
Ich liebe Flatrates und “All You Can …” Angebote. Warum? Weil sie simpel sind und einem extremen Freiheitsraum lassen. Ich kann so viel von dem machen, was mir Spass macht und zahle dafür einen überschaubaren Festpreis. Ein festes Budget. Auf der anderen Seite erhält der Anbieter die Sicherheit, dass ich auch dann bezahle wenn ich nicht die ganze Zeit ununterbrochen dieses oder jenes tue. Auch er kann besser haushalten. Das Modell lässt sich - in meiner naiven Welt - theoretisch auf ALLES anwenden und man sollte es auch - ökonomisch gesehen - öfters mal wagen. Gerade im Zeitalter des Überangebotes und der vielfältigen Auswahl. Ich würde mir folgende Flatrates für alle Beteiligten dringend wünschen:
Musikflatrate - All you can hear
Ich stelle mir das so vor: Alle Musik der Welt wird auf EINER Plattform organisiert. Diese Plattform wird aus einer Stiftung/NPO heraus betrieben. (Von mir aus kann das auch die GEMA machen, die haben die größte Erfahrung in Punkteverteilung) Die Flatrategebühren landen demnach alle in einem großen Topf. Davon wird die Plattform betrieben, der weitaus größere Teil wird an die jeweiligen Künstler und dessen Management nach einem Punktesystem weitergereicht. Jeder Klick, jeder View, jeder “Hear” wird registriert, gespeichert und an den jeweiligen Künstler und dessen Managament in Form von Geld weitergereicht.
Ich wäre bereit für eine Flatrate, die mir jederzeit den Zugang zur gesamten Musik der Welt (also das was ich eh schon legal oder illegal momentan im Netz finde) garantiert, monatlich bis zu 40 EURO auszugeben. Gerne auch mit mindestens 24 Monate Laufzeit zur besseren Planungssicherheit. Ich will die Musik nämlich nicht besitzen, ich will sie lediglich hören - wann ich will, wo ich will und wie ich will. Meine 40 Euro monatlich entspricht in etwa der doppelten GEZ-Gebühr. Die Gesamteinnahmen der GEZ betrug beispielsweise 2009 satte 7,6 Mrd. Euro. Nochmal in Zahlen: 7.600.000.000 EURO!
Zum Vergleich: Der deutsche Gesamtumsatz der Musikindustrie betrug 2009 ca. 1,8 Mrd Euro. Eine Summe, die man prima aus einem Flatratetopf aufbringen könnte (nähme man den GEZ-Gebührentopf als Berechnungsgrundlage). Auch wäre die Summer der entgangenen Umsätze durch illegale Downloads mehr als kompensiert. Jedenfalls in meinem einfachen Denkmodell.
Filmflatrate - all you can see
Analog lässt sich das natürlich auch auf die Filmindustrie übertragen.Ich wäre bereit für eine Flatrate, die mir jederzeit alle Videos der Welt (also im gesamten Netz) garantiert, monatlich bis zu 40 EURO auszugeben. Gerne auch auf mindestens 24 Monate Laufzeit. Ich will die Filmprodukte nicht besitzen, ich will sie lediglich sehen - wann ich will, wo ich will und wie ich will. Nehmen wir wieder das GEZ-Beispiel, so hätten wir ca. 15 Mrd. Euro zur Verfügung, wenn wir 40 statt 20 EURO Gebühren zahlen würden.
Zum Vergleich, der deutsche Gesamtumsatz der Kinos betrug 2009 ca. 976,1 Mio. Euro. Dieses blieb unangetastet, da Kinos weiterhin einen Mehrwert bieten. Der deutsche Gesamtumsatz von DVDs lag 2009 bei 1,291 Milliarden Euro. Der von Pricewaterdingsbums geschätze Gesamtumsatz der deutschen Filmindustrie lag 2008 bei 2,4 Mrd. Euro.
Also würde auch die Filmindustrie von so einem Topf profitieren?
Journalismusflatrate - all you can get
Analog lässt sich das auch auf die Medienwelt übertragen.Ich wäre bereit für eine Flatrate, die mir jederzeit alle Berichte der Welt (also im gesamten Netz) garantiert, monatlich bis zu 40 EURO auszugeben. Gerne auch auf mindestens 24 Monate Laufzeit. Ich will die Beiträge nicht besitzen, ich will sie sehen - wann ich will, wo ich will und wie ich will. 7,6 Mrd. Wieder nehmen wir die doppelten GEZ-Erträge als Grundlage zur weiteren Überlegungen, also ca. 15 Mrd. Euro.
Der Gesamtumsatz der Zeitungsindustrie betrug in Deutschland 2009 ca. 8,46 Milliarden Euro. Lassen wir ein wenig das Papier weg (gut für unsere Wälder) oder besteuern es zusätzlich und beteiligen wir noch die gesamten Blogger und sonstigen Publizisten aus diesem Topf, ließe es sich damit doch wunderbar arbeiten, oder?
Bücherflatrate - all you can read
Analog lässt sich das auch auf die Buchindustrie übertragen. Ich wäre bereit für eine Flatrate, die mir jederzeit alle Bücher der Welt (also im gesamten Netz) garantiert, monatlich bis zu 40 EURO auszugeben. Gerne auch auf mindestens 24 Monate Laufzeit. Ich will die Bücher nicht besitzen, ich will sie lesen - wann ich will, wo ich will und wie ich will. Wieder nehmen wir die fiktiven 15 Mrd. doppelten GEZ-Einnahmen.
Der Gesamtumsatz des deutschen Buchhandels betrug 2009 ca. 9,7 Milliarden Euro. Auch das wäre also durchaus sinnvoll und machbar. Auch hier würde ich die Papierversion zusätzlich besteuern bzw. als Premiumangebote weiterhin anbieten, da somit wieder ein Besitz des Werkes möglich wäre.
Insgesamt käme ich dann auf einen monatlichen Betrag von 160,- Euro pro Haushalt (Eine Familie kann natürlich jeweils eine Flatrate gemeinsam nutzen) für das Thema Kultur. Zu viel? Zu wenig? Machbar oder nicht? Nun, da ich mir dadurch in Zukunft keinen Besitz von kulturellen Gütern mehr kaufen muss sondern lediglich für dessen Genuss bezahle, halte ich diese Summe für nicht all zu viel. Natürlich muss es subventionierte Staffelungen geben, die sich nach dem jeweiligen Einkommen richten. Jeder hat ein Recht auf Kultur.
Was würde passieren?
Man kann bei diesem Modell die Kulturprodukte nicht besitzen, man kann sie nur lesen, ansehen, anhören - so oft man will, wann man will, wie man will. Das Eigentum bleibt immer beim Urheber. Stirbt der Urheber, so werden seine Tantieme wieder in den Gesamttopf geworfen, für die Nachwuchskünstler. Der Urheber erhält die Einnahmen, die er aber natürlich auch an sein Management, Vertrieb etc. pp. weitergeben kann. Das Management kümmert sich um die Pflege der Fans, also dem Verkauf - wie bisher - nur dass man keine Zeit und Energie mehr in die Anti-Piraten-Kampagnen und Rechtsstreitigkeiten mehr stecken müsste. (Also bleibt auch die VErlagsstruktur weitgehend erhalten). Der Besitz von digitalem Kulturgut wird innerhalb dieses Modells komplett abgeschafft bzw. durch die Freigabe von allen Downloads überflüssig gemacht. Es spricht aber überhaupt nichts dagegen bestimmte Fanprodukte zu verkaufen, die dann auch in das Eigentum der Fans übergeht. Also DVD-Boxen, CDs, Merchandising, Bücher, gedruckte Zeitungen etc. pp. werden ganz normal weiterverkauft, aber vielleicht anders, vielleicht wertiger, verantwortungsvoller, schlichtweg ökonomischer.
Die direkte Vererbung von Tantiemen wird abgeschafft. Der Erlös aus Tantiemen von verstorbenen Künstlern fließt zu einem Teil direkt zurück in den Topf um präsente Künstler zu fördern. Der andere Teil geht an die Verwalter der Werke (Verlage). Alle noch laufenden Urheberrechte von Verstorbenen Künstlern bleiben auf Lebenszeit bei den jetzigen Urheberrechteinhabern. Danach wandern sie ebenfalls in den Pott oder unterliegen dem Verwaltungsmodell.
Mindesteinkommen und Ermäßigung
Unter einem bestimmten Mindesteinkommen wird die Flatratenutzung subventioniert. Kinder und Jugendlichen erhalten kostenlosen bis ermäßigten Zugang zu den Flatrates über das Elternhaus oder die jeweiligen Bildungseinrichtungen. Diese unterstehen der Aufsicht der Eltern oder des jeweiligen pädagogischen Personals. Die Eltern bestimmen ob Inhalte gesperrt werden oder nicht. Sie tragen auch die Verantwortung für den Konsum der entsprechenden Medieninhalte.
Keine Ahnung ob das wieder nur eine Milchmädchenrechnung von mir ist und ob ich wieder irgendwelche Hirngespinste aus dem Ärmel leihere. Aber irgendwie klingt diese “Wikipediasierung” für mich zu schön um wahr zu sein. Wenn wir bereit wären eine ordentliche Summe X pro Monat auszugeben (die wir ja eh für einige solcher Sachen investieren) könnten wir theoretisch der Kulturindustrie zu einem neuen Aufschwung verhelfen. Die einzigen die dagegen sein dürften sind die großen Verlage und Entertainmentgiganten. Sie meinen leider immer noch, dass ihnen jeweils ganz allein der größte Stück des Kuchens gehört. Sie sind der Ansicht, dass sie als Einzelkämpfer in Zukunft mehr verdienen würden, als mit diesem neuen Modell des Urheberrechts. Das ist extrem schade, denn für mich ist es offensichtlich, dass sich etwas tun muss und die Antwort kann nicht sein, den kostenfreien Konsum von Kulturgütern mit drakonischen Strafen zu belegen
Oder wo genau liegt mein Denkfehler? Ich freue mich auf eine lebhafte Diskussion!
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