw Autoritär-kritische Erziehung); Homeschooling (in den USA); Richard David Prechts aktuelles Buch “Anna, die Schule und der liebe Gott: Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern; Frontalunterricht; Montessori-Schulen; Watzlawick: “man kann nicht nicht kommunizieren”; Nicht zu erziehen ist eigentlich sehr schädlich; Erziehungsproblem – “Wie soll man Erziehen angesichts dessen was Kinder sind?”; Kant; Automatismen und Musterübernahme; Kants Pädadgogik; Pädagogik Vorlesung; Über die Pädagogik; Alfred Petzelt; Winfried Böhm; “Personalistische Pädagogik”; Kein Mensch der Welt kann einem anderen Menschen Vernunft oder Freiheit einpflanzen; Erziehung unter Annahme des Kindes als Person; The Wall;
Francois Rebelais&Michel de Montagne: “Kinder sind keine Gefäße die gefüllt werden, sondern Feuer die entfacht werden”; Pawlowscher Hund; Watson “Gib mir einen Säugling, und ich entscheide ob es ein Bettler oder Arzt wird, denn die Summe der Lernerfahrungen ist seine Persönlichkeit”; Little-Albert-Experiment; Friseur Besuche;Clockwork Orange (klassische Konditionierung); Buch; Film; Jean Piaget:; Kinder sind von Anfang an aktiv; beeinflussend; selbstkonditionierend; Heinz von Foerster;”Alle Kinder haben den Wunsch ihre Denkstrukturen zu entfalten”; Laissez-faire Kultur; Entwicklungstheorie; Individualität im Schulsystem fehlt; Interview zur Nerdkultur; Gamification; PISA-Studie; Kindergeld; Betreuungsgeld; Komplex unangebrachter Schuldbegriff, Helikopter-Parenting; Neoliberalen-Motto “Jeder ist seines Glückes Schmied”; finnische Einstellung: Gesellschaft muss der Staat Regeln; Konsequenz: Wolfahrtsstaaten; Bildungssystem in Finnland; Interviewpodcast mit Finnin, u.a. mit Entsetzen über die Zustände im deutschen Schulwesen; Bildung als Wirtschaftsmotor; Forderung von High-Potentials; Behaviorismus; mit Erziehung kann man Menschen nicht herstellen; Peter Biri und sein Bildungsbegriff; schlechter Status von Lehrern in der Gesellschaft; geringe Bezahlung von Erziehern ist fatal; Kirchliche Träger und deren Lohndumping; Nachtrag: finnische Zustände; Numerus clausus;
Jesper Juul; Aufbewahrungsanstalten vs. therapeutisches Arbeiten; Dokumentationswahn in Psychatrien, pädagogische Arbeit kann nicht nachgekommen werden; Manfred Lütz: Irre – Wir behandeln die falschen: Unser Problem sind die Normalen – Eine heitere Seelenkunde;
Lebenslanges Lernen; Grunderziehung; Mentoring/Coaching; Soziopod Pubertät; Generationalität;
Soziopod 028 Extremismus; Shownotes; Flattr der Shownotes; Podcast Tipp: “Resonator” Forschungspodcast der Helmholtz-Gesellschaft; Holger Klein; WRINT;Grimme Online vote; Outro-Musik: “we don’t need no education” remix;
Herr Breitenbach und Doktor Köbel widmen sich in dieser Ausgabe dem Thema Rechtsextremismus: Was genau ist das eigentlich und wie entsteht er? Wie grenzt er sich vom Rechtspopulismus ab? Wie soll man dem allen begegnen?
SHOWNOTES – DANK AN http://shownot.es/ UND @1insider
Nominierte; Hörsuppe; Tim Pritlove; Holger Klein; Arte; Der Postillon; Bertolt Brecht; Walter Benjamin; von der Radiotheorie zur Podcasttheorie; Hörsuppe.de;Hoaxilla; CRE; CRE 196 Feminismus; Wrint; Wikigeeks;
Rechtsterrorismus (s.u.); NK: Was ist [die Wortherkunft von] Rechtsextremismus?; Politische Linke; Politische Rechte; Französische Revolution ab 1789; Französische Nationalversammlung; Politisches Spektrum; Sitzordnung im Parlament (Konstituante); Parteienspektrum (vereinfachende Modellbeispiele); Adel (Aristokraten, rechts sitzend); Bürgertum (Patrioten, links sitzend); Menschenbild; Sozialdarwinismus; Herrschaft; Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit; Entwicklungspsychologie Endogenistisch/Exogenistisch; Rasse(ntheorie); Karl Marx; Rechts-Konservatismus; Liberalismus; Hufeisenschema; Staat als Feind an beiden Enden des Spektrums; Nationalsozialismus; Symbolik (z.B. Krake, die die Welt umarmt); Antisemitismus; Aufruf zur Gewalt; Faschismus (urspr. in Italien zu Mussolini) prägend für den Rechtsextremismus; Chauvinismus (Glaube and die Überlegenheit der eigenen Gruppe); Nationalismus und) Sozialismus; Karl Marx “Proletarier aller Länder, vereinigt euch!”; Herrenrasse; Hitlers Weltanschauung (Fuchs und Gans…); Sozialistisches Kampflied “Hoch die internationale Solidarität”; Nationalistisches Kampflied “Hoch die nationale Solidarität”; White Pride / White Power als Ethnozentrismus; moderne Definition von Rechtsextremismus z.B. von Christel Hopf, Wulf Hopf “Familie, Persönlichkeit, Politik. Eine Einführung in die politische Sozialisation.”; Hildesheimer-Studie von Christel Hopf; Werner Fuchs-Heinritz Lexikon zur Soziologie; Parlamentarische Opposition;Machtergreifung 1933; Verfassungsschutz, aktuelle Problematik; NK: Wie es dazu kommt dass Menschen rechtsradikale Identitäten ausbilden;
Soziopod 020; Theodor W. Adorno; Studie zum Autoritären-Charakter; Soziopod 016; Siegmund Freuds Persönlichkeitstheorie; Autorität (in der Erziehung); PB: Warum werden Menschen _nicht_ rechts?; Kastensystem; Napoleon Bonaparte; La Terreur; Arabische Autokratien; moderner Faschismus; gescheiterte Märzrevolution 1848/49; Führerprinzip; Demokratie; Stufentheorie von Kohlberg; Neue Partei: Alternative für Deutschland; Bindungsforschung (Psychologie);Soziopod 013 Pubertät; Soziopod 008 Identitätsentwicklung; Theorien zur modernen Entstehung von Rechtsextremismus: Wilhelm Heitmeyer; Suhrkamp-Reihe “Deutsche Zustände”;
Ulrich Beck, Risikogesellschaft; Desintegration; Desintegration der Familie und dadurch Verunsicherung beim Kind (Micro); Desintegration durch Wegfall (oder Ausbleiben) der Arbeit (nach der Schule) und damit der Verlust von Teilhabe an der Gesellschaft (Meso); Werkssinn nach Erikson; Desintegration durch Gesamtgesellschaftliche Werte- und Normverluste (Makro), Wegfall von Riten und Tradition; Zugehörigkeit und Abgrenzung; Drittes Reich Trauma; Soziopod 014 Fussball; Gegengift Solidarität; Dilemmi der Piraten; Noch-Partei) NPD; NPD-Kameradschaft; Sinngebung durch Identitätsstiftung, Annerkennung und Herabsetzung anderer; Unterwanderung von Jugendgruppen durch NPD; Subkultur; Prägung durch Jugendmedien, Musik; Kurt Möller “Rechtsextremismus revisited; Was man weiß, was man pädagogisch tut”;
F21-Doku: Brauner Terror; Recherche, NSU —————–; Überhauptgarnix Blog; Beate Zschäpe; Video aus Ferienanlage mit Beate Zschäpe; Fehler bei den Ermittlungen zum NSU; der Verfassungsschutz (und seine Verwicklung); Hitlers “Mein Kampf”; Beauftragung eines Mediums; Aufstellen einer Fake-Dönerbude; Sprengstoffattentat in Köln (und Jena); Uwe Mundlos; Ralf Wohlleben; Gewaltmonopol (Strafverfolgung); Polizisten als türkische Privatdetektive; -; Rechtspopulismus (und seine Abgrenzung zum -Extremismus); Thilo Sarrazin (Rechtspopulist); Rechter Flügel in CDU und CSU; Norbert Geis; Soziopod 015 Karl Popper; ist die NPD in einer Demokratie tolerierbar?; Wehrhafte Demokratie; Weimarer Verfassung;
Norbert Geis (bez. Rechtspopulismus); Gregor Gysi (bez. Linksextremismus); Verbot der Kommunistischen Partei Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg; Film “Der Baader Meinhof Komplex”; Gudrun Ensslin; Ausstieg vom Diskurs; Popper “Lasst Ideen sterben, nicht Menschen” und seine Umkehr; Wiglaf Droste “Mit Nazis reden”;Wurzeln von Extremismus: Ausgrenzung und Suche nach Gemeinschaft; er-Generation; Differenzierung zwischen Person und deren Meinung; Aussteigerprogramme;Mein Kampf; Widerlegung anhand eigener Quellen; Berger Kognitive Kontamination (durch Erzeugung von -Dissonanz); Ideologien und Vorurteile Aufbrechen z.B. durch Jugendfreizeit im Ausland; Höchste Ausländerfeindlichkeit in Gebieten mit wenigen Ausländern;
NK: gespannte Beobachtung des Prozesses und der innen-ministrialen Entwicklung zum [künftigen] Kampf gegen Rechts; PB: Bedenken wegen Fixierung auf die Person Zschäpe; PB: Brauchen wir einen Geheimdienst; ist der Verfassungsschutz überflüssig?; PB: ist die Finanzierung von Funktionären wie V-Leuten sinnvoll?; Dialog besser als Ausgrenzung; NK: Dank an die Hörerschaft zur Nominierung des Grimme-Online-Awards; Kommentare sind erwünscht auf Soziopod.de; Verabschiedung;
Weitere Links passend zum Thema:
Friedrich Ebert Studie: Mitte im Umbruch
Herr Breitenbach und Doktor Köbel widmen sich in dieser Ausgabe den Begriffen “Macht” und “Herrschaft”: Wie wird Macht legitimiert? Können wir ohne Herrschaft leben? Sind die Menschen von Natur aus roh und müssen gezähmt werden oder sind wir gut und wir versauen uns nur gegenseitig? Mit welchen Memen und Geschichten wachsen wir auf? Sind all die Geschichten der Quellcode des Lebens? Brauchen die Sieger eigentlich die Verlierer um zu gewinnen? Und benötigen wir am Ende eine starke, alles ordnende Weltregierung? Fragen über Fragen.
Mit von der Partie ist natürlich wie immer Karl Popper in einer Nebenrolle. Ach ja und der Weber Max ist auch dabei.
Diese Episode war zugegebenermaßen eine schwere Geburt. Im ersten Anlauf gescheitert und fast wäre es gar nichts aus dem Thema geworden. Doch dann kam die zündende Idee. Einfach mal in der alten Schrift nachschlagen und nachlesen was es ursprünglich eigentlich mit dem Amt des Papstes auf sich hat und die soziologische Entdeckung die Herr Breitenbach und Doktor Köbel dort gemacht haben ist unheimlich interessant und womöglich eine enorme Erschütterung für die Instiution der katholischen Kirche. Etwas, das sie womöglich jetzt noch gar nicht so realisiert hat. Ist der Rücktritt des Papstes, des sogenannten heiligen Vaters, eigentlich noch von Rücktritten eines profanen Vorstandsvorsitzenden zu unterscheiden? Warum tritt ausgerechnet ein Papst zurück, der so konservierend zu einer Rückkehr zur Spiritualität und der Abwendung vom Weltlichen aufgefordert hat? Wie wirkt das nun auf die hierarchische Religionsgemeinschaft und die Marke “Katholische Kirche” aus? Besteht jetzt eine Chance auf Modernisierung – denn der Rücktritt ist ein symbolischer Dammbruch unvorstellbaren Ausmaßes, denn nun könnte man theoretisch auch das heilige Sakrament der Ehe in Frage stellen, ganz nach dem Motto: Ich kann hier einfach nicht mehr.
Doktor Köbel ist der deutschen Talkshows mehr als überdrüssig. Er findet beim Thema Sexismus und Feminismus wird der Ball mal wieder etwas zu flach gehalten. Also bittet er Herrn Breitenbach zur Diskussion in sein Frankfurter Domizil. Bei frisch aufgebrühtem Kaffee widmen wir uns u.a. folgenden Fragen: Was ist denn nun dran an dem Geschlechterkampf? Wie ist der Feminismus entstanden und wie sollte Mann ihm begegnen? Welche Rolle spiel Focault und seiner These rund um die Macht? Wird es am Ende wieder Popper richten? Zwei Männer reden über Feminismus. Ob das was geworden ist? Höret selbst und kommentieret fleißig.
Mindmap von Sven Sönnichsen:
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Ringvorlesung Uni Marburg “Wissen, Macht, Geschlecht” im Rahmen des Studienprogramms “Gender Studies und feministische Zukunftsforschung”
CRE 196 – Feminismus mit Katrin Rönicke
Geschlechterdilemma = Machtdilemma? Blogbeitrag von Herrn Breitenbach
Herr Breitenbach isst seit zwei Wochen kein Fleisch mehr. Ein Experiment. Er dürfte nun fachlich korrekt zu den Ovo-Lacto-Vegetarieren zählen. Anlass war ein Schweineschlachtungsvideo von seiner Schwester aufgenommen auf den Philippinen und der aktuelle Fleischatlas 2013, den er auf die Vorbereitung zur Sendung gelesen hat. Doktor Köbel erklärt zum Einstieg noch mal den Moralbegriff und dann wagen sich die beiden an das heikle Thema Fleischkonsum und vor allem die damit zusammenhängende Fleischindustrie. Wie halten wir heute Tiere zur Fleischgewinnung? Welche Auswirkungen hat das auf uns und unsere Umwelt? Dürfen wir überhaupt Tiere essen? Die Antwort liefert mal wieder der liebe Heinz und natürlich eine vorausgehende intensive Diskussion zu diesem Thema. Wer nun aber moralische Standpauken oder mikrofundamentalistische Haltungen in die eine oder andere Richtung erwartet, wird leider enttäuscht sein. Wie immer hat es der Hörer selbst in der Hand. Die beiden Diskutanten versuchen lediglich ein paar gangbare Haltungen aufzuzeigen.
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Der Fleischatlas 2013
Hans Joas: Die Sakralität der Person
Soziopod zu Fundamentalismus
Soziopod zu Calvinismus
Charles Taylors “Hypergoods” Begriff
Medizinischer Kongress zur Untersuchung von fleischloser Ernährung mit Vorträgen
Herr Breitenbach beschwerte sich bei Doktor Köbel über diesen sperrigen Titel und füllte gleich mal ein propagandistisches Füllwort ein, während der Doktor ein wenig Bammel vor der Folge hatte. Erstaunlicherweise ist das Thema allerdings weniger sperrig verlaufen, denn in dieser Ausgabe geht es wirklich um die Wurst, also um alles. Ja Sie haben richtig gelesen: Um alles. Denn ohne den Subjektbegriff würden wir es heute vermutlich noch völlig normal finden Menschen als Ketzer zu verbrennen oder wären auch gar nicht in der Lage putzige Katzenbilder über unsere Smartphones zu verschicken. Mit der kopernikanischen Wende trat der Mensch nämlich in ein völlig neues Zeitalter. Und welche Rolle Kant, die olle Spaßbremse, dabei spielte und warum Herr Breitenbach immer wieder mit Memen und Genen rumfuchtelt, erfahren Sie in dieser brandneuen Ausgabe des Soziopods.
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Subjektivismus bei Wikipedia
Charles Taylor (WP)
Charles Taylor: Ein säkuläres Zeitalter
René Descartes (WP) und sein “Cogito Ergo Sum” (WP)
Richard Dawkins: Das egoistische Gen
Susan Blackmore: Die Macht der Meme
Karl Jaspers (WP)
Die Neujahrsepisode ist eher chaotisch. Herr Breitenbach und Doktor Köbel lassen das erste Jahr Soziopod Revue passieren, beantworten einige Hörerfragen und geraten irgendwann ins ausgiebige philosophieren. Sie sprechen über “Big Data”, den Piraten, der verschulten Bildung, Europa und der fehlenden Supergeschichte der Aufklärung, den Menschenrechten und die Situation in Ägypten, über Demokratie und darüber was Gott am Ende sein könnte oder eben auch nicht.
Wie man hört sprechen die beiden also tatsächlich diesmal über Gott und die Welt.
Wir wünschen allen Hörern ein gesundes, erfolg- und bildungsreiches Jahr 2013! Schreibt Geschichte!
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In der neuen Ausgabe versucht Herr Breitenbach mit einem kleinen Crashkurs in Sachen Propaganda zu beginnen. Wie ist der Begriff einzuordnen, wann fand er das erste Mal Anwendung? Über die Geschichte geht es dann hurtig zur Gegenwart und dem Propagandamodell von Noam Chomsky und Edward S. Herman, welches die permanent stattfindende Propaganda der Medien systemisch versucht zu beschreiben. Das wiederum führt Herrn Breitenbach und Doktor Köbel zu der Frage, ob das ganze Leben nicht eigentlich aus Propaganda besteht, wenn man von dem Begriff ausgeht, dass man bestimmte Ideen und Überzeugungen an Menschen verbreiten möchte, zumal es ja keine letztgültige beweisbare Wahrheit laut Popper und Konstruktivisten gibt. Mündet alles in Vertrauen und der Gewinnung von Vertrauen? Kann und muss man sich vor Propaganda schützen und gibt es auch Propaganda für den guten Zweck? Wo ist der Graben zwischen Idealismus und Pragmatismus?
Links zur Sendung:
Klaus Merten: Die Konstruktion von Macht durch Kommunikation – am Beispiel von Propaganda
Das philosophische Radio mit Harald Wasser über Rhetorik
Edward Bernays: Propaganda (PDF der englischen Originalausgabe)
Edward S. Herman and Noam Chomsky: Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media
Youtube Vortrag: Noam Chomsky – The Political Economy of the Mass Media – Part 1
Edward Bernays Audiofeature: And everybody is happy!
Youtube: BBC: The Century Of The Self
Diesmal sprechen Herr Breitenbach und Doktor Köbel über die Frankfurter Schule und ihre prägenden Ikonen. Mit dem Marx/Freud Mashup der kritischen Theorie wollten Adorno, Horkheimer & Co die Macht verflüssigen und sie gingen der Frage nach: Wie konnte Hitler eigentlich geschehen? Als die beiden dann mit ihrer “negativen Dialektik” in einer Art philosophischen Burnout gefallen zu sein schienen, betrat der Schüler Habermas in schillernder Rüstung die Bühne und entrümpelte das Frankfurter Institut mit seiner Theorie des kommunikativen Handelns. Interessante Randnotiz: Walter Benjamin war der Urvater des Audio-Podcasts. Und das Schlusswort übernimmt Herr Hegel.
Links zur Sendung (wird ggf. ergänzt):
Institut für Sozialforschung Frankfurt
Kritische Theorie
Negative Dialektik
Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug
Theodor W. Adorno
Max Horkheimer
Jürgen Habermas (WP)
Erich Fromm
Herbert Marcuse
Walter Benjamin
Axel Honneth
Fragen an den Autor: Erich Fromm über Destruktivität
WR121 Liebesgrüße aus Lauers Büro (Ortsgespräch)
Soziopod Freud
Soziopod Marx
Soziopod Fundamentalismus
Soziopod Bildung
Diesmal sprechen Herr Breitenbach und Doktor Köbel über den Lieblings-Ismus von Herrn Breitenbach: Den Konstruktivismus. In der Episode diskutieren die beiden über Wahrheit, Realität und Wirklichkeit und stellen so nebenbei die wichtigen Elemente und Persönlichkeiten des Konstruktivismus und der Kybernetik vor. Und natürlich spielen auch wieder der gute alte Kant und Karl Popper eine sehr wichtige Rolle. Am Ende steigt sogar Karl Popper gegen Heinz von Foerster in den metaphysischen Ring.
Links zur Sendung:
Intro: Heinz von Foerster aus “Das Netz” von Lutz Dammbeck
Der blinde Fleck inkl. Selbsttest
Outro: Rio Reiser – Alles Lüge
Wie Ludwig Wittgenstein Karl Popper mit dem Feuerhaken drohte
Die Sache mit Goethe und Fichte
Literaturtipps:
Monika Broecker, Heinz von Foerster: Teil der Welt – Fraktale einer Ethik
Paul Watzlawick (Hrg.): Die erfundene Wirklichkeit
Ernst von Glasersfeld: Zwischen den Sprachen (Hörbuch)
Heinz von Foerster, Bernhard Pörksen: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners
Norbert Wiener: Kybernetik. Regelung und Nachrichtenübertragung in Lebewesen und Maschine
Jean Piaget: Einführung in die genetische Erkenntnistheorie
Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus: Logisch-philosophische Abhandlung
In der aktuellen Ausgabe des Soziopods vor der Sommerpause (daher kann es sein, dass einige Kommentare erst nach 2 Wochen freigeschaltet werden können) debattieren Doktor Köbel und Herr Breitenbach emsig über Karl Marx und seine Kernaussagen. Die anfänglich geplante ausführliche Abhandlung zu Marx hat sich dann wohl eher zu einem verbalen Schlagabtausch verwandelt. Doktor Köbel nahm dabei die Rolle des Marxisten ein und Herr Breitenbach versuchte mit pragmatischen, kleinen – aber kapitalistisch verseuchten Ideen die Welt ein bißchen besser zu machen. Spätestens aber nachdem Doktor Köbel seinen Adorno-Pfeil schoss, verlor Herr Breitenbach endgültig die Contenance – jedenfalls für seine Verhältnisse.
Wie immer sind auch alle Hörer herzlich eingeladen sich an den Gedankenaustausch aktiv in den Kommentaren zu beteiligen.
Weitere Links zur Sendung (folgen nach der Sommerpause):
Intro: Fanny van Dannen: Kapitalismus
Wilhelm Weischedel: Die Philosophische Hintertreppe
WhyOwn.It? Startup dass den Verleih von Produkten unter Freunden organisieren will
Der Trend rund um Re-Commerce
H&M Produktion in Bangladesh (Monitor ARD)
Vortrag Klaus M. Leisinger: Corporate Responsibility in Zeiten der Globalisierung
Soziopod zu Calvinismus
Adorno: “Es gibt kein richtiges Leben im falschen”
Outro: Monty Python: Money Song
In dieser Ausgabe des Soziopods sprechen Herr Breitenbach und Doktor Köbel über die derzeitige Kontroverse rund um das Thema “religiöse Beschneidung”. Wir sprechen in erster Linie darüber, wie man mit dem Dilemma als Gesellschaft umgehen sollte und rufen zur Popperianischen Wachsamkeit auf.
Wie immer sind wir gespannt auf eure Ergänzungen in den Kommentaren, vor allem sind jetzt mal die Juristen unter euch gefragt.
Links zur Sendung (weitere Links folgen):
Intro: Gerhard Polt: Toleranz
Kampf der Ideologien – (M)eine Interpretation zur Beschneidungsdebatte
In dieser Ausgabe des Soziopods plaudern Herr Breitenbach und Doktor Köbel über den Urvater der Psychoanalyse, Sigmund Freud. Wir sprechen über seine Modelle, wie er zahlreiche Begriffe in unseren heutigen Alltag geschmuggelt hat und befassen uns mit Ödipus und dem saisonalen Geschlechtsverhalten paarungsbereiter Rehe.
Wie immer sind wir gespannt auf eure Ergänzungen in den Kommentaren, vor allem sind jetzt mal die Biologen unter euch gefragt.
Links zur Sendung (weitere Links folgen):
Micha Brumlik: Sigmund Freud – Der Denker des 20. Jahrhunderts
Sigmund Freud: Die Traumdeutung
Der Soziologe Ulrich Oevermann
Endlich ist sie da, die lang erwartete Karl Popper Episode. Das Soziopod-Team spricht über einen der Lieblingsphilosophen von Doktor Köbel und Herr Breitenbach versucht ihn aus seiner unbedarft kindlich-naiven Sicht zu analysieren und zum Teil zu kritisieren. Was hat Popper ausgemacht, wofür stand er ein und war er am Ende gar ein Troll der Sozialwissenschaft?
Unser Hörer Sven Sönnichsen hat mal wieder eine formidable Mindmap zu dieser Episode angefertigt:
Links zur Sendung:
Ausschnitte aus “Karl Popper: Kritik und Vernunft” erschienen im Hörbuchverlag
Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde – Band 1: Platons Zauber
Fußballphilosophie vom Feinsten. Herr Breitenbach und Doktor Köbel sprechen im Anschluss nach dem Deutschland/Niederlande EM-Spiel über das Massen-Phänomen Fußball und die Angst vor einem neuen negativen Nationalismus.
Weitere Links folgen
Aktion Autofahnenabriss in Berlin als Protest gegen Nationalismus
Interview mit einigen Fahnenabreisser
Frankfurter Schule
Die Bewegung der Antideutschen
Flaggenhistorie Deutschland
Political Regime Characteristics and Transitions, 1800-2010
Habermas: Verfassungspatriotismus
Alexander (Film von Oliver Stone)
Brand Eins: “Die ewig Treuen” – Artikel über die Ultra-Szene insbesondere Hansa Rostock
Émile Durkheim
Martin Heidegger
Theodor W. Adorno
Nachtrag:
Studie zur Fußballweltmeisterschaft: Fußballtaumel und Fremdenfeindlichkeit
In der neuen Ausgabe des anstrengendsten Podcasts Deutschlands sprechen Herr Breitenbach und Doktor Köbel über “Die Jugend und die Pubertät”. Was sind die Phasen der Kindheitsentwicklung? Was macht Pubertät aus, wozu ist sie da? Wie können Eltern und Lehrer damit umgehen?
Links zur Sendung (werden noch ergänzt)
Intro: Die Toten Hosen / Gerhard Polt: Pubertät (Willi)
Erik H. Erikson und sein Stufenmodell
Bayern2 Tagesgespräch mit Allan Guggenbühl zu Pubertät
Allan Guggenbühl: Pubertät – Ächt ätzend: Gelassen durch die schwierigen Jahre
Micha Brumlik (Herausgeber) u.a.: Das Elternbuch
In der neuen Ausgabe des anstrengendsten Podcasts Deutschlands sprechen Herr Breitenbach und Doktor Köbel über “Das Böse” und wie es in unterschiedlichen Kulturen definiert wird. Was sagen die großen Geister Kant, Hobbes und Rousseau dazu? Und was meint eigentlich der Zoologe Konrad Lorenz dazu und gibt es am Ende ein Happy End?
Links zur Sendung (wird noch ergänzt)
Intro: Klein Einstein: Gott ist nicht böse!
Thomas Hobbes und der Leviathan
SR2 Fragen an den Autor – Konrad Lorenz: Das sogenannte Böse
Tomas Sedlacek: Die Öknonomie von Gut und Böse
Das Böse im Judentum und im Christentum
Der Daoismus, die Vereinbarung von Gut und Böse
In der neuen Ausgabe des anstrengendsten Podcasts Deutschlands sprechen Herr Breitenbach und Doktor Köbel über “Arbeit” und wie sie im Kapitalismus verstanden wird. Was sagen die großen Geister Max Weber und Karl Marx dazu? Wird alles besser oder schlechter? Wie kann man heute die Mißständes des Kapitalismus lösen? Was ist mit dem utopischen Ausblick auf das bedingungslose Grundeinkommen und einer möglichen Robotergesellschaft, getreu dem Motto: “Die Cyborgs machen in Zukunft die Drecksarbeit und wir die Podcasts”
Links zur Sendung:
Die Kritik bei “Ohrenbluten” hat gefruchtet: Wir haben neues Jingle zusammen gefrickelt, indem wir auch einfach die Stimmen der Kritiker selbst mit eingebaut haben. Das habt ihr jetzt davon!
Hans Söllner: Endlich eine Arbeit!
Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
Über “Max Weber” im philosophischen Radio
Podcast: SR2 Kulturradio – Fragen an den Autor: Wo Marx Recht hat.
Émile Durkheim: Über soziale Arbeitsteilung
George Orwell: Animal Farm (hier der Zeichentrickfilm)
Götz Werner: Das bedingungslose Grundeinkommen
Den eigenen Roboter ausdrucken
Richard Sennet: “Die Kultur des neuen Kapitalismus” und “Der flexible Mensch”
Herr Breitenbach und Doktor Köbel sprechen über Fundamentalismus und Extremismus. Was zeichnet Extremismus aus? Welche Funktion hat der Fundamentalismus? Gibt es Mikro-Fundamantalismus? Kann sich Extremismus verstecken? Wieviel Religion steckt in einer Ideologie? Und was würde eigentlich der gute alte Karl Popper dazu sagen?
Links zur Sendung:
- folgt -
Wir sprechen über den Bundespräsidentschaftskandidaten Joachim Gauck, die Debatte rund um seine Person und die eigenen Beobachtungen von Patrick während der medialen Kaskade rund um die Gauck-Debatte kurz nach seiner zweiten Kandidatur. Wir haben uns große Mühe gegeben möglichst viele Perspektiven zu betrachten, haben sicherlich einiges vergessen zu besprechen, z.B. Kirchenvertreter im Amt, Wikileaks etc. pp. und hoffen trotzdem eine einigermaßen ausgewogene Darstellung des Themas hinbekommen zu haben. Ansonsten gilt wie immer Kant: “Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen”.
“Das Wichtigste ist, allen jenen großen Propheten zu misstrauen, die eine Patentlösung in der Tasche haben und euch sagen: Wenn ihr mir nur volle Gewalt gebt, dann werde ich euch in den Himmel führen. Die Antwort darauf ist: Wir geben niemandem volle Gewalt über uns. Wir wollen, dass die Gewalt auf ein Minimum reduziert wird. Gewalt ist selbst von Übel, und wir können nicht ein Übel mit einem anderen Übel austreiben.”
Sir Karl Raimund Popper
Links zur Sendung:
Intro: Bundespräsident Heinrich Lübke über Fisch
Gauck in der Filterbubble oder wie wir lernten den Kontext zu ignorieren (erste Rechercheschritte zu Gaucks Aussagen in den Medien)
Sascha Lobo auf SPON: Gauck und die stille Post im Netz
Pressekonferenz zur Ernennung Gaucks
Spiegelfechter: Kandidat der Herzen? Ein Theologe der Herzlosigkeit
SPON-Artikel: Gauck nennt Proteste “unsäglich albern”
Gauck im Interview zu seiner Occupy-Aussage
Tagesspiegel zu Gauck und Sarrazin
Gauck attestiert Sarrazin “Mut” – vollständiges Interview in SZ
Telepolis: Gauck gegen Wikileaks und für Vorratsdatenspeicherung
Podiumsdiskussion “Europa im Diskurs” mit Rolf Tophoven, Joachim Gauck, Hans-Christian Ströbele und Otto Schily unter anderem zur Vorratsdatenspeicherung: Teil 1, Teil 2, Teil 3
Wikipedia zu Vorratsdatenspeicherung
Anatol Stefanowitsch mit unpolemischer Kritik an der Kritik: Sprachblog: Der “böse Gauck” und das Netz
Konstruktivismus und mediale Prozesse: Die Debatte Gauck – Anlass zur Medienreflektion
Wikipedia zu: Depublikation und Rundfunkstaatsvertrag
Propublica.org – Beispiel aus den USA für alternativen Stiftungsbasierten Journalismus (Wikipedia)
Debatten-Online-Magazin The European, als weiteres mögliches Beispiel für eine mediale Wandlung in Deutschland
Soziopod #007: Wulff – Macht Medien Moral
Leidet die Partei “Die Linke” unter dem “Label Approach”, dem Etikettierungsansatz? und ist Ihr Protest, dass sie nicht gefragt wurden berechtigt?
Interview mit Joachim Gaucks Biografen
Wikipedia: Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen
Kritik von Peter-Michael Diestel (CDU), ehemaliger DDR-Innenminister auf freitag.de und seine Vorwürfe zur Stasivergangenheit von Gauck
Außergerichtliche Einigung zwischen Gauck und Diestel
Der Westen: Gerüchte zu Stasi-Vergangenheit von Joachim Gauck sind haltlos
Lafontaine wirft Gauck DDR-Privilegien vor
TAZ Kommentar: Endlose Vergangenheit der Linkspartei
Frankfurter Rundschau: Im Griff der Vergangenheit
ZEIT: Das Kandidaten Casting der Linken ist albern
Die Linke setzt auf Nazi-Jägerin Klarsfeld
Adorno und Horkheimer als Vertreter des linken Spektrums mit gleichzeitiger Abgrenzung zum Totalitarismus
Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde
Nachruf Spiegel zu Karl Popper
Gauck im Interview zu seiner Occupy-Aussage
SozioPod #003: Protestkultur 2.0 – Aufklärung, Kritik oder Selbstjustiz?
Porträt: Joachim Gauck – Freiheit als Lebensthema
Gauck: Freiheit – Ein Plädoyer
Friedrich Schorlemmer: “Gauck muss von Gerechtigkeit sprechen”
SPON: Wir brauchen keinen Großprediger! – Debattenbeitrag zum Amt des Bundespräsidenten
Herr Breitenbach und Doktor Köbel sprechen über die große Frage nach der eigenen Identität und Persönlichkeit. Was kann man tun um sein Ich zu managen? Warum sind Identitäten im Netz, in Spielen, im Theater und in der Werbung so attraktiv? Gibt es eine feste Identität und was ist eigentlich real und was fiktiv? Und wo beginnt die Abnormalität?
Links zur Sendung:
Matrix Dialog zwischen Agent Smith und Cypher
Heiner Keup: Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne
Wikipedia: Identität
WOW-Werbung Shatner
“Tod durch Onlinespiel?” SPON
“Junkies im Monsterrausch” SPON
Aggressive Neuronen
eXistenZ der Film
Avatar – Der Film
Surrogates, der Film
Wikipedia: Memetik
Axl Rose
Herr Breitenbach und Doktor Köbel sprechen über die nicht enden wollende Causa Wulff und der Frage welche Rolle Macht, Medien und Moral in der Angelegenheit spielen. Wir reden ausführlich über die Rolle der Medien, die Rolle des Amtes und welche moralischen Anforderungen damit zusammenhängen.
Intro WDR5 Politikum – Der AB von Diekmann
Wikipedia: Stufentheorie des moralischen Verhaltens
Neil Postman: Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie
Herr Breitenbach und Doktor Köbel sprechen über Kant, dem kategorischen Imperativ und die Ereignisse im vergangenen Jahr auf die man die Theorie ganz praktisch anwenden kann. Was würde Kant zu Guttenberg sagen? War der Atomausstieg nach Fukushima “vernünftig”?
Diese Ausgabe lief zum ersten Mal live auf http://moepmoep.org, daher gab es immer wieder Fragen und Anregungen aus dem Hörerchat. Leider gab es in der Pause eine technische Störung, so dass wir zu spät wieder auf unseren Aufnahmeknopf gedrückt haben und somit fehlt eine große Passage im Jahresrückblick (Arabischer Frühling, die Attentate von Norwegen, Gaddafi etc.) Wir bitten um Entschuldigung. Falls jemand die Live-Sendung zufällig mit aufgezeichnet hat, so wäre es super, dass wir das ggf. noch nachträglich reinschneiden können. Teile der Preshow haben wir ebenfalls weggeschnitten.
Intro “Gerhard Polt: Im Buchladen”
Die nächste Ausgabe ist ebenfalls schon geplant und sie findet voraussichtlich im Zuge einer Feldforschung statt. Wir werden uns mit dem Thema “Hackerethik” beschäftigen.
Herr Breitenbach und Doktor Köbel sprechen über “Religion – Sehnsucht nach dem Letzten oder einfach nur Budenzauber?”
Wie definiert man Religion? Wie grenzt es sich zu Spiritualität ab? Wie wahrhaftig ist Religion, welchen Zweck verfolgt sie? Wie anfällig ist Religion für Macht? Warum ist Religion für den Menschen so attraktiv und was für einen Einfluss hat das Internet auf die Religion?
Intro: Faust (Gründgens Inszenierung), gesprochen von Will Quadflieg
Hans Joas: Braucht der Mensch Religion?
Religion im Netz: Google als modernes Sprachrohr Gottes
Doktorarbeit von Nils Köbel zum Thema “Jugend – Identität – Kirche: Eine erzähltheoretische Rekonstruktion kirchlicher Orientierung im Jugendalter”
Religionen im Internet auf FR Online
Religion im Internet, Folien der Seminararbeit von Stefan Weber und Klaus Lohmann
Die beliebteste Mutter Gottes auf Facebook
Generell sehr gutes Blog zu Religionswissenschaft der Uni Bremen und Uni Heidelberg
Zitierte Denker: Peter L. Berger, Paul Ricœur, Dietrich Bonnhoefer
Heinz von Foerster bzgl. Realität und die Konkurrenz von verschiedenen Geschichten.
Herr Breitenbach und Doktor Köbel sprechen über “Gewalt – Was steckt eigentlich wirklich hinter “Killerspielen” und “Cybermobbing”"
Wie definiert man Gewalt? Wie entsteht Gewalt? Führen “Killerspiele” zu mehr Gewalt oder kanalisieren sie Gewalt? Wie entsteht Mobbing und welche Dynamik erhält Cybermobbing? Gibt es Wege aus der Gewalt?
Aussschnitt aus Klaus Kinski “Jesus Erlöser”
Podcast WDR5 Philosophisches Radio mit Jan-Philipp Reemtsma zum Thema Vertrauen und Gewalt
Theorie der Gewalt: Hässliche Wirklichkeit (Artikel von Reemtsma in der Süddeutschen)
Jan-Philipp Reemtsma: Vertrauen und Gewalt
Ausschreitungen während Occupy-Protesten
Ferdinand Sutterlüty: Gewaltkarrieren (Interviews mit gewalttätigen Jugendlichen)
Kleine Machiavellisten (Spiegel Online Artikel zu Mobbing)
Herr Breitenbach und Doktor Köbel sprechen über “Protestkultur 2.0 – Aufklärung, Kritik oder Selbstjustiz?”
Wie definiert man Protest, gibt es einen Zusammenhang zur Philosophie und inwieweit hat das Internet Einfluss auf die heutige Protestkultur?
Die kritische Theorie (Frankfurter Schule)
Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug
Sixt – Ein Unternehmen missbraucht die Demonstrationsfreiheit
Walter Benjamins Rundfunkarbeit
Internetpräsenz Occupy Frankfurt
Occupy the Internet, Occupy Breitband, Occupy Everywhere – Breitband-Sendung von DRadio Kultur
DRadio-Sendung: Occupy the world – Aufstand der Empörten
Das Anonymous-Kollektiv (Hacktivisten)
Anonymous sprengt Kinderporno-Ring
Anonymous Hacker im Krieg gegen mexikanisches Drogenkartell
Das Internet als Organisationswerkzeug von Protesten
Überwachung der Überwacher: Beispiel “Freiheit statt Angst Demo”
Herr Breitenbach und Doktor Köbel diskutieren über das Thema “Bildung – Was muss passieren damit Wissen zu Bildung wird?”
Was ist Bildung? Was ist der Unterschied zwischen Faktenwissen und Bildungsprozessen? Welche Rolle spielt die Wikipedia? Und was können wir generell tun, damit das Internet zu einem sinnvollen Bildungswerkzeug wird?
Links zur Sendung:
Tolle Mindmap zur Sendung von Sven Sönnichsen:
Peter Birie: Wie wäre es gebildet zu sein Peter Biries Bildungsbegriff.
“Amerika berauscht sich an brachialen Erziehungstipps” Amy Chua und ihr Schlachtgesang als Tigermama. Der Anfang vom Ende der Bildung.
Volker Kauder im Interview: Das Internet als dunkler Ort.
Vortrag von Salman Khan: Let’s use video to reinvent education (Das ist der Hedgefondsmanager von dem ich dir erzählt habe. Sehr spannend. Auf alle Fälle ganz gucken, nicht nur spulen)
Neuer Geschichtsunterricht bei Khan Academy (Das ist ein neues Projekt von diesem oben genannten Khan)
Bildungsbegriff unseres Hörers “Muskowski”
Herr Breitenbach und Doktor Köbel diskutieren über das Thema “The day after privacy – Was passiert eigentlich wenn alle alles über alle wissen?”
Was ist Post Privacy? Können wir dem Schicksal einer gläsernen Gesellschaft überhaupt noch entgehen? Wie können wir den Umgang mit der Thematik gestalten und welche Rolle sollte die Politik und die Bildung in Zukunft übernehmen?
Links zur Sendung:
Nackt im Netz – Ein Audio-Dossier des bayrischen Rundfunks
Eine schöne Linksammlung um sich den Überblick über die gesamte “Post Privacy” Debatte zu verschaffen.
Defintion Post Privacy von mspro auf ctrl+verlust
Interview mit dem Philosophen Byung-Chul Han in der Brand Eins über die Notwendigkeit von Geheimnissen
Olaf Kolbrück: “Für ein vergessliches Web”
Der Cicero über die Illusion der totalen Transparenz
Jeff Jarvis neues Buch: Private Parts
The beauty world without privacy
Sascha Lobo: Facebook ist nur ein Symptom
Post Privacy my Ass – Von der Utopie des perfekten Filters
Karl Poppers “Offene Gesellschaft”
Arendt und die Privatsphäre von Julia Schramm
the network, a headless tail bei wirres.net
Politology Podcast – Über Datenschutz, Post-Privacy und die Spackeria
Der Juckeldiduckel-Datenschutz des Staates: Ablenkungsmanöver statt Gesetzestreue #Staatstrojaner
Das Internet sollte nicht lernen zu vergessen, wir sollten lernen zu verzeihen.
Der amerikanische Journalist Jeff Jarvis veröffentlicht seine Krebskrankheit.
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Posts
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Bei Werbern sehe ich ja noch ein, wenn sie Unsinn verzapfen, aber dass ein Kunde wie Hyundai diesen Spot wirklich hat produzieren lassen lässt mich einfach nur am gesunden Menschenverstand zweifeln. So sehr dieser Spot auch für Aufregung sorgen mag, er wird am Ende einfach nicht mehr Autos verkaufen. So ist das also aus menschlicher wie ökonomischer Sicht ein Desaster.
Hier drüben habe ich mal ein wenig über Konsum nachgedacht, was er uns bedeutet und welche Mechanik vielleicht dahinter steckt. Das wäre gut zu wissen, wenn man ihn in irgendeiner Form beeinflussen möchte. Konsum ist Kommunikation ist Imitation.
Du kaufst.
Du bist.
Ich sehe.
Ich kaufe.
Ich werde.
Wie du!
“Boots Electric” ist das Soloprojekt von “Eagles of Death Metal” Frontmann Jesse Hughes. Es kommt locker flockig daher und tummelt sich eher in elektronischen Gefilden.
Vor kurzem schoss mir folgender Gedanke durch den Kopf, der mal wieder geschwängert war mit allerlei Vorratsdatenspeicherung, gläserner Zukunft und einer Welt voller freiwilig übertragender Sensoren.
Wenn wir eine Infrastruktur der Überwachung erschaffen, habe ich weniger Angst vor DEM Überwachungsstaat, als vielmehr vor ein paar kriminellen Soziopathen, die diese Infrastruktur irgendwann anzapfen und für ihre Zwecke mißbrauchen können. Das ist weder völlig neu noch abwegig. Wollte nur mal wieder raus. Manchmal vergisst man ja in welcher Welt wir leben.
Für Amir Kassaei sind Menschen mit Burnout vermutlich einfach nur Luschen. Schlaf ist was für Verlierer und Freizeit was für Amateure.
Was mich am jüngsten Interview mit Amir Kassaei (Kreativchef DDB) wirklich viel mehr nervt als die prahlerische Lästerei eines Vollblutwerbers über seine eigene Branche - der mittlerweile übrigens genug Geld verdient haben dürfte um jederzeit risikolos aus diesem schmutzigen und inhaltslosen Gewerbe aussteigen zu können- ist das Rollenbild des leistungsstarken Workaholic das er da so stolz und alternativlos in die Welt hinausbrüllt.
Wer steif und fest behauptet es besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen zeitlicher Präsenz im Office und Produktivität und Kreativität, der ist m.E. ein Workaholic, der auf Suche nach Co-Abhängigen ist um seine eigene Sucht zu legitimieren. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn es nicht zig andere Menschen in unmittelbarer Umgebung berühren und bedrohen würde. Als Führungskraft, gerade in einer Branche die Kreativität und Produktivität liefern muss, ist so eine Haltung pures Gift für eine Unternehmenskultur. Amir Kassaei führt den Schwund an Nachwuchs einzig und allein auf die turbokapitalistische Inhaltsleere von Werbung zurück, dass er selbst und seine unmittelbare Kultur, vollkommen durchdrungen ist vom Mem der bedingungslosen Leistung und einer Kommunikationskultur des Zynismus scheint ihm weniger bewusst zu sein.
Chronische Phase: Der Süchtige übernimmt immer mehr Aufgaben, belastet sich mit allem, was es zu tun gibt. In seinem Perfektionismus hält er sich stets für die ideale Person für die Bearbeitung. Das gesamte Privatleben hat keine Bedeutung mehr. Schwere Depressionen, Angstzustände und Herz-Kreislauf-Störungen können auftreten.
Ja, man kann einen Rennwagen eine Zeit lang im roten Bereich fahren. Nur irgendwann ist er halt im Arsch. Gut, man kann sich dann hinstellen und sagen: Hey, ihr seid alles Luschen. Ihr seid nicht so hart, nicht so stark und nicht ernsthaft genug. So wie ich. Seht her. Ich sitze 18 Stunden im Büro und ich muss einfliegen, wenn ihr es wieder nicht gebacken kriegt. Was sendet der Mann da an seinen Nachwuchs aus? Das ist ja tragischer als ein Familienunternehmer der mit 90 Jahren sein Geschäft nicht an die folgenden Generationen abgeben kann, weil er einfach kein Vertrauen hat und sich selbst völlig überschätzt.
Und am Ende. Wenn dann der große Mann doch am Boden liegt?
Endphase: Krankhafte Folgeerscheinungen treten auf. Es kommt zu einem massiven Knick in der Leistungsfähigkeit. Workaholics gehen oft schon Mitte 50 in Rente oder sterben sehr früh.
Nun dann wird er vermutlich wieder durch die Talkshows tingeln. Mit einem neuen Buch vielleicht, nach der großen Auszeit. Dem Sabbatical. Und dann wird er wieder missionieren und kritisieren. Wie die eigene Branche ihn kaputt gemacht hat und innerlich aussaugte. Immer stets im Glauben man selbst habe mit der ganzen Sache überhaupt nichts zu tun gehabt und man nach wie vor der einzige Mensch auf Erden ist der weiß was richtig ist.
Ich verstehe es nicht. Ich verstehe die Kampagne “Vorsicht Buch” einfach nicht. Was will sie mir sagen? Was soll ich nun genau tun? Was will man von mir als Empfänger der Botschaft?
Ich habe den “Börsenverein des deutschen Buchhandels” immer als Interessenvertreter des deutschen Buchhandels verstanden und nicht unbedingt als Interessensvertreter des Mediums Buch. Ich habe auch in letzter Zeit den Eindruck der deutsche Buchhandel hat gerade wirklich mit ganz anderen Problemen zu kämpfen als mit einer mangelnden Kauffreude des Publikums oder einem fehlenden Bewusstsein für die Wichtigkeit von Büchern. Das Problem ist doch momentan eher das drohende Sterben der kleinen und mittelständischen Buchläden. Die Dominanz des amerikanischen E-Commerce-Riesen Amazon, der u.a. mit seinem E-Book-Reader, ersten aggressiven Selfpublishing-Ansätzen und etlichen anderen überzeugenden Servicequalitäten - Shitstorms zum Trotz - langsam aber sicher das Feld von hinten überrollt und nicht nur kurzfristig den deutschen Buchhandel, sondern auch gleich, zum Teil auch durch heftige Konditionen, das gesamte Verlagsgeschäft in die Bredouille bringt. Das wurde nun seit vielen Jahren einfach verpennt und nun soll es eine Plakatkampagne richten?
Ich frage also noch einmal: Wieso gibt man 3 Mio Euro für eine Werbekampagne aus, die einzig und allein darauf abzielt mehr Bücher zu lesen und zu kaufen, während man damit indirekt - sofern die platte Werbebotschaft funktioniert - auch gleichzeitig noch mehr Kunden auf Amazon befördert und somit das eigentliche Problem nicht nur ignoriert sondern unter Umständen sogar noch vergrößert? Denn wieso sollte ich als Konsument woanders kaufen? Das hat mir die Kampagne bisher als Otto-Normalverbraucher noch nicht so plausibel erklärt.
Brille -> Fielmann. Buch -> Amazon.
Wieso stärkt man also nicht viel direkter die kleinen und großen Buchhändler? Wieso verwendet man nicht das Geld um eine gute digitale Vertriebsplattform aufzubauen, die Amazon zumindestens im Bereich des Buchhandels das Wasser reichen könnte? Und sollte es schon solche Plattformen geben, warum fokussiert man sich nicht auf dessen “Bewerbung”? Wieso investiert man dieses Geld nicht in die strategische Ausrichtung und Neukonzeption der kleinen Buchhändler, also der konsequenten Entwicklung und Ausarbeitung der noch möglichen Differenzierungsmerkmale gegenüber Amazon? Wieso steckt man es nicht in einen neuen E-Book-Reader und implementiert den Ansatz auch vernünftig zu Ende. Von mir aus auch einfach nur ein Appell an das schlechte Gewissen doch lieber wieder beim geschulten Buchhändler nebenan zu kaufen und etwas fürs eigene Karma tun.
Aber “Vorsicht Buch!”?
Sorry. Ich verstehe es einfach nicht.
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Posts
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Auf der re:publica 2013 hat Patrick Breitenbach ein paar Menschen und ihre netzkulturellen Geschichten eingefangen. Die kleine Spezialreihe geht weiter mit Wibke Ladwig, Kommunikationsberaterin, Buchbranchenkennerein, “Social Web Ranger” und “Miss BookFair”. In diesem Podcast erzählt Wibke über ihren Vortrag “Decoding the book – Was ist ein Buch?”, also was ein Buch eigentlich ist und wie sich die Rolle des Buches entwickelt. Wir sprechen natürlich auch über den Buchhandel, die Verlagswelt und ihre Zukunft – und zwar direkt aus der “Keimzelle”.
Links zur Sendung:
Wibkes Vortragsfolien zu “Decoding a book – Was ist ein Buch?”
Buchladen Nippes Neusser Straße in Köln
Buchpreisbindung
BuchCamp 2013
Yarnbombing, Social Commerce und die Craftistas: Wie das Internet Crafting und Crafting unsere Gesellschaft verändert
Kampagne “Vorsicht Buch!”
Aktion “Indiebookday” vom Mairisch Verlag
“Blogger schenken Lesefreude” Aktion
AKEP Jahrestagung u.a. mit Uwe Lübbermann
Nach seinem inspirierenden Gastvortrag an unserer Karlshochschule im Modul “Strategisches Management” hat sich Uwe Lübbermann von Premium Cola noch den Fragen von Patrick Breitenbach gestellt. Sie sprechen über den mehr als ungewöhnlichen Ansatz eines fairen Wirtschaftens und nehmen sich so manche Mythen aus den Klassikerwerken der BWL vor.
Fazit: Man kann Wirtschaft auch ganz anders denken als es oftmals gelehrt wird und 11 Jahre Premium Cola in kollektiver Führung zeigen das sehr schön.
Passende Links zur Sendung:
Antimengenrabatt
Walter Wüllenweber: Die Asozialen
Anderer Podcast mit Uwe: Wrint.de
Auf der re:publica 2013 hat Patrick Breitenbach ein paar Menschen und ihre netzkulturellen Geschichten eingefangen. Die kleine Spezialreihe geht weiter mit Jens Scholz, digitaler Veteran, Blogger, IT-Berater und bekennender Nerd. In diesem Podcast erzählt er ausführlich über die Nerdkultur, also was sind Nerds und welche Eigenschaften zeichnen sie aus. Jens berichtet über die traumatischen Erfahrungen von Nerds, wie sie ticken und warum ihnen die Inklusion doch oftmals so schwer fällt. Außerdem werden die Piraten, ihre Diskussionskultur, Post-Gender und das aktuelle Thema “Netzneutralität” beleuchtet.
Links zur Sendung:
Auf der re:publica 2013 hat Patrick Breitenbach ein paar Menschen und ihre netzkulturellen Geschichten eingefangen. Die kleine Spezialreihe geht weiter mit Djure Meinen aka 50hz, (Netz)Kommunikationsberater und ehrenamtlicher Beauftragter von “Liquid Friesland”, das erste und bisher weltweit einzige digitale Bürgerbeteiligungsprojekt. In diesem Podcast erzählt er ausführlich über das Projekt, die dahinterstehende Software “Liquid Feedback”, die bisherigen Erfahrungen damit, die Herausforderungen und mögliche Skalier- und Kopierbarkeit auf andere Kommunen und Gebiete.
Passende Links zur Sendung:
Über “Liquid Friesland” in der Zeit
Auf der re:publica 2013 hat Patrick Breitenbach ein paar Menschen und ihre netzkulturellen Geschichten eingefangen. Die kleine Spezialreihe beginnt mit Daniel Bröckerhoff, einem TV-Journalisten (Zapp, Klub Konkret) der neuen digitalen Generation, der mit seinem “Open Journalism” Format “St_ry – Deine Doku” völlig neue Wege beschreitet. In diesem Podcast erzählt er ausführlich über das Projekt, die Zukunft des Journalismus und des Medienmanagements, die Depublikationsregelung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, seine Erfahrung mit “Breaking News”, was er von “Corporate Journalism” und Formaten wie “Buzz-Feed” hält. Am Ende verrät er uns noch was seiner Meinung nach Journalisten und/oder Medienmanager von morgen können sollten.
Links passend zur Sendung:
Unterstützt, verfolgt und gestaltet Daniels Projekt “St_ry – Deine Doku” hier und hier
Daniels Vortrag auf der re:publica13
Boston: Die dunkle Seite der Mitmachkultur
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BuzzFeed und der heilige Gral der Online-News: Die Mem-Maschine für Aufmerksamkeit
Zu Gast ist Markus Beckdedahl von netzpolitik.org und Digitale Gesellschaft e.V., der über den aktuellen Stand der Netzneutralitätsdebatte, angeschürt durch die Drosselungsvorhaben der deutschen Telekom, berichtet. In dem Gespräch erklärt er was es mit dieser Netzneutralität eigentlich auf sich hat, warum sie so wichtig ist und wieso nun jeder Verbraucher von den Plänen der deutschen Telekom betroffen sein wird. Er gibt außerdem Tipps wie man sich an der Debatte beteiligen kann und welche Lösungsszenarien es nun gibt. Außerdem gibt er einen interessanten Einblick in die Aktivitäten von Lobbyisten.
Zu Gast ist erneut Karl-Heinz Thielmann. Er blickt auf eine über 20-jährige Erfahrung als Länderanalyst des europäischen Raumes zurück und lehrt “Globale Ökonomie” und “Mikro- und Makro Ökonomie” bei uns an der Karlshochschule. Mit ihm habe ich diesmal über die Eurokrise gesprochen. Warum haben wir den Euro überhaupt eingeführt? Warum gibt es derzeit diese Probleme? Wie kann man sie lösen?
Überblick zur Sendung:
02:20
Was ist eine Wirtschaftskrise, wie entsteht sie? Gibt es ein Muster? Wie oft oder selten sind Krisen?
04:40
Wie ist die Eurokrise entstanden?
06:50
Was war die Grundidee des Euros?
10:50
Was steckt hintert diesen Rettungsschirmen?
13:45
Länderkrisen im Einzelnen: Irland
16:05
Länderkrisen im Einzelnen: Spanien
24:00
Länderkrisen im Einzelnen: Zypern
Zypern durchbricht in der EU die stille staatliche Bankensicherung
31:15
Ist ein Ausstieg aus dem Euro oder die Aufspaltung in Nord-Süd-Euro sinnvoll?
35:50
Macht die Eurokrise wirklich alles kaputt?
38:50
Der Euro als Instrument zur Selbstdisziplinierung?
40:00
Lösungen für einzelne Länder mit einzelnen Voraussetzungen
42:10
Italiens neue Partei “Fünf Sterne” unter Beppe Grillo ist vielleicht weniger neu und absurd als vermutet
44:50
Die Probleme von Portugal und Griechenland
46:05
Warum Griechenland ein echtes eurowirtschaftliches Sorgenkind und benötigt eigentlich eine Art Marshall-Plan?
48:00
Die nachklingende Prägung der vergangenen südeuropäischen Diktaturen. Die Eurokrise ist mehr als eine Wirtschaftskrise, es ist eine Gesellschaftskrise.
49:55
Warum hassen “die Griechen” Angela Merkel?
53:50
Spaltung oder stärkeres Zusammenwachsen von Europa?
54:50
Frankreichs Haltung zu Europa – die richtige Richtung?
56:30
Verlauf einer Krise
60:00
Skandinavien, das völlig unterschätzte Vorbild im europäischen Raum?
64:00
Mythos Staatsschuldenfreiheit?
Einen ergänzenden Artikel zu diesem Podcast findet man hier.
Zu Gast ist diesmal Karl-Heinz Thielmann. Er war lange Jahre selbst Fondsmanager und lehrt “Globale Ökonomie” und “Mikro- und Makro Ökonomie” bei uns an der Karlshochschule. Ihn habe ich mal grundsätzlich zum Thema Investment Fonds ausgefragt und wie das ganze eigentlich genau abläuft, also auch welche Kultur eigentlich dahinter steckt. So sprechen wir auch über globale Zusammenhänge, den zwei grundlegenden Charakteren von Investoren, den Herdentrieb und wie man eine Währung zusammenbrechen lassen kann und ob und warum die Kosten bei Investment Fonds für den Verbraucher eigentlich versteckt sind bzw. was das Ganze mit dem Marketing zu tun hat.
Links zum Podcast:
Warum sind so viele Investmentfonds so schlecht? (Teil 1): Direkte Kosten
Der Gast dieser Ausgabe kann gar nicht näher an der Hochschule dran sein. Es handelt sich um den Präsidenten der Karlshochschule Prof. Dr. Michael Zerr. Ihn habe ich befragt zu seiner Vision bezüglich unserer Hochschule und was uns vielleicht von anderen Hochschulen unterscheidet. Wir sprechen über die Historie der Wirtschaftswissenschaft, einem neuen notwendigen ethischen Handeln in der Ökonomie, dem “Cultural Turn” in der Wirtschaftswissenschaft und welche Dinge unsere Hochschule konkret anders machen möchte, gerade auch in unserem neuen Masterstudiengang “Management”.
Zu Gast ist diesmal der Datenjournalist Marco Maas. Er arbeitet als Journalist und Medienberater u.a. für 4=1. Er unterrichtet Datenjournalismus an allen großen deutschen Journalistenschulen, gibt Seminare im In- und Ausland für Workflow-Optimierung und Social-Media-Strategien. Er hat mit zwei Partnern die Datenjournalismus-Agentur OpenDataCity gegründet, die nationale und internationale Preise gewonnen hat (u. a. Grimmepreis u. Online Journalism Award). Seine Spezialgebiete sind OpenData, Linked Data, digitale Workflow-Optimierung und Social-Media-Strategien für Medienhäuser.
Einige Fragen aus der Episode:
Was macht eigentlich ein Datenjournalist? Was genau ist dieses Big und Open Data? Was kann heute und morgen alles gemessen werden? Wie nutzte Obama & Co “Big Data” für den US-Wahlkampf? Welche ethischen Konsequenzen ergeben sich aus all dem?
Links zur Sendung folgen.
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Original Post from Raul Krauthausen:
Wow, Lili präsentiert in der Sendung +Elektrischer Reporter in der Kategorie 140 Sekunden www.Leidmedien.de von den +SOZIALHELDEN!
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